Prince of Persia – Review

Getestet von | 27.04.2009 um 00:00 Uhr

Vor nicht ganz zwanzig Jahren hat ein junger Prinz das Licht der Videospiele-Welt entdeckt. Die Playstation war zu dieser Zeit allenfalls ein feuchter Traum im Hause Sony. Der bahnbrechende Erfolg begründete viele Fortsetzungen und kam auch an der Playstation 2 nicht vorbei. Nun bestreitet der Prince of Persia mit ursprünglichem Titel sein neuestes Abenteuer auf der Playstation 3. Unter der Federführung von Ubisoft erscheint dieser Teil in neuem Glanz. Ob die Fortsetzung auch zu neuem Ruhm führen und dem Prinzen im nächsten Jahr ein würdiges Jubiläum bescheren wird, erfahrt ihr von PS3INSIDE in dieser Review.

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Sesam öffne dich

Die Welt ist aus dem Gleichgewicht geraten. Ahriman, der Gott der Dunkelheit und Ormazd, der Gott des Lichts teilten sich das Reich seit tausenden von Jahren und sorgten für ein ausgewogenes Kräfteverhältnis. Doch der Dunkle Lord wurde machthungrig und schickte seine Krieger aus, um die Welt des Lichts zu unterjochen. Ormazd hoffte zuerst noch auf Frieden. Doch als der Gott der Dunkelheit die Stadt des Lichts bedrohte, musste er eingreifen und es kam zum Krieg. Zusammen mit den Ahura, den Wächtern des Lichts, stellte der Gott des Lichts dem dunklen Ahriman eine Falle und sperrte ihn in den Baum des Lebens ein. Geplagt von einem schlechten Gewissen aufgrund der Verwüstungen in seinem Reich, zog sich Ormazd dann zurück und verbannte sich selbst an den Sternenhimmel. Von da an war es Aufgabe der Ahura, den Baum des Lebens zu bewachen und Ahriman an der Flucht zu hindern. Die Ahura verloren aber mit der Zeit ihre Kräfte und Ahriman wittert jetzt seine Chance. Die Welt steht am Rande eines neuen Krieges und nur einer scheint auserwählt zu sein, diesen zu verhindern.

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Familienkrise

Der Hauptdarsteller verdankt seinen Titel nicht etwa Blauen Blutes. Der Prince of Persia ist ein gewöhnlicher Mann, immer auf der Suche nach dem Abenteuer, einer leichten Frau und dem schnellen Gold. Er hat die ganze Welt bereist und seine gewonnenen Schätze immer wieder durch viel Pech verloren. Er ist wieder einmal reich mit Gold beladen als ein Sandsturm ihm erneut einen Strich durch die Rechnung macht. Eine hübsche Frau kreuzt seinen Weg und das Schicksal nimmt die beiden in die Pflicht. Zusammen mit Elika, der Prinzessin eines kleinen Landes, macht der Prinz sich auf in ein Abenteuer voller Familientragödien, Trauer und Leid, in der Hoffnung, einen neuen Krieg zu verhindern. Die Geschichte ist von Anfang an bis zum Ende abwechslungsreich und mitreißend. Die vielen Dialoge zwischen den beiden Hauptdarstellern lassen den Spieler in ein zauberhaftes Märchen eintauchen und zusammen mit der neu animierten Spielwelt hat Ubisoft eine grandiose Atmosphäre rund um das neueste Abenteuer des Prinzen von Persien geschaffen. Oberste Aufgabe der zwei Helden ist es, die von Ahriman verfluchten Gebiete wieder zu befreien und fruchtbar zu machen. In der mehr oder weniger offenen Spielwelt geht es von einem Schauplatz zum nächsten, vorbei an vielen Untoten und den Boss-Gegnern, die dem Prinzen und seiner neuen Freundin das Leben schwer machen. Die Karte hilft bei der Orientierung und der magische Kompass der Prinzessin weist den Weg. Der Spieler wird so nur in Ausnahmefällen zur Benutzung der Karte gezwungen und nicht aus dem Spielfluss gerissen. Die Wege zwischen den Gebieten sind für den Durchschnittsmenschen kaum zu überwinden. Selbst Cheeta und seine Artgenossen hätten hier ihre Probleme. Aber es war schon immer wesentlicher Bestandteil der Serie, sich von Abhang zu Abhang zu hangeln und damit an die Grenze des physikalisch Möglichen zu gehen. Im neuesten Prince of Persia scheinen diese Grenzen endgültig überwunden zu sein. Sogar kopfüber an der Decke muss der Prinz sich bewegen, um die nächste sichere Plattform zu erreichen. Lady Croft hätte hier sicher schon längst entnervt aufgegeben.

Kopfüber in den nächsten Kampf

So rennt seine Hoheit an Wänden entlang, hangelt sich mithilfe von Ringen zum nächsten Absatz und springt an unzähligen Klippen empor, ganz wie man es bei Prince of Persia gewohnt ist. Neben der bereits erwähnten kopfüber Akrobatik ist auch der Krallenhandschuh erstmals mit dabei. Dieses neue Spielzeug hilft dem jungen Helden, sich gefahrlos und langsam an Wänden herabgleiten zu lassen. Die Kräfte von Elika sind zusätzlich sehr hilfreich. So kann durch Betätigung der Dreieckstaste ein normaler Sprung durch ihre magischen Kräfte verlängert werden. Auch in den Kämpfen sind verschiedene Combos zwischen brachialem Schwertkampf und Prinzessinnen-Zauber möglich. Die Steuerung bedarf einer gewissen Eingewöhnungszeit. Hat man den Dreh allerdings erst einmal raus, stellt sie keine wirkliche Herausforderung mehr dar. Lediglich die Kämpfe erfordern noch punktgenaues Blocken und Kontern. Die normalen Bewegungsabläufe sind dagegen kaum mehr der Rede wert. Allenfalls die teilweise unvorteilhafte Kameraführung verwehrt gelegentlich den Blick auf wichtige Haltepunkte und erschwert die Fortbewegung dadurch ein wenig. Unterschiedlichste Combo-Attacken sorgen für unzählige Kampfvariationen, die bei den Boss-Gegnern auch angewendet werden sollten. Ansonsten ist viel Schweiß vonnöten, um den Krieger oder die Konkubine in die Knie zu zwingen. Geht ein Sprung doch einmal ins Leere oder erliegt der Prinz den Kampffähigkeiten der Gegner, so hilft Elikas rettende Hand. Der Sand der Zeit gehört nicht mehr zum Spiel. Die magischen Fähigkeiten der Prinzessin bewahren den Prinzen jedoch vor dem Tod. Das gibt einen dicken Pluspunkt bei der Spielbarkeit, denn der Spielfluss wird auch hier nicht unterbrochen. Dieses Feature geht allerdings zu Lasten des Schwierigkeitsgrades. Auf einen Sturz mehr oder weniger kommt es nämlich nicht mehr an, wenn die hübsche Elika eh immer zur Stelle ist und den Hals des Prinzen rettet. Die Boss-Kämpfe sind gespickt von Kontern und Aktions-Einlagen, die eine gewisse Tasteneingabe oder schnelles Betätigen einzelner Buttons erfordern, um den Attacken der dunklen Krieger auszuweichen. Der Schwierigkeitsgrad ist bei den Kämpfen gut gewählt und macht es dem Spieler nicht zu leicht. Ist der Gegner endlich besiegt, kann Elika das verfluchte Land endlich heilen. Ihre Mühe wird mit Lichtkeimen belohnt, die es auf wieder unzähligen Wegen einzusammeln gilt. Der Ablauf des Abenteuers gestaltet sich also stets nach dem gleichen Schema. Verseuchtes Gebiet aufsuchen, Gegner besiegen und Lichtkeime sammeln. Diese Abfolge zieht sich als roter Faden durch das ganze Spiel und lässt dieses nach einer gewissen Zeit etwas farblos wirken. Die teilweise eingeworfenen Rätsel lassen Prince of Persia auch nur bedingt spannender erscheinen. Zum Glück ist da noch die tolle Geschichte, die uns ständig auf zu neuen Gebieten treibt.

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HD ade

Ubisoft betreibt mit Prince of Persia ein völlig neues Grafikkonzept. Im Cell-Shading-Stil tänzelt der Hauptdarsteller durch die Fantasiewelt. Die Spielgrafik ist sehr zeichnerisch, fast wie im Comic gehalten. In Zeiten des fotorealistischem Gameplay ist dies ein gewagtes Experiment der Entwickler. Dieser Stil passt aber zur Geschichte und sorgt zusätzlich für die insgesamt tolle Atmosphäre. Der neue Look steht der Story mehr, als alternativ eine Neuauflage der Assassins Creed Engine es getan hätte. Allenfalls die fehlende Weitsicht ist zu bemängeln. Der Blick über das Königreich ist in der Ferne stark vernebelt und verwehrt dadurch lohnenswerte Ausflüge zu Aussichtsplattformen. Die Grafiken wiederholen sich leider auch zu häufig. Die Ranken an den Wänden sehen überall gleich aus. Das gilt auch für Holzwände und Gebäudestile. Es stimmt schon, dass das Gesamtbild an eine Geschichte aus 1001 Nacht erinnert. Ein wenig mehr Einfallsreichtum an den unterschiedlichen Schauplätzen wäre dennoch wünschenswert gewesen und verwehrt der Grafik eine Topwertung. Der Sound reißt das jedoch wieder raus. Die Synchronisation ist erstklassig und die witzigen Sprüche des Prinzen untermalen sein Landstreicher-Image und zeigen die Klassenunterschiede zwischen ihm und der holden Elika auf. Die Hintergrundmusik sorgt ebenso für märchenhafte Atmosphäre wie die Zaubersprüche der Prinzessin. Das Spiel läuft jederzeit flüssig und technisch gibt es somit nichts zu bemängeln.

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Happy Birthday

Der Prinz kann seinem 20-jährigen Jubiläum im nächsten Jahr gelassen entgegen sehen. Ubisoft hat mit Prince of Persia eine gelungene Neuauflage des Pioniers aller Computerspiele auf Blu Ray gepresst. Die traumhafte Atmosphäre wird durch eine märchenhafte Geschichte mit witziger Synchronisation geschaffen. Der zeichnerische Grafikstil tut sein Übriges und lässt im Gesamtpaket leichte Defizite bei der spielerischen Abwechslung verschmerzen. Das Remake sorgt für stundenlangen Spielspaß in allen Dimensionen und lässt auf viele weitere Fortsetzungen hoffen.

Gutes

Vielseitige Geschichte
Tolle Atmosphäre
Geniale Synchronisation
Gelungenes Grafikexperiment

Schlechtes

Wenig Abwechslung
Teilweise unvorteilhafte Kameraführung

8.0 Sehr gut

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