Phineas und Ferb: Quer durch die 2. Dimension – Review

Getestet von | 22.10.2011 um 00:00 Uhr

Anfang September feierte der erste „Phineas und Ferb“-Film seine Premiere. Die Disney Channel-Produktion schaffte es mittlerweile auch bereits ins Free TV und der Kindersender lässt nicht locker – mit „Quer durch die 2. Dimension“ erschien für alle gängigen Konsolen das gleichnamige Videospiel. Ob sich nur Kinder mit auf die Mission der erfinderischen Brüder begeben sollten, oder ob auch ältere Fans der Serie ihren Spaß mit Perry dem Schnabeltier und all den anderen Charakteren haben können, erfahrt ihr in unserem Review!

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Quer durch die Dimensionen

Generell sollte „Phineas und Ferb: Quer durch die 2. Dimension“ lediglich Fans der Serie ansprechen. Alldiejenigen, die mit der Fernsehserie nichts am Hut haben, werden es wohl auch nicht in Betracht ziehen, sich das dazugehörige Videospiel zuzulegen. Nichtsdestotrotz ein paar Worte zur Zeichentrickproduktion aus dem Hause Disney. „Phineas und Ferb“ wird seit mittlerweile vier Jahren auf dem hauseigenen Disney Channel ausgestrahlt und hat sich mittlerweile einen Platz in den Herzen vieler Kinder – und auch Erwachsener – gesichert. Auszeichnen tun sich die Geschichten rund um die skurrilen Erfindungen der Brüder und die des Schnabeltiers Perry in geheimer Mission durch viel Humor. In dem Film, auf dessen Geschehnisse sich das Spiel lose bezieht, geht es im speziellen darum, dass Phineas und Ferb die geheime Identität ihres Schnabeltiers aufdecken und gemeinsam mit ihm in ein Paralleluniversum reisen.
Wie erwähnt basiert das Spiel auf dieser Hintergrundgeschichte. Ihr schlüpft in die Rolle einer der Protagonisten und müsst mit Hilfe eurer Freunde durch insgesamt sechs verschiedene Universen reisen, um in diesen genügend Energiequellen ausfindig zu machen und somit einen Weg zurück nach Hause zu finden. Von einer Kanalisation oder einer Zwergenwelt bis hin zur Roboterfabrik sind alle möglichen skurrile Schauplätze vertreten, die besonders kleinere Zocker begeistern werden. Deutlich ernüchternder fällt das Urteil bezüglich der Spielzeit aus. In wenigen Stunden hat man das Abenteuer durchgespielt und ein wirklicher Wiederspielreiz ist auch nicht vorhanden.

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Hüpfen, Fliegen, Prügeln!

Spielerisch sollte man ein nicht allzu hohes Niveau erwarten. „Phineas und Ferb: Quer durch die 2. Dimension“ ist eine Versoftung wie sie im Buche steht und versucht standardgemäß, sämtliche Elemente aus verschiedenen Genres zu vereinen. Im Grunde ist das Spiel ein Jump&Run – Action/Adventure-Mix und als solches mag es in vielen Situationen auch überzeugen. Die meiste Zeit lauft ihr als eine der Figuren – die zu jeder Zeit gewechselt werden kann – durch die Spielwelt und sucht nach Hüpf- und „Rätsel“-Passagen, die euch ein Weiterkommen ermöglichen. Gehindert werdet ihr dabei von einigen wenigen verschiedenen Gegnertypen. Dank dem Geschick der Brüder und ihren Drang zu Erfindungen bekommt der Spieler im Laufe der Geschichte Zugriff auf ein immer größer werdendes Repertoire an Gadgets und Waffen. Mit diesen darf er dann nach Belieben beispielsweise seine Gegner mit Baseballs abschießen, mit Limonade vollspritzen oder auch durch die Luft und auf andere Feinde werfen. Die Idee hinter den vielen verschiedenen Gadgets ist gut, schade ist aber, dass es im Kampf letztendlich kaum eine Rolle spielt, welche Waffe verwendet wird. Die Kämpfe sind derart simpel gestaltet, dass es vollkommen ausreicht, auf der Angriffstaste herum zu hämmern, ab und an eine elegante Nahkampf-Körperdrehung zu vollführen und dann nur gespannt darauf zu warten, wie die Gegner in sich zusammenfallen. Taktische Waffenwechsel müssen während des Kampfes nicht durchgeführt werden. Die KI passt dabei in das Gesamtbild: völlig passiv und unstrukturiert. „Phineas und Ferb“ ist ein Kinderspiel – aber auch Kinderspiele dürfen an einigen Stellen fordernd sein. Und wenn die Entwickler den kleinen Zockern keine Herausforderung zumuten wollten, dann wäre zumindest ein alternativer Schwierigkeitsgrad eine Option gewesen. So festigt sich in unseren Köpfen das Bild von einem vollkommen anspruchsvollen Prügeln.
Ansonsten macht „Phineas und Ferb“ einen soliden Eindruck, auch wenn es sonst spielerisch nicht wirklich anspruchsvoller gestaltet wurde. Bei den Hüpf-, Kletter-, oder auch Flugpassagen macht einen das aber relativ wenig aus. Im Grunde besteht das Spiel aus den genannten Lauf- und Kampfpassagen. Ab und an werden Phineas und seine Freunde aber auch anderweitig gefordert. So müssen sie hoch in der Luft über ihre Heimatstadt Danville fliegen, riesige Rutschen heruntergleiten oder verschiedene Fahreinlagen meistern. Das alles stellt eine nette Abwechslung dar und besonders Kinder werden ihren Spaß an diesen Spielelementen haben. Eure Gadgets benötigt ihr darüber hinaus auch noch für einige „Rätsel“ außerhalb der Kämpfe. So muss mit dem Antigravitationsstrahler beispielsweise ein schweres Objekt zurück an seinen korrekten Platz befördert werden. Die Lösung ist dabei immer offensichtlich und es wird auch deutlich gekennzeichnet, welches Gadget ihr wann benutzen müsst. Und sollte es dann doch etwas kniffliger werden, so steht Phineas immer sofort zur Verfügung und erklärt – auch ungefragt – blitzschnell die Lösung des Problems. Die Devise lautet – für ältere Spieler – also: Hirn aus, sorgenloser Spielspaß an. Die Zielgruppe des Spiels wird wohl aber dankbar für die vielen Hilfestellungen sein.

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Sammeln, Sammeln, Spielen!

Neben der Hauptstory gibt es auch abseits des Geschehens einige, wenige Sachen zu tun. Zum einen sind in jedem Level für gewöhnlich fünf goldene Münzen versteckt, die es zu finden gilt. Nach Abschluss des Levels können diese Münzen dann für je eine Partie in einem Minispiel seiner Wahl eingelöst werden. Die Auswahl beschränkt sich dabei auf mickrige zwei Spiele. Zum einen kann der Spieler sein Glück bei einem virtuellen Greifer versuchen. In dem gläsernen Kasten liegen verschiedene Behälter, die jeweils immer eine neue Überraschung beinhalten. Meistens handelt es sich um eine variierende Anzahl an „Tickets“, die im Shop für nette Gimmicks eingetauscht werden können. Im Grunde habt ihr die Wahl zwischen kleinen Sammelfiguren und Upgrades für eure Waffen. Diese sind zum einen zweckmäßiger Natur, sprich Verbesserungen wie Erhöhung der Feuerkraft oder Munition, zum anderen aber auch rein optischer Natur. Neue Farben und selbst neue Soundsets können für die Gadgets erworben werden. Für sammelwütige Spieler definitiv eine nette Herbeigabe. Zum Teil verstecken sich diese Preise aber auch schon direkt in den Boxen des Greifers, sodass ihr euer Ticket-Portemonnaie erst gar nicht zücken braucht.
Das zweite Minispiel ist ähnlich kurzweilig und macht für eine Partie zwischendurch definitiv auch Spaß. Auf einer Art Bahn gilt es den Spielball so geschickt zu werfen, dass er eines der Felder auf der rotierenden Zielscheibe am anderen Ende trifft. Für einen Treffer erhält der Glückliche zwischen hundert und tausend Punkten und eine sich danach richtende Anzahl an Tickets. Zwei Power Up-Bälle, der „Multiball“, der sich gegen Ende in drei einzelne Bälle unterteilt, sowie der „explosive Ball“, versüßen das Spielgefühl noch ein wenig. Im Endeffekt verschenkt Disney aber auch hier wieder massig Potenzial. Die Minispiele sind für längere Sessions zwar nicht geeignet, aber durchaus spaßig, beschränkt es sich auf die wenigen Partien, die man zwischen den Levels zur Verfügung hat. Unerklärlich ist also, warum man das Angebot nicht deutlich erweitert hat und noch mehr Spielchen zur Verfügung gestellt hat. So ist der Spieler zwar froh über die gelungene Abwechslung zum normalen Spielverlauf, bedauert aber wohl das mickrige Angebot.

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Zu zweit macht’s doch am meisten Spaß

Der Spieler hat auf seinem Weg durch die Dimensionen immer und ausnahmslos einen Kameraden an der Seite, der wie der eigene Spielcharakter ebenfalls nach Belieben variiert. Sollte man die Mission alleine antreten, so wird dieser Kumpane vom Computer gesteuert und ist mehr oder weniger hilfreich beim Bekämpfen von Feinden. Zu jeder Zeit kann sich aber ein zweiter realer Mitspieler – das aber nur lokal und nicht über das Internet – einklinken und den computergesteuerten Charakter übernehmen. Natürlich eine nette Idee und zu zweit macht „Phineas und Ferb“ dann doch nochmal um einiges mehr Spaß als im Solomodus. Aber auch hier wurde nicht ganz zu Ende gedacht und eine Menge Potenzial verschenkt. Zum einen ist die Kamera immer auf den Hauptspieler zentriert, verlässt der Kompagnon das Bild, so wird dies nur mit einer kleinen Bemerkung am Bildschirmrand erwähnt, der Spieler sieht seine Figur aber nicht mehr aktiv. Andere Spiele haben gezeigt, dass es dafür bessere Alternativen gibt, um beide Spieler gleichberechtigt zu behandeln. Der andere große Fauxpas ist das Fehlen von richtigen Koop-Herausforderungen. Viel zu selten wird das Teamwork der Spieler gefordert, viel zu selten muss man gemeinsam agieren um ans Ziel zu kommen. Ein Koop-Modus sollte nicht dafür gedacht sein, einfach nur gemeinsam durch die Spielwelt zu laufen und zeitgleich Gegner zu „metzeln“, sondern er sollte zum Kooperieren anregen. Schade, dass dies bei „Phineas und Ferb: Quer durch die 2. Dimension“ nicht der Fall ist.

Zwischen Engagement und Witzlosigkeit

Die angesprochene Zielgruppe wird nicht nur beim simplen Spielprinzip und beim Schwierigkeitsgrad deutlich, sondern auch grafisch spricht „Phineas und Ferb“ wohl eher jüngere Fans an. Damit sei aber natürlich nicht ausgeschlossen, dass auch ältere Semester Spaß an dem verspielten Cell Shading-Look haben können. Generell hätte wahrscheinlich sowieso kein anderer Grafikstil zum Spiel gepasst, als dieser, der zuweilen auch an die Fernsehserie erinnert. Der Feinschliff fehlt hingegen gänzlich. Auch dieser comicähnliche Style lässt durchaus Platz für Details. Disneys Entwickler haben in Punkto Grafik aber relativ ungenau gearbeitet, sodass letztendlich lediglich grobe und detailarme Hintergründe und Figuren präsentiert werden. Zumindest die Locations selbst sind aber sehr vielschichtig gestaltet – jedes Level kann erneut ein kleines Schmunzeln ins Gesicht zaubern.
Die Soundgestaltung ist ebenfalls gut gelungen. Musikalische Untermalung wird einem zwar relativ selten geboten, wenn, dann weiß sie aber zu überzeugen. Direkt zu Beginn des Spiels wird man so mit einem Song in bester „Phineas und Ferb“-Manier begrüßt – so wird der Einstieg jedem Fan Spaß bereiten! Ebenfalls positiv anzumerken ist die Implementierung der originalen, deutschen Synchronsprecher aller Figuren. Diese machen einen ähnlich guten Job wie in der Serie, sodass bei der reinen Sprechleistung selten Kritik aufkommen sollte. Deutlich uninspirierter wirken die Dialoge selbst. Zu oft brillieren sie eher durch Unkreativität und Langeweile. Der Humor aus der Serie wird selten gut eingefangen.

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Fazit: Zurück zu Hause oder in den Dimensionen verschollen?

„Phineas und Ferb: Quer durch die 2. Dimension“ ist kein Meilenstein der Videospielgeschichte. Das hat aber auch niemand erwartet und wollte es auch selbst nicht sein. „Phineas und Ferb“ will vielmehr ein solides Spin Off-Produkt zu einer beliebten Kinderzeichentrickserie sein. Im Grunde schafft es das. Das Spiel besitzt zwar nahezu keine Story, ist spielerisch anspruchslos und es hapert im Detail an der Technik. Die eigentliche Zielgruppe lässt sich davon aber wohl kaum abschrecken. Es sind wohl vermehrt Kinder, die mit ihren Zeichentrickhelden durch die Dimensionen reisen wollen und für die sind die vielen Hilfestellungen geeignet. Alle anderen Altersgruppen sollten lieber einen Blick mehr als zu wenig auf „Phineas und Ferb“ werfen. Während die Serie vielleicht eine größere Bandbreite ansprechen mag, ist das Videospiel dann doch eher für Hardcore-Fans gedacht.

Gutes

Schlechtes

6.5 Mittelmäßig

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