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PES 2011 – Review

Artikel von | 16.10.2010 um 00:00 Uhr

Die zweite Halbzeit beginnt. Letzte Woche haben wir für euch FIFA 11 getestet. Jetzt kommt Pro Evolution Soccer 2011 auf den Prüfstand. In den letzten Jahren hat die Serie im direkten Vergleich zum Produkt aus dem Hause Electronic Arts immer das Nachsehen gehabt. Wir können euch schon jetzt verraten, dass Konami wieder an die ursprüngliche Qualität von Pro Evolution Soccer ankünpfen konnte. Ob die Aufholjagd letztendlich in einem Sieg gegenüber den amtierenden deutschen Meister enden wird, seht ihr am Ende dieser Review.

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Anpfiff

Das größte Manko der Fussballsimulation von Konami ist hinreichend bekannt. Die Lizenzen für PES 2011 beinhalten einmal mehr nicht die komplette deutsche Bundesliga. Der FC Bayern München war bis jetzt als alleiniger Platzhirsch beim fernöstlichen Digitalkick unterwegs. Jetzt gehört auch der SV Werder Bremen zum Standard-Kader von PES. Daneben hält auch erstmals die Nationalmannschaft die deutsche Flagge inklusive aller dazugehörigen Rechte hoch. Konami konnte sich die Lizenzen der Schützlinge von Jogi Löw sichern und erspart uns endlich den Trojubel vom blonden Pomatski. Der Rest der deutschen Fußball-Liga ist leider nicht enthalten. Der Publisher ist sich dieser Schwäche bewusst und versucht, diesen Nachteil durch Rechte an internationalen Wettbewerben zu kompensieren. So ist südamerikanischer Fußball in Form des Copa Libertadores de América vertreten, dem Gegenstück zur europäischen Champions League, die auch wieder enthalten ist. Auch die UEFA Europa League ist mit ihren Lizenzen enthalten. Zusätzlich sind jede Menge namenhafter Sportartikelhersteller mit ihren besten Produkten im Paket mit drin. Neben dem ganzen Lizenz-Chaos interessiert uns natürlich der Spielumfang. In der „Meister Liga“ muss einmal mehr der ultimative Fußball-Verein erschaffen werden. Dieser Manager-Modus beinhaltet alles, vom Sponsoren-Vertrag über die Spieleverwaltung und Trainingsplan bis hin zur Personal- und Finanzregelung. In „Werde zur Legende“ zieht sich der Spieler nur ein Trikot über, um einer der weltbesten Profi-Kicker zu werden. Der „Liga/Pokal“ Wettbewerb beinhaltet die Möglichkeit, eine der zahlreichen Ligen oder internationalen Wettbewerbe durchzuspielen. Der Trainingsmodus rundet das Gesamtpaket ab und mit dem Editor ist es nur eine Frage der Zeit, bis sämtliche Lizenz-Mängel behoben sind. Das üppige Mehrspieler-Paket kann sich ebenfalls sehen lassen und ist nicht nur dem Erstkäufer vorbehalten. Zusätzlich versorgt Konami mit herunterladbaren Datenpaketen für ständig neue Zusatzinhalte. Der Umfang wirkt insgesamt strukturierter als beim Konkurrenten. Der Legendenmodus ist nicht sonderlich verbessert worden und schneidet im Vergleich zur Konkurrenz schlechter ab. Die Vorzüge kann PES aber im internationalen Umfang und im Manager-Modus ausspielen.

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Passen, Lupfen, Schnippeln, Tor

Auch Konami hat das Passsystem überarbeitet und verbessert. Ein Balken über den Köpfen der Spieler zeigt die Schussstärke an. In PES 2011 sollten Flanken, Pässe und Torschüsse besser genau dosiert werden. Kommt der Querpass zu hart, prallt er vom Bein des Mitspielers ab oder verspringt gleich total. Was bei zu schwach geschlagenen Bällen passiert, kann sich wohl jeder denken. Gleichzeitig muss mit dem Analogstick die exakte Richtung des Ballwechsels angezeigt werden. Missachtung wird mit sofortigem Konter oder Ball-Aus bestraft. Diese Neuerung ist etwas gewöhnungsbedürftig, sorgt aber für mehr Spieltiefe und Realismus. Die KI wurde ebenfalls verbessert. Abwehspieler lassen sich nicht mehr so leicht ausmanövrieren und der Torwart pflückt inzwischen noch so manchen Ball aus der Ecke, den der Spieler schon als Treffer abgehakt hat. Die Duelle Mann gegen Mann sind realistischer geworden. Lediglich im Abschluss fehlt es der KI gelegentlich an Entschlossenheit. So lassen sich die mitlaufenden Spieler beim Sturm auf das gegnerische Tor im letzten Moment unsinnigerweise zurückfallen und verhindern so einen eleganten Pass in die Mitte. Ansonsten sind Stellungsspiel und Aufbau nicht zu beanstanden. Bei FIFA ist das Stellungsspiel und die Reaktion der Gegner jedoch einen Tick realistischer.

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Bitte lächeln

Die Grafik hat im direkten Vergleich zum Vorgänger einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Özil, Podolski und Müller sind ihren realen Ebenbilder beeindruckend gut nachempfunden. Die Trikots und sonstigen Lizenzartikel sind detailreich dargestellt und passen zum Rest. Das Geschehen auf dem Platz sieht ein wenig besser aus als bei FIFA 11. Ladezeiten werden durch geniale HD-Videosequenzen überbrückt. Auch das Kommentatoren-Duo Hansi Küpper und Wolff Fuss sind einfallsreicher als beim Gegner. Hier werden mehr Sprüche geboten und auch passender zum Spielgeschehen eingebracht. Gleichzeitig wird von der Seitenlinie einiges geboten. Auswechselspieler laufen sich warm und von der Trainerbank wird je nach spielerischer Leistung das Geschehen auf dem Platz erbarmungslos kommentiert. Die Atmosphäre im Stadion ist ansonsten aber nicht sonderlich beeindruckend. Die Fans auf den Rängen werden durch einen Unschärfeeffekt nur als kaum wahrnehmbare Masse dargestellt, die es selbst bei Toren nicht aus den Sitzen haut. Von Fan-Atmosphäre wie bei FIFA Fussball Weltmeisterschaft 2010 ist PES 2011 meilenweit entfernt. Allerdings konnte FIFA 11 ebenfalls nicht damit punkten. Der Torjubel der Spieler ist hingegen gut gelungen. So sollen über 1000 neue Spieler-Animationen verbaut worden sein. Konami geizt auch nicht an Wiederholungen und jeder Treffer kann in 360 Grad Ansicht aus verschiedenen Perspektiven analysiert werden. Grafik und Atmosphäre auf dem Platz sind nicht zu beanstanden und runden das spielerisch einwandfreie Fußball-Erlebnis ab. Der Soundtrack ist gut gewählt und untermalt Menü und Spielsequenzen mit mehr Atmosphäre als es das direkte Stadionumfeld macht.

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Taktik und Verhandeln

Das Taktik-Menü erlaubt, die genaue Anordnung der Spieler auf dem Feld aus der Vogelperspektive zu verändern. Daneben stehen dutzende Spiel-Stile zur Verfügung. Schnelle Flügelwechsel und Pressing können offensiv wie defensiv Abseitsfalle und Ballkontrolle vorgegeben werden. Daneben kann schon im Vorweg eine Zeitaufteilung eingestellt werden. Von der ersten Minute wird dann mittels Pressing der Gegner unter Druck gesetzt und ab der zwanzigsten Minute zur Schonung der Kräfte auf Abseitsfalle gespielt. Diese Einstellungen sind vornehmlich für Hardcore-Taktiker, geben PES 2011 aber das zusätzliche Plus an Taktik und Realismus, das FIFA inzwischen vermissen lässt. Online hat sich Konami ebenfalls etwas einfallen lassen und bringt die Meister-Liga unter das Volk. Der Transferwert der Superstars bemisst sich hier anhand von Angebot und Nachfrage. So können PES-Spieler weltweit nun um die Wette bieten. Unüberlegte Einkäufe sind nicht angebracht und der geizige Spieler versucht eher, die Talentsuche zu fördern. Für Siege gibt es Zusatzkohle vom Sponsor, die in den Ausbau der Mannschaft investiert werden können. Der Online-Manager-Modus bietet Langzeit-Spielspaß auf dem Weg zum Online Top-Favoriten.

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Und die Schale geht an

Pro Evolution Soccer 2011! Konami hat enorme Fortschritte gemacht und den lizenzstarken Konkurrenten dieses Jahr übertreffen können. PES bietet das realistischere Fußballerlebnis und hat zusätzlich ein paar Lizenzen mehr ins Boot holen können. Bei FIFA 11 haben wir dieses Jahr mehr das Gefühl, dass die Simulation einen Schritt zurück gemacht hat und der Online-Pass hinterlässt zusätzlich einen bitteren Nachgeschmack. Pro Evolution Soccer 2011 hat aufgerüstet. Grafik und Spielgefühl sind besser als bei der Konkurrenz und vergleicht man die Verbesserungen beider Konkurrenten gegenüber der Vorjahresversion, so hat Konami die mächtige Konkurrenz von EA Sports ziemlich alt aussehen lassen. Die Kaufempfehlung geht dieses Jahr eindeutig an PES 2011. Wir hoffen, dass dieser Fortschritt den Entwicklern von FIFA ebenfalls auffällt und endlich wieder zu einem Wettbewerb im umkämpften Markt der Fußball-Simulationen führen wird, von dem letztendlich der Kunde profitiert und nicht abgezockt wird.

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Pro Evolution Soccer 2011 Testbericht

Pro Evolution Soccer 2011

  • Release: 30.09.2010
  • Genre: Sport
  • Entwickler: Konami
  • Publisher: Konami

Gutes

Meisterlicher Umfang
Detailreiche Grafik
Toller Datenpaket Support
Taktisch ausgereift

Schlechtes

Keine Stadion-Atmosphäre
Keine Bundesliga-Lizenzen
Gelegentliche KI Aussetzer

8.5 / 10 Sehr gut

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