PES 2009 – Review

Getestet von | 27.04.2009 um 00:00 Uhr

Die neueste Fußballsimulation aus dem Hause Konami wurde jetzt auch von PS3INSIDE getestet. Die Rede ist von Pro Evolution Soccer 2009. Letztes Jahr konnte das Spiel durch seine Vorzüge im bewährten Gameplay überzeugen. Es hatte jedoch mit einigen technischen Mängeln auf der Playstation 3 zu kämpfen. Der Produzent Shingo „Seabass“ Takatsuka versprach für dieses Jahr Besserung. PES 2009 sollte ein echter Knaller werden. Ob der gute Mann sein Wort gehalten hat, erfahrt ihr in unserer Review.

Anstoß

Die Meister Liga ist der Mittelpunkt von Pro Evolution Soccer 2009. Hier ist es Ziel, mit der eigenen Mannschaft aufzusteigen und den Ligapokal zu gewinnen. Die Auswahl der zur Verfügung stehenden Vereine lässt wieder einmal zu wünschen übrig. Die Lizenzen der Bundesliga gingen wieder einmal an das Konkurrenzprodukt aus dem Hause Electronic Arts. Aber auch ausländische Vereine stehen nicht in ganzer Pracht zur Verfügung. So ist es wieder einmal Aufgabe der Community, mit dem Editor möglichst detailgetreue Nachbauten der Profitrikots zu gestalten. Allerdings hat sich Konami die Rechte an der UEFA Champions League ins Haus geholt. In diesem Spielmodus können die Matches aus der Königsklasse nachgespielt werden. Die Hymne und das Emblem der Champions League können allerdings auch nicht darüber hinweg täuschen, dass dank mangelnder Lizenzen die großen Namen aus dem Meisterfußball auch nicht dabei sind. Die fehlenden Mannschaften machen die Königsklasse so interessant wie ein Meisterschaftsspiel im Schach. Neu mit an Bord ist „Werde zur Legende“. Hier ist es Aufgabe eines selbst erstellten Spielers, sich durch eine Vielzahl von Trainingsspielen und Toren in der 2. Mannschaft, vom Rest der Fußballwelt abzuheben und aufzusteigen.

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Der Legendenmodus hat sich bei der Konkurrenz unter anderem Namen bereits bewährt. Bei PES ist das Debüt ebenfalls gelungen. Der Profi verbessert sich stetig durch seine Leistungen im Spiel. So ganz ausgereift ist die Technik allerdings noch nicht. Einwechselungen geschehen in Anlehnung an die FIFA-Statuten nur, wenn der Ball nicht im Spiel ist. Zu Beginn der Karriere sitzt unser Greenhorn noch häufig auf der Bank und wartet auf seine Chance. Das Spiel läuft während dieser Zeit automatisch. Ein wenig realitätsfremd ist allerdings, dass der Ball teilweise bis zu 30 Minuten in Bewegung ist, bevor er ins Netz segelt oder im Aus landet. Eine Einwechselung vor der 80. Minute ist dadurch gelegentlich technisch gar nicht möglich. Das trübt den Spielspaß allerdings nur zu Beginn der Karriere. Je schneller unser Profi auf der Torschützenliste geführt wird, desto besser. Ein Platz in der Stammelf ist dann nur noch eine Frage der Zeit.

Sehr gut ist wieder einmal der Trainingsmodus. Im freien Spiel oder in verschiedenen Standardsituationen können sich Neulinge die Eigenheiten der Fußballsimulation aneignen. Aber auch die alten Hasen sollten noch einen Blick riskieren. An der Ballphysik und der KI hat sich wieder einmal einiges geändert. Der Netzwerkbetrieb bietet wieder unzählige Möglichkeiten, sich online auszutoben. Nervtötend ist allerdings die Registrierung bei Konami. So etwas ist heute einfach nicht mehr zeitgemäß. Liga & Pokal sowie die Möglichkeit, Freundschaftsspiele auszutragen runden das Gesamtpaket ab. Sie bieten spielerisch allerdings keine Unterschiede zur Meister Liga. Konami hat dieses Jahr ordentlich aufgestockt. Der Umfang lässt nichts zu wünschen übrig… außer vielleicht ein paar zusätzlichen Lizenzen.

Strantz, spielen wie Flasche leer

Die Steuerung von Pro Evolution Soccer ist gewohnt gut. Mit dem rechten Analogstick wird jetzt das manuelle Passspiel versucht. In Anbetracht der teilweise merkwürdigen Eingabeauslegung des Spiels ist davon allerdings abzuraten. Die Pässe kommen grundsätzlich spitz auf den Fuß. Allerdings nicht immer beim richtigen Spieler. Fehlpässe zum Gegner haben gegenüber der Vorgängerversion zugenommen. Dafür sind die Mitspieler intelligenter geworden. Sie laufen sich gut frei und Steilpässe durch die Mitte finden häufig ihr Ziel. Der Abschluss ist ein wenig schwieriger geworden. Allzu häufig segelt der Ball meterhoch über die Latte hinweg. Hier ist Präzision an der Viereckstaste gefragt. Auch die persönlichen Skills der Spieler sind dabei von zentraler Bedeutung. So schlecht wie das Leder hier allerdings teilweise am Kasten vorbei geballert wird, sieht man das aber nicht einmal in der Kreisklasse. Die Ballphysik ist sehr gut gelungen. Je nach Wetterlage, Winkel und Stand des Spielers reagiert die Pille anders. Die gegnerische Abwehr steht sogar im niedrigsten Schwierigkeitsgrad einwandfrei. Gerade mit dem Ball durch die Mitte zu stürmen ist nahezu unmöglich geworden. Im Legenden Modus hat die KI zum Zwecke der Spielbarkeit ein paar realitätsfremde Nebenfolgen. Ist der Spieler auf dem Platz, wird die eigene Abwehr zur undurchdringbaren Mauer. Gegnerische Angriffe werden so gut wie immer im Keim erstickt und der Konter kann kommen. Sitzt unser Rookie hingegen auf der Bank, fällt auch häufiger ein Gegentor. Damit dieser Modus Spaß macht, muss schon ein wenig mehr Fokus auf unseren Helden gelegt werden. Mit realistischem Fußball hat das allerdings nichts mehr zu tun. Im normalen Spiel sorgt der Torwart auch wieder für Überraschungen. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass er nicht alles hält und auch nicht alles durchgehen lässt. Der Torwart reagiert ausgewogener als bei PES 2008. Zwischendurch sorgen aber eklatante Torwartfehler relativ häufig für Frust. Sei es, dass er den Ball überhaupt nicht festhält oder einfach einen Meter vor seinen Füßen liegen lässt. Negativ ist zusätzlich, dass der Schiedsrichter ohne Feingefühl ziemlich kartenfreudig agiert. Aus normalen Remplern werden dadurch schlimme Vergehen und einmal mit der falschen Grätsche an den Ball gegangen und schon ist der Störer vom Platz gestellt. Da kennen die nix! Die KI und Ballphysik haben sich im Ergebnis verbessert. Aber anscheinend ist Perfektion hier tatsächlich unerreichbar.

Wie aus der Pressebox

Technisch hat Konami gute Arbeit geleistet. Zwischen PES 2008 und PES 2009 liegen Welten. Im Einzelspieler sind keine Aussetzer zu verzeichnen. Der Spielbetrieb läuft einwandfrei. Zeitlupen und Wiederholung mit freier Kamera sorgen nach jedem Tor für ruckelfreies TV-Feeling. Die freie Kamera lässt den Zuschauer mit ihrem Zoom die Erfolgserlebnisse noch einmal aus jeder Perspektive bestaunen. Online geht es nicht ganz ruckelfrei zu. Es hat sich allerdings zur Vorgängerversion verbessert. Und schließlich kann das beste Spiel nichts gegen eine schlechte Internetverbindung ausrichten.

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Die Spielermodelle sehen richtig gut aus und die Trikots sind mit Liebe zum Detail gestaltet. Das gleiche gilt für die verschiedenen Stadien. Die Bewegungsanimationen und der Torjubel sind ebenfalls gelungen. Wettereffekte und die Schattenspiele mit der Flutlichtanlage sind realistisch und bringen das richtige Stadionfeeling auf. Bei Regen wirkt das ganze Bild allerdings etwas zu dunkel. Das Menü wirkt ein wenig überladen. Da hat man sich allerdings schnell dran gewöhnt.

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Was total zum Abgewöhnen ist, sind die immer wieder kehrenden Fangesänge. Nicht, dass es nicht lobenswert wäre, die Fanlieder um die verschiedenen Vereine einbinden zu wollen. Wenn aber minutenlang das gleiche dumpfe Gegröle von den Rängen zu hören ist, steigt der Wunsch auf, den Controller in die Lautsprecher zu donnern. Die Kommentatoren sind glasklar zu verstehen und haben ein paar Standardsprüche einstudiert. Diese sind aber spätestens nach dem zehnten Spiel ausgelutscht und fangen an zu nerven. Es ist auch schade, dass die Spielernamen oder zumindest der Vereinsname nicht ausgesprochen werden. Stattdessen bekommen wir die ganze Zeit „die gegnerische Mannschaft“, „der Torwart“, „der Stürmer“ usw. zu hören. So hört sich nun mal keine Fußballübertragung an. Solange das nicht überarbeitet wird, sollten die Produzenten sich überlegen, dass weniger Kommentare manchmal Mehr sind und die Sprecher sollten einfach öfter mal die Klappe halten! Der Stadionsprecher legt hingegen das richtige Maß an unverständlichem Gebrabbel vor. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Ein dickes Paket Menümusik und die herzzerreißende Hymne der Champions League sorgen beim Soundcheck allerdings für Schadensbegrenzung.

Vielleicht der Knaller in 2010?

Wir denken nicht! Seabass hat mit seiner Ankündigung letztes Jahr den Mund ein wenig zu voll genommen. Das einzige, was Konami geschafft hat ist, die kalte Brühe dieses Mal fehlerfrei umzusetzen. Der Legenden-Modus hat noch zu viele Schwächen und die Champions League ist ohne Einbindung der teilnehmenden Vereine ein echter Witz! Pro Evolution Soccer ist weiterhin eine sehr gute Fußballsimulation mit realistischem Ballfeeling. Das ist FIFA aber inzwischen auch! Konnten die Entwickler es letztes Jahr noch auf die technischen Schwierigkeiten mit der Hardware auf der Playstation 3 schieben, zählt diese Ausrede jetzt nicht mehr. Die Schonzeit für PES ist vorbei und Konami belegt dieses Jahr leider nur den zweiten Platz.

Gutes

Verbesserte KI
Gelungene Grafik
Legenden Modus

Schlechtes

Der noch nicht ausgereift ist
Torwartfehler und Fehlpässe
Kommentare und Fangesang

8.0 Sehr gut

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