Papo & Yo – Review

Getestet von | 29.08.2012 um 00:00 Uhr

Eine Kindheit geprägt von Missbrauch, Schlägen und einem alkoholisierten Vater. Ist eine solche Thematik überhaupt geeignet für ein Videospiel? Wir finden ja und meinen, dass das Entwicklerstudio Minority hier ein ganz persönliches Spielerlebnis abgeliefert hat.

Allein mit mir
Die ersten paar Minuten können verstörender nicht sein. Als der kleine Junge Quico, sich ängstlich in seinem Schrank vor dem eigenen Vater versteckte, öffnete sich eine neue Welt vor seinen Füßen. Quico ist kein fiktiver Junge, den man extra für dieses Spiel erfunden hat. Nein, Quico ist das Alter-Ego von Vander Caballero, der kreative Kopf hinter Papo & Yo. In den ersten paar Stunden von Papo & Yo versucht man den kleinen Helden durch die malerischen Umgebungen der südamerikanischen Favelas zu steuern. Man springt und hüpft auf den Dächern, auf der Suche nach dem Ausgang. Papo & Yo ist ein reines Jump n‘ Run Spiel mit vielen kleinen und großen Rätselabschnitten. Auf die Gewalt, wie man sie sonst üblich in allen möglichen Varianten zu sehen bekommt, verzichtet man hier freiwillig. Nicht nur auf die Gewalt wird verzichtet, auch gegen eine Sprachausgabe hat man sich entschieden. Man muss mit den vereinzelten Brocken an Schreibtexten vorlieb nehmen. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn schon wie in Journey kommt der Spieler auch so in der Geschichte mit. Denn die ist ganz und gar einfach zu verstehen. Quico ist nämlich auf der Suche nach einem Heilmittel für „sein“ Monster. Nur das Monster hat eine große Schwachstelle: die Wut, der Alkohol. Dies wird die Aufgabe sein im Spiel: Man muss probieren, das Monster von dieser Sucht zu befreien.

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Rennen, springen, Schalter betätigen
Schon ICO hat es vorgemacht und auch ein Haunting Ground wie auch Maijin haben es aufgegriffen. So auch bei Papo & Yo bekommt man immer einen KI gesteuerten Helfer. Mehr oder weniger. Der Helfer ist niemand anderes als Monster selbst. Denn die Räteslabschnitte sind meistens nicht ohne die Hilfe des großen roten „Dings“ zu meistern. Sind die Puzzelabschnitte am Anfang des Spiels noch einfach zu lösen, ziehen sie schon in den ersten Stunden mächtig an. So muss man Schalter betätigen, um fiktive Brücken zu bauen, Röhren zu erschließen oder einfach die Umgebung so zu beeinflussen, sodass sie zum Leben erwacht. Nebst dem Monster bekommt Quico auch Hilfe von seinem Spielzeug, das er liebevoll Lula nennt. Mit diesem Gegenstand bekommt man die Chance, den regulären Doppelsprung auszuführen. Doch Lula wird auch dafür gebraucht, um die Schalter, die zu weit weg sind, zu betätigen. Daneben gesellt sich noch ein kleines mysteriöses Mädchen, das vor Quico entweder davonläuft oder ihm in die Quere kommt. Was es aber mit ihm auf sich hat, wollen wir hier nicht verraten. Auch wenn die Rätsel und Jump ´n´ Run Passagen strickt linear gehalten sind, kann man hin und wieder die einfache Lösung des Problems aus den Augen verlieren. Dies ist nicht allzu schlimm, denn die Spieler werden das Ziel des Spiels im ersten Durchgang in 5 bis 6 Stunden erreichen. Doch Quico wird nicht nur von dem kleinen Mädchen gestört. Sind Frösche in der Umgebung platziert, wird Monster unangenehm. Sobald er einen dieser Frösche isst, macht er jagt auf Quico. Somit werden die einzelnen Renn- und Puzzlepassagen nochmals eine Schippe schwieriger, um sie zu lösen.

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Weniger ist mehr & die Metapher
Die malerische und minimale Grafik kann von Anfang an überzeugen. Die umliegende Stadt fühlt sich nicht real an, sondern ist eher das Bild einer ausschweifenden Erinnerung, die der Junge zusammengesetzt hat. Auch wenn die einzelnen Abschnitte unterschiedlich daherkommen, haben sich leichte Clippingfehler und einige Matchtexturen in das Spiel eingeschlichen. Dies ist nicht weiter schlimm, denn die Atmosphäre, die das Spiel vermittelt, lässt das Ganze so oder so nebensächlich erscheinen. Auch in Sachen Gameplay haben die Entwickler hin und wieder gepatzt. So steuert sich Quico leider hackelig durch die einzelnen Levels. Auch stimmt die Kollisionsabfrage nicht immer überein. In wenigen Jump Passagen kommt noch hinzu, dass die Kamera ein bisschen falsche Einblicke zeigt, was man aber durch die Justierung der Kamera wieder verändern kann. Die Soundkulisse wurde hingegen stimmig umgesetzt. Zwischen stimmungsvoller Sambaklänge bis hin zu sanften Umgebungsgeräuschen ist die ganze Palette an südamerikanischen Klängen abgedeckt. Aber all dies sind eher kleine nebensächliche Dinge im großen Ganzen.
Doch wie kann es sein, dass eine solche technische Unreife und hackelige Version eines Spiels so sehr faszinieren kann? Minority hat mit Papo & Yo das geschafft, was in der Film und Buchbranche schon alltäglich ist. Nämlich eine Geschichte zu erzählen, die auf realen Begebenheiten beruht. Der kreative Kopf, Caballero, scheint ein großes Trauma gehabt zu haben, das er seine Vergangenheit in ein Spiel projiziert. Und hoffentlich erreicht das Studio auch andere Menschen, die den etwa gleichen Leidensweg gehen mussten wie Herr Caballero. Denn die Metapher zwischen Quico und Monster sind so einfach zu verstehen, dass es einem hin und wieder beim Spielen kalt den Rücken hinunter läuft. Leider wird all das Papo & Yo nicht zu einem großen Erfolg helfen. Dafür ist das Thema nicht massentauglich. Zudem die Masse noch nicht bereit dafür ist, ein Videospiel mit solch einer Thematik zu genießen. Wer aber sein Herz öffnen kann, bekommt wieder mal eine exklusive PlaystationNetwork Perle für seine PlayStation 3, das seines gleichen sucht.

Gutes

- Faszinierende Thematik
- Reines Jump `n` Run Spiel
- Viele Puzzlerätsel

Schlechtes

- Minimaler Umfang
- Hackelige Steuerung und schwammige Texturen
- Kaum Wiederspielwert

8.5 Sehr gut

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