Of Orcs and Men – Review

Getestet von | 05.11.2012 um 00:00 Uhr

Of Orcs and Men bietet wahrlich ein ungewöhnliches Szenario: Ein ungleiches Gespann aus Ork und Goblin zieht in eine Mission gegen den Imperator und die Inquisition, die die letzten noch verbleibenden Grünhäute auslöschen wollen. Mit welchen Elementen sich Cyanides Rollenspiel noch weiter von der bekannten Genrekonkurrenz abhebt und wie sich das Protagonistenduo aus Krieger und Assassine durch das Abenteuer begleiten lässt, erfahrt ihr hier.

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Ein ungleiches Paar – Durch Not zusammengeschweißt

Of Orcs and Men beschreibt den Konflikt dreier Rassen: Die Goblins, auch ‚Rakash‘ genannt, sowie die Orks sind von der Ausrottung bedroht, da die menschlichen Truppen des Imperators und der Inquisition gnadenlos gegen sie vorgehen und die Versklavung und Hinrichtung der Grünhäute zu ihrem Tagwerk gemacht haben. Die Territorien des Widerstands werden immer wieder von feindlichen Truppen heimgesucht und ihre Mitglieder zunehmend dezimiert. Es verbleibt unter anderem der Ork-Clan der Blutkiefer, die sich zum Start einer neuen Mission gegen den Kaiser formieren. Doch damit das gelingt, muss es überhaupt bewerkstelligt werden, in dessen Territorien einzudringen.
Arkail, ein Blutkiefer, muss sich somit notgedrungen mit Styx, einem Assassinen der Goblins zusammentun, um sich den Weg bis zum Turm des Kaisers zu erkämpfen. Die Reise ist von Hindernissen, Verrat und einem ständigen Zweifel am gegenseitigen Vertrauen geprägt: Kann Arkail dem ‚Rakash‘ namens Styx tatsächlich vertrauen? Nicht selten im Laufe der Geschichte kommt es zu Bedrohungen und Auseinandersetzungen zwischen den beiden Protagonisten. Doch im Grunde sorgen genau jene Konflikte dafür, dass die Pläne der Grünhäute nach und nach aufgehen: Arkail, stellenweise blind vor Zorn über seinen kleinen Kollegen, sorgt für die richtige Durchschlagskraft. Und da sich nicht alles immer mit Waffengewalt lösen lässt, braucht es teilweise eben auch die Intelligenz des Goblins, der meuchelnd durch die Straßen zieht.

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Ein Assassine erzählt, oder: Grünhäute in den Tiefen der Schlauchlevel

Das Erzählen der Geschichte übernimmt Styx, was wenig verwunderlich ist, da er deutlich wortgewandter ist als Arkail, der lieber Waffen sprechen lässt. In kurzen Sequenzen wird uns immer wieder näher gebracht, welche Ereignisse zur in Of Orcs and Men beschriebenen Lage führten und was der geschickte ‚Rakash‘ gedenkt, zu tun, um alles wieder gerade zu biegen. Zusätzlich haben wir auch ein Journal, in das wir während der Missionen immer wieder einen Blick werfen können. Die Geschichte ist dabei nicht so kompliziert, als dass man allzu oft Einzelheiten vergessen würde: Man begegnet immer wieder neuen Figuren, die die Grünhäute entweder unterstützen oder verraten. Ist das nicht der Fall, stehen sie sowieso auf der Liste derjenigen Personen, deren Verweilen unter den Lebenden nicht länger gewünscht ist. Man ist in Of Orcs and Men fast immer mit beiden Protagonisten gleichzeitig unterwegs, der Wechsel funktioniert auf Knopfdruck. So kann man beispielsweise sofort mit Arkail in die Menge stürmen und mit roher Waffengewalt alles ausschalten, was einem im Weg steht und Styx aus der Ferne den Rest erledigen lassen. Doch das ist nicht immer ratsam, denn dann steht man häufig einer Übermacht an Feinden gegenüber: Stattdessen sollte man mit Styx in seiner ‚Tarnstellung‘ die Umgebung vorher auskundschaften, und so viele Gegner wie möglich lautlos meucheln, damit dann nicht mehr so viele übrig sind, sobald man entdeckt wird oder den Rest offensiv ausschalten muss.
Auffällig in Of Orcs and Men ist die extreme Linearität der Level, zudem kann man immer nur einer Mission gleichzeitig nachgehen: Wird eine Nebenmission angenommen, landet man nach einem Ladebildschirm in einem neuen Level, an dessen Ende das Ziel und die Belohnung wartet. Fast immer gibt’s nur einen Weg, ab und zu darf man sich für eine Abzweigung entscheiden, wo es in den meisten Fällen aber auch nichts Spannendes zu entdecken gibt. Öfter gibt es sogar Stellen, wo die beiden Grünhäute einen kleinen Abgrund hinunterstürzen, der nicht wieder erklommen werden kann – ein derartig linearer und schlauchiger Levelaufbau ist in einem Rollenspiel der heutigen Zeit wirklich ungewöhnlich. Dafür sind viele Areale wirklich schön gestaltet und das Spiel kann grafisch an vielen Stellen überzeugen, sieht man von kleineren Clipping-Fehlern, auftretenden Rucklern und hier und da matschigen Texturen ab. Es gibt eben nur sehr wenig zu erkunden und an vielen Stellen hätten wir uns mehr Freiheiten gewünscht. Doch auch sonst sagt sich Of Orcs and Men von vielen Eigenschaften der Genrekollegen los: Es gibt kaum Ausrüstung für die Figuren, ab und zu findet man etwas Neues in einer Truhe, das dann entweder besser als bereits vorhandene Waffen oder Rüstungen ist oder eben nicht. Auch Entscheidungsfreiheit gibt es für den Spieler kaum: Auch wenn das Dialogsystem, das stark an bekannte Genreableger erinnert, teilweise verschiedene Auswahlmöglichkeiten lässt, so laufen Gespräche mit NPCs meistens auf die gleichen Ergebnisse hinaus, ab und an können jedoch Kämpfe vermieden werden, ein neuer Verbündeter gewonnen oder eine Spezialfertigkeit für Arkail oder Styx freigeschaltet werden.

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Rachsucht vs. Meuchelmord – Das Zusammenspiel der Protagonisten

Eine im Grunde angenehme Abweichung von gewohnten Rollenspielen ist das Kampfsystem: Es ist nicht möglich, direkt aktiv zu kämpfen, sondern man sollte (und muss) vor jedem Kampf in einen Taktikmodus wechseln, in dem man Arkail und Styx jeweils mit Befehlen versorgt. Tut man das nicht, verwenden sie automatisch ihre Standardangriffe, die zwar wenig Ressourcen brauchen, aber dafür nicht sehr effektiv sind. Hier zeigt sich noch eine Besonderheit: Während bei Styx stärkere Attacken Konzentration verbrauchen und somit nur begrenzt einsetzbar sind, erzeugen bei Arkail stärkere Attacken erst Wut. Ist die Wutanzeige voll, verfällt Arkail in Raserei und greift alles an, was im Weg steht – auch Styx. Einen kleinen Schnitzer beim Spieldesign haben sich die Jungs von Cyanide hier geleistet, denn eigentlich sollte man die Raserei eher vermeiden, da Arkail währenddessen auch besonders verletzlich ist. De facto richtet er dann aber so viel Schaden an, dass man dadurch häufig aus brenzligen Situationen befreit wird, da locker drei bis vier Gegner gleichzeitig ausgeschaltet werden können.
Die sonstigen Sonderfertigkeiten sind zahlreich gesät und lassen sich gut kombinieren, auch wenn das fürs erfolgeiche Kämpfen nur selten erforderlich ist: Schnell hat man die stärksten Attacken des Orks und des Goblins identifiziert, die meist zum Erfolg führen. Störender sind da an einigen Stellen Macken bei der KI und der Wegfindung, da beide Figuren ab und zu dazu neigen, sich beispielweise an Wände zu drehen und nicht ihre Ziele anzugreifen. Wählt man ein fernes Ziel aus, finden manchmal weder Arkail noch Styx sofort ihren Weg, sondern halten unterwegs mehrmals an oder bleiben kurzzeitig an Hindernissen hängen. Das passiert teilweise auch dann, wenn man sich außerhalb des Kampfes befindet und einer dem anderen nur folgen soll. Plötzlich hört man dann etwas wie ‚Ich kann Arkail nicht zurücklassen‘, nur weil dieser irgendwo nicht mehr den weiteren Weg gefunden hat.
Es sind viele kleine Fehler, die in Of Orcs and Men den Spielablauf immer wieder trüben. Zusammen mit dem etwas unausgewogenen Schwierigkeitsgrad gibt es somit öfter Momente, die für Frust sorgen können. Dabei kann das Rollenspiel in technischer und erzählerischer Hinsicht eigentlich überzeugen, was nicht zuletzt auch an der sehr gelungenen deutschen Synchronisierung liegt. Einige Fehler erleichtern mitunter auch das Vorankommen: So stört es Wachen nicht, wenn ihre Kollegen ermordet vor ihren Füßen liegen. Mit etwas mehr Feinschliff hätten sich aber vermutlich vor allem die KI-Fehler vermeiden lassen. Auch das taktische Kampfsystem sorgte teilweise für Fragezeichen über unseren Köpfen, da Befehle manchmal gelöscht werden, wenn eines der ausgewählten Ziele zuvor umgebracht wurde. Grundsätzlich sind die Fertigkeiten in Angriffs- und Verteidigungsstellung unterteilt, die entweder höheren Schaden mit geringer Verteidigung oder niedrigen Schaden bei hoher Verteidigung ermöglichen sollen, was sich im Eifer des Gefechts häufig leider kaum auswirkt. Ärgerlich ist jedoch der unausgewogene Schwierigkeitsgrad, der uns nach einer ganzen Reihe viel zu leichter Kämpfe dann plötzlich wieder einer Übermacht von Feinden gegenüberstellt, die auch nicht mit Styx dezimiert werden kann – das sorgt für frustige Momente.

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Ein Abenteuer für zwei?

Während des Spielens von Of Orcs and Men fragt man sich zwangsläufig immer wieder, wieso die Entwickler bei Cyanide auf einen Koop-Modus verzichtet haben, wo das Spiel vom Prinzip her geradezu prädestiniert dafür ist, da zum Beispiel selbst verdiente Erfahrungspunkte jederzeit geteilt werden. Ansonsten haben die Entwickler aber vieles trotz der kleinen schon erwähnten Macken richtig gemacht, vor allem wenn es um die Inszenierung geht. Technisch gibt’s wenig auszusetzen und auch die Übersetzung ist gut gelungen. Die Bildschirmtexte und Untertitel sind zwar von einigen Patzern und Fehlern geplagt, insbesondere die Synchronsprecher leisten aber bis auf wenige Ausnahmen eine sehr gute Arbeit, was definitiv erfreulich ist.

Fazit

Auch nach dem Abspann hinterlässt Of Orcs and Men immer noch einen zwiegespaltenen Eindruck. Auf der einen Seite stehen die gelungene Inszenierung mit den faszinierenden, weil extrem ungleichen aber dennoch gut zusammenarbeitenden Protagonisten sowie unter anderem das Kampfsystem, das für frischen Wind im Genre sorgt, auch wenn es schnell repetitiv wird. Auf der anderen Seite stehen die vielen kleinen Patzer, die zwar alle für sich nicht wirklich störend sind, aber dafür das ganze Spiel über immer wieder auftauchen. Auch eine derart lineare Spielwelt sieht man heutzutage selten, worüber auch die an vielen Stellen sehr liebevolle Gestaltung nicht hinwegtäuschen kann. Letztendlich kann man Cyanides Titel aber all jenen Spielern empfehlen, die zwar keine hochkomplexe Story erwarten, aber mit der zynischen Erzählweise von Styx etwas anfangen können und die sich auch von frustigen Momenten aufgrund der kleinen Bugs nicht abschrecken lassen. Der Umfang passt, auch wenn er für ein Rollenspiel wohl nicht zu üppig ausfällt: Etwa 15 Stunden dürftet ihr beschäftigt sein, bis ihr im ersten Durchgang alle Kapitel erledigt habt.

Gutes

+ Faszinierende Protagonisten
+ Gelungene Inszenierung und schöne Umgebungen
+ Sehr gute deutsche Synchronisierung

Schlechtes

- Viele kleine Patzer bei der KI
- Sehr linearer Ablauf
- Unausgewogener Schwierigkeitsgrad
- Das eigentlich frische Kampfsystem wird schnell repetitiv

7.0 Gut

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