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Nioh im Test – Samurai Souls

Artikel von | Donnerstag 02. Februar 2017 um 09:02 Uhr

Es ist einfach zu viel

Da wir gerade schon bei den Belohnungen und der Ausrüstung waren, kommen wir noch zu einem anderen Punkt, der hier wichtig ist. Einer der wichtigsten Punkte in einem Rollenspiel ist der Loot. Dieser spornt einen an und ist für viele DER Anreiz ein Spiel zu spielen. Nioh geht hier einen Weg, den die einen lieben werden, anderen aber missfallen kann. Wer Dark Souls kennt, kennt auch das Gefühl, wenn ein Gegner etwas fallen lässt, da es hier meist etwas besonderes ist und man viele Waffen und Rüstungen nur so bekommt. Dadurch hat man sich immer gefreut, wenn ein Gegner etwas hinterlassen hat. Bei Diablo ist es ein wenig anders, hier ist es eher etwas besonderes, wenn ein Gegner mal nichts fallen lässt. Nioh tendiert hier eher zu Diablo. Das gute daran ist, dass es so immer wieder neuen Shit gibt und wer auf Loot steht, wird hier seine helle Freude haben. Der Nachteil daran ist, dass man ständig das Inventar ausmisten muss. So könnt ihr überflüssige Ausrüstung zerlegen für Material, verkaufen für Gold oder Opfern. Letzteres bringt euch Verbrauchsgegenstände und Amrita ein. Das wäre nicht so schlimm, wenn ihr nach manchen Missionen nicht mit mehr als 100 neuen Gegenständen dasteht. Erschwerend kommt hinzu, dass es nur 4 Abstufungen bei der Seltenheit gibt – gewöhnlich, selten, sehr selten und einzigartig. An sich wäre das kein Problem, wären einzigartige Gegenstände auch einzigartig und nicht einfach das gleiche Katana wie man es 5 Minuten vorher bekommen hat, nur mit einem Bonus mehr. Es fehlt einfach die Stufe an Seltenheit, wodurch man sich direkt freut. Erst sehr spät im Spiel bekommt man göttliche Gegenstände, die sich zumindest etwas vom Rest abheben. Bei Diablo war es immer wieder toll, wenn ein Legendary oder Set Gegenstand gefallen ist, da sie wirklich selten waren. Bei Nioh hält sich die Freude eher in Grenzen, wenn man 90% davon wieder wegwerfen kann. Übrigens gibt es noch einen Haken bei den Sets. Diese sind nicht direkt gekennzeichnet durch eine besondere Farbe, sondern ihr müsst erstmal bei jedem Gegenstand selbst schauen, ob er Teil eines Sets ist. Nicht nur unterscheiden sich die einzigartigen Gegenstände kaum von den sehr seltenen oder seltenen, man findet sie auch viel zu häufig. Lustigerweise findet man auch öfter seltene und sehr seltene, als gewöhnliche Gegenstände. Wir haben im Spiel nicht eine wirklich einzigartige Waffe oder Rüstung gefunden, früher oder später kommt alles mehrmals, halt nur mit besseren Attributen und verschiedenen Boni. Das alles hat aber auch einen Vorteil, denn so gibt es viele Variationen und man kann die Waffen immer gut entsprechend der Spielweise auswählen. Wir haben uns selbst oft dabei ertappt, wie wir einfach alle Gegenstände aufgehoben haben und erst nach der Mission geschaut haben ob was gutes dabei war, da man sonst ständig ins Menü müsste, da fast jeder Gegner etwas fallen lässt.

Nioh Review Test PS4

Womit wir bei den Gegnern wären. Diese kommen in Nioh in zwei Formen daher – Menschen und Yokai (Dämonen). Des Weiteren unterscheiden sich beide durch verschiedene Ausrüstung, Statur oder Elemente. Die Vielfalt hat hier eine gutes mittelmaß. Wie man sich denken kann, sind die Yokai meist deutlich gefährlicher als die Menschen. Nicht nur halten sie im Normalfall mehr aus, sondern teilen auch härter aus. Was die KI der Gegner angeht, nunja, die schwankt bisweilen sehr. Während die meisten 1 gegen 1 Kämpfe fast schon ein wenig langweilig sind, wird es, sobald mehr als 1 Gegner am start ist, schon haarig. Zusätzlich gibt es ein paar Gegner, die sich deutlich vom Rest abheben. Sie sind nicht unbedingt stärker oder halten mehr aus, sie sind einfach agiler und aggressiver und das macht sich sehr bemerkbar. Einen weiteren, massiven Unterschied stellen die Bosse dar. Bis auf einen Boss, haben wir keinen beim ersten Anlauf geschafft, da diese sich deutlich abheben und immer neue Angriffe und Taktiken an den Tag legen. Eine weitere taktische Ebene kommt dadurch hinzu, dass nicht nur William eine Energie und Ausdauerleiste hat, sondern auch die Gegner. So wisst ihr genau ob es sich lohnt auf Angriff zu setzen, weil der Gegner wegen seiner Ausdauer eh nicht mehr blocken kann oder ob ihr lieber auf einen Konter wartet. Zusätzlich müssen wir ein dickes Lob für das Design der Gegner vergeben. Besonders die Bosse sehen einfach klasse aus. Gleiches gilt auch für die Areale, zu deren Optik wir gleich kommen. Zwar sind sie nicht alle miteinander in einem großen ganzen verzweigt wie beispielsweise bei Dark Souls, doch sind sie abwechslungsreich, bietet viele verstrickte Wege und kommen immer wieder mit neuen Elementen daher. Es gibt die verschneite Winterlandschaft, ein mit Geheimgängen gespicktes Schloss, ein zerstörtes Dorf oder eine mit Gift verseuchte Mine. Doch das wird noch besser. Den nachdem man Hauptmissionen abgeschlossen hat, werden Nebenmissionen in den Gebieten freigeschaltet. Zwar spielen diese sich im gleiche Areal ab, doch gibt es teilweise andere Gegner, welche auch anders platziert sind oder statt nachts im Regen, spielt man diesmal während des Sonnenaufgangs unter klarem Himmel. So wird für Abwechslung gesorgt – beim Kämpfen aber auch bei der Optik. Zusätzlich dazu, gibt es noch Zwielicht-Missionen. Diese sind nur zu bestimmten Zeiten verfügbar und fordern dem Spieler einiges ab. Sie sind im Kern wie die verschiedenen Hauptmissionen, doch um ein vielfaches schwerer. Dementsprechend gut ist jedoch auch die Ausrüstung, die man dort erhalten kann. Hier wird sehr viel geboten und man kann locker mehr als 30-40 Stunden im Spiel versenken und hat noch nicht alles gesehen. Mit dem New Game+, welches nochmal extra schwer ist und besseren Loot bietet, wird die Spielzeit noch weiter in die Höhe getrieben. Natürlich variiert die Zeit je nach den Fähigkeiten des Spielers.

Nioh Review Test PS4

Eine Kleinigkeit noch, bevor wir zur Technik und dem Sound kommen. Nioh lässt sich auch online spielen. Ähnlich wie bei Dark Souls kann man Hilfe beschwören oder halt beschworen werden. Während unseres Tests hat das wunderbar funktioniert, jedoch kann man noch nicht sagen wie es aussieht, wenn die Server voller sind. Ab und an kommt es auch vor, dass das Spiel euch einen NPC zur Seite stellt, doch hier hat man irgendwie nicht ganz zuende gedacht, da sie das Spiel massiv vereinfachen. Nicht nur teilen sie ordentlich aus, sie sind zudem noch unsterblich. Zwar gehen sie nach einigen Treffern zu Boden, doch einfach schnell hinlaufen, O drücken und alles ist wieder schick.

Ihr habt die Wahl

In sachen Technik macht Nioh etwas, was hoffentlich in Zukunft immer mehr Spiele machen. Es lässt euch die Wahl, ob ihr lieber auf Framerate setzt oder auf Auflösung. So habt ihr drei Modi zur Auswahl. Eine fixiert das Spiel auf 30fps, treibt dafür aber die Auflösung und Details hoch. Der zweite hebt das Spiel auf geschmeidige 60fps, die es so gut wie immer hält, doch dafür ist die Auflösung niedriger. Bei der dritten Option habt ihr einen kompromiss aus beidem, hohe Auflösung und die Frames sind nicht fixiert, also 30fps aufwärts. Was die Optik an sich angeht, kann man zufrieden sein. Es ist nicht das hübscheste Spiel, aber auch kein hässliches und hat durchaus seine glänzenden Momente. Bei den Charakteren schwankt es schon eher. Während manche Yokai und Menschen gut aussehen, gibt es auch solche, die merkbar weniger Aufmerksamkeit bekommen haben. Der Sound ist solide. Die Musik hat zwar keine Ohrwürmer, doch ist immer stimmig und passend zur Situation gewählt. Die Waffensounds und Treffer beim Gegner hören sich toll an und wirken realitätsnah. Die Stimmen der Charaktere sind auch gut gewählt, obwohl es manchmal seltsam wirkt, wenn im Gespräch zwischen englisch und japanisch gewechselt wird.

Nioh Review Test PS4

Bevor wir nun zum Fazit kommen, noch ein paar Anmerkungen. So machen die Kämpfe größtenteils richtig Spaß, es gibt jedoch vereinzelt Momente, in denen das ganze ein wenig unsauber wirkt. Während man bei Dark Souls, je nach Frust Level, immer wusste, dass man selbst schuld am ableben war oder sich zumindest dachte, „ah ok, beim nächsten mal darauf aufpassen“, gab es bei Nioh eine handvoll Momente in denen wir eher das Gefühl hatten, als hätten wir keine Möglichkeit gehabt dem Tod zu entgehen. Das kann daran liegen, dass die Hitbox mancher Angriffe ein wenig großzügig gewählt ist oder aber, dass ein Angriff unverhältnismäßig viel Schaden macht. Ihr wollt ein Beispiel? Wir haben gegen einen Yokai mit Axt gekämpft und er schwingte die Axt in der Luft, holte weit aus und traf uns, was uns ungefähr 20% unserer Energie gekostet hat und die Attacke wurde auch rechtzeitig durch Animationen angedeutet. Kurze Zeit später machte der gleiche Gegner einen anderen Angriff. Hierbei schnellte seine Axt schon fast gelassen und ohne weiteres nach vorne und wir verloren locker 70% unserer Energie. Solche diskrepanzen tauchen ab und an auf und wirken ein wenig seltsam. Das ist natürlich nur eine Kleinigkeit, doch diese häufen sich ein wenig beim Spiel. Wie erwähnt, dass es Sets nicht separat markiert sind oder man ständig das Inventar aufräumen muss, weil man hundert neue Gegenstände bekommen hat. Auch das manchmal von Charakteren gesprochen wird, bei denen man erstmal nicht weiß, um wen es geht, ist eine weitere Kleinigkeit. Das sind alles Punkte, die nicht massiv ins Gewicht fallen, doch alle zusammen sind schon störend und teilweise nervig. Was auch eher ein faden Beigeschmack hat, sind die Materialien und Verbrauchsgegenstände, weil dort wieder viel unnötiger Kram dabei ist, den man nie oder nur einmalig benötigt und dann wird erstmal das Inventar durchforstet nach dem richtigen.

Nioh Review Test PS4

Fazit  – Nioh – Hit mit Luft nach oben

Nioh ist ein super Spiel und obwohl die Dark Souls Formel langsam leichte Ermüdungserscheinungen aufweist, bietet es noch genug eigene Ideen, um frisch und anders zu wirken. Das japanische Setting hat uns super gefallen und das Design der Areale und Gegner ist einfach klasse. Die Level unterscheiden sich sehr, kommen in verschiedenen Variationen daher und sind ebenso abwechslungsreich wie die Kämpfe. Neben 5 Waffenarten, werden nämlich noch jeweils 3 Haltungen geboten und es gibt Ausrüstung im Überfluss. Manch einem könnte es zu viel Loot sein und das fehlen wirklich besonderer, einzigartiger Ausrüstung stößt sauer auf, doch dafür kann man durch die große Auswahl, seinen Stil gut definieren. Die Kämpfe sind schnell und spaßig, auch wenn die KI manchmal etwas lahm ist. Dafür sind die Bosse wiederum super gelungen und fordern sehr. So wird man immer gut bei der Stange gehalten, was bei der eher durchschnittlichen Story sehr gelegen kommt. Technisch ist es kein Meisterwerk, doch der Zweck wird absolut erfüllt und das Artdesign passt. Die Wahl zwischen Auflösung und Framerate ist vorbildlich. Alles in allem kann man sagen, dass Nioh ein tolles Spiel geworden ist und bei einem eventuellen Sequel nochmal einen draufsetzen kann. Wer mit Dark Souls oder Spielen wie Ninja Gaiden seinen Spaß hat, wird hier vollends zufrieden sein und bekommt sehr viel Spielspaß für sein Geld.

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Nioh Testbericht

Nioh

  • Release: 08.02.2017
  • Genre: Action, Hack & Slay
  • Entwickler: Team Ninja
  • Publisher: Tecmo Koei

Gutes

- Toll designte Areale und Gegner
- Viele, abwechlungsreiche Missionen
- Fordernde und spannende Bosskämpfe
- Facettenreiches Kampfsystem
- Man kann gegen gestorbene Spieler kämpfen und deren Ausrüstung bekommen

Schlechtes

- Ständiges durchforsten des Inventars wegen zu viel Loot
- Es gibt keine wirklich einzigartige Ausrüstung
- Story etwas mau

8.5 / 10 Sehr gut

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