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Ni No Kuni – Review

Artikel von | 06.02.2013 um 00:00 Uhr

Was passiert wenn sich ein angesehenes Rollenspielstudio mit einem renomierten Animestudio verbindet und gemeinsam an einem Projekt arbeitet? Genau, es entsteht eine Welt voller Magie, exotischer Kreaturen und liebevoll gestalteten Helden. Wir präsentieren den einzigartigen Test zu Ni No Kuni. Dahinter verbrigt sich niemand anderes als das Studio Level 5 und die Ghibli Animation Studios. Ein Traum, und wir durften es erleben.

Der kleine Junge von nebenan
Oliver, ein kleiner und aufgeweckter Junge, lebt mit seiner Mutter in dem verschlafenen Nest Motorville. Doch die Ruhe und das Glück der beiden wird je zerstört. Denn eine Weiße Königin greift in das Schicksal von Oliver ein. Eine Prophezeiung sagt voraus, dass ein Junge reinen Herzens die Welten retten wird. Um dies zu verhindern, schickt die Weiße Königin ihren Vollstrecker aus. Doch die Liebe einer Mutter sollte man nie und nimmer unterschätzen. Und so kommt es, dass der Anschlag, der Oliver galt, schlussendlich auf seine geliebte Mutter ausweicht und sie in den Tod mitnimmt. Voller Trauer und Sehnsucht kuschelt Oliver mit seinem Lieblingsplüschtier, bis dieser durch die Tränen des Jungen zum Leben erweckt wird. Schnell wird einem klar, dass der Kleine der Großfürst der Elfen ist und sich selbst Tröpfchen nennt und von einer anderen Welt redet, die gerettet werden muss. Ach, und dass Oliver ein Zauberer ist, wurde nebenbei auch noch erwähnt.
Die Weiße Königin beobachtet die beiden Welten genau, denn vor der besagten Vorhersage hat sie Angst. Um dies zu verhindern, hatte die Weiße Könige schon etliche Kämpfe geschlagen, mächtige Zauberer vernichtet und auch unschuldige Personen ins Jenseits befördert. Doch Oliver ist aus einem ganz anderem Holz geschnitzt. Das musste sie und ihr Vollstrecker Shadar erkennen. Denn schon kurz nach der Landung in der anderen Welt gesellt sich zu der Reisegruppe nicht nur die schöne Esther, sondern auch Sven, der wohl etwas Großes zu verbergen hat. Das Trio Infernale hat sich der Aufgabe angenommen, Shadar sowie die Weiße Königin zu vernichten. Doch der Weg ist wie üblich lang und steinig. Nebst dem eigentlichen Ziel müssen sie noch die Probleme der Ortseingesessenen Personen lösen und ihnen bei verschiedenen Aufgaben helfen.
Durch die Vernichtung der Weißen Königin samt Gefolgschaft, erhofft sich der junge Oliver, dass die große Alice, eine von vier großen weisen Magiern, ihm seine Mutter in irgendeiner Form wieder zurückbringen kann. Denn schließlich waren beide irgendwie seelenverwandt. Und man fragt sich, ob Oliver nicht auch einen Seelenverwandten in der Welt von Ni No Kuni hat!

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Eine Prise Oldschool
Ni No Kuni (die andere Welt) bietet kaum Neues im Rollenspielsegment, dafür Altbekanntes hübsch verpackt. Egal, ob Kampfsystem, Charaktere, Orte oder Gegner. Level 5 hat die Visionen von Studio Ghibli (oder umgekehrt) perfekt eingefangen. In üblicher japanischer Rollenspieltradition zieht die Geschichte nur langsam an. Und gerade am Anfang wird man mit endlosen Zwischensequenzen und Erklärung davon abgehalten, richtig in die Welt von Ni No Kuni abzutauchen. Hat man aber erstmal seine Stadt hinter sich gelassen, öffnet sich eine Welt voller Geheimnisse, Kontinente und vieles Anderes. Hat man die ersten paar Haltestellen hinter sich gelassen, öffnet sich auch die große weite Welt. Dank einem Schiff, oder im spätren Verlauf sogar einen Drachen, kann man noch um einiges leichter zwischen den Städten von Ni No Kuni hin und her reisen, um verlorene Herzstücke zu finden, Gegner zu zähmen oder einfach Nebenquests abzuschließen.Die Ghibli Studios haben hier hervorragende Arbeit geleistet und man kauft ihnen jeden Augenblick ab, dass man in einer anderen Welt ist. Egal, ob echte Menschen, Feen oder Kreaturen. Alles hat den typischen skurillen Ghiblitouch und wurde herrlich animiert. Jedes Dorf und auch jede Stadt in Ni No Kuni erhält sein eigenes Wiedererkennungsmuster, seine eigenen Musikstücke und Besonderheiten, die man aber erst im Verlauf der Geschichte herausfindet. Vor allem die Oberwelt kommt hier sehr zum Zuge. Hier bewegt man sich durch die Welt und löst auch hin und wieder kleinere Rätsel. Bekämpft Gegner, sucht nach weiteren Vertrauten oder farmt sich zu tode. Vertont wurde das Ganze natürlich auch exzellent. Die meisten Spieler werden das Spiel wohl in englischer Sprache samt deutschen Untertiteln genießen. Japano-Fans dürfen die mitgelieferte japanische Sprachausgabe genießen. Es ist zwar schade, dass es nicht wirklich lokalisiert wurde, aber die Sprecher beider Sprachen machen eine hervorragende und überzeugende Arbeit. Ja, sogar die Untertitel wurde wohl mit viel Mühe übersetzt und sind abolut gelungen.

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Das Zauberbuch
Da der junge Oliver ein Zauberer ist, darf natürlich sein Zauberbuch nicht fehlen. Doch dieses Buch ist am Anfang der Reise noch mächtig dünn, leer und hilft Oliver kaum bei seinen Aufgaben. Erst mit der Zeit und im Verlauf der Geschichte erhält Oliver weitere Buchseiten von Herrschern oder Personen, denen er geholfen hat. Die vereinzelten Magiesprüche kann Oliver nicht nur in den Kämpfen ausführen. Eine große Menge sind dafür gedacht, außerhalb des Kampfes zum Einsatz zu kommen. So muss man mal mit Tieren reden, ein Herz spenden, Brücken erscheinen lassen oder schlichtweg einfach Licht ins Dunkel bringen. Die Vielfallt ist enorm. Leider bekommt man die Lösung meistens gleich mit geliefert, was man doch für einen Zauber loslassen sollte. Zudem müssen noch Alchemieseiten gefunden, Zaubersprüche gehortet oder 12 sagenhafte Geschichte freigeschaltet werden. Gegnerinformationen werden automatisch in das Buch übernommen, sobald man einmal gegen diese gekämpft hat. Das Schöne ist auch noch, dass man die Evolutionsstufe der einzelnen Gegner ebenfalls einsehen kann. Auch die Weltkarte mit seinen Regionen müssen zusammengesucht werden, um ja auch den hintersten Fleck von Ni No Kuni zu finden. Gefundene Items können im Alchemiekessel zu neuen Stücken geformt werden. Das sollte man auch tun, denn nur durch solche Rezepturen bekommt man stärkere Ausrüstungen, die man dann entweder wieder verkaufen kann oder, natürlich besser, seinen Gefährten anlegt.
Zum Schluss gibt’s als zusätzliche Hilfe noch einen Geschichtsstein. Er erzählt zwar keine Geschichte, dafür erklärt er, wenn man möchte, das Spielsystem und was für was gedacht sei.Kommt man einmal nicht weiter, sollte man das Zauberbuch zu Rate ziehen. Es ist aber so, dass die meisten Lösungen einem nicht gleich anspringen. Wer sich aber Zeit nimmt und ein paar Seiten durchliest, wird auf interessante Geschichten, Anekdoten und natürlich auf die Lösung stoßen, die er so dringend braucht. Ein etwas anderes Lösungsbuch perfekt in das Spiel eingegliedert.

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Das Kampfsystem und seine Tücken mit den Vertrauten
Das Kampfsystem gestaltet sich recht actionreich. Im Pokemonstyle sucht man Gegner auf der Weltkarte aus, um sie dann im Kampf zu zähmen. Dabei sollte man aber die Rasse, die Zugehörigkeit sowie die Sternenkonstelation des Weggefährten anschauen. Jeder einzelne Held hat seine Lieblingssorte, mit der er oder sie am besten umgehen kann. Jeder Held darf drei unterschiedliche Gefährten mit auf die Reise nehmen. Zusätzlich können noch drei Reservegefährten mitkommen. Sind mal alle Plätze belegt, werden die neu eingefangenen Kreaturen automatisch in das Lager abgeschoben, bis man sie daraus wieder hervorholt. Entweder man kämpft als Mensch oder als Vertrauter gegen andere Kreaturen. Die Vielfalt ist hier geboten und alle Tieren sehen Ghibli-Like skurill aus. Jeder dieser Monster steigt beim Benutzen im Level automatisch auf und schaltet dadurch weitere Fähigkeiten frei. Auch Oliver, Esther und Sven haben eine solche Stufenevolution. Wobei man hier nicht wirklich eingreifen kann. Wobei die Evolutionsstufe bei den Vertrauten nicht automatisch vonstatten geht. In drei Schritten ist es möglich, seinen Vertrauten durch einen bestimmten magischen Stein zu einem Evolutionssprung zu drängen. Dadurch verändert er sich nicht nur, auch seine Fähigkeiten werden aufgestockt. Das einzig negative daran ist, dass der Vertraute wieder bei Stufe 1 anfängt. Den Kampfvertrauten kann man natürlich auch Waffen, Monturen und Items anhängen, um sie noch stärker zu machen oder anderweitige Attribute zu erhöhen. Zudem sind alle Mitkämpfer verschleckte Zeitgenossen. Durch Süssigkeiten, die es zu Hauf gibt, kann man die Vertrauten an sich binden. Dadurch werden sie natürlich noch stärker als sonst. Doch bei zu viel Zuneigung werden sie träge und faul.
Da man nur eine Person oder einen Vertrauten unter Kontrolle hat, werden die restlichen Partymitglieder kurzerhand von der KI aufgefüllt. In der Regel machen sie gegen normale Gegner eine einigermaßen gute Arbeit. Bei Bosskämpfen kommen die Tücken des Gameplays jedoch ans Tageslicht. Durch zwei Aktionen, Allgemeiner Angrif / Abwehr, können die restlichen Teammitglieder ein bisschen unter Kontrolle gehalten werden. Doch das Ganze artet im hektischen Knöpfedrücken aus. Zusätzlich darf man noch Taktiken eingeben. Das heißt, dass man den anderen beiden KI Helfern gewisse Job zuteilen kann. Entweder Heiler, Unterstützer oder Angreifer und dergleichen. Das alles ist schön und gut, nur reagiert die KI teilweise zu träge, so daas beide Charaktere schnell mal ins Gras beisen.

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Wundervolle Nebenquest
Wie bei jedem guten Spiel mittlerweile dürfen Nebenquests abseits des Weges nicht fehlen. Die trifft man in Ni No Kuni zu Hauf an und in unterschiedlicher Form. Die klassischen such, bring oder töte / zähme Aufträge sind dabei. Hin und wieder wird auch ein Stück eines bestimmten Herzens gewünscht. Und auch die Monsterjagd ist da. Hat man eines dieser Aufträge erledigt, darf man nicht vergessen, die Belohnung abzuholen. Hat man eine Quest abgegeben, bekommt man nebst nützlicher Items auch Stempel für seine Stempelkarte. Ist diese gfüllt, kann man passive Eigenschaften, wie schneller laufen, besser von hinten angreifen usw. freischalten.
Auch in einem Untoten-Kasino kann man sein teuer verdientes Geld aus dem Fenster werfen. In drei unterschiedlichen Spielen darf man sein hart verdientes Gold ohne weiteres verplempern und Spaß macht das Ganze nämlich auch noch. Natürlich darf die Jagd nach neuen oder besseren Vertrauten nicht vernachlässigt werden sowie die Schätze, die überall in der Welt versteckt sind. Zudem gibt es noch die sogenannten Salomonischen Spiele. Hierfür muss man mehrere Runden gegen andere Vertrauten-Teams bestehen, und das Ganze auch noch ohne Items. Hat man die Geschichte beendet, ist noch lange nicht Schluss mit Ni No Kuni. Nach dem Abspann werden eine neue schwelle an Nebenmissionen freigeschaltet, neue Bosse, goldene Vertraute warten darauf, gefangen zu werden, ein geheimer Zusatz-Endgegner und ein sehr gut versteckter Piratenschatz erwarten die Spieler, die sich auch dem Endgame widmen wollen.

Fazit
Ni No Kuni gehört in jede Rollenspielsammlung. Der Titel wurde mit viel Herz und Verstand gemacht und dies merkt man auch. Die Geschichte ist zwar ein bisschen vorhersehbar und die Orte und Helden klischeehaft gestaltet wurden. Mit den vielen Nebenquests und Aufträgen wird man auch noch nach dem Abspann gefordert. Ni No Kuni können wir von Herzen empfehlen. Gerade am Ende einer Konsolengeneration sollte man diese Spieleperle in seinem Laufwerk rotieren lassen und einige erholsame und spannende Stunden in Ni No Kuni verbringen.

Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin Testbericht

Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin

  • Release: 01.02.2013
  • Genre: Rollenspiel
  • Entwickler: Level 5
  • Publisher: Namco Bandai

Gutes

- zuckersüßes oldschool JRPG
- gut vertont, gute Übersetzung
- herrliche Welt
- schickes Design

Schlechtes

- tückisches Gameplay
- klischeehafte Charaktere
- leicht störrisches Gameplay

9.0 / 10 Must Have

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