NHL 11 – Review

Getestet von | 15.10.2010 um 00:00 Uhr

All die Jahre wieder beschert uns EA mit diversen Sporttiteln. Manche mag es verärgern, dass die Spiele mit kaum Neuerungen daherkommen. Fans der Sportarten freut es aber immer wieder, die Veränderungen zu entdecken – denn auch die sind auf den ersten Blick nur schwer zu erkennen. NHL 11 schickt die Spieler seit Neustem wieder aufs Eis. EA hat schon länger mit einem Luxusproblem zu kämpfen, denn die jährlichen Ausgaben glänzen zwar, bieten aber keine risikofreudigen Wechsel. Die Entwickler setzen verstärkt auf die feinen Details, die den Unterschied ausmachen sollen. Doch reicht das für einen Umstieg von NHL 10 auf die diesjährige Ausgabe? Das verraten wir euch in unserem Test.

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Neuanfänger werden vom Spiel zu Beginn erschlagen. Zahlreiche Menüpunkte lassen rätseln, mit was begonnen werden soll. Schnelle Spiele bieten dem Gelegenheitszocker die Möglichkeit, sich unkompliziert und rasant mit der Lieblingsmannschaft aufs Eis zu stürzen. Mehr Tiefgang erbringen übliche Turniervariationen oder Playoffs. Auch die Saison gehört zum Standard und bedient sich am guten Konzept des Vorgängers. Neben der NHL und der AHL sind auch die Teams der DEL dabei – leider auf dem Stand der letzten Saison. Weiterhin hat EA es immer noch nicht auf die Reihe bekommen, die Spieler der DEL in die weiteren Modi zu integrieren. So sind die deutschen Teams vom Be a Pro und Be a GM Modus ausgeschlossen. In der erstgenannten Variante übernimmt der Spieler die Kontrolle über einen Eishockey-Durchstarter. Anders als im Vorgänger wird hier nicht unbedingt in der AHL gestartet. Bei entsprechender Leistung in verschiedenen Playoffs etc. macht man sich einen Namen und hat so die Chance, direkt in der NHL durchzustarten. Wird die Leistung aber nicht gehalten, machen die Vorstände der Teams kurzen Prozess und schicken den Spieler in die AHL. Be a GM erfordert weitaus mehr Kontrolle als nur über einen Spieler. So werden die Spiele der Mannschaften übernommen, die Rolle vom Manager und Coach inklusive. Jenseits vom Eis werden die Aufstellung angepasst, Transfers abgeschlossen und nach Talenten gesucht. Um dem Simulationsgedanken treu zu bleiben, lassen sich auch weitere Vorbereitungen vor der eigentlichen Saison kontrollieren. Von realistischer Kontrolle zur Sammelleidenschaft, die eine neue Seite an Spielerfahrung aufdeckt. Bereits in anderen Spielen wie Madden NFL und FIFA kam das Tradingcardsystem von EA Sports zum Vorschein. Der neue Ultimate-Team-Modus ist auch in NHL angekommen und wartet mit über 4000 Karten auf den Spieler. Mit Hilfe der Bildchen, die reale Spiele darstellen, lässt sich ein neues Team zusammenbasteln. In Pokalen, Turnieren und Playoffs lassen sich off- und auch online neue Karten freispielen. Neben Spielern werden auch weitere Extras abgebildet, wie z.B. Trainingskarten, die die Talente der virtuellen Spieler fördern. Es ist auch möglich, Kärtchen mit anderen Spielern im PSN zu tauschen. Denn die Moral der Eiskünstler variiert je nach aktiven Teamkollegen. Durch Experimentieren lässt sich die beste Besetzung ermitteln. Nachdem der Spieler erst ins kalte Wasser geschmissen wird und noch unbeholfen in den vielen, etwas unübersichtlichen Untermenüs über die Abbildungen rätselt, gestaltet sich der Ultimate-Team-Modus zur großen Motivation. Der Sammeltrieb und der Drang, die richtige Zusammenstellung zu entdecken, bringen Abwechslung in den frostigen Sport. Gepaart mit den üblichen Spielvarianten und den bereits bekannten „Be a…“ Modi liefert NHL 11 einen gigantischen Umfang ab. Fans des Sports werden mit jedem einzelnen Modus mehrere spaßige Stunden verbringen.

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Die Steuerungsbelegung hat sich in NHL 11 gegenüber den Vorgängern nicht geändert. Das Retro-Buttonlayout ist weiterhin vorhanden, die moderne Kontrolle durch die beiden Analog-Sticks bewährt sich immer noch. Die Sportler werden mit dem linken Analog-Knüppel bewegt, der rechte Stick übernimmt die Bedienung des Schlägers. Die Kombination aus Positionierung und Abschuss muss aber geübt sein und erfordert eine gewisse Grunderfahrung. Glückstreffer sind in der Simulation nur äußerste Seltenheit. Selbst im 1-gegen-1 ziehen Neulinge meist den Kürzeren, die gegnerischen Schlussmänner sind auf Zack und erschweren euch das Leben. die gesamte KI des Gegenübers lässt sich loben, ein deutlicher Schritt nach vorne ist gegenüber dem Vorgänger zu sehen. Der Raum wird schnell zugemacht, es wird mit Bedacht attackiert. Unpräzise, risikoreiche Pässe werden schnell abgefangen. Es gestaltet sich ebenfalls schwieriger, den Puck zurückzuerobern. Wildes Stochern mit dem Schläger ist nicht möglich, die Abnahme erfordert genaues Timing. Viele Versuche bleiben nicht, mit dem Schläger einzugreifen, denn sonst ist der Gegner schnell über alle Berge. In so einem Fall macht sich eine Schwäche des Spiels sichtbar. Während die gegnerische KI dazugelernt hat, scheinen die eigenen Männer des Öfteren nicht viel von gutem Stellungsspiel zu wissen. Sowohl hinten in der Defensive als auch an der Front stehen die Spieler nicht immer optimal. Dadurch ist es knifflig, einen Weg durch die gut positionierte Abwehr und einen frei stehenden Mitspieler zu finden. Übung macht den Meister, das gilt auch in diesem Fall. Außerdem trägt es zum Realismus bei. Unnötige Aktionen der KI des eigenen Teams ärgern natürlich trotzdem, hier ist noch Luft nach oben. Das überarbeitete Physiksystem, das EA versprochen hat, ist besonders gut in Zweikämpfen zu spüren. Hier wird verstärkt auf Gewicht und Tempo beim Aufprall geachtet. Kleine, leichte Spieler sollten den Kontakt mit bulligen Mitstreitern lieber meiden. Noch dazu können Schläger bei entsprechenden Manövern aus der Hand fallen oder gar brechen. Das ist nett anzuschauen und trägt gut zur Simulation bei. Weitere Änderungen fallen so minimal aus, dass sie kaum wahrgenommen werden. Das Spielgeschehen erinnert noch zu sehr an das des Vorgängers, um von wirklichen Umschwüngen zu reden. Die gegnerische KI hat sich merklich verbessert. Die Physikänderungen im Zweikampf und die Gefahr, den Schläger zu verlieren/zerstören, sind nette Details, die das ohnehin sehr gute Gameplay erweitern.

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Über die Grafik könnte hier genau dasselbe stehen, wie im Review über den Vorgänger. Veränderung sind in dieser Hinsicht nämlich keine zu betrachten. NHL 11 bewegt sich technisch auf derselben Ebene wie die Ausgabe der letzten Saison. Besonders negativ wirkt sich dieser Punkt aber gar nicht aus, denn NHL10/11 gehört zu den optischen Highlights der Sportspiele. Es gibt keine technische Schwächen oder Ausreißer wie Tearing, Ruckler oder sonstiges. Und auch der optische Aspekt glänzt nahezu mit einer weißen Weste. Die Arenen mitsamt den Zuschauern sind realgetreu und abwechslungsreich dargestellt. Die Spieler präsentieren sich in detailgetreuen Trikots, die bei ruckartigen Aktionen umher wehen. Die Gesichter der Topstars sind toll nachgemimt worden, allerdings zeigt sich diese Liebe zum Detail nicht bei allen Spielern. Neu dabei sind einige Animationen. Noch dazu fällt das Licht nach einem Tor auf einen Spieler, der wie in FIFA einige Jubel-Aktionen zeigen kann. Auch beim Sound bleibt alles beim Alten. In den Menüs und zwischen den Spielen ertönen immer noch rockige Lieder, die denen des Vorgängers auffällig ähneln. Auch dieselben englischen Kommentatoren sind wieder mit von der Partie. Das Gesprochene passt wie in so ziemlich jeden Sporttitel nicht immer zur Situation, außerdem wiederholen sich die Aussagen schnell. Der Präsentation schadet es nicht, die Atmosphäre fällt erneut faszinierend aus. Fans des Sports werden Gänsehaut haben, wenn die Spieler aufs Eis ziehen oder nach einem Tor die Sirene ertönt.

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Selbst der Multiplayer gleicht dem von NHL 10 sehr. Die Standard Modi lassen sich auch Online mit Freunden und Fremden bestreiten. Von schnellen 1-gegen-1 Spielen bis hin zu Turnieren ist alles vertreten. Auch lassen sich Spiele mit insgesamt 12 Spielern vorfinden, die in der Vorjahresausgabe eingeführt wurden. Jeder übernimmt die Kontrolle über einen virtuellen Spieler, hier führt Absprache und Teamwork zum Ziel. Wie bereits angesprochen bietet der Ultimate-Team-Modus mehrere Online-Features. Karten können ausgetauscht, Spiele mit dem zusammengestellten Team absolviert werden. Auch hier bleibt die technische Seite zu loben. Es kann zwar zu gewöhnlichen Verbindungsproblemen kommen, aber die Spiele an sich laufen flüssig.

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NHL 11 hat viel mit seinem Vorgänger gemeinsam. Da dieser aber bereits zur Spitzenklasse gehört, kann ja nicht viel schief laufen. Das Gameplay wird sinnvoll erweitert. Eine stärkere (gegnerische) KI und Neuerungen im Physiksystem tragen zum Realismus und ohnehin hohen Spielspaß bei. Der Umfang fällt gewaltig aus. Zahlreiche Modi sorgen für viele Spielstunden, der neue Ultimate-Team-Modus bringt Abwechslung aufs Eis. Grafik, Sound, Präsentation und Multiplayer sind auf dem selben Niveau wie bei NHL 10 und überzeugen auch jetzt noch. Ob der Wechsel vom Vorgänger zur aktuellen Ausgabe nötig ist, bleibt fragwürdig. Neulinge bekommen mit NHL 11 aber das derzeit beste Eishockeyspiel auf dem Markt.

Gutes

Schlechtes

9.0 Must Have

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