Need For Speed Shift – Review

Getestet von | 28.09.2009 um 00:00 Uhr

Nicht noch ein „Need For Speed“?!

Schon zu frühen Zeiten des Gamings mischte EA bereits im Rennspielgenre mit.
Die eigene „Need For Speed“-Serie überzeugte Spieler und Kritiker. Doch nach und nach hatte es die Reihe immer schwerer. Mehr und mehr Fans kritisieren die Qualitätsabnahme von Spiel zu Spiel. Da kommt ein neuer Entwickler für den neusten Teil doch gerade recht. Die Slightly Mad Studios nehmen die Aufgabe an, die Rennspielserie zu retten. Ob sie das mit „Need For Speed Shift“ geschafft haben, oder ob das Projekt doch in die Hose ging, haben wir für euch herausgefunden und das Spiel getestet.

Neue Runde, neues Glück

Die neuen Entwickler sind natürlich nicht angeheuert worden, um erneut einen schlechten Arcade-Schinken auf die Strecke zu schicken. Ganz nach dem Sprichwort „Neue Besen kehren gut“ verspricht EA einen Wandel der Serie. Anstatt leicht zugänglicher Arcade-Action setzt der Entwickler auf realistischere Fahrphysik und geht in Richtung Simulation. Ganz neu? Wir erinnern uns: Die Ursprünge der beliebten Serie liegen in realistischen Titeln wie „Hot Pursuit“ oder „Porsche“. Auch der Next-Gen Ableger „ProStreet“ wagte den Schritt zum Simulationsgameplay, doch trotzdem waren noch viele Merkmale des Street Racings bemerkbar. Wie steht es nun um den neuen Teil der Slightly Mad Studios?
Shift reiht sich definitiv in das Genre der Simulationsracer ein. 300 km/h Kurvenschlenker ohne die kleinste Auswirkung sind Geschichte. Vielmehr legt Shift wert auf genaues Bremsen, Fahren auf der Ideallinie und echten Rennsport. Etliche Einstellungsmöglichkeiten erleichtern die Findung des optimalen Fahrverhaltens. Dadurch schafft Shift einen sehr guten Mix aus Simulation und Arcade. Während der realistische Kern im Gameplay zwar immer bleibt, bestimmen verschiedene Optionen euer Fahrverhalten. So können Brems- und Lenkhilfen eingestellt, sowie ABS + Transaktionskontrolle bestimmt werden. Sind alle Hilfen betätigt, ist der Einstieg für Rennspieler ohne Simulationserfahrung erheblich leichter. Die echten Profis greifen natürlich auf keine der Erleichterungen zurück und stürzen sich ins Getümmel, in dem sie nur auf ihre Fähigkeiten vertrauen. Einen Kritikpunkt hat das Fahrverhalten aber: Sobald man zu schnelleren Wagen greift ist vor allem bei Heckantrieb festzustellen, dass ein Beschleunigen aus der Kurve heraus den Wagen drehen läßt. Hier ist extrem sauberes Fahren notwendig. Auch viele Anpassungen der Sensibilität mindern den Eindruck nur leicht, sodass man damit erst zurecht kommen muss.

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Die Steuerung ist auf dem Controller gut umgesetzt, die Tastenbelegung ist ‚rennspieltypisch’ gewählt. Leider kommt es durch die Einschränkungen der R2-Taste als Gaspedal zu oben genannten Rutsch-Problemen, weiterhin lassen sich Kurven dadurch nur schwer meistern. Auf dem Lenkrad hingegen haben die Entwickler gute Leistung erbracht und im Großen und Ganzen darf man auch die Controller-Steurung loben. Das Spiel bietet unzählige Möglichkeiten, die Fahrphysik zu ändern. Dadurch lässt sich das Fahrgefühl von Shift mit kaum einem anderen Genrekonkurrenten vergleichen. Es fühlt sich weder wie ein Gran Turismo an, noch spielt es sich wie die alten Teile des Undergroundracings. Slighlty Mad hat etwas „eigenes“ erschaffen, was sich sehr positiv auswirkt. Nahezu jeder Rennspielfan dürfte sich mit dem Fahrverhalten anfreunden können. Gleich zu Beginn des Spiels gibt es Hilfen, die dem Spieler ein schnelles Beherrschen der Boliden ermöglichen. Auf einer Testfahrt wird der Fahrstil des Spielers ausgewertet und die meist optimalen, oben genannten Optionen angezeigt. Wer nicht zufrieden ist, kann die Einstellungen anpassen und direkt testen. Bereits in dieser Proberunde zeigt Shift sein wahres Gesicht: Die Action steht weiterhin im Vordergrund. Doch diesmal ist dies nicht aufgrund der Fahrphysik so, im neuen Teil erzeugt einzig und allein das Geschwindigkeitsgefühl diesen Effekt. In kaum einem Spiel kommt die Power des Autos so gut herüber wie in Shift. Der wohl größte Grund dafür ist die Cockpit-Perspektive, die den Spieler direkt ins Renngeschehen hineinversetzt. Nachdem das große Staunen über die Power des Testwagens verflogen ist, geht es wieder ans Eingemachte. Für wenig Geld muss ein Auto gekauft werden, mit dem die Karriere gestartet wird. Die Auswahl ist recht groß, doch wahre PS-Monster wie den davor getesteten BMW lassen sich darunter noch nicht finden. Die Events sind sehr übersichtlich und das System dahinter weist eine gelungene Struktur auf. Vorerst steht nur Stufe 1 zur Auswahl bereit, wo drei Event-Kategorien anwählbar sind. Es gibt mehrere Eventtypen, wie Rennen, Drift, Zeitrennen & Car Battle. In den Kategorien der Stufen verbergen sich entweder nur Events des selben Typs, also zum Beispiel nur Drifts, oder nur Strecken aus bestimmten Gebieten, wie z.B. eine Europa-Serie, oder gemischte Events. In jedem Event gibt es mehrere Sterne zu ergattern. So erhält man für den Podiumsplatz einen bis drei Sterne, je nachdem auf welchem Platz das Rennen beendet wurde. Weiterhin gibt es eine Bonusaufgabe, die während des Events beachtet werden kann. Demnach wird für z.B. eine saubere Runde oder durch das Fahren auf der Ideallinie mit 75% ein weiterer Stern vergeben. Zwei letzte Sterne gibt es noch durch ein motivierendes Punktesystem zu gewinnen. In jedem Rennen, ob Quickrace, Online oder Karriere, erhält man Punkte abhängig von der Fahrweise. Verschiedene Punkteanforderungen machen die letzten Sterne aus. Durch saubere Überholungen, Höchstgeschwindigkeiten oder gemeisterte Kurven werden „präzise Punkte“ vergeben. „Agressive Punkte“ erhält der Spieler für unfaire Aktionen wie das unsaubere Überholen oder Driften durch Kurven. Die Punkte fließen gemeinsam in ein Levelsystem, das sich bis zum Fahrerlevel 50 erstreckt. Weiterhin erhält der Fahrer eine Medaille, die sich bei jedem Aufstieg verändert, und zwar abhängig vom Fahrstil. Noch dazu wird man mit tollen Prämien belohnt, meist vom Sponsor. Das Levelsystem bringt sowohl frischen Wind als auch Motivation ins Spiel. Allein um in die höheren Ränge einzusteigen muss der Spieler mehrere Stunden auf den Strecken verbringen.

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In der Karriere werden die angesprochenen Sterne dazu benötigt, eine neue Stufe freizuschalten. Es müssen bei Weitem nicht alle Sterne gesammelt werden, um die Karriere zu beenden. Nicht einmal die Hälfte aller Events muss gemeistert werden, damit die letzte Stufe spielbar ist. Natürlich verändert sich von Stufe zu Stufe eine Sache – die KI. Obwohl die Gegner zu Anfang des Spiels sehr schwächeln, wird schnell klar, dass die Kontrahenten doch einiges auf dem Kasten haben. Hier haben die Entwickler gute Arbeit geleistet; die KI versucht sich stets nach vorne zu drängeln und macht vor nichts halt. Schlaue Racheaktionen aber auch manchmal katastrophale Fehler lassen die Gegner sehr viel echter wirken. Noch mehr Spieltiefe sollen einige Abzeichen liefern. Diese beziehen sich auf verschiedene Erfolge in den Rennen. Es gibt insgesamt 24 Abzeichen, die alle in mehreren Stufen unterteilt sind. So muss man z.B. sauber überholen. Dafür gibt es ein Abzeichen mit 10 Stufen. Wenn das Viertel der Stufen erreicht wurde, wird die Medaille zu Bronze. Bei der Hälfte der benötigten Stufen wird das Abzeichen zu Silber, bei drei-viertel zu Gold und bei Vollendung zum „epischen Abzeichen“. Trophäenjäger kommen um diese Abzeichen nicht herum, doch Gelegenheitsspieler werden sich wohl kaum dafür interessieren. Die Möglichkeiten des Tunings beschränken sich dieses Mal fast nur auf die Leistung. Während beim Aussehen nur der Lack, verschiedene Vinyls oder die Felgen geändert werden können, kann am an der Leistung des Wagens eine Menge herumschrauben. Einzelne Upgrades zu installieren oder jedes Prozent des Lenkeinschlags, des Reifendrucks und dem Reifengrip selbst einzustellen, bleibt jedem überlassen. Auf alle Fälle wirkt es sich in vielerlei Hinsicht auf das Fahrverhalten aus. Alles in Allem hat Slightly Mad Studios ein Rennspiel mit tollen Einzelspieler-Möglichkeiten entwickelt. Das Gameplay ist wirklich spaßig und trotzdem anspruchsvoll, die Steuerung ist auf dem Pad in Ordnung und auf dem Lenkrad vorbildlich und die Karriere ist toll gestaltet. Leider kann diese schnell beendet werden, indem nur so wenige Events wie nötig gefahren werden und schnellstmöglich die besten Karossen in der Garage stehen. Trotzdem bieten die Events recht viel Abwechslung und die Fahrerlevel und im gewissen Maße auch die Abzeichen motivieren zum Weiterspielen. Der Umfang an Strecken und Autos ist ebenfalls recht in Ordnung. Es gibt knapp 80 Wagen und ca. 18 Schauplätze mit etwa 30 Streckenvariationen. Es hätte sicherlich etwas mehr sein dürfen, doch insgesamt bietet die Auswahl einiges an Abwechslung.

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Der Lack glänzt…

Optisch macht Need For Speed Shift einiges her. Selten wurde eine Cockpit-Ansicht so schön modelliert, wie jene von Shift. Jedes Auto hat eine individuelle Innenperspektive mit unterschiedlichen Armaturenbrettern, Lenkrädern, Leuchten und Ähnlichem. Unterstützt wird die gesamte Optik von einem übertriebenen – das natürlich im Positiven gemeint – Motion-Blur Effekt, der die ganze Umgebung leicht verzerrt und verwischt. Dadurch verbreitet sich das Geschwindigkeitsgefühl noch mehr. Außerdem gibt es einen tollen Effekt, wenn ein Crash gebaut wird. Sobald das Auto nur leicht die Streckenbande berührt, verwischt sich der gesamte Bildschirm in einem schwarz-weiß-Schema. Je nach Stärke des Aufpralls wird die Sicht erschwert, dadurch wird verhindert, dass Crashes zu eigenen Gunsten ausgenutzt werden können. Wer noch nie in der Cockpit-Perspektive gefahren ist, wird das nun nie wieder ändern wollen. Die Wagen an sich sind gut gestaltet und auch die anderen Kameraansichten sind nicht schlecht, doch die Cockpitsicht bietet den größten mitten-im-Geschehen-Effekt und behindert trotzdem nicht das Sichtfeld auf die Straße. Hier haben die Entwickler viel Liebe zum Detail bewiesen, doch davon fehlt es wo anders ein wenig. Die Strecken sind zwar auch alle individuell gestaltet, doch bei weitem nicht so detailreich wie bei Genrekonkurrenten alla Gran Turismo oder auch dem neusten Konkurrenten Dirt 2. Die Landschaften sehen etwas mau aus, die Straße selbst hingegen wieder recht gut. Leider gibt es etliche Werbe-Banner auf der Strecke, dafür sind die Zuschauer aber recht hübsch und in 3D modelliert. Das Schadensmodell schaut ebenfalls gut aus. EA hat mittlerweile einen Patch veröffentlicht, der aus einstigen Kratzern und leichten Beulen richtige Schäden gemacht hat. So sieht man Teile abfliegen und auf der Strecke liegen, weiterhin können sich diese am Auto auch mal ziemlich grob verformen. Das Schadenssystem ist auf keinen Fall etwas Revolutionäres in seinem Gebiet, aber es macht seine Sache gut. Eine der wichtigsten Fragen im Bezug auf die letzten NFS-Teile ist natürlich: Wie sieht es mit der Performance aus? Shift ist, ganz anders als seine Vorgänger, ein nahezu technisch einwandfreier Racer. In wirklich wenigen Momenten gibt es kurze Ruckler, beispielsweise wenn die gesamte Gegnerschaft sowie Rauch und durch die Gegend fliegende Teile oder Reifen auf einmal auf dem Bildschirm sind, lässt sich eventuell ein Ruckler sehen. Die Framerate ist immer stabil und auch Abstürze oder Freezes gab es während der Testzeit nicht.

Der Motor heult auf

Spätestens beim Start eines Rennens geht für Rennsportfans ein Traum in Erfüllung: Die Motorensounds sind einfach nur brillant. In kaum einem Spiel hört man die PS quasi so deutlich heraus. Auch hier wird die Atmosphäre zusammen mit der Cockpit-Ansicht unterstrichen. Das Aufröhren der Motoren hört sich klasse und realistisch an. Die Einwirkungen der Außenwelt auf das Auto wie bei einem Zusammenstoß klingen ebenfalls sehr gut, für Autoliebhaber besser gesagt sehr schlecht – wer will denn so etwas hören, wenn das geliebte Auto verschrottet wird? Ein weiteres nettes Gimmick: Bei einem Crash werden Atem und Puls deutlich herausgehoben. Auch kurios aber nett: Der Fahrer stöhnt laut bei einem Aufprall. Während des Rennens gibt es am Sound von Shift wirklich kaum etwas auszusetzen. Auch die Musikuntermalung in den Menüs ist gelungen. Hier kommen viele Musikrichtungen zusammen und obwohl diesmal auch bekannte Songs dabei sind, wurde hier auf viele unbekannte Künstler zurückgegriffen. 20 Songs scheinen im ersten Moment wenig zu klingen, doch die Musik spielt nur im Menü und ist nicht all zu oft zu hören.

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Spieler vs Spieler

In Rennspielen bietet sich ein Multiplayer Modus natürlich immer gut an. Erstmal vorweg: Need For Speed Shift bietet leider keinen Splitscreen Modus für lokales Kräftemessen. Dafür haben die Entwickler aber einen tollen Online Modus versprochen. Es gibt sowohl Ranglisten-Spiele als auch Nicht-Ranglisten-Events. Hat man sich entschieden kann einem schnellen Spiel beigetreten werden, bei dem mehrere Spieler mit ähnlichem Fahrerlevel aufeinandertreffen. Weiterhin kann nach spezifischen Events gesucht oder gar ein eigener Server eröffnet werden. Zur Auswahl stehen normale Rennen, Drifts, Zeitrennen und spannende Car Battles. Außerdem kann entschieden werden, ob alle Teilnehmer das selbe Auto fahren oder ob jeder seinen Wagen selbst aussuchen darf. Der Host bestimmt Strecke, Rundenzeit etc. und darf auch Freunde einladen. Besonders in diesem Fall wird es spaßig. Spannende Kopf-an-Kopf Rennen mit den engsten Zocker-Freunden, die einen nach einer ungünstigen Situation übers Headset vollheulen, sind wirklich beinahe die Krönung am gesamten Spiel. Der Online Modus mitsamt Lobby und Möglichkeiten ist wirklich gelungen, noch mehr Spaß hat man mit Freunden.

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Neuanfang mit Bravur?

Mit Need For Speed Shift hat Slightly Mad Studios den neuen alten Schritt von EA sehr gut bestanden. Das realistische Gameplay wird mit toller Action und einem grandiosen Geschwindigkeitsgefühl erreichert, die Cockpit-Ansicht und der Sound sind ebenfalls sehr zu loben. Obwohl das Spiel noch kleinere Fehler in Steuerung und Fahrverhalten hat, bietet der Titel ein tolles Erlebnis für alle Rennspielfans.

Gutes

+ actionlastiges Simulationsgameplay
+ tolles Geschwindigkeitsgefühl
+ gute Optik mit klasse Cockpit-Sicht
+ atemberaubende Motorensounds
+ solider Online Modus
+ motivierendes Levelsystem

Schlechtes

- leichte Probleme im Fahrverhalten
- Steuerung mit Pad etwas ungenau
- Karriere KANN sehr schnell beendet werden

8.5 Sehr gut

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