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Need for Speed Payback im Test – Ein Opfer der Zeit

Artikel von | 13.11.2017 um 20:54 Uhr

Vor zwei Jahren hat die Need for Speed Reihe einen Reboot gewagt. Zwar war der Neustart nicht perfekt, kam aber dennoch gut an und hat vieles richtig gemacht. Der Gedanke an eine Fortsetzung, die die Schwächen ausmerzt und die Stärken ausbaut, sorgte direkt für Vorfreude. Jetzt ist es soweit und Need for Speed Payback ist erschienen. Ob der Titel es wirklich schafft, eine Schippe drauf zu legen und dieses mal alle zufriedenzustellen, verrät unser Test.

Irgendwas mit Autos und Rache

Im Gegensatz zu den meisten Rennspielen, welche ohne eine Story auskommen, wird in Need for Speed Payback alles wieder in einen erzählerischen Rahmen gepackt. Dieser ist, naja, er ist halt da. Eigentlich meckern wir ungern direkt zum Start, aber die Story in Need for Speed Payback ist so dünn und generisch, dass man auch gut und gerne darauf hätte verzichten können. Aber nun gut, reißen wir sie mal an. Die Hauptrolle übernimmt Taylor, ein junger, aber auch verdammt guter Fahrer. Er ist Teil einer Crew und mit dabei sind seine Freunde Jess, Mac und Rav. Jeder der vier spielt eine entscheidende Rolle im Spiel. Taylor ist für Straßenrennen und Drag-Rennen zuständig, Mac übernimmt Offroad und Drift, Jess ist Runner und damit zuständig für die Flucht oder Verfolgungsjagden. Rav hingegen spielt man nicht direkt, da er die Rolle des Schraubers einnimmt. Dann wären da noch der Gambler und Lina Navarro. Während der Gambler euch meist mit Aufträgen versorgt, nimmt Lina die Rolle der Gegenspielerin ein.

Während des Spiels düsen wir durch Fortune Valley und natürlich gibt es außer uns noch andere Crews. Die oberste Instanz ist hierbei das House, welchem wir zu Beginn des Spiels eins auswischen wollen. Doch dann erfahren wir, dass Lina, welche zu Beginn noch zu unserer Crew gehört, eigentlich für das House arbeitet. Sie verrät uns, weshalb der Plan fehlschlägt und uns die Polizei ans Leder will. Der Gambler hilft uns jedoch dem Knast zu entgehen, doch dafür müssen wir den Laufburschen für ihn spielen. Die Monate vergehen und Taylor fasst den Entschluss, sich am House und Lina zu rächen. Ja, das war es dann auch schon. Viel mehr gibt die Story nicht wirklich her und die Charaktere könnten nicht eindimensionaler und peinlicher sein. Zwar waren die Need for Speed Storys nie Meilensteine, doch sie hatten zumindest ihren Charme oder waren spannend genug, um uns bei Laune zu halten. Need for Speed Payback weiß aber irgendwie nie, ob es alberner und überzogener Trash sein will oder ob man eine ernste Geschichte erzählen will. Das Ergebnis ist weder Fisch noch Fleisch und kann eigentlich keinen überzeugen. Nach etwa 15 Stunden ist der Spaß auch vorbei. Es kommt während dieser Zeit aber auch keinerlei Spannung oder Fahrt auf, weil das Pacing einfach schlecht ist. Womit wir nun die Brücke zum Gameplay schlagen.

Aufgezwungene Abwechslung

Um den letzten Punkt abzuschließen, kommen wir erstmal zu den Aufgaben während der Story. Ihr sucht euch andere Crews und bringt diese dazu, sich euch anzuschließen. Dafür müsst ihr sie in einer Reihe von Rennen besiegen. Dabei gibt es Drift, Drag, Offroad und Straßenrennen. Wenn ihr alle absolviert habt, folgt quasi eine richtige Story Mission, die auch die “Handlung” mal ein wenig vorantreibt. Das geschieht in den sogenannten Blockbuster Missionen. Womit wir auch unser erstes Lob aussprechen können. Auch wenn diese sehr oft überzogen inszeniert sind, machen sie einfach Spaß und sehen toll aus. Leider gibt es nur eine handvoll davon und dazwischen darf man dann immer erstmal Drag, Drift etc. absolvieren. Das störende daran ist, dass man alle Standard Rennen absolvieren MUSS, um weiter zu kommen. Wer also kein Bock auf Offroad Rennen hat, hat leider Pech gehabt, denn er muss sie fahren, damit es weitergeht. Erschwerend kommt hinzu, dass jeder Renntyp ein eigenes Fahrzeug benötigt. Das Problem hierbei ist, dass diese nicht direkt unterteilt sind. Nehmen wir einfach mal einen Nissan Skyline als beispiel. Dieser kann für alles genutzt werden, ihr müsst ihn nur beim jeweiligen Händler kaufen. Wenn ihr den Skyline beim Drift Händler kauft, ist er halt ein Drift Fahrzeug und bricht leichter in Kurven aus. Kauf ihr ihn beim Drag Händler, ist er ein Drag Fahrzeug und hat mehr Boost und Speed. Man kann seine Fahrzeuge nicht selbst entsprechend der Renntypen anpassen. So kann man durchaus 5 Skylines haben, aber jeder davon ist nur für einen Renntyp geeignet. Dadurch und durch das nötige absolvieren aller Rennen, ist das Spiel zwar abwechslungsreich und man fährt theoretisch immer andere Fahrzeuge, doch wirkt es sehr aufgezwungen. Ein Glück nur, dass die Rennen Spaß machen. Das schlimmste ist jedoch die Kombination mit dem Fahrzeug-Level und den Teilen, zu denen wir gleich kommen.

Die Steuerung ist sehr Arcadig gehalten und das merkt man auch direkt. Es passt aber auch und bockt einfach. Das NOS aktivieren, mit Rampen durch die Wüste springen, die Bremse ziehen und den Drift beginnen oder Gegner wegrammen – es bockt einfach und fühlt sich super an. Einziger Wermutstropfen hierbei ist, dass das Geschwindigkeitsgefühl irgendwie nie zur Gänze rüber kommt. Man hat in einem Koenigsegg Agera einfach nicht das Gefühl, dass man grad in einem sau teuren Hypercar sitzt. Das ist insbesondere Schade, da Need for Speed das eigentlich immer gut drauf hatte. Lediglich beim Einsatz von NOS verzerrt das Bild und es gibt einen kleinen Geschwindigkeitsflash, der ungefähr 3 Sekunden anhält.

Geld regiert die Welt

Kommen wir zum nächsten Punkt, der offenen Welt und wer hätte das gedacht, auch hier sind wir nicht gänzlich zufrieden. Sie ist ziemlich groß und an sich gut designed, aber leider ist sie sehr leer und leblos. Selbst in der Hauptstadt geht nicht wirklich viel ab. Nett ist hierbei aber, dass es sehr viele Sammelgegenstände gibt, was zum ausgiebigen Erkunden der Spielwelt einlädt. Doch auch hier gibt es wieder einen Haken. So gibt es Blitzer die ihr schnell durchfahren müsst, Streckenabschnitte wo ihr eine durchschnittsgeschwindigkeit halten müsst oder Rampen wo ihr möglichst weit Springen müsst. Diese Aktionen werden dann mit maximal drei Sternen bewertet und jetzt kommt das tolle daran: Wenn ihr euer Auto optisch tunen wollt, müsst ihr genügend Sterne sammeln, damit ihr Teile freischaltet. Manche Teile werden auch freigeschaltet, wenn ihr lange mit eurem Auto unterwegs seid, viel driftet oder andere Aufgaben erfüllt. Ihr MÜSST also erstmal zig Aufgaben erledigen, bevor ihr schrauben dürft. Zwar sind die Möglichkeiten dabei sehr umfangreich und kreative Köpfe können wieder zahlreiche Stunden hiermit verbringen, doch erst, wenn man genug Sterne gesammelt hat und viel rumgefahren ist mit seinem Auto. Wer das schon geil findet, wird sich über den nächsten Punkt noch mehr freuen, die Speedkarten.

Speedkarten werden benötigt um die Leistung der Boliden zu steigern. Diese werden durch Hersteller und Bauteile unterschieden. So gibt es Turbos, Getriebe, Bremsen, Reifen – halt die üblichen Autoteile. Kennt man so ähnlich auch aus The Crew. Diese bekommt ihr in verschiedenen Stufen und auf verschiedenen Wegen. So gibt es nach jedem Rennen eine zufällige Speedkarte. Dann könnt ihr noch welche bei Händlern kaufen, deren Sortiment alle 10 Minuten aktualisiert wird, und hier könnt ihr auch sogenannte Token einsetzen um neue, zufällige Speedkarten zu erstellen. Zu guter letzt gibt es aber auch noch Mikrotransaktionen, welche euch Geld, Token und Speedkarten einbringen können. Womit wir beim wohl massivsten Kritikpunkt des Spiels angekommen sind. Wie bereits erwähnt, müsst ihr, um in der Story weiter zu kommen, zahlreiche Rennen absolvieren. Diese werden natürlich immer schwerer und hier kommt der Fahrzeuglevel ins Spiel. Die Rennen haben immer ein empfohlenes Level und auch wenn ihr mal ein paar Level drunter liegt, habt ihr dennoch eine Chance zu gewinnen, jedenfalls bis zu einem gewissen Grad. Sagen wir mal, unser Mazda MX-5 ist Level 120 und durch unsere neue Speedkarte wird er auf Level 122 gehoben. Nun wollen wir das nächste Rennen fahren und diese hat ein empfohlenes Level von 130. Etwas zu hoch, aber immer noch machbar. Nun bekommen wir nach dem Rennen eine Speedkarte, die unser Level nicht erhöht, das nächste Rennen hat aber eine empfohlenes Level von 140 und da wirds langsam eng.

Nicht nur sind wir auf Glück angewiesen um die richtigen Speedkarten zu kriegen, ab einem gewissen Punkt, lässt sich es sich nicht mehr vermeiden, immer wieder die gleichen Rennen zu fahren oder man kauft Speedkarten mit der InGame Währung, welche natürlich auch nicht unendlich verfügbar ist. Anfangs ist das noch nicht so störend, doch mit weiterem voranschreiten im Spiel, wird es immer nerviger. Das ist aber noch immer nicht das Schlimmste, denn das kommt jetzt. Nach ein paar Stunden wird uns unser Mazda MX-5 auf Level 170 langsam langweilig und wir haben grad durch die letzte Story Mission den BMW M5 freigeschaltet und wollen uns den jetzt kaufen. Gesagt, getan. Und jetzt noch schnell die Speedkarten vom alten zum neuen Auto übertragen und los geht’s. Wäre so ganz nett, geht aber nicht, da Speedkarten Fahrzeuggebunden sind. Unser neuer BMW M5 ist nun also auf einem ziemlich niedrigen Level und nun dürfen wir erneut Rennen fahren um Speedkarten zu bekommen, immerhin muss der Level ja passen, damit wir weiterkommen können. Wir könnten auch ein paar Speedkarten beim Händler kaufen, doch leider sind wir nach dem Kauf des BMWs leider erstmal pleite. Jetzt haben wir die Wahl – entweder wird grinden bekannte Rennen immer wieder, bis der BMW besser ist oder wir nutzen Echtgeld und besorgen uns so schnell und problemlos mehr Geld und Speedkarten. Man merkt einfach immer wieder, dass das Spiel von einem will, dass man nochmal Geld in die Hand nimmt, außer man will bekannte Rennen immer wieder grinden. Hier können wir nur sagen, dass das eine absolute Schweinerei ist. Achja, wenn wir den BMW optisch tunen wollen, müssen wir natürlich auch erstmal wieder Aufgaben abschließen. Wirklich sehr gut durchdacht das Ganze…

Achja, einen Multiplayer hat Need for Speed Payback auch noch. Bei diesem könnt ihr Lobbys erstellen oder Lobbys beitreten und dann die verschiedenen Rennen fahren – Drift, Drag, Offroad und so weiter. Die offene Welt zusammen mit Freunden erkunden oder einfach Cruisen geht nicht, weil, ja, äh, das wissen wir ehrlich gesagt auch nicht. Warum das Spiel manchmal abschmiert während wir eine Lobby suchen, ist uns auch ein Rätsel. Dabei hat beides vor zehn Jahren schon problemlos funktioniert.

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Need for Speed Payback Testbericht

Need for Speed Payback

  • Release: 10.11.2017
  • Genre: Rennspiel
  • Entwickler: Ghost Games
  • Publisher: Electronic Arts

Gutes

- Eingängige Arcade Steuerung
- Rennen sind abwechslungsreich und machen Spaß
- Blockbuster Missionen sind toll inszeniert
- Vielseitige Möglichkeiten beim optischen Tunen

Schlechtes

- Story und Charaktere sind einfach albern und langweilig
- Aufgezwungene Aufgaben für Fortschritt und optisches Tunen
- Unnötige und nervige Grinds sollen Mikrotransaktionen schmackhaft machen
- Technisch fehlerhaft und nicht auf der Höhe der Zeit
- Leere und leblose Welt die nicht in Erinnerung bleibt
- Plumper Multiplayer Modus

6,8 / 10 Nicht so gut

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