Need for Speed: Hot Pursuit – Review

Getestet von | 10.12.2010 um 00:00 Uhr

Es ist wohl wahr. Auch 2010 kommt nicht aus, ohne ein neues Need for Speed auf den Gamermarkt zu bringen. Keine Serie hat so viele Auskopplungen vor zu zeigen wie diese Rennspielserie. Nachdem diese aber auf der PS3 eher mäßigen Erfolg verbuchen konnte, lässt EA nun das hochgelobte Entwickler-Studio Criterion Games ans Werk, die mit ihrer Burnout-Serie und dem Shooter Black schon viele male unter Beweis gestellt haben, warum sie so hoch gelobt werden. Criterion besinnen sich bei ihrem NfS wieder auf die guten alten Tage und bringen nun Need for Speed Hot Pursuit auf den Markt. Doch kann dieser Titel auch an die alten Erfolge der Serie anknüpfen? Lest nun in unserer Review das Fahrurteil.

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Back To The Roots

Zurück zum Anfang war scheinbar das große Motto was Criterion Games bei ihrer Aufgabe, ein neues NfS zu entwickeln, angestrebt haben. Need for Speed Hot Pursuit ist ein Titel, der bei den ersten PSOne- und dem ersten PS2 Game anknüpft und euch wieder gegen die Polizei antreten lässt. Doch natürlich hat Criterion ein wenig am Spielkonzept gebastelt und hat ohne große Zweifel der Serie ihren großen Stempel aufgedrückt. Doch was ist eigentlich ein Hot Pursuit Teil? Für alle die, die diese Art von NfS noch nie gespielt haben und erst später zu der Serie gestoßen sind, ein kurzer Überblick. In Need for Speed ging es seit jeher um Traumautos bei Höchstgeschwindigkeit. So konnte man aus einer Vielzahl von luxuriösen Autos wählen, die Farbe einstellen und sich dann ein Rennduell mit anderen quer durch die Pampa liefern. Dieses Spielkonzept zieht sich durch die ersten paar Titel durch. NfS 3 trägt erstmals den Beinahmen Hot Pursuit und bringt Polizei mit ins Spiel. So muss man nicht nur gegen seine Gegner gewinnen, der Spieler muss zeitgleich auch noch die Cops loswerden. Das erste NfS für PS2 ist eine exakte Fortsetzung des PSOne Hits. Danach verfiel die Serie dem Tuning-Wahn. Zwar kam gelegentlich Titel mit Polizei wieder auf den Markt, trafen aber nicht das, was die Serie früher ausgemacht hat, bis jetzt. Exakt 8 Jahre später bringt Criterion nun ein NfS mit genau diesem Spielkonzept raus. Ohne große Wartezeiten, befinden wir uns nun im Hauptmenü. Dieses Hauptmenü ist allerdings kein richtiges Hauptmenü, es ist vielmehr eure große Zentrale, von Criterion Autolog genannt. Hier habt ihr Zugriff auf eure Karriere, auf den Online-Part und noch ein paar andere Features, wie z.B. eurer Wall, Dreamshots oder den Empfehlungen.

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Cop oder Racer?

Das Herz des Spiels ist ohne Frage der Karriere-Modus des Games und hier steht der Spieler gleich vor einer großen Entscheidung und zwar, ob ihr Racer oder Cop spielen wollt. So habt ihr nämlich eine große Weltkarte und habt zu Anfang zwei Events zur Auswahl. Ein Cop- oder ein Racer Event. Ihr könnt natürlich jederzeit beide Karrieren spielen und gleichzeitig laufen lassen, ihr könnt natürlich auch erst die eine und dann die andere spielen. Fangen wir am besten mit der Racer-Karriere an. Das erste Event ist das Demo Event und ihr habt nur einen Porsche zur Auswahl. Euer Ziel ist es, euch so gut wie möglich zu platzieren, um Kopfgeld zu sammeln. Dieses benötigt ihr, um im Rang aufzusteigen und um neue Fahrzeuge zu bekommen. Gleich im ersten Rennen wird aber schnell klar was Sache ist. Tuning gibt es natürlich nicht und damit ist dieses NfS auch das erste NfS seit acht Jahren, welches ohne dieses auskommt. Nur die Farbe darf eingestellt werden. Außerdem ist das Gameplay sehr Action-lastig. Anfangs wirken die Wagen ein wenig schwerfällig, doch der Schein trügt. Nach ein paar Rennen hat man sich sehr schnell an die Geschwindigkeit und die Steuerung gewöhnt und kann geschmeidig um die Kurven driften. Ansonsten gibt es technisch nicht sehr viel an Hot Pursuit auszusetzen. Die Grafik ist wirklich schön anzuschauen. Die Welt und ihre vier Landschaftsgebiete wurden schön gestaltet und auch die Wagen wurden sehr detailliert und gut dar gestellt. Natürlich nicht so aufwendig wie ein Gran Turismo 5, aber verstecken brauch sich NfS deswegen noch lange nicht. Auch der Sound der Wagen klingt sehr gut und kann überzeugen. Nicht ganz überzeugen kann da der Soundtrack der leider etwas eintönig geraten ist und kaum Abwechslung bietet. Das ist leider ein wenig zu bedauern, haben Criterion und EA doch sonst immer ein so gutes Händchen was Soundtrack angeht. Zum Glück darf der Spieler auch bei seiner eigenen Musik fahren, was die mäßige Auswahl des Soundtracks wieder relativiert. Technisch liefern Criterion in jedem Fall wieder ein Meisterwerk ab. Wie bereits erwähnt sammelt ihr Kopfgeld um in eurer Karriere voran zu schreiten. Ihr bekommt für alles Mögliche Kopfgeld, z.B. im Gegenverkehr fahren, um Kurven driften und natürlich die Geschwindigkeitsbegrenzung überschreiten. Am Ende seht ihr nun einen Balken der sich immer etwas füllt. Auf den Balken befinden sich immer kleine Dreiecke. Diese stehen für neue Fahrzeuge die ihr freischaltet. So ist hier die Motivation sehr hoch, da Autos am laufenden Band freigeschaltet werden. Die Autos lassen hierbei auch keine Wünsche offen. Hier sind so ziemlich alle aktuellen Traumwagen vertreten, nur Ferrari wurde nicht mit ins Spiel geholt. Dies ist aber nicht wirklich schlimm, da u.a. mit Bugatti, Pagani, Audi, Porsche und Lamborghini wirklich schwere Geschütze aufgefahren werden. Auch die Aufteilung der Fahrzeuge ist gut gelungen. So wurden die Fahrzeuge in fünf Klassen eingeteilt, gemäß ihrer Geschwindigkeit. Ihr startet nun mit der „langsamsten“ Klasse und arbeitet euch allmählich bis zur schnellsten Klasse durch. Auch die Events wurden den Klassen angepasst und so könnt ihr immer sehen, in welcher Klasse sich das Event befindet. Auch gibt es für den Racer mehrere Event-Typen. So gibt es einmal das klassische Rennen. Hier fahrt ihr einen Rundkurs oder eine Sprintstrecke gegen eine Vielzahl von Gegnern ohne Polizei. Wer als erster im Ziel ist gewinnt Gold. Dann gibt es noch die Vorschau-Events, bei denen ihr mit einem vorgegebenen Wagen gegen die Uhr fahrt. Fahrt ihr gegen die Bande oder crasht den Verkehr, gibt’s Strafzeiten. Zum Schluss gibt es dann das Hot Pursuit Event. Hier fahrt ihr ganz normale Rennen, nur das euch die Polizei im Nacken hängt und euch und eure Gegner kräftig aufmischt. Doch seid ihr natürlich nicht hilflos den Cops ausgeliefert. Neben euren Fahrkünsten habt ihr noch kleine „Waffen“, die ihr gegen die Cops oder euren Gegnern einsetzen könnt. Diese Waffen sind kleine Hilfsmittel, die über Sieg oder Niederlage entscheiden können. So haben Fahrer insgesamt vier verschiedene Waffen, die immer willkürlich vorgegeben sind. Ihr habt einmal einen Turbo, Nagelbänder, EMP und Störsender. Bei dem Turbo bekommt ihr kurzzeitig einen fetten Geschwindigkeitsschub. Nagelbänder werden hinter eurem Fahrzeug abgeworfen und können eure Gegner oder die Cops kurzzeitig außer Gefecht setzen. Bei einem EMP könnt ihr die Minikarte und die Waffen des Gegners für kurze Zeit lahm legen und den Störsender könnt ihr gegen feindliche EMP-Angriffe verwenden und gleichzeitig das Radar der Cops lahm legen und zusätzlich noch feindliche Straßensperren ausfindig machen. All diese Waffen haben unterschiedliche Stufen. Jede Waffe kann auf Stufe 3 aufgewertet werden. Die schafft ihr durch Meilensteine, die Criterion auch schon bei Burnout verwendet hat. So müsst ihr z.B. so und so viele Fahrzeuge mit einem Nagelband treffen und schwups, wird der Nagelband um eine Stufe erhöht. Sowas bringt zusätzlich noch einen satten Kopfgeld-Bonus. Aber das war nicht das einzige Burnout-artige in Hot Pursuit. So könnt ihr nämlich eure Kontrahenten erledigen, wenn ihr ihnen einen Takedown verpasst und auch ein Schadensmodell gibt es. Zwar nicht so detailliert wie in Burnout, aber Blech fliegt und die Funken sprühen. Auch kann die Polizei mittels heftiger Stöße ins Heck oder der Seite ausgeschaltet werden. Über jeden Wagen ist daher praktischerweise eine Lebensanzeige, aber Vorsicht. Auch ihr habt eine Schadensanzeige und solltet diese komplett leer sein, habt ihr einen Totalschaden und somit das Rennen verloren. Soviel nun zu den Racern, widmen wir uns nun den Polizisten zu. Bei denen sieht es im Endeffekt ähnlich aus, aber gehen wir Schritt für Schritt vor. Die Hauptaufgabe bei den Cops besteht darin, Raser den Gar aus zu machen, bevor sie euch entwischen. Dies schafft ihr nur, indem ihr die Wagen der Racer zerstört, oder ihr den Racer lange genug vor einem Racer steht, sodass dieser nicht mehr wegfahren kann. Auch bei Cops gibt es Waffen, mit denen ihr die Raser ausschalten sollt. Cops haben EMP, Nagelband, Helikopter und Straßensperren zur Auswahl. Der EMP funktioniert wie bei den Racern, genauso wie der Nagelband. Der Helikopter ist selbstredend ein Hubschrauber, der versucht den Raser mittels abgeworfenen Nagelstreifens aufzuhalten. Straßensperren sind mehrere Autos, teils mit Nagelbändern, die eine Linie auf der Straße bilden und euch aufhalten wollen. Auch diese Waffen können mittels Meilensteine auf Vordermann gebracht werden. Auch gibt es dieselbe Klasseneinteilung der Wagen und das Rangsystem ist ebenfalls dasselbe. Ihr schaltet also laufend neue Cop-Karren frei. Bei den Eventtypen stehen euch auch drei verschiedene zur Auswahl. So gibt es Zeitfahren, Interceptor und Hot Pursuit. Bei Zeitfahren müsst ihr möglichst schnell zu einem Einsatzort fahren. Auch hier gibt es Zeitstrafen wenn ihr Verkehr und Rand berührt. Bei Interceptor müsst ihr mit Hilfe der Waffen einen einzigen Raser schnappen. Dabei steht dem Raser die ganze Karte offen und er bestimmt wo es lang geht. Bei Hot Pursuit fahren mehrere Wagen eine Strecke entlang und ihr müsst versuchen so viele wie möglich zu stellen. Mit den nun insgesamt sechs Events bietet Hot Pursuit eine gut gelungene Abwechslung, die sich anfangs leider etwas zurück hält, da gerade zu Anfang kaum Hot Pursuits gefahren werden. Später entfaltet das Spiel aber seinen vollen Glanz und zieht Stunden vor die Flimmerkiste.

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Schöne Idylle

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht wirklich so aussieht, aber Hot Pursuit hat eine frei befahrbare „Stadt“, die aber keine wirkliche Stadt ist, vielmehr ein Gebiet verschiedener Landschaftsgebiete. Die Welt hört auf den Namen Secrest County und wurde schön in Szene gesetzt. Die vier Bereiche, Küste, Wald, Wüste und Berge umfassen dabei so ziemliche jeden Geschmack und sind alle schön zu fahren, ob nun die vielen Haarnadelkurven am Berg, die Schleichwege in den Wäldern oder den endlos langen Straßen in der Wüste, alles macht Spaß und sieht großartig aus. Keiner Straße gleicht der anderen und die Landschaft sieht wirklich super aus. Eine richtige Stadt gibt es allerdings nicht. Der Grund ist dieser, dass es nicht in das Konzept passt. Stattdessen gibt es überall kleine Ansammlungen von Häusern, oder einen Rummel, oder einen Contry-Club. Sofern ihr während eines Rennens oder eines Freedrives mal auf Start drückt, könnt ihr auch jederzeit ein Foto schießen. Hier können noch ein paar Dinge eingestellt werden und dann könnt ihr auch schon eurer Meisterwerk knipsen, dieses wird dann direkt an Autolog geschickt und dann könnt ihr es auch veröffentlichen für andere. Sofern ihr das macht, sehen andere Leute auf eurer FL das sofort, wenn sie NfS wieder spielen und können dann auch sofort Kommentare runter setzen. Kommentare gibt es auch bei eurer Wall. Hier könnt ihr besonders gute Ergebnisse posten und zusätzlich kommentieren. Neben diesen ganzen Dingen gibt es noch einen Ingame-Store und die NFS-News, die allerdings nicht wirklich nötig sind. Der letzte Punkt ist dann noch der Online-Modus. Hier sei zuerst gesagt, dass man hier nicht einfach in der Stadt rumfährt und Leute in eine Lobby einlädt wie in Burnout. Hier kann man zwar Lobbys erstellen und Freunde einladen, aber alles im Menü. Dies funktioniert jedoch problemlos und recht zügig. Es stehen insgesamt drei Modi zur Verfügung. Rennen, Interceptor und Hot Pursuit. Bei Rennen treten 2-8 Spieler gegeneinander an ohne Polizei. Das Interceptor ist ein 1-gegen-1, bei dem einer den Raser, der andere den Cop spielen soll. Dies ist besonders für hitzige Duelle und Freunde gut gedacht, da man sich hier gut und gerne Stunden beschäftigen kann, seinen Kontrahenten fertig zu machen. Bei Hot Pursuit spielen immer Cops gegen Raser. Das Spiel teilt dabei willkürlich auf, aber immer gleich viel auf jeder Seite. Dieser Modus ist sehr chaotisch, da menschliche Gegner doch schwerer zu erledigen sind als KI-Gegner. Außerdem hat jeder noch ein Handicap, denn er muss sich sämtliche Waffen mit seinen Kontrahenten teilen. Zum Glück gibt es beim Online-Modus nichts auszustehen. Es gibt keine Rauswürfe oder Autos die ständig von Punkt zu Punkt springen. Alles läuft sauber. Klar kann es mal ein paar Fehler geben, diese sind aber kaum zu merken. Mit welchen Wagen ihr fahrt entscheidet übrigens der Host, denn dieser gibt die Klasse vor in der gefahren sind. Ihr könnt allerdings auch nach einer bestimmten Klasse suchen und das Spiel sucht euch fix eine Lobby mit genau der Klasse, oder Spielmodus den ihr gerne hättet. Auch schön ist zu wissen, dass sämtliches Kopfgeld in euren Rang mit einbezogen wird und ihr auch online Wagen freischalten- und Ränge aufsteigen könnt.

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Fazit:

So viele Jahre und noch nicht müde. Criterion wagt sich weg vom Tuning und geht wieder zurück zum Anfang der Serie, war dieser Schritt nun erfolgreich? Ja, das war er, denn Criterion Games liefern mit diesem Need for Speed einen Top-Arcade-Racer ab. Die Technik stimmt, der Umfang stimmt, online läuft alles und Criterion hat der Serie ordentlich ihren Stempel aufgedrückt. Denn wenn man mal genau hinsieht, wird man bemerken, dass dieses NfS sehr viel mit Burnout gemeinsam hat und Criterion sich da mehr als einmal aus ihrer eigenen Serie bedient hat. Dies stört aber gar nicht und lässt das Hot Pursuit der neuen Generation recht frisch wirken. Wer also noch nach einem Racer sucht, der wird an Hot Pursuit nicht vorbei
kommen, NfS Fans sowieso nicht.

Gutes

+ Der Weg zurück zu den Wurzeln ist mehr als gelungen
+ 2 separate Karrieren als Cop und Racer
+ Riesige Welt mit toller Landschaft
+ Viele Traumwagen die sämtlichen Geschmack treffen
+ Technisch nahe zu perfekt

Schlechtes

- Rangaufstiege dauern ein wenig zu lange
- Manche Zeiten der Zeitevents sind sehr knapp bemessen
- Der Soundtrack ist zu eintönig

8.5 Sehr gut

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