NBA Live 10 – Review

Getestet von | 05.11.2009 um 00:00 Uhr

Der Boden ist poliert, die Schuhe sind geschnürt und die Trikots frisch gewaschen. Es geht erneut auf die Bretter, die für so manchen US-Boy heutzutage die Welt bedeuten. NBA Live 10 ist fertig und steht in den Regalen der Händler. In unseren Landen ist der Hype um die 600 Gramm schwere Kugel noch nicht so richtig angekommen. Ob EA Sports daran etwas ändern kann, lest ihr in dieser Review.

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Der Star aus dem Reagenzglas

Das überarbeitete Menü lässt den Umfang von NBA Live 10 allenfalls vermuten. Neben den klassischen Spielmodi gehören jetzt auch genetische Experimente zum NBA-Alltag. Das Zauberwort heißt Dynamische DNS. Jede Woche werden die neuesten Statistiken zu jedem Spieler der National Basketball Association aktualisiert. Schlecht ist das ganze nur, wenn sich der Lieblingsspieler auf einmal sämtliche Bänder reißt. Gut daran ist wiederum, dass dieses Feature im Gegensatz zu anderen Sportspielen aus gleichem Hause kostenlos ist. Ansonsten führt diese Neuerung den Spieler wieder einen Schritt näher an die realen Ereignisse der NBA heran. Und dieses Feature steht jetzt schon als Kaufgrund Nummer 1 für NBA Live 11 fest. Wer will so etwas denn wieder missen, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat?! Die Dynamische Saison ist neu und eine konsequente Fortführung der Dynamischen DNS. Hier werden die realen Spielbegegnungen, Aufstellungen, Spielerdaten und Ergebnisse nachgespielt. Die gesamte Saison 2009/2010 kann mit dem favorisierten Team nachgespielt werden. Die Daten dafür werden nach jedem realen Spieltag mit der Dynamischen Saison abgeglichen. Zusätzlich bietet die Rewind-Funktion die Möglichkeit, alle Spiele der jüngsten Vergangenheit nachzuspielen. Die Saison läuft zwar noch nicht so lange. Wer sich allerdings dazu entscheidet, alle Spiele nachzuholen, der hat jetzt schon ordentlich zu tun. In der Regel beschränkt man sich aber auf die Spiele seines Lieblingsteams. So kann jeder Basketball-Fan seine Favoriten zum Erfolg führen. Egal wie schlecht sie derzeit spielen. Und selbst wenn die echten Spieler sich aufgrund ihrer mittelmäßigen Leistungen längst wieder im Trainingslager befinden, so können die ganz persönlichen Playoffs gespielt und die Finals erreicht werden. Die Endausscheidungen können in einem eigenen Modus auch direkt angespielt werden. Bei „Playoffs“ steigen wir direkt ein. Alleine oder mit Freunden können beliebig viele Teams gesteuert werden. Die Stimmung ist kurz vor dem Finale natürlich angeheizter. Diese Atmosphäre wird im Playoffs-Modus gut rüber gebracht.

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Dynasty Mode und FIBA-Weltmeisterschaft sind bereits bekannt. Die Weltmeisterschaft wird von uns standesgemäß mit dem deutschen Team bestritten. Je nach Belieben kann aber auch ein anderes der insgesamt 24 Nationalteams gewählt werden. Sie bietet eine schöne Abwechslung zum NBA-Alltag. Mit Dirk Nowitzki an der Front unterschiedet sich dieser Modus, mal abgesehen von den Trikots in Nationalfarben, aber nicht wirklich von all den anderen Spielen. Trtozdem macht es Spaß, besonders wenn das heimische Banner am Ende ganz oben weht. Der Dynasty Mode ist seit jeher das Herzstück von NBA Live. Streng nach Terminkalender werden hier Spieler gedrafted, Trainer engagiert und selbstverständlich Spiele absolviert. Die Dynasty bietet den größten Spielspaß. Frei nach dem Motto: „Alles kann, nichts muss“ ist es jedem selbst überlassen, inwieweit er in die Saison eingreift oder sie nur simuliert. Anstatt der Standardkader kann auch mit Fantasy-Teams gespielt werden. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist es allerdings schon, wenn Kobe Bryant anstatt des gelben Lakers-Trikots auf einmal in den Farben der New York Knicks aufläuft. Leider fehlt bei NBA Live wieder der inzwischen bei fast allen anderen Sportspielen integrierte „Be a Pro“ Modus. Letztes Jahr wurde die Ein-Mann-Karriere integriert und lief eigentlich auch ganz gut. Dementsprechend haben wir auf eine Ausweitung der Möglichkeiten gewartet. Leider wurden wir dahingehend enttäuscht. Bis auf die Möglichkeit, beim Spiel einen festen Spieler auszuwählen ist vom Be a Pro Modus nichts mehr vorhanden. Insgesamt ist die Einbindung der DNS bei NBA Live 10 ein nettes Feature, wirkt aber leider zu spielbestimmend. Dadurch, dass die Profi-Karriere wieder gestrichen wurde, fällt der Umfang für Einzelspieler ein wenig dünn aus. Da wäre durchaus noch etwas Platz für mehr Innovationen gewesen.

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Rebound, Slam Dunk, Tscha Tscha Tscha

Der Schwierigkeitsgrad ist ganz dem persönlichen Geschmack anpassbar. Neben der klassischen Einteilung in Rookie oder Pro bietet NBA Live 10 auch die Möglichkeit, das Spielverhalten gezielt zu beeinflussen. So kann die Rebound-Fähigkeit der CPU runter geschraubt und gleichzeitig die eigene Angriffstärke nach oben gedreht werden. Bei schamloser Ausnutzung führt das im Extremfall dazu, dass man nur noch gegen einen Haufen riesiger Bewegungs-Legastheniker spielt. Wir wollen uns den Spielspaß aber noch ein wenig länger erhalten und versichern, dass das Balancing auch in den Grundeinstellungen absolut fair und gut gelungen ist. Letztes Jahr hatte EA Sports ein wenig beim Gameplay geschlampt. Die Steuerung hatte einige Macken. Davon ist jetzt nichts mehr zu spüren. Es hat vielmehr den Anschein, als wenn die Entwickler bei NBA Live 10 ihr Hauptaugenmerk auf die Steuerung gelegt haben. Sämtliche Spielzüge gehen in Offense und Defense durch Kombination von Analogstick und Schultertaste flüssig von der Hand und sind schnell ausgeführt. Während der Auszeit können über Schnellzugriff mittels Steuerkreuz Aufstellung und Taktik in sekundenschnelle angepasst werden. Die Umsetzung der CPU-gesteuerten Spieler geschieht ebenfalls sofort. Egal, ob Doppeln oder Zonenverteidigung angewiesen werden. Alles wird in sekundenschnelle umgesetzt. Das freie Passen ist neu und geschieht mittels linker Schultertaste und rechtem Analogstick. Hier kann in jede beliebige Richtung geschossen werden, egal ob dort ein Mitspieler steht oder nicht. Die freien Pässe sind trainingsintensiv, eröffnen aber auch völlig neue Möglichkeiten, den Gegner schwindelig zu spielen.

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Abtupfen bitte

Grafisch hat NBA Live 10 so einiges zu bieten. Der Schweiß rinnt den Spielern von Arm und Bein. Glänzend animiert, wir begrüßen in diesem Fall aber, dass es noch kein Geruchs-Videospiel gibt. Leider sind auch einige Darstellungsfehler aufgefallen. Starkes Kantenflimmern ist bei vielen Video-Sequenzen zu verzeichnen. Die Cheerleader in der Halbzeit genügen leider auch nicht dem grafischen Anspruch, den EA Sports an die Hauptdarsteller gestellt hat. Hier wurde ein wenig getrickst. Um die Mängel zu kaschieren, haben die Entwickler in den Randbereichen und teilweise auch während der Videosequenzen mit Unschärfeeffekten gearbeitet. Damit fällt die nachlassende Qualität abseits des Spielgeschehens nicht mehr so auf. Die Feldspieler haben dafür einen hohen Wiedererkennungswert. Das virtuelle Ebenbild von Dirk Nowitzki würde auch seine Familie überzeugen. Auch am Publikum wurde gearbeitet. Die Fangemeinde agiert nicht mehr als ferngesteuerte Suppe. Einzelne Menschen sind gut erkennbar und unterscheiden sich in Aussehen und Jubelform gut von ihren Sitznachbarn. Lange Ladezeiten sind allerdings ein Ärgernis.

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Der Soundtrack ist umfangreich wie immer. Die Atmosphäre während der Matches wurde gut eingefangen. Egal ob es ein Play-Off oder reguläres Freundschaftsspiel ist. Wenn im Staples Center die Fangesänge der Lakers ertönen, spornt das ordentlich an, den Gegner unangespitzt in den Boden zu rammen. Die Kommentatoren sind englisch-sprachig. Sie sorgen zusätzlich für gute Atmosphäre in der Halle. Wer allerdings genauer hinhört wird erkennen, dass sich die Sprüche im Gegensatz zum Vorgänger kaum geändert haben. Insgesamt sind Grafik und Sound eher im Durchschnitt angesiedelt. Irgendwie macht NBA Live 10 den Eindruck, als wären die technischen Entwickler nicht ganz fertig geworden. Was sich hier aber vielleicht schlimm anhört, ist Jammern auf hohem Niveau. Am Spielfluss gibt es nämlich nichts auszusetzen. Und der Spielspaß ist ja schließlich der Grund, warum wir die Disc in die Konsole schieben.

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Wer spielt schon auf dem Schulhof

Wenn er von der Couch aus seine Kumpels niedermachen kann? Der Multiplayer bei NBA Live 10 hat einiges zu bieten. Neu ist der adidas LIVE Run. Hier wird in selbst erstellt Teams mit fünf Spielern bis 21 gespielt. Jeden Monat beginnt einen neue Saison und die Jagd nach neuen Rekorden. Der adidas LIVE Run bietet schnellen Spielspaß mit toller Atmosphäre. Abseits von Manager-Entscheidungen und Gehaltsverhandlungen kommen hier Casual-Gamer voll auf ihre Kosten. Ansonsten kann mit bis zu zehn Mitspielern im Teamspiel gegeneinander gekämpft werden. Ebenso kann mit einem Fantasy Team online angetreten werden. Puristen können natürlich auch ganz klassisch 1 vs. 1 gegen einen Freund spielen. Für Hardcore-Zocker sind die Online-Ligen einen Blick wert. Hier wird ohne festen Spielplan gegeneinander angetreten. Ein Spieler wird zum General Manager ernannt. Ihm obliget fortan die Organisation der privaten Liga. Natürlich zeigt die Tabelle an, wer gerade die Nase vorn hat. Sämtliche Online-Möglichkeiten sind einwandfrei spielbar. EA Sports hat hier eine Menge getan. Schade, dass Single-Player dieses Jahr nicht so auf ihre kosten kommen.

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Fortschritt oder technisches Foul?

Basketball ist schnell, Basketball ist hart, Basketball macht Spaß. NBA Live 10 folgt dem Ruf nach rasanter Action und haushohen Ergebnissen. Das ist allerdings schon seit Jahren so. Für dieses Jahr wäre ein wenig mehr Umfang wünschenswert gewesen. Wenigstens online kann EA Sports hier punkten. Die technischen Errungenschaften zum Vorgänger sind auch eher gering ausgefallen. Wenigstens wurden die Fehler ausgemerzt und die Steuerung verbessert. Für Neueinsteiger ist NBA Live 10 uneingeschränkt zu empfehlen. Besitzer der Vorjahresversion sollten sich aber erstmal die Demo besorgen und dann selbst entscheiden, ob der Kauf sich lohnt.

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Gutes

Dynamische DNS
Realistisches Spielgefühl
Gute Atmosphäre
Gelungene Steuerung
Riesiger Online-Umfang

Schlechtes

Kein Be a Pro
Grafikniveau nicht durchgängig hoch

8.0 Sehr gut

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