Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 2 – Review

Getestet von | 05.12.2010 um 00:00 Uhr

Der junge Ninja Naruto ist wohl nicht nur in Anime- und Mangakreisen eine bekannte Figur. Spätestens seitdem RTL2 im Jahre 2006 den Anime in Deutschland (leider geschnitten) austrahlt, fiebern viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene mit dem vorlauten Bengel auf seinem Weg zum Ninjameister mit. Der Erfolg der Serie begann aber schon sieben Jahre davor mit dem Anfang des japanischen Mangas. Nach vielen Staffeln wurde vom Naruto-Schöpfer ein neuer Abschnitt der Serie festgelegt – Naruto Shippuden. Das neue Kapitel präsentiert Naruto und Co in einer etwas reiferen Verfassung. Diese Zeit nimmt sich Namco Bandai jetzt mit dem Spiel Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 2 zur Brust. Kann der Titel dem Vorgänger, der einen gehörigen Achtungserfolg landete, die Stirn bieten? Wird das Naruto Universum angemessen präsentiert? Wir haben unser Wissen zur Serie gesammelt und uns nach Konoha gestürzt.

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Genin, Chunin, Ching Chang Chong?

Naruto steht in den Pforten des Dorfeingangs zu Konohagakure. Über zwei Jahre lang war er nun mit dem Sannin Jiraiya unterwegs und hat viele neue Techniken erlernt. Er kann es nicht abwarten, endlich wieder seine Freunde und Lehrer zu treffen. Er begegnet engsten Bekannten wie Sakura, Kakashi und Iruka. Doch lange hält die Freude nicht an. Alle aus seinem Jahrgang haben während seiner Abwesenheit die Prüfung zum Chunin absolviert. Er ist der einzige, der weiterhin nur ein Genin ist. Temari, Kankuro und Neji haben mittlerweile sogar den Rang eines Jonin, Gaara ist Kazekage und somit Anführer von Sunagakure. Lange Zeit kann sich Naruto darüber aber nicht ärgern, denn es gibt weitaus größere Probleme… Wer mit Naruto bisher nicht viel am Hut hatte, wird jetzt wohl ratlos aufgeben wollen, unseren Test zu lesen. Doch auch das Spiel wirft mit Begriffen um sich, die die meisten nicht einmal aussprechen können. Der Titel hält sich konsequent an die Abfolge von Shippuden und setzt voraus, dass der Spieler auch den Inhalt der Serie von Beginn an kennt. Es gibt keine Zusammenfassung der geschehenen Jahre und auch keine umfassende Beschreibung der wichtigsten Charaktere. Wer also einen Weg sucht, in die Naruto-Welt einzutauchen, sollte sich besser an den Anfang des Mangas/Animes wenden. Fans hingegen können sich freuen, die wichtigsten Ereignisse von Shippuden zu erleben. Wie bereits erwähnt ist die Abfolge recht genau an den Anime angelehnt. Natürlich wird die Geschichte im Spiel nicht so detailliert dargestellt, wie im gezeichnetem Original. Warum also Ultimate Ninja Storm 2 spielen, wenn Anime und Manga mehr erzählen? Eben das Spielen der Szenen, das Miterleben der aus der Serie bekannten Kämpfe hat seinen ganz eigenen Flair für Fans.

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Beat’m Up oder RPG? – beides!

Wie sein Vorgänger bemüht sich der zweite Naruto-Ableger auf der PS3, ein gelungener Mix aus Adventure bzw. Rollenspiel und Beat’m Up zu sein. Mit der Spielfigur kann in den Reichen und Dörfern herumgetollt werden. Hierbei gibt es einen Unterschied zum Erstling zu verzeichnen. Während dort noch in einem dreidimensionalem Konoha im Open-World Stil geklettert und gesprungen werden konnte, sind nun nur noch vorgegebene Wege begehbar. Das freie Klettern fällt ganz ins Wasser, es kann nicht mehr auf jedes beliebige Haus geklettert werden. Zwar bieten die Wege oft mehrere Abzweigungen, doch die Reize der Freiheit und Erkundung einer frei begehbaren Welt werden vermisst. Warum die Entwickler dieses Feature nicht auch in das aktuelle Spiel implementiert haben, kann nur angedeutet werden. Die Spielwelt als Gesamtes ist nun jedenfalls deutlich größer und durch die vorgegebenen Wege übersichtlicher. Ob das als Trost für die fehlende Freiheit ausreicht, muss jeder selbst entscheiden. Das motivierende Sammelsystem ist zum Glück wieder mit dabei. Verschiedene Items lassen sich in jeder Location finden. Einige sind im Kampf hilfreich, andere können in kleinen Läden verkauft werden. Diese Stände können innerorts aufgefunden werden und lassen die Dörfer lebendig und authentisch wirken. So schlendert ihr durch die Straßen, Felder und Landschaften und folgt einer Reihe an Hauptmissionen. Neben den Hauptquests, welche die Story wiedergeben, gibt es viele Nebenmissionen zu entdecken. Personen oder Kreaturen machen sich durch eine Sprechblase bemerkbar und bitten Naruto und seine Begleiter um Hilfe. Die Aufgaben unterscheiden sich in Kurz- und Langfristige. Einige erfordern lediglich die Vernichtung bestimmter Personen, andere schicken den Spieler auf Sammeljagd – das gesamte Spiel über. Mit den Hauptmissionen lassen sich bereits viele Stunden verbringen. Die unwichtigeren Nebenaufgaben bringen Abwechslung und weitere Stunden Spielspaß. So ist man etwa 30-50 Stunden in der Welt des Naruto-Universums unterwegs, bis wirklich alles abgeschlossen wurde. Um wie steht es mit dem Kämpfen? Das ist in der Serie doch das Wichtigste – im Spiel auch. Vorallem zu Beginn des Spiels lassen die Kämpfe auf sich warten und man merkt, was für einen Wert sie für das Spiel haben. Die Gefechte werden grundsätzlich mit zwei Hauptwettstreitern ausgeführt. Während diese antreten, können meist bis zu zwei weitere Teammitglieder als kurzzeitige Hilfe eingesetzt werden. Die Kämpfe weisen eine andere Inszenierung als in gewöhnlichen Kampfspielen auf. Von der Kameraführung bis hin zur Ausführung der Angriffe ist alles recht filmreif ausgelegt. Die grundlegenden Angriffe sind auf nur einen Knopf angepasst. Mehrmaliges Drücken ermöglicht einfache Kombos. Weiterhin kann in einem dreidimensionalem Schauplatz in alle Richtungen ausgewichen und gesprungen werden. Als Fernangriffsmöglichkeit dienen Wurfsterne. Die Pfeiltasten betätigen Items, die als Angriff oder zur Heilung dienen. Die Schultertasten lassen die Figur bei gutem Timing blocken. L1 und R1 rufen die angesprochenen Hilfsfiguren bei. Eine Anzeige signalisiert, ob diese einsatzbereit sind. Weiterhin gibt es einen Chakrabalken. Dieses Chakra wird ebenfalls durch einen gedrückten Knopf aufgeladen und ist für Spezialtechniken nötig. Wird der Treffer bei solch einer Technik gelandet, wechselt die Perspektive in eine Filmansicht, welche den Angriff eindrucksvoll zeigt. Bei besonders niedrigem Lebensbalken oder länger andauernder Kombokette kommt eine Art Wutmodus zum Vorschein. Bei diesem lässt sich eine weitere Spezialeinzel- oder Teamattacke ausführen. Im Grunde genommen ist das Kampfsystem sehr simpel, denn eine einzige Taste betätigt alle Techniken und Kombos. Es wird nicht immer mit dem selben Charakter gekämpft. Oft wechseln die Teams ihre Aufstellung, sodass sich auch der Hauptkaämpfer ändert. Dadurch gibt es immer wieder neue Angriffe zu sehen. Weiterhin werden die Begleiter das ein oder andere Mal storybedingt in seperate Teams aufgeteilt. Die Schlachten können jeden Naruto Fan dank ihrer Inszenierung überzeugen. Es macht Spaß, die aus der Serie bekannten Techniken anzuwenden und anschließend die Ausführung zu betrachten, die dem Anime in nichts nachsteht. Verbunden mit den RPG-ähnlichem Questsystem und den Sammelmöglichkeiten haben die Entwickler allen Naruto Fans wohl das derzeit spielerisch beste Spiel zur Serie beschert.

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Sieht aus wie der Anime

Bereits der erste Teil der Ultimate Ninja Storm Reihe konnte mit grandioser cel-shading Optik punkten. Beim Nachfolger macht sich zunächst Ernüchterung breit. Die Entwickler scheuten die Mühe und bedienten sich derselben Engine wie im Vorgänger. Deshalb darf man nicht erwarten, dass die Optik große Sprünge gemacht hat. Andererseits war die Grafik vor knapp zwei Jahren bereits schön anzusehen, das ist sie heute immer noch. Oft wirkt das Spiel wie eine exakte Kopie des Animes. Die 42 Charaktere sind detailliert umgesetzt. Die Areale sind verschieden, wirken manchmal aber etwas angestaubt. Konoha kann mit Lebendigkeit durch Läden und viele Bewohner punkten – eine Wüste langweilt aber mit fast ausschließlich sandigen Bereichen. Das wollen wir dem Spiel aber gar nicht ankreiden, darüber kann hinweggesehen werden. Die Kämpfe machen diesen Kritikpunkt mit ihrer faszinierenden Inszenierung wieder wett. Die Angriffe überzeugen mit vielen bunten Effekten und Explosionen. Auch die Tonausgabe kann überzeugen. Der Titel erwartet den Spieler mit zwei verschiedenen Sprachausgaben. Sowohl die japanische Originalsynchronisation als auch die englische Vertonung stehen mit deutschen Untertiteln zur Wahl. Während die englische Ausgabe mit Asynchronität zu kämpfen hat, gibt es an der Synchronisation aus dem Herkunftsland nichts zu bemängeln. Leise Melodien unterstützen die Idylle in den Dörfern. Orchestrale Klänge bemühen sich, in bestimmten Situationen Spannung aufzubauen. Rasante Klänge tragen im Kampf zur Atmosphäre bei – bei der Akustik hat der Entwickler alles richtig gemacht.

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Rückkampf unerwünscht

Zu jedem Beat’m Up gehört ein anständiger Mehrspielermodus. Egal, wie spaßig das Verkloppen von KI Gegnern ist: Einen Kumpel virtuell zu verdreschen, bietet meist die spannendste Dramatik – dumme Kommentare inbegriffen. Bis zu zwei Spieler können sich an einer Konsole messen. Einzelkämpfe und Teamschlachten, die mit zwei Hilfsfiguren unterstützt werden, lassen sich bespielen. Nach der Wahl der Charaktere, die leider alle erst im Verlauf der Story freigeschaltet werden, steht nur noch die Locationwahl einem epischen Kampf im Weg. Das simple Kampfsystem hat jeder Neuling nach wenigen Runden im Blut. Wem ein einfacher Offline-Modus zu wenig ist, wird nun auch mit einem Onlineabschnitt bedient. Dieser fehlte im Vorgänger und bietet im Grunde genommen dasselbe wie der Offlinepart. Zwei Spieler stehen sich in Freundschafts- oder Rangpartien gegenüber und finden heraus, wer der bessere Ninja ist. Eine Funktion für Turniere gibt es leider nicht. Ein Rückkampf ist nur bedingt möglich. Eine Option dafür direkt nach einem Kampf gibt es nicht, der Widersacher muss über das Hauptmenü erneut herausgefordert werden. Warum den Spielern das nicht auf leichte Weise ermöglicht wird, bleibt wohl ein Geheimnis. Derzeit sind die Onlinekämpfe von Verbindungsproblemen geplagt. Die Implementierung des Onlinemehrspielers hätte sicherlich besser behandelt werden können. Nichtsdestotrotz wurde auf die Fans gehört und wenn das Spiel erst einmal stattfindet, steht dem Spaß nichts mehr im Wege.

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Mit Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 2 ist den Entwicklern das bisher beste Naruto Spiel gelungen. Die Kämpfe sind packend und dramatisch inszeniert. Die Story wurde konsequent umgesetzt und lässt über 40 spielbare Charaktere freischalten. Ein RPG-System mit etlichen Sammelobjekten und Nebenquests hält die Spieler viele Stunden an der Stange. Die Erkundungsmöglichkeiten und die Freiheit wurden leider deutlich eingeschränkt, da die dreidimensionale offene Welt entfernt wurde. Eine größere und übersichtliche Welt mit vorgegebenen Wegen kann da nur bedingt punkten. Grafik und Sound lassen nichts zu wünschen übrig. Zum Offline-Mehrspieler gesellt sich auch ein Onlinepart, der im Kern seinen Zweck erfüllt. Es gibt immer etwas zu meckern – bei UNS2 sticht aber nur wenig heraus. Naruto Fans sollten unbedingt zuschlagen.

Gutes

Schlechtes

8.5 Sehr gut

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