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Moonlighter im Test – Roguelike mit Retrocharme

Artikel von | 28.05.2018 um 12:00 Uhr

Innerhalb von nur zwei Tagen hat der Dungeon-Crawler Moonlighter des polnischen Entwicklerstudios 11 Bit Studios, das sich unter anderem für This War Of Mine verantwortlich zeichnet, seinen Zielbetrag bei Kickstarter erreicht. Mehr als 5.000 Unterstützer haben dabei geholfen, das Spiel zu finanzieren. Und soviel vorweg: Es hat sich gelohnt.

Ein Paradies für Händler

In Moonlighter schlüpft man in die Rolle des Abenteurers Will, der einen Shop in dem kleinen Dorf Rynoka führt. Die Geschichte ist eigentlich schnell erzählt: Viele Jahre zuvor sind bei einer archäologischen Ausgrabungsstätte in der Nähe des Dorfes uralte Tore entdeckt worden, die als Portale in fremde Dimensionen führen. Seitdem haben es sich Abenteuerlustige zur Aufgabe gemacht, diese nach Kostbarkeiten zu erkunden. Und genau darin besteht eine zentrale Kernmechanik des Spiels: Man erforscht die mysteriösen Gebiete und entdeckt dabei Schätze, die man anschließend im eigenen Shop verkaufen kann.

Kloppen und Shoppen

Moonlighter setzt dabei auf bekannte Roguelike Elemente: Einen Großteil der Zeit verbringt man in prozedural generierten Dungeons, bekämpft Gegner und sammelt Beute. Dabei kann man bis zu zwei Waffen gleichzeitig bei sich tragen und zwischen ihnen wechseln. Je nach Waffentyp unterscheiden sich Angriffsmuster und Schaden. Mit einer Ausweichrolle kann man gegnerischen Angriffen entgehen oder Abgründe überwinden. Fähigkeiten und Zauber erwirbt man im Spiel nicht. Mit Heiltränken lässt sich aber Lebensenergie wieder auffüllen. Wird man besiegt, gehen alle mühsam erkämpften Schätze wieder verloren. Mit einem Amulett und etwas Bargeld kann man sich allerdings jederzeit wieder zurück ins Dorf teleportieren. Im eigenen Shop lassen sich die erbeuteten Gegenstände und Materialien dann verkaufen. Man positioniert die Waren auf dem Verkaufstisch und muss zunächst einmal spekulativ einen Preis festlegen. Anhand der Reaktionen der Kunden, welche durch Smileys dargestellt werden, lässt sich nun feststellen, ob der Preis angemessen ist. Ist ein Kunde zufrieden, kauft er die Ware. Legt er sie hingegen schockiert wieder zurück, hat man den Preis zu hoch angesetzt und sollte ihn senken. Reagiert er genervt, kauft die Ware aber trotzdem, scheint der Preis grenzwertig zu sein und die allgemeine Nachfrage sinkt. Leuchten seine Augen aber auf, scheint er ein echtes Schnäppchen entdeckt zu haben und beim nächsten Verkauf eines gleichwertigen Objekts sollten man den Preis dementsprechend erhöhen. 

Es ist nicht immer leicht, den Überblick zu behalten, glücklicherweise wird im Verkaufsbuch aber automatisch eine Notiz zu den Reaktionen der Kunden angelegt, auf die man jederzeit zugreifen kann, um die Verkaufsstrategie daran anzupassen. Jedoch sollte man alle Vorgänge im Laden stets im Auge behalten, da einem sonst freche Halunken die Ware stehlen. Was zunächst einmal kompliziert klingt, funktioniert aber überraschend gut: Nach einigen Durchläufen hat man ein Gespür dafür entwickelt, wie man den Gewinn erhöht.

Das erhaltene Geld kann man nun auf verschiedene Weisen investieren: Baut man den eigenen Shop aus, eröffnen sich unter anderem neue Einnahmequellen, Lagerungsmöglichkeiten oder positive Auswirkungen auf den Spielcharakter. Unterstützen wir Unternehmer, entstehen im Dorf neue Geschäfte. Mit einer Geldspende eröffnet zum Beispiel ein Schmied seinen Betrieb. Für Geld und bestimmte Materialien lassen sich dort Waffen und Rüstungen herstellen, die den Charakter für Kämpfe gegen stärkere Gegner rüsten und es so ermöglichen, immer tiefer in die Dungeons vorzudringen und noch wertvollere Schätze zu erbeuten. Ein Levelsystem gibt es nicht. Der Status des Charakters hängt also allein von der Ausrüstung ab. 

Die zufallsgenerierten Dungeons, die man im Laufe des Spiels erkundet, folgen dabei immer weitgehend dem gleichen Konzept: Man durchläuft mehrere miteinander verbundene Räume, die unter anderem Gegner und Schätze enthalten. Am Ende eines Dungeons befindet sich das Tor zur nächsten Ebene, mit stärkeren Gegnern und besserer Beute. Am Ende der dritten Ebene wartet ein Endgegner. Besiegt man diesen, gibt es reichlich Belohnungen und der nächste der insgesamt fünf Dungeons wird freigeschaltet.

Nach und nach schreitet man auf diese Weise in der Geschichte voran, verdient immer größere Geldsummen und neue Möglichkeiten, diese zu investieren. Bereits nach den ersten Spielstunden lässt sich sagen: Moonlighter macht süchtig. Und darüber hinaus enormen Spaß. Die Lootspirale funktioniert hervorragend und hält einen bei der Stange. Auch nach unzähligen Durchgängen lässt die Motivation, die Dungeons zu durchstöbern, kaum merkbar nach, da einem das Spiel stets die belohnende Karotte in Form von neuen Ausrüstungsgegenständen und Shop-Erweiterungen vor die Nase hält. Andererseits hemmen die vielen Möglichkeiten, sein verdientes Geld zu investieren, auch den Fortschritt in den Dungeons. Mitunter kann es nämlich sehr lange dauern, bis man sich neben allen anderen Verlockungen das Geld für die notwendige Ausrüstung zusammengespart hat, die man benötigt, um einen Boss zu besiegen und das nächste Portal freizuschalten. Die unterschiedlichen Gebiete heben sich stilistisch zwar voneinander hab, allerdings hat man sich auch schnell daran sattgesehen. Die zufallsgenerierten Räume unterscheiden sich nur marginal und neben Gegnern, Schätzen und Schriftrollen mit minimalen Storyhäppchen lässt sich dort eigentlich nichts entdecken. Hin und wieder überraschen sie einen dann aber doch, wenn man plötzlich per Zufall durch ein Loch im Boden fällt und einen Bonusraum entdeckt. Darüber hinaus bieten sie allerdings kaum Abwechslung. Schön wäre auch ein Multiplayermodus gewesen. Allerdings ist Moonlighter ein reines Singleplayer-Spiel.

Ein buntes Gemälde aus Pixeln

Eins muss gesagt werden: Die Retro-Pixel-Ästhetik steht dem Spiel verdammt gut zu Gesicht. Die Welt ist bunt und stimmig inszeniert. Besonders positiv fällt auch das Gegnerdesign auf. Insbesondere die Bossgegner sind ein echter Blickfang. Durch kleine Details wie Windanimationen ist das Dorf Rynoka dabei allerdings deutlich liebevoller gestaltet als die zufallsgenerierten Dungeons. Was insofern schade ist, weil man in jenen einen Großteil der Zeit verbringt. 

Auch der Soundtrack überzeugt auf ganzer Linie. Statt 8bit-Chiptune-Gequietsche, wird Moonlighter durch Instrumentalmusik begleitet, welche die allgemeine Stimmung des Spiels gut einfängt. Einzelne Ladezeiten dauern nie mehr als wenige Sekunden und zu keinem Zeitpunkt haben sich Bugs bemerkbar gemacht. Schön ist auch, dass sich der Schwierigkeitsgrad anpassen lässt. So wird auch Veteranen eine echte Herausforderung geboten.

Fazit: Viele Stunden Spaß für Fans des Genres

Moonlighter erfindet das Rad vielleicht nicht neu, macht dafür aber einiges richtig. Die Lootspirale funktioniert hervorragend. Trotz wenig spielerischer Abwechslung bleibt die Motivation auch nach zahlreichen Spielstunden erhalten. Die Händlermechanik ist erfrischend, zugänglich und schön umgesetzt. Retrofans dürfte der schön designte Pixellook auch auf visueller Ebene ansprechen. Auch wenn den zufallsgenerierten Dungeons genretypisch ein wenig die Liebe zum Detail fehlt. Enthusiasten ähnlicher Spiele kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten, könnten unter Umständen allerdings einen Koop-Modus vermissen.

Moonlighter Testbericht

Moonlighter

  • Release: 29.05.2018
  • Genre: Action-RPG, Rogue Like
  • Entwickler: Digital Sun
  • Publisher: 11bit Studios

Gutes

- gute umgesetzte Roguelike-Mechanik
- Langzeitmotivation
- ausreichender Umfang für den Preis
- ansprechender Look
- schöner Soundtrack

Schlechtes

- wenig Abwechslung
- fehlender Multiplayer

8.5 / 10 Sehr gut

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