Monopoly Streets – Review

Getestet von | 17.11.2010 um 00:00 Uhr

75 Jahre Geschichte, 275 Millionen verkaufte Exemplare, mehr als eine Milliarde Spieler weltweit. Zahlen, von denen sämtliche Videospiele auf Erden nur träumen können. Ein Brettspiel – mittlerweile vielleicht viel mehr ein Mythos – hat solch schier unglaubliche Werte hervorgebracht. Zum großen Jubiläum wurde nicht nur eine neue Brettspiel-Variante auf dem Markt geworfen. Nein, auch Electronic Arts hat sich ein weiteres Mal die Lizenz des Klassikers Monopoly geschnappt und veröffentlicht auf allen gängigen Konsolen erneut eine virtuelle Version. Was erwartet einem in „Monopoly: Streets“? Kann das heiß geliebte Brettspiel-Feeling eingefangen werden oder steht der Ableger kurz vorm Bankrott? Dies und vieles mehr erfahrt ihr in unserem Review!

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Klappe, die Zweite!

In der Vergangenheit versuchte man sich bereits oft an Videospielablegern des berühmten Brettspiels. So unternahm Atari einen Versuch auf der Playstation 1 und auch Namco Bandai veröffentlichte einen Teil für Sonys Spielekonsole der vorangegangenen Generation. Mittlerweile ist Electronic Arts im Besitz der Monopoly-Lizenz und wir dürfen uns bereits auf den zweiten Ableger für unsere schwarze Edelkonsole freuen. Das Erstlingswerk des Publishers und Entwicklers konnte im Endeffekt nicht überzeugen. Eine nicht fordernde KI, schlechte Sprachausgabe und eine nervtötende Bedienung sind nur einige Punkte der langen Liste, die gegen das Spiel sprach. Zwei Jahre hat sich das Entwicklerteam allerdings Zeit genommen und nun wird ein neuer Versuch gestartet: Monopoly Streets. Doch kann der Nachfolger all die schwerwiegenden Fehltritte ausmerzen? Nachdem der Spieler mit einem überdrehten und nett gemachten, kurzen Intro begrüßt wurde, befindet er sich auch schon im übersichtlichen Drehkarussell-Menü. Diese Anlaufstation für das Starten sämtlicher Spielmodi fällt nicht besonders groß aus. Dies hängt selbstverständlich nicht zuletzt mit dem in Punkto Spielmodi eher spartanischen Umfang zusammen. Habt ihr euch dazu entschieden, eine Offline-Partie spielen zu wollen, bleibt euch genau eine Möglichkeit: Eine Runde Monopoly! Mehr vermutet und erwartet man vielleicht zwar nicht, warum aber beispielsweise auf den „Krösus-Modus“ des Vorgängers, der mit seinen Minispielen kurzweilig für Spaß und Abwechslung sorgte, verzichtet, ist unverständlich. Eine ausgefeiltere Version dieses Modus wäre mit Sicherheit wieder gut angekommen. Auch von den angepriesenen „vielen Spielbrettern“ sollte man sich nicht täuschen lassen. Diese sind nämlich alle lediglich grafisch modifiziert. Die eine oder andere Sonderedition, die es bereits im realen Leben zu kaufen gibt, hätte bestimmt auch noch Platz im Spiel gefunden. Und diejenigen, die unter dem neuen „Streets-Modus“ mehr Abwechslung und neue Ideen vermuten, werden nun wahrscheinlich auch bitter enttäuscht sein. Es handelt sich nur um eine grafisch aufgemotzte 3D-Spielbrett-Variante – also auch hier wieder nichts von Innovationen zu merken. Doch braucht ein solch etabliertes Spielprinzip überhaupt Innovationen? Sagen wir es so: Spaß machen tut „Monopoly: Streets“ definitiv. Doch besonders von einer digitalen Auflage darf man mehr erwarten. Dem Spieler wurde immerhin die Möglichkeit gelassen, aus einer Vielzahl von verschiedenen Regelwerken zu wählen. So könnt ihr – falls euch die klassischen Regeln leid sind – beispielsweise eine Partie mit einem speziellen Tempowürfel spielen oder zu einer abgespeckten Variante greifen, indem die Grundstücke bereits vor Beginn per Auktion unter den Spielern verteilt werden. Habt ihr mit all diesen unterschiedlichen Variationen keinen Spaß, dürft ihr selber Hand anlegen und eure eigenen Regeln machen. Alles Wichtige ist hierbei einstellbar, von dem Startkapital bis hin zur Zeitbeschränkung der Auktionen. Für gesellige Abende eignet sich aber wohl immer noch das klassische Regelwerk am Besten.

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It’s Time for Monopoly!

Haben sich alle Spieler abgestimmt, welches Spielbrett und Regelwerk verwendet wird, kann es auch schon losgehen. Nach Start des eigentlichen Spiels darf man aber auch wieder keine zu großen Neuerungen erwarten. Alles ist altbacken, erfahrene Monopoly-Spieler sollten sich allerdings auch sofort in der Spielumgebung wohl fühlen. Dank Tutorial – aber auch einer übersichtlichen und schnell zu verstehenden Steuerung – sollte es besonders in der Navigierung, welche im Vorgänger stark angekreidet wurde, zu keinerlei Problemen kommen. Recht intuitiv könnt ihr alle Aktionen, für die Monopoly berühmt und beliebt ist, durchführen. Egal ob es das Handeln mit den Mitspielern oder das Bauen von Häusern und Grundstücken ist, alles geht leicht von der Hand. Klingt doch alles nach perfekten Voraussetzungen für einen spaßigen Spielabend – oder? In der Theorie vielleicht, im Praxis-Test kann „Monopoly: Streets“ aber nicht wirklich überzeugen. Das liegt aber wohl eher daran, dass die lockere Atmosphäre, die das Brettspiel ausmacht, nicht aufkommt. Da können die Menüs noch so übersichtlich, die Steuerung noch so einfach sein. Die digitale Abwandlung mag auf dem Papier überzeugen, aber es fehlt einfach etwas. Dieses Problem erreicht seinen Höhepunkt im neuen „Streets“-Modus. Wie erwähnt ist dies im Endeffekt kein neuer Spielmodus, sondern lediglich eine grafisch aufgepeppte Version mit 3D-Grafiken. Auch wenn die Umgebung liebevoll gestaltet ist, man merkt einfach nicht mehr, dass es sich um den Brettspiel-Klassiker handelt. Kleinigkeiten wie der Vermögens-Vergleich, der in Form von wachsenden und fallenden Hochhäusern daherkommt, können an diesem Fakt leider auch nichts ändern.
An alle begeisterten Singleplayer hat Electronic Arts allerdings auch gedacht. Neben dem Spiel mit bis zu vier menschlichen Gegnern ist es möglich, diese auch gegen Spiel-Gesteuerte Konkurrenten auszutauschen. Die Künstliche Intelligenz solcher Feinde sollte dabei selbstverständlich angemessen sein und ohne größere Schnitzer daherkommen. Was den Entwicklern im Vorgänger definitiv nicht gelungen ist, klappt dieses Mal alles in allem einwandfrei. Bei den drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen lassen sich zwar keine erheblichen Unterschiede feststellen, generell kann aber gesagt sein, dass die KI clever agiert. Probleme wie eine häufige Berechenbarkeit der gegnerischen Spielzüge treten so gut wie gar nicht mehr auf. Spaß macht das alleinige Spielen trotzdem nicht. Auf eine Art Karriere oder Ansporn zum Nutzen des Singleplayer-Modus wurde verzichtet und der Spielablauf mit bis zu drei Computer-Gegnern verläuft einfach viel zu zäh und langatmig. So muss jeder Zug der Computer einzeln abgearbeitet werden, jedes Würfeln muss mit einem Button-Klick bestätigt werden. Was in der Gruppe vielleicht noch den Reiz des Spiels ausmacht, ist bei einer Einzelspieler-Partie einfach nur nervtötend. Ebenfalls schadet die so gut wie gar nicht vorhandene Übersichtlichkeit dem Spiel. Nur zum Anfang eines Zuges kann man sich das gesamte Spielbrett anzeigen lassen. Und selbst dann nützt einem dies auf Grund der Größe überhaupt nichts. Dass dies für das Ausarbeiten von Spielzügen und Strategien vielleicht wichtig ist, haben die Entwickler nicht bedacht.

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Wow, eine 3D Stadt!

In Bezug auf den technischen und insbesondere dem grafischen Aspekt haben Monopoly-Freunde wohl im Vorfeld bereits ihre Erwartungen und Ansprüche weit tief gehalten. Wie sich zeigt zu Recht. Die verschiedenen Spielbretter sind zwar schön gestaltet, technisch hätte man aus dem Hause EA allerdings mehr erwarten dürfen. Zum Teil wirkt die Grafik extrem schwammig und auch verpixelt. Dass diese hier rein zweckmäßig ist, sollte selbst dem ungeübten Auge auffallen. Anders sieht dies bereits bei der „Streets“-Version aus. Diese ist grafisch relativ ansprechbar. Wie erwähnt wurde sie generell liebevoll und teils auch detailliert gestaltet. Technischen Perfektionismus darf man allerdings natürlich immer noch nicht erwarten. Wenigstens bekommt der Spieler aber hierbei das Gefühl, ein aktuelles Playstation 3-Spiel zu spielen und nicht in einer der vorangegangenen Konsolen-Generationen festzustecken. Die sonstige technische Umsetzung ist zufrieden stellend. Die Framerate ist konstant und von Rucklern oder ähnlichem bleiben potentielle Immobilienhaie auch verschont.

Nervig, nerviger, am nervigsten

Wie gesagt: Die technische Umsetzung ist zufrieden stellend – bei dieser Aussage muss die Integrierung von Soundkulisse und Sprachausgabe allerdings fett ausgeklammert werden. Jedes Brett hat zwar seinen eigenen individuellen Soundtrack. Dieser nervt nach einiger Zeit aber einfach nur noch. Bereits im ersten Spiel mit „Monopoly: Streets“ werdet ihr nicht drum rum kommen, die Optionen aufzusuchen und die Musik auszuschalten. Ähnlich sieht es mit den Sound-Effekten der Spielfiguren und dem mehr als nervtötenden Kommentator aus. Erstere sind anfangs noch lustig, wiederholen sich aber auch viel zu schnell. Die Sprüche von Mr. Monopoly sind anfangs auch noch amüsant und unterhaltsam. Nachdem man den gleichen Spruch aber zum fünften Mal in einem Spiel gehört hat, kann selbst der am leichtesten zu erheiterndste Spieler nicht mehr mitlachen. Es ist schade, dass die Entwickler sich hierbei nicht mehr Mühe gegeben haben. Beim spaßigen Abend mit Freunden oder Familie kann also direkt zu Beginn der Griff zur Fernbedienung getätigt werden, man verpasst absolut nichts.

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Monopoly all over the World

Ein dickes, fettes Manko des Erstlingswerk von EA war der fehlende Online-Modus. Im Zeitalter von Gefechten mit Freunden auf der ganzen Welt hätte man die Integration von diesem bereits damals sehr zu schätzen gewusst. Den gleichen Fehler macht das Entwicklerstudio kein zweites Mal. Der in „Monopoly: Streets“ integrierte Online-Modus funktioniert einwandfrei. Auch wenn die vorhin angesprochene Atmosphäre sich total verabschiedet, wenn man lediglich über das Internet mit Freunden (oder Unbekannten) spielt, kann der Online-Modus zu mindestens kurzweilig unterhalten. Einschnitte oder ähnliches wurden hier nicht vollzogen. Sämtliche Einstellungsmöglichkeiten des Offline-Modus finden sich auch hier wieder. Hat man die Wahl, sollte man aber selbstverständlich zu der Offline-Variante greifen. Sind genügend Controller vorhanden – jeder Spieler braucht nämlich seinen eigenen – ist Spaß vorprogrammiert. Dies hat EA aber nicht dem Videospiel selber zu verdanken, sondern im Wesentlichen ist dies dem altbekannten Spielprinzip selber zuzuschreiben.

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Auch digital ein Erfolg?

Zu „Monopoly: Streets“ lässt sich so einiges sagen. Die fleißigen Entwickler von EA haben ganze Arbeit geleistet und best möglichst versucht, sämtliche Mankos des Vorgängers auszumerzen. Dies ist zum größten Teil auch gelungen. Die KI wurde deutlich verbessert, die Steuerung wurde intuitiver und einfacher zu handhaben. Aber auch der neue Ableger hat mit großen Problemen zu kämpfen. Zum einen ist das die Übersichtlichkeit während des Spiels. Die extrem kleine Gesamtsicht des Spielfeldes macht es so gut wie unmöglich, Geschäfte und Spielzüge zu planen. Des Weiteren ist die Soundkulisse des Spiels eine einzige Katastrophe. Die eher unterdurchschnittliche Grafik kommt im direkten Vergleich dabei noch gut weg. Der zweite PS3-Ableger ist alles in allem eine solide Umsetzung eines Brettspiel-Klassikers. Auf Grund der zum Teil fehlenden Atmosphäre – besonders im „Streets“-Modus – ist allerdings erneut das gute, alte Brettspiel vorzuziehen.

Gutes

- altbekanntes Spielprinzip macht noch immer Spaß
- integrierter Online-Modus
- intuitive Bedienung
- Regelwerk individualisierbar
- kluge KI

Schlechtes

- keinerlei Übersicht im Spiel
- Grafik recht zweckmäßig
- schrecklicher Sound
- Brettspiel-Atmosphäre kommt zu keinem Zeitpunkt auf
- keine Motivation für Einzelspieler
- Streets-Version nicht mehr als grafisch aufgepepptes Standard-Monopoly

6.0 Mittelmäßig

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