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Monkey Island: Special Edition Collection – Review

Artikel von | 24.09.2011 um 00:00 Uhr

Noch einmal in die Vergangenheit reisen und wie in alten Tagen die Videospielperlen der Geschichte erneut erleben – ein Traum eines jeden nostalgischen Videospielfanatikers. Und besonders ein Spiel würde bei wohl vielen Gamern auf der To Do-List für die Zeitreise stehen: 1990 veröffentlichte LucasArts eines der wohl prägendsten Adventures aller Zeiten. Monkey Island – welches die Geschichte rund um Piratenanwärter Guybrush erzählt – kam und setzte Maßstäbe. Gut 20 Jahre später veröffentlicht der Publisher nun eine Blu-Ray mit vollkommenen neu aufgelegten Versionen des Klassikers und seines Nachfolgers. Ob die beiden Abenteuer noch immer genügend Charme versprühen oder sie mittlerweile doch etwas verstaubt wirken, erfahrt ihr in diesem Review!

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Mein Name ist Guybrush Threepwood…

Vorweg: Bei der Monkey Island – Special Edition Collection handelt es sich lediglich um Re-Release der bereits im vergangenen Jahr veröffentlichten Remaster-Versionen. Da allerdings beide Teile bisher nur digital über den Playstation Store vertrieben wurden und somit einigen potentiellen Käufern vorenthalten wurden, entschied sich Publisher LucasArts nun dazu, sie verpackt mit exklusiven Zusatzmaterial auf einer einzigen Blu-Ray Disc an den Mann zu bringen.
Alte Veteranen sollten das Grundgerüst des Spiels und dessen Hintergrundgeschichte nur zu gut kennen. Neulingen sei gesagt, dass die Piratenstory auch nach 20 Jahren immer noch zu gefallen weiß und keineswegs eingerostet ist. Der erste Teil der Saga erzählt die Anfänge der Abenteuer von Guybrush Threepwood, ein junger Mann, dessen größter Traum es schon immer war, Pirat zu werden. Dafür reist er auf die karibische Insel Melee Island und sucht dort die Piratenanführer auf, die ihm drei Aufgaben auferlegen, die er zu erfüllen hat, um seinen Traum wahr werden zu lassen. Im Laufe des Spiels trifft Guybrush auf eine Vielzahl von verrückten Gestalten und sieht es als seine Bestimmung, den Geisterpiraten Le Chuck das Handwerk zu legen und währenddessen noch gleich das Geheimnis von Monkey Island zu lüften. Die Fortsetzung von „The Secret of Monkey Island“, die kurz und knapp mit dem Beinamen „LeChuck’s Revenge“ betitelt wurde, lässt Guybrush Threepwood dann optisch bereits deutlich reifer wirken und erzählt auch von Grund auf eine neue Geschichte. Der anfängliche Grünschnabel hat sich mittlerweile – mehr oder weniger – im harten Piratenbusiness etabliert und nimmt den Spieler mit auf die Suche nach Big Whoop, einem legendären Piratenschatz. Auf seiner Reise, die ihn zu den verschiedensten Inseln der Karibik führt, unterläuft Guybrush dann doch der ein oder andere Fehler und letztendlich steht er erneut LeChuck gegenüber, der seine Rache gut geplant hat.
Beide Teile der Saga haben bereits einige Jährchen auf den Buckel, aber vor allem in Punkto Story haben sie in all der Zeit keineswegs an Charme verloren. Für die einen ist es der Aha-Effekt, der immer und immer wieder auftritt – sei es wenn Guybrush beispielsweise einer seiner Weisheiten zum Besten gibt oder beim Wiedersehen mit dem quirligen Stan. Das Gute: Dieser Retro-Faktor ist nicht das Einzige, was „Monkey Island“ ausmacht. Auch Neulinge sollten mit der Geschichte warm werden können, da sie wie erwähnt keinerlei Staub angesetzt hat – die Piratenthematik zieht nun mal auch heutzutage noch beim Publikum.

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Du kämpfst wie eine Kuh!

Wer an Monkey Island rangeht, darf keine revolutionären Erwartungen haben, sondern bewusst mit den Gedanken das Spiel starten, dass es mittlerweile 20 Jahre auf dem Buckel hat und früher zwar ein Meilenstein der Spielegeschichte war, heute spielerisch aber natürlich nichts neues bietet. Monkey Island ist ein Point & Click-Adventure wie es im Buche steht und hat das Genre nicht umsonst mitbegründet. Ein Großteil späterer Adventures wurde maßgeblich durch die LucasArts-Spiele beeinflusst und unter anderem auch deswegen ist die Special Edition für eine Vielzahl Spieler geeignet. Neben Retro-Fanatikern werden deshalb auch Adventure-Spieler der neueren Zeit angesprochen, die womöglich bisher noch kein Blick auf die „Anfänge“ des Genres geworfen haben und durch modernen Look nun dazu animiert werden. Genre-Neulinge dürfen genauso zuschlagen, wenn sie für diese Art der Spiele offen sind. Der spielerische Gedanke bei „Monkey Island“ ist der Gleiche, wie bei vergleichbaren Spielen: Mit Hilfe von der Umgebung und verschiedenen Gegenständen eures Inventars muss der Spieler verschiedene Rätsel lösen, um so durch die Geschichte zu kommen. Und diese Rätsel sind neben der humorvollen und grandios inszenierten Geschichte das zweite, große Zugpferd des Spiels. Das ganze Spiel (beziehungsweise beide Spiele) durch wird einem eine Kopfnuss nach der anderen präsentiert und nicht selten entstehen daraus schnell Frustmomente, da ein Weiterkommen ungewiss erscheint. Hier trumpft LucasArts mit der „Special Edition“ auf und erweitert das Spiel um eine Hilfe-Funktion, die ungeduldigen Spielern die nötigen Denkanstöße verpasst. Dieses Tipp-System ist in mehrere Stufen unterteilt. Benötigt man allerdings den letzten der zahlreichen Tipps, so hat dies wenig mit einem Denkanstoß gemein. Vielmehr kann bereits schon von einer Lösung für das Problem gesprochen werden. Selbstverständlich könnten überforderte Piratenanwärter so bis zum Schluss verfahren, die Frage ist dann aber natürlich, ob einem das Geld dann wirklich wert ist. Interessanter ist da schon das zusätzliche Hilfssystem, welches der zweite Teil der Saga bietet. Auf Wunsch werden auf dem Bildschirm die Gegenstände hervorgehoben, die für die Lösung des Rätsels von Relevanz sind. Wie dann aber verfahren werden muss, hat der Spieler selbst herauszufinden.
In Punkto Bedienung hat man sich größtenteils am Original orientiert. Zwar wird eine zusätzliche Steuerungsvariante angeboten, die funktioniert allerdings nur derart klumpig, dass sich die meisten Spieler wohl dazu entscheiden werden, die altbekannte – aber auch auf der Konsole durchaus gut funktionierende – Point&Click-Steuerung zu verwenden. Lediglich bei der Gestaltung des Menüs muss die neue Fassung dem Original weichen: Während in der Urfassung das Menü während der ganzen Zeit im unteren Bildschirmrand eingeblendet ist, muss es in der Neuauflage durch Knopfdruck aufgerufen werden. Dies tut dem Spielspaß zwar keinen großen Abbruch, ist aber um einiges unkomfortabler.

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Aus Alt mach Neu

Während „Monkey Island“ spielerisch größtenteils beim Alten blieb, lässt sich die große Revolution begutachten, wenn man sich mit der Grafik beschäftigt. Sämtliche Grafiken der alten Spiele wurden von Grund auf erneuert und in einen modernen Comiclook umgewandelt. Grundsätzlich orientierten sich die Entwickler stark an den originalen Hintergründen, sodass sämtliche Locations immer noch auf den ersten Blick zu erkennen sind. Sie wurden lediglich aufpoliert und in die angesprochene Comic-HD-Schale verpackt. Die verschiedenen Hintergründe sind dabei immer erkennbar mit Liebe gezeichnet und extrem detailreich gestaltet. Das dynamische Wasser fasziniert den Spieler genauso wie die schön anzusehende Flora und Fauna. Und sollten Käufer der „Special Edition“ dann doch ihren Spaß an der modernen Grafik verlieren, so ist es ihnen zu jeder Zeit freigestellt, zur originalen Version der 90er zu wechseln. Dieser Übergang ist ähnlich erstaunlich wie der Rest der Neuerungen: Er geht durch einen simplen Knopfdruck vonstatten und erfolgt vollkommen fließend. Zu jeder Zeit kann der Spieler hin und her switchen und so unter anderem auch die grafischen Unterschiede erkunden. Zu keiner Zeit werdet ihr gezwungen, in einer der beiden Versionen zu spielen – dies ist euch freigestellt.
Wir dürfen natürlich nicht vergessen, dass einem hier gleich zwei Spiele geboten werden. Die grafischen Veränderungen betreffen im Grunde genommen beide Teile. Zum Teil erkennt man aber dann doch, dass „LeChuck’s Revenge“ ausgereifter ist und mit noch mehr grafischen Feinheiten daherkommt. Zum einen sind die Animationen deutlich flüssiger und zeitgemäßer. Im Erstling diente das Original noch als Orientierung, sodass die ein oder andere altbackene Bewegung im neuen Gewand doch etwas eigenartig aussieht. Dies ist im zweiten Teil nicht mehr der Fall. Auch ist das Charakterdesign besser gelungen. Besonders Guybrush wirkt durch seine Optik im ersten Teil noch etwas fehl am Platz. So ganz passt er – und einige andere Charaktere – nicht in das Geschehen. Der Möchtegern-Pirat macht seinen Job im Nachfolger deutlich besser. Generell kann man sagen, dass der zweite Teil, der ursprünglich über den digital vertriebenen Weg ja auch gut ein Jahr später erschien, viel besser wirkt. Das grafische Grundkonzept stimmt bereits im ersten Teil und lässt die „Special Edition“ so zu einen wahren Schmankerl werden, das zweite Abenteuer perfektioniert diese Darstellung allerdings.

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Im neuen Glanz erstrahlt

In Bezug auf den Sound macht es LucasArts ähnlich wie mit der Grafik: Dieser Aspekt des Spiels wurde vollkommen runderneuert, sodass nicht nur Erstspieler ein rundum gelungenes Soundspektakel vorfinden werden, sondern auch alte Hasen auf jeden Fall ins Staunen kommen werden. Die verschiedenen Soundthemes sind zwar immer noch unverwechselbar, sie wirken allerdings um einiges moderner und aufgepeppter. Ähnlich ist es bei den verschiedenen Soundeffekten. Beide Teile sind was das angeht variabler und noch ein Tick mehr interessanter. Unverständlich ist dann aber nur, warum die alte Version beider Spiele etwas dumpf klingt, sowohl was Effekte als auch musikalische Untermalung angeht. Dass sie nicht so wunderbar wie die aufpolierten Pendants klingen, ist klar – warum sie aber selbst glanzloser wirken als die zwei Dekaden alten Originale, ist völlig unverständlich.
Der Unmut der Spieler verfliegt aber dann schnell, wenn die ersten Dialoge zu hören sind. Richtig – zu hören! Denn beide Teile bieten eine Sprachausgabe, die zum Gesamtpaket der Kompilation nicht besser passen könnte. Die Sprecher aller Charaktere sind gänzlich engagiert und mit Spaß und Freude dabei. Aus der Reihe tanzt eigentlich keiner. Feinde der englischen Sprache müssen aber wohl oder übel auf die Untertitel ausweichen. Die Sprachausgabe selbst wurde nicht eingedeutscht, lediglich deutsche Untertitel wurden eingefügt, die auf Grund von farblichen Problemen zum Teil aber schwer zu lesen sind. Die alten Versionen der Spiele müssen ganz und gar ohne regionale Anpassungen auskommen, sie sind komplett englisch.

Extras zum Hören & Sehen

Wie erwähnt, befinden sich in dieser Kollektion lediglich die beiden Spiele, die bereits über das Playstation Network vertrieben wurden. Einen größeren Anreiz für Käufer der digitalen Varianten gibt es also nicht. Neu ist einzig und allein das kleinere Bonusmaterial. Dies beschränkt sich auf exklusive Konzeptzeichnungen beider Spiele, den überarbeiteten Soundtrack und ein bisher unveröffentlichtes Drehbuchkonzept eines Films zum Spiel, der das Tageslicht nie erblickt hat. Während die Konzeptzeichnungen relativ unspektakulär sind und wahrscheinlich nur wenige ihren Spaß daran haben werden, kann besonders das Drehbuch zum Film – ebenfalls bespickt mit Zeichnungen – sehr überzeugen. Wer der englischen Sprache mächtig ist, wird ihr zumindest kurzweilig seinen Spaß dran haben. Der Soundtrack klingt natürlich genauso gut wie im Spiel selber und lädt für kleinere Entspannungspausen ein. Wünschenswert wäre es aber gewesen, wenn man ihn nicht nur im Spiel selbst hören könnte, sondern es auch eine Option zum Export auf die Playstation gäbe.

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Ich bin ein mächtiger Pirat!

Die „Monkey Island Special Edition Collection“ ist das, was sie verspricht: Eine Zusammenstellung der beiden bisher veröffentlichten Neuauflagen der Klassiker aus den 90ern. Bei der Käuferschicht sollte man grundsätzlich differenzieren. Monkey Island-Fanatiker, die bereits bei den PSN-Games zugeschlagen haben, sollten sich einen Kauf gut überlegen. Die wenigen – wenn auch überzeugenden – Extras rechtfertigen nun mal nicht für jeden den Preis. Fans der Spielereihe, die bisher nur das Original gespielt haben und die Special Editions noch nicht angerührt haben, können unbesorgt zugreifen. Mit der „Special Edition Collection“ werden uns zwei Spiele geboten, die nahe an der Adventure-Perfektion sind. Knackige Kopfnüsse und Retro Piraten-Flair werden vermischt mit moderner Technik und ansprechenden Grafikstil. Und genau das kann auch der Kaufgrund für Neulinge der Reihe oder des Genres sein. Wenn grundsätzlich Interesse am Adventure-Spiel besteht, so muss bei diesem einzigartigen Adventure-Paket zugeschlagen werden. Da kann dann auch mal über fehlende deutsche Sprachausgabe und zum Teil umständliche Steuerung hinweg gesehen werden.

Monkey Island – Special Edition Collection Testbericht

Monkey Island – Special Edition Collection

  • Release: 09.09.2011
  • Genre: Adventure
  • Entwickler: Lucas Arts
  • Publisher: LucasArts

Gutes

- Geschichte hat keinerlei an Glanz verloren
- faszinierende Verbesserungen bei Grafik & Sound
- gute Sprachausgabe
- noch immer knackige Rätsel
- sowohl geeignet für Kenner, als auch für Neueinsteiger

Schlechtes

- lediglich Collection der bereits veröffentlichten Titel
- Animationen im ersten Teil noch recht altbacken
- teilweise unhandliche Steuerung

8.5 / 10 Sehr gut

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