Metal Gear Solid – Review

Getestet von | 08.02.2010 um 00:00 Uhr

Vor über zehn Jahren erschuf der Japaner Hideo Kojima ein Werk, von dem die Videospielbranche heute noch profitiert. Metal Gear Solid besaß nicht nur eine komplexe Story, sondern machte auf der PS1 gleich ein neues Genre der Öffentlichkeit bekannt – Stealth. Doch verdient der Titel seinen ganzen Ruhm? Und noch wichtiger: Macht der PS1-Klassiker, der nun im PSN zum Verkauf steht, heute überhaupt noch Spaß, wo wir doch von immer besser werdender Grafik und Technik verwöhnt sind? Wir haben den Downloadtitel getestet und sagen euch, ob Snake sich lieber wieder in seine Retroruhmeshalle verkriechen soll oder auch heute noch auf jede PS3 gehört.

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Die Terroristengruppe „Foxhound“ nimmt im Jahre 2005 eine Nuklearwaffenendlagerungsstätte auf Shadow Moses Island, eine Insel gelegen vor Alaska, ein. Weiterhin entführt die Gruppe Firmenchefs von Waffenentwicklern – doch wozu das alles? Schnell wird klar: Die Bösewichte fordern die Überreste des legendären Kämpfers „Big Boss“. Erfüllt die amerikanische Regierung dem Befehl nicht, werden die USA mit einer Atomwaffe beschossen. Diese neuartige Waffe, zugleich auch ein riesiger Roboter namens Metal Gear, löst bei der Regierung Panik aus. Der im Ruhestand ausharrende Spezialeinheit-Agent Solid Snake wird nach Shadow Moses geschickt und soll Foxhound mitsamt Anführer Liquid Snake, zufälligerweise Solids Bruder, im Alleingang überrumpeln, die Geiseln befreien und den atomaren Angriff stoppen. Wenn das nicht schon viel ist, hat die Einmannarmee mit dem Codenamen Snake auch noch eine wichtige Regel: Vermeide möglichst jede Begegnung mit den Terroristen. Dann geht der gefährliche Trip auch schon los… Die Story ist einer der größten Trümpfe von Metal Gear Solid. So verzwickt und kompliziert sie ist, umso unterhaltsam und spannend hat Kojima sie auch geschaffen. Die großen Themen um Genforschung, Machtbesessenheit, sowie die vielen Überraschungen und Intrigen fesseln von Anfang bis Ende. Das Spiel bietet viele interessante Charaktere, von denen viele ein eigenes Spiel verdient hätten. Es gibt nur ein Problem: Die Geschichte in Teil 1 ist nicht ganz abgeschlossen. Die Hautpstory streckt sich über vier Spiele für PS1, PS2 und PS3. Metal Gear Solid 1 ist in der chronologischen Reihenfolge nicht einmal der Anfang. Sicherlich kann man das Erzählte auch ohne Vorkenntnisse und Wissen über die Serie genießen. Doch am Ende des Spiels wird man mit vielen Fragen hinterlassen.

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Das Gameplay des Titels revolutionierte die Videospielwelt. Bereits auf dem MSX-Heimrechner und dem NES versuchte Hideo Kojima, Stealthgameplay mit Schleich- und Versteckeinlagen umzusetzen. Doch erst mit seinem PS1-Titel konnte er seine Ideen genau realisieren. Wie bereits erwähnt hat Snake den Auftrag, möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen. Er ist zwar mit Schusswaffen ausgerüstet, soll den Gebrauch aber unterlassen. Ein Radar hilft ihm, seine Umgebung auszukundschaften. Noch dazu zeigt das Spiel das Geschehen aus einer Vogel-Perspektive, um für den Spieler übersichtlicher zu wirken. In seltenen Fällen kommt auch die Ego-Ansicht zum Einsatz, z.B. wenn Solid seine Gegner oder verschiedene Überwachungskameras mit einem Fernglas beschattet oder durch Schächte kriecht. Allgemein hat Snake mehrere Möglichkeiten der Fortbewegung. Er kann normal laufen, je nachdem wie fest ihr die Richtungstasten drückt, läuft Snake auch langsamer, was weniger Aufmerksamkeit erweckt. Er kann in die Hocke gehen, auf dem Boden kriechen, Rollen vollführen und sich an Wände lehnen/Deckung nehmen. Wer wirklich das ganze Spiel lautlos beendet, verdient Respekt – die Wirklichkeit sieht für den Großteil der Spieler aber anders aus. Für den Fall, dass man von den Gegnern mit (zumindest für die damalige Zeit) recht schlauer K.I. entdeckt wird, bietet das Spiel ein großes Waffenarsenal, das sich im Verlauf vergrößert. Von lauten Gewehren über Scharfschützengewehre, schallgedämpften Betäubungspistolen und Handgranaten ist alles dabei, was Shooterfans erfreut. Je nach Situation muss der Spieler entscheiden, welche Waffe er benutzt – wenn überhaupt. Als weitere Hilfe dienen verschiedene Gegenstände wie der legendäre Metal Gear Karton, unter dem Snake in einigen Situationen quasi unsichtbar für Gegner ist. Das angesprochene Fernglas ist ein weiteres Item und verschafft mehr Überblick. Durch das so genannte Codec kann Snake mit verschiedenen Leuten kommunizieren und erhält so oft wertvolle Hinweise. Als kleiner Bonus verfügt das Spiel über VR-Missionen. Diese lehren den Spieler, wie viele knifflige Situationen zu bewältigen sind. In einem schmucklosen 3D-Raum werden verschiedene Szenen simuliert, die Solid unentdeckt lösen muss. Insgesamt gibt es am Gameplay kaum etwas auszusetzen. Die Steuerung mag etwas hakelig sein und vor allem in heutigen Zeiten nervig wirken, doch das Spielgeschehen ist so spannend und zugleich spaßig ausgelegt, dass dieser negative Punkt schnell untergeht.

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Die Grafik mag wohl den meisten Spieler der aktuellen Generation stören. Für PS1-Verhältnisse ist die Optik von MGS1 überragend, nur leider sind wir heutzutage etwas anderes gewöhnt. Auf großen TVs mit guter Auflösung lassen sich etliche verpixelte Stellen auffinden. Wer diesen Fakt nicht einsehen will, wird beim Spielen immer einen faden Beigeschmack haben. Trotzdem gibt es positive Punkte. Seien es die Fußspuren im Schnee von Shadow Moses oder der Atem, der auf der kalten Insel sichtbar wird; bei einigen Sachen haben die Entwickler alles richtig gemacht und waren ihrer Zeit voraus. Auf der PSP sieht der Titel recht gut aus. Das Spiel reiht sich mit seiner Grafik fast in das Line-Up an PSP Spielen ein, die nur in seltenen Fällen eine deutlich bessere Optik haben. Der Sound überzeugt schon mehr. Zwar klingen Waffengeräusche und Schrittlaute leicht künstlich, dafür trumpfen die verschiedenen Hintergrundlieder auf. Die Lieder unterstützen das Spielgeschehen perfekt und prägen sich leicht ein. Dafür muss man aber die Sprachausgabe anprangern. Als einziger Titel in der MGS-Serie hat der PS1-Klassiker eine deutsche Synchronisation spendiert bekommen. Einen Schritt, den Entwickler Konami lieber nicht gewagt hätte. Die Sprüche und Stimmen klingen lächerlich und ziehen das Gesamtbild etwas herunter.

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Ob veraltet oder nicht – dieses Spiel muss jeder erlebt haben.
Eine großartige Story, die zwar einige Fragen offen stehen lässt, aber trotzdem zu jeder Sekunde fesselt. Revolutionäres Gameplay, dessen Prinzip noch heute abgekupfert wird. Der Sound überzeugt mit tollen Hintergrundmelodien und auch die Grafik hat ihre Lichtblicke. Die Technik ist altbacken und schreckt viele ab, doch zu unrecht: Dieser Blockbuster macht auch heute noch Spaß! Wer den Titel verpasst hat, sollte ihn unbedingt nachholen.

Gutes

+ grandiose Story
+ fast perfektes Gameplay
+ tolle Gegner K.I.
+ einprägsame Musikuntermalung
+ spaßige VR-Missionen

Schlechtes

- grausame deutsche Synchronisation
(- mittlerweile altbackene Grafik)

9.0 Must Have

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