Metal Gear Solid V: Ground Zeroes im Test

Getestet von | 25.03.2014 um 18:43 Uhr

Big Boss beehrt Sonys neuste Konsolengeneration, allerdings plant Konami unseren Mund wässrig zu machen. Ground Zeroes ist nur ein Prolog zu dem richtigen fünften Teil der Metal Gear Reihe: Phantom Pain. Dessen Releasetermin steht noch nicht fest und so wirft Hideo Kojima der hungrigen Gemeinde ein kleines Stück vom Ganzen hin. Was mit der Rennsimulation Gran Turismo klappt, sollte auch hier funktionieren. Ob es stimmt, wir finden es heraus.

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Abwarten oder Licht auschießen? Euer Plan sollte durchdacht sein

Appetithäppchen

Die Story ist nach den Ereignissen vom PSP Abenteuer Metal Gear Solid: Peace Walker angesetzt und kann im Hauptmenü nachgelesen werden. In kurzen Sätzen geht es aber darum, dass Naked Snake auf die Schliche einer mysteriösen Organisation auf Costa Rica kommt. Sie schmuggelt mit Hilfe der CIA Waffen ins Land, um einen atomraketenbesetzten Metal Gear zu entwickeln. Der Name: Peace Walker. Hier lernt Big Boss die Kinder eines verstorbenen Anführers einer Widerstandsgruppe kennen, Chico und Paz. Beide sehen in Snake eine Vaterfigur und gehen mit ihm. Später kommt heraus, dass Paz eine Doppelagentin ist, die für die Gruppe Cipher spionieren soll. Als Cipher mitbekommt, dass Paz die Lager wechselt, werden sie und Chico nach Kuba entführt. Soviel dazu. Hier setzt Ground Zeroes ein.
Wir schreiben das Jahr 1975. Big Boss versucht nun die Kindersoldaten Chico und Paz zu befreien. Beide werden in einer Militärbasis festgehalten. Nach einer beeindruckenden Sequenz, von der wir nicht spoilern wollen, hockt er regungslos da. Snake, der Veteran auf dem Schlachtfeld wartet nur auf unsere Eingaben. Die Steuerung wurde leicht verändert. Wo früher die Waffenauswahl an beiden unteren Schultertasten war, so liegt diese jetzt auf dem Digi- Kreuz. Ansonsten schleicht niemand so grazil durch dieses Mistwetter. Ja, es regnet in Strömen, es ist dunkel und die daraus resultierende eingeschränkte Sicht verhilft uns näher an die Basis heran und schlussendlich auch hinein zu kommen. Einfach ist es aber nicht, denn die Wachen suchen die Gegend mit Suchscheinwerfern ab und andere laufen ihre Bahnen am Zaun entlang. Ein kleines Geräusch lässt sie sofort aufmerksam werden und die Gegend mit der Taschenlampe absuchen. Die Gegner KI macht einen vorbildlichen Job. Ständig halten sie Kontakt mit ihrer Zentrale. Fehlt eine Meldung, nachdem eine Wache etwas Verdächtiges vernommen hat, wird sofort Alarm ausgelöst. Euer Vorgehen muss also genauestens bedacht werden.
Der Stealth-Veteran kennt aber die Grundregeln: Die Dunkelheit ist euer engster Verbündeter und so werden störende Scheinwerfer mit der schallgedämpften Waffe ausgeschossen. Achtet nur darauf, dass der Schalldämpfer mit jedem Einsatz abnutzt und somit unbrauchbar wird. Weitere Gadgets für diese Rettungsmission ist eine Betäubungspistole, eine Handvoll Granaten und ein Nachtsichtgerät. Auch 1975 gab es schon ein Kommunikationsgerät, das Einsatzziele, Navigation und sonst alle wichtigen Informationen in einem vereint. Das iDroid bietet eine Vielzahl an Bedienungen. Audiokassetten können damit abgespielt werden, somit lassen sich Hinweise in Tagebüchern finden oder Storyzusammenhänge schließen. Ein bisschen nervig ist es schon, Audiokassetten mitten im Einsatzgebiet anzuhören. Hoffentlich wird das nicht als Storyersatz mit in Phantom Pain übernommen. Wir wollen eine bombastische Spielinszenierung, wie bei Guns of the Patriot. Aber wie schon erwähnt, die Einführungs- und Abschlusssequenz werden emotional erzählt und konfrontieren euch mit einer derartigen Spannung, dass das Warten auf Snakes richtigen Open World Einsatz kaum auszuhalten ist.

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Seit neuestem besitzt Snake einen Führerschein

Bei dem ersten Versuch, diese Mission zu erledigen, werdet ihr sicherlich nicht sofort alle Möglichkeiten erkennen. Es gibt mehrere Mittel und Wege wie man sie abschließen kann. Zu Beginn solltet ihr euch erst einen Überblick verschaffen. Lasst euch aber nicht zu lang von der grafischen Pracht ablenken: Licht- und Wettereffekte sehen so grandios aus, da kann man die Mission schnell vergessen. Markiert schnell Wachen mit dem Fernglas, somit sind sie dauerhaft auf der Karte und ihr erkennt sie schemenhaft durch Wände. Das hilft für das weitere Vorgehen. Wachen können auch belauscht werden, um weitere, wertvolle Informationen zu bekommen. Oder ihr bedroht sie direkt mit der Waffe. Das alles trägt zum Metal Gear Feeling bei. Habt ihr doch einen Gegner übersehen und er versucht aufdringlich zu werden, zeigt eure Reaktion im Reflex- Modus und erledigt ihn bevor er Alarm schlagen kann. Entweder durch den Nahkampf CQC ( Close Quarter Combat) oder schickt ihn mit der Betäubungspistole ins Land der Träume. Einen Schusswechsel mit einer ganzen Armee und gepanzerten
Fahrzeugen ist nicht zu empfehlen. Schleicht euch in die Basis, schlüpft durch Sicherheitslücken oder klettert auf die Ladefläche eines LKWs. Der Fahrer weiß nichts von der Sonderfracht und bringt euch so in die Basis. Kreativität ist also gefragt und hier merkt ihr, dass das Spielprinzp einem Open World Titel gleich kommt. Snake kann natürlich auch selbst ein Fahrzeug bedienen; eine weitere Erneuerung. Er muss nur aufpassen, dass er nicht erkannt wird. Nützlich sind LKW und Co allemal, denn wenn ihr eure Missionsziele heil aus der Höhle des Löwen bekommen wollt, dann ist das Tragen der beiden mühsam. Packt sie in einen Jeep und los geht’s. Im Navi Menü werden Landezonen angezeigt. Sichere und auch gefährdete Zonen werden farblich abgesetzt. Setzt euch den Marker auf eine sichere Landezone und steuert dorthin. Der Heli muss übrigens von euch gerufen werden. Die Ankunft dauert eine gewisse Zeit, dass solltet ihr in eurem Fluchtplan mit einbeziehen. Gerade wenn eine Horde wild schießender Soldaten hinter euch her ist, kommt spätestens jetzt Herzrasen hinzu. Das gefällt. Irgendwann habt ihr den Dreh raus und die Mission ist erledigt. Das war’s. Spiel vorbei. Wie ernüchternd für 30 Euro. Gut, das Resultat am Ende: Rang D, 14 Neustarts, 1 Alarm ausgelöst und zu viele Menschen eliminiert, das zieht runter. Auch die Spielzeit von 136 Minuten ist enttäuschend und auch zu lang für die Wertung. Seid ihr ein Stealth-Profi, dann solltet ihr in den Extrem Schwierigkeitsgrad wechseln. Dieser versetzt in die gute, alte Metal Gear Zeit zurück. Betäubte Gegner erwachen schneller, kein Reflex- Modus, keine erkennbaren Soldaten durch Wände. Das fordert nochmal mehr. Unterhalten hat uns Metal Gear Solid: Ground Zeroes aber durchaus: Gerade das Ende des Prologs macht Lust auf Phantom Pain, obwohl es wie erwartent ein fieser Story Cliffhanger ist. Was jetzt noch hinzuzufügen ist, dass nach dem Beenden der Hauptmission- abhängig von der Wertung- bis zu fünf Nebenmissionen freigespielt werden können. Das verlängert die Gesamtspielzeit wieder und wenn ihr dann noch alle XOF Abzeichen sammeln wollt, dann wird die Zeit auf rund drei bis vier Stunden gehen. In den Side- Missionen müssen schwerbewachte Ziele ausgeschaltet oder Flakabwehr mit C4 zu sabotiert werden. Die Abwechslung passt.

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Das iDroid verhilft dazu, den Überblick nicht zu verlieren

Ich habe noch Hunger

Das reicht uns noch nicht. Mr. Kojima wir wollen endlich Phantom Pain haben. Die neuentwickelte FOX Engine zeigt was sie kann. Es sieht super aus, das Zusammenspiel mit den grafischen Effekten und dem stimmungsvollen Sound überzeugen auf ganzer Linie. Eingängige Musikstücke lassen uns in die Welt der Schlange eintauchen. Es gibt wenig zu meckern; ein großes Contra ist der Umfang in der Relation zum Preis. Hier hätten mehr Missionen sicherlich geholfen. Ansonsten machen 24 Serienstar Kiefer Sutherland und Konsorten einen super Job. Die englische Synchronisation passt und wirkt nicht aufgesetzt. Zur Verständnis kann noch der deutsche Untertitel eingeschaltet werden. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass nur wahre Metal Gear Fans hier zuschlagen sollten. Der Umfang könnte die einfachen Schleich- Fans unter euch nur verärgern.

Gutes

+ Großartige Unterhaltung auch in der kurzen Zeit
+ Klasse Optik/ Super Soundkulisse
+ Richtiges Metal Gear Feeling

Schlechtes

- Kürzer geht die Spielzeit der Hauptmission nicht
- Preis/ Umfang nicht gerechtfertigt
- Fieser (zu erwartender) Story Cliffhanger
- Audiokassetten gehören nicht ins Krisengebiet

8.3 Sehr gut

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