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Mass Effect: Andromeda im Test – Es hätte so schön werden können

Artikel von | Sonntag 26. März 2017 um 18:03 Uhr

BioWare ist eines der bekanntesten Studios in der Industrie und ihre Rollenspiele sind weltbekannt. Mit Baldurs Gate und Neverwinter Night hat man Klassiker geschaffen und 2007 hat man mit Mass Effect neue Höhen erreicht. Der Titel war ein voller Erfolg und zog zwei grandiose Fortsetzungen nach sich. Heute, vier Jahre nach dem Ende der Mass Effect Trilogie, verschlägt es die Sci-Fi Rollenspiel Reihe in eine neue Galaxie. Mass Effect: Andromeda soll den Grundstein für einen Neuanfang legen und wir verraten in unserem Test, ob der Titel den Vorgängern gerecht werden kann. Spoiler, nein, leider kann er es nicht.

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600 Jahre später

Der Beginn der Reise findet zwischen Mass Effect 2 & 3 statt. Die Milchstraße steht sich der Auslöschung der Reaper gegenüber und startet die Andromeda Initiative. Ziel dieser ist es, eine neue Galaxie zu erreichen und dort einen Neuanfang zu starten. Mehr als 600 Jahre später erreicht die Arche Hyperion die Andromeda Galaxie und hier startet auch unser Abenteuer. Wir spielen einen der Ryder Geschwister Sara oder Scott. Neben vorgefertigten Charakteren, kann man auch wieder einen eigenen erstellen. Der gewählte Charakter erwacht nach der langen Reise aus der Stase und schon kurz danach entstehen erste Probleme. Eine riesige Wolke aus dunkler Energie droht die Arche zu zerstören, doch zum Glück, geht fürs erste alles gut. Kurz darauf startet man mit dem Pathfinder , dem Vater von Sara und Scott und dem Anführer der Arche, eine erste Mission. Es geht um die Erkundung eines möglichen, neuen, Planeten für die Arche. Leider läuft nicht alles nach Plan und man muss sich zurückziehen, da man auf die feindlichen Kett trifft. Kurz darauf macht man sich auf den Weg zum Nexus.

Dieser sollte von Leuten, die schon Jahre vorher losgeschickt wurden, erbaut und als Basis dienen. Bei der Ankunft sieht man, dass die Bauarbeiten nicht wie geplant verlaufen sind und scheinbar sind die anderen drei Archen spurlos verschwunden. Das Ziel ist nun also klar. Die anderen Archen finden und einen Planeten suchen, um dort eine neue Zukunft aufbauen zu können. Natürlich bleibt es dabei nicht so simpel und besonders die Kett stehen uns häufig im Weg. Doch auch andere Rassen treten auf den Plan und so wird eine durchaus spannende Story geschmiedet, die jedoch nicht an die Klasse der Vorgänger heranreicht. Das liegt zum einen daran, dass einige Abläufe zu ähnlich zu früher sind. Zum anderen aber auch daran, dass die gravierenden Entscheidungen und Konsequenzen fehlen. Zwar muss man immer wieder Entscheidungen treffen und manchmal haben diese auch drastische Konsequenzen, doch werden diese so schnell abgehandelt, dass man sie direkt wieder vergisst. Langwierige Auswirkungen, die auch später noch relevant sind, gibt es nicht wirklich. Auch braucht die Handlung einiges an Zeit bis wirklich mal was interessantes passiert. Bis dahin werden hauptsächlich Fragen aufgeworfen, von denen einige sogar bis zum Ende nicht geklärt werden.

Kommen wir direkt zum nächsten zweischneidigen Schwert, den Charakteren. Mass Effect lebte seit jeher von seinen markanten Persönlichkeiten und interessanten Dialogen. Beides gibt es in Mass Effect: Andromeda auch, doch in reduziertem Maße. So sind einige Dialoge durchaus unterhaltsam, doch öfters wird es einfach nur peinlich und manche Kommentare sind schon sehr seltsam. Auch störend ist, dass die zur Auswahl gestellten Antworten fast immer eine anderen Richtung einschlagen, als man denkt. Das stellt sich in etwa so dar, dass wir in einer hitzigen Situation als Antwort “Sie Arschloch” haben. Wenn wir diese wählen kommt aber sowas wie “Was haben sie getan, dass werde ich ihnen nie verzeihen”. Als Sahnehäubchen kommen da noch teils lächerliche Mimiken der Charaktere dazu, bei denen man einfach nur den Kopf schütteln kann. Das gilt sowohl für Haupt- als auch Nebencharaktere. Von letzteren gibt es wieder zahlreiche, doch nur ein kleiner Teil von denen bleiben einem wirklich im Gedächtnis. Im Fokus stehen ganz klar Sara/Scott Ryder und ihr stetiger Begleiter Sam, eine KI. Diese ist mit den beiden verbunden und steht daher auch immer mit ihnen in Kontakt. Sonst seid ihr natürlich immer mit eurer Crew unterwegs, die Menschen, Asari, Kroganer und mehr bieten. Ein paar von denen sind zwar ganz interessant, doch der Großteil wirkt irgendwie etwas blass. Alles in allem kann man sagen, dass Story, Charaktere und Dialoge ganz gelungen sind, doch oft die Klasse der Mass Effect Reihe vermissen lassen.

Die größte Stärke

Kommen wir nun zum Gameplay. Wer die ersten drei Mass Effect Teile kennt, hat schon einen guten Plan davon, wie es in Mass Effect: Andromeda zugeht. Wie gewohnt finden wir uns in der Third-Person Perspektive wieder. Hier stellen wir uns mit verschiedenen Schusswaffen und Fähigkeiten den zahlreichen Gegnern entgegen. Dabei sind wir immer zu dritt unterwegs, leider immer noch nicht im Koop, und finden uns stetig hinter Deckungen wieder. Neu hierbei ist jedoch, dass diese Deckungen automatisch eingenommen werden, sobald ihr die Waffe zückt. Das funktioniert meist ganz gut, kann aber aufgrund der stellenweise ungenauen Steuerung auch zu Problemen führen, da man öfters einfach nicht in die Position geht, in die man eigentlich will. Das sorgt auch dazu, dass man sich nicht jederzeit ducken kann, um beispielsweise zu schleichen.

Dafür gibt es durch das neue Jetpack aber mehr Dynamik in den Kämpfen. Dieses sorgt für kurzzeitige Höhenflüge oder flinkes Ausweichen um Gefahren zu entgehen, eine wirklich sinnvolle Neuerung. Besonders weil man beim zielen in der Luft,auch Gegner hinter Deckungen aufs Korn nehmen können. Ebenso neu sind die Profile. Um diese genau zu verstehen, müssen wir kurz auf die Fähigkeiten von Ryder und seiner Crew eingehen. In Rollenspielen wird gelevelt und das ist auch bei Mass Effect: Andromeda nicht anders. Durch das erledigen von Quests und umnieten von Gegnern erhaltet ihr die nötigen EP und könnt nach erfolgreichem Levelaufstieg Punkte verteilen. Dabei wird zwischen Kampf, Tech und Biotik gewählt. Kampf ist hierbei hauptsächlich auf Waffen und Angriff ausgelegt. Tech geht  eher ins aggressive, bietet dabei aber auch Spielereien wie Flammenwerfer oder Geschütztürme. Biotik setzt auf Schilde, Unterstützung und psychische Angriffe.

Hier kommen wir nun zurück auf die Profile. Je nachdem wieviele Punkte ihr in Kampf, Tech und Biotik einsetzt, schaltet ihr verschiedenen Profile frei. Diese bringen euch dann nochmal einen ordentlichen Schwung an Verbesserungen. Wer total auf Kampf setzt, schaltet das Soldaten Profil frei und macht dadurch mehr Schaden mit Schusswaffen. Wer auf Biotik setzt, bekommt ein Profil das die Schilde verstärkt oder Abklingzeiten reduziert. Es gibt aber auch Mischungen zwischen Tech & Biotik, Kampf & Tech oder sogar allen dreien. Im Kampf können diese jederzeit gewechselt werden, je nachdem was für die Situation grad am nützlichsten ist. Nützlich sind nun auch eure Rüstungen, denn von denen gibt es nun mehrere. Neben der Optik bringen diese auch ein paar nette Verbesserungen mit sich. So bekommt ihr mehr Energie, könnt mit dem Jetpack länger in der Luft bleiben oder eure Schilde regenerieren sich schneller. Doch es gibt noch mehr.

Neu sind auch die Kombo Primer. Durch diese könnt ihr eure Fähigkeiten kombinieren und so für ordentlich Schaden sorgen. Wenn ihr beispielsweise einen Gegner anzündet und ihn dann einen Biotik Schockwelle verpasst, gibt es eine ordentliche Explosion.Eigentlich ist so ziemlich jede Neuerung im Kampfsystem sehr gelungen, außer vielleicht das neue Deckungssystem und die Kameraden. Neben den Neuerungen, gibt es nämlich auch Elemente die entfernt wurden. So könnt ihr euren KI Kameraden keine wirklichen Befehle mehr geben. Lediglich wo sie sich positionieren sollen könnt ihr noch wählen und das war es dann auch schon, schade. Auch ein wenig schade, obwohl das jedem selbst überlassen ist, ist, dass man viele Waffen und Fähigkeiten eigentlich gar nicht braucht. Ihr könnt das Spiel problemlos mit den zwei Standardwaffen und drei Fähigkeiten beenden.

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Mass Effect: Andromeda Testbericht

Mass Effect: Andromeda

  • Release: 22.03.2017
  • Genre: 3rd Person Shooter, Rollenspiel
  • Entwickler: Bioware
  • Publisher: Electronic Arts

Gutes

- Dynamische Kämpfe mit sinnvollen Neuerungen
- Kurzweiliger Multiplayer (wenn man genug Mitspieler hat)
- Gut gestaltete Loyalitäts Quests
- Viele Waffen und Fähigkeiten sorgen für Abwechslung

Schlechtes

- Häufig Fetch Quests mit unnötigen und sinnlosen Abläufen
- Story und Charaktere teilweise mit Schwächen
- Dialoge teilweise unpassend und oft mit Unterbrechungen
- Optik mit Pop-ups, nachladenden, unscharfen und flackernden Texturen & Bugs
- Unsaubere Animationen und oft eigenartige Gesichtszüge

7.2 / 10 Gut

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