Mass Effect 2 – Review

Getestet von | 07.02.2011 um 00:00 Uhr

Vor ziemlich genau einem Jahr erschien für die Xbox 360 und den PC Mass Effect 2, die Fortsetzung des Überraschungshits aus dem Jahre 2007. Wie bereits das Erstlingswerk schloss man bei EA und Bioware eine Veröffentlichung für Sonys stationäre Spielekonsole völlig aus. Ein Jahr nach Release sieht das alles schon ganz anders aus – aufpoliert und mit sämtlichen, veröffentlichten Zusatzinhalten erscheint der Science Fiction-RPG-Shooter nun auch auf der Playstation 3. Was Neueinsteiger der Serie und alte Veteranen bei diesem Abenteuer rund um Commander Shepard erwarten dürfen, erfahrt ihr in unserem Review!

Screenshot

In den Weiten des Universums…

Nachdem ihr optional den interaktiven Comic, welcher euch die Geschichte des ersten Teils näher bringt, abgeschlossen habt, beginnt Mass Effect 2 auch schon bereits – und das mit einem deftigen Feuerwerk. Ohne lange Vorrede startet der Plot des Spiels: Die Normandy, euer Schiff, welches Kennern der Serie bereits bekannt sein sollte, wird wenige Wochen nach dem Ende von Teil 1 von einem feindlichen Schiff angegriffen. Alles fliegt in die Luft, nur wenige Crew-Mitglieder können sich aus der Flammenhölle retten. Joker, der Pilot des Schiffes, hingegen sieht es nicht ein, sich möglichst schnell in Sicherheit zu wiegen und steuert unbeirrt die Normandy weiter. Ohne viel Geplänkel schlüpft ihr in die Rolle des Commanders und macht es euch zur Aufgabe, euren Piloten das Leben zu retten. Nur blöd, dass ihr dabei nicht nur euers riskiert, sondern gar verliert. Der kurze Prolog des Spiels endet damit, dass Shepard durch die Weiten des Universums katapultiert wird und mehr als deutlich nicht mehr unten den Lebenden weiht. Doch dies ist natürlich noch nicht das Ende des Liedes – zwei Jahre später erwacht Shepard und muss erfahren, dass Cerberus – eine Organisation, welcher er eher skeptisch gegenüber steht – viel Geld, Zeit und Arbeit in ein Projekt namens „Lazarus“ investierte, das die vollständige Rekonstruktion und Wiederbelebung von Shepard zum Ziel hatte. Wie sich früh herausstellt, tat dies die Vereinigung rund um den „Unbekannten“, da der Commander der Einzige zu sein scheint, der sie bei ihrer aktuellen Mission ernsthaft unterstützen kann. In der Galaxie kommt es nämlich zum urplötzlichen Verschwinden von Menschen-Kolonien und nur Shepard kann die Reaper, die allem Anschein nach dafür verantwortlich sind, stoppen. Bei seiner Mission bekommt Shepard vom Unbekannten völlig freie Hand und kann seine Ziele und sein Team derart gestalten, wie er es will. Dabei legt sich die Skepsis gegenüber Cerberus, je nachdem wie der Spieler es will, nie wirklich und zieht sich wie eine Art Leitmotiv durch die gesamte Handlung. Diese hingegen bleibt zwischenzeitlich viel zu sehr auf der Strecke liegen. Beginnt das Spiel noch mit einem Paukenschlag und zeigt die Handlung und die Problematik in den ersten Stunden noch gut auf, so folgt dann eine leider viel zu lange Durststrecke. In den 30 bis hin zu 40 Stunden Spielzeit wird die eigentliche Storyline rund um die verschwundenen Kolonien etwas vernachlässigt. Viel mehr konzentrieren sich die Entwickler lange Zeit auf die Geschichten der einzelnen Crew-Mitglieder. Ein Fehler ist dies aber keineswegs! Durch die Individualität der Charaktere, mit ihren differenzierten und einzigartigen Zügen, schafft es Bioware, die verschiedenen Background-Storys gut in Szene zu setzen, sodass man während dem Großteil des Spiels das in den Hintergrundtreten der Hauptstory so gut wie gar nicht merkt.
Unterstützt wird die grundsätzlich gelungene Geschichte durch eine interessante und durchgehend angenehme Atmosphäre. Mass Effect 2 fängt das Typische für das Sci-Fi-Genre sehr gut ein. Neben den in einem Weltraum-Spiel nicht fehlend dürfenden Raumschiffen, hat man durch die verschiedenen Rassen, die sich allesamt perfekt einfügen, ein belebtes und einzigartiges Spiele-Universum geschaffen. Dass dies für eine gelungene Spielerfahrung einen äußerst großen Teil ausmacht, sollte selbstverständlich sein. Und auch sämtliche andere Teilaspekte, wie die Dialoge oder die Soundtracks, runden das Bild noch gut ab. Besonders letztgenanntes kann zwar nicht ganz mit dem des Erstlingswerks mithalten, ist aber für sich genommen trotzdem noch sehr gut, wenn nicht gar episch.

Screenshot

Rollenspiel…

Wer Mass Effect 1 auf einem System seiner Wahl gespielt hat oder im Vorfeld sich immer kräftig über das Spiel informierte, sollte wissen, wie die Saga spielerisch funktioniert. Angepriesen wird sowohl der erste, als auch eben der aktuelle Teil als ein Genre-Mix, welcher sowohl Rollenspiel- als auch Actionspiel-Elemente beinhaltet, beides mal mehr und beides Mal weniger. Darüber hinaus spielen des Öfteren auch taktische Züge eine wichtige Rolle.
Als Rollenspiel funktionierte der Vorgänger deutlich besser, in dem RPG-Teilbereich wurde das Spiel im direkten Vergleich nämlich doch beschnitten. Nichtsdestotrotz bleiben noch viele Aspekte übrig, die zeigen, dass man es hier nicht mit einem reinrassigen Shooter zu tun hat. Dies fängt bereits zum Start des Spiels an. Dort muss neben der optischen Erscheinung des Commanders – dieser kann übrigens auch wahlweise dem weiblichen Geschlecht angehören – auch eine Klasse ausgewählt werden, mit der man den Durchlauf bestreiten will. Die insgesamt sechs verschiedenen Variationen unterscheiden sich dabei unter anderem bei den Waffen oder den verfügbaren Kräften. Einige der Waffen und Kräfte überschneiden sich zwar bei den verschiedenen Klassen, angesichts der Tatsache, dass jeder Spielverlauf durch die taktische Komponente der Klassen einzigartig ist, macht dies nicht allzu viel aus. Auch kann Mass Effect 2 in diesem Punkt einfach nicht mit reinrassigen Rollenspielen, die doch deutlich mehr Individualisierungsmöglichkeiten geben, mithalten. Das Ausbauen dieses Systems hätte wohl nicht geschadet, fällt aber auch nicht allzu schwer ins Gewicht.
Eine weitere Spielmechanik, die deutlich an RPGs angelehnt ist, ist die Erweiterung und das Upgrading der verschiedenen Fähigkeiten und Kräfte. Durch das Erfüllen von Missionen erhaltet ihr Erfahrungspunkte, die ihr in die Stärkung eurer Gruppenmitglieder investieren könnt. Auch hier gilt wieder: Die Idee selber ist sehr gut, die Umsetzung ist leider viel zu einfach gehalten. Ein wenig mehr Komplexität hätte dem Spiel wohl gut getan. Etwas weitläufiger fällt das Verbessern der Rüstungen und Waffen aus. Vier verschiedene Ressourcen, die im Spielverlauf mehr als genug zu finden sind, ermöglichen es euch, teils sehr nötige Upgrades für eure Ausrüstung durchzuführen. Das gleiche gilt auch für die Normandy – erst zum Schluss werden diese aber ernsthaft benötigt. Eine frühere Einbindung des Kriegsschiffes wäre wünschenswert gewesen.
Ein weiterer Punkt, der einen noch größeren Hauch Taktik verspricht, ist die Wahl der richtigen Crew-Mitglieder für die jeweiligen Missionen. Vor jedem Auftrag müsst ihr zwei Kameraden benennen, die euch begleiten. Da jeder Charakter seine eigenen Vorzüge und auch Schwächen im Kampf hat, scheint die Wahl theoretisch extrem wichtig. Praktisch hat der Spieler bei der richtigen Entscheidung zwar einen Vorteil, aber auch mit den „falschen“ Kampffreunden ist ein Großteil der Missionen eher ein kleineres Problem.

Screenshot

…oder Shooter?

Während der eigentlichen Gefechte kommt dann auch der Action-Aspekt zum tragen. Im Grunde erinnert Mass Effect 2 dann nämlich an reinrassige 3rd-Person-Shooter wie Uncharted. Während ihr euch durch die Level kämpft, könnt ihr hinter so gut wie jeder Kiste und Barriere Deckung suchen, um euch vor feindlichem Kugelfeuer zu schützen. Ergänzt wird diese vorerst simpel wirkende Spielmechanik durch einige einzigartige Elemente, die den Reiz der Auseinandersetzungen im Sci-Fi-Game ausmachen. Zum einen stehen euch die bereits angesprochenen Kräfte zur Verfügung. So könnt ihr oder eure Kameraden feindliche Panzerungen wegsprengen oder Gegner durch die Lüfte schweben lassen. Durch eine geschickte Kombination von Kräfteeinsatz und Schusswechsel erlangt ihr einen deutlichen Vorteil, der den einen oder anderen Kampf entscheiden kann. Genauso wichtig ist aber auch die richtige Interaktion mit den Gruppenmitgliedern. Jederzeit hat Shepard das volle Kommando über die Kampfeinheit. So darf man nicht nur über seine eigenen Kräfte und Waffen entscheiden, sondern auch entscheiden, wie sich die Begleitpersonen verhalten sollen, mit welcher Waffe sie kämpfen sollen und welche Kräfte einzusetzen sind. Mit einem einzigen Knopfdruck ist es darüber hinaus sogar möglich, die genaue Position von diesen zu bestimmen. Und auch wenn Jacob, Miranda & Co. sich teilweise querstellen und eben nicht dort stehen, wo sie zu stehen haben, funktioniert dieses System generell gut und lässt Platz für taktische Variationen.
Auch relativ einzigartig ist die Pausierung während des aktiven Spielverlaufs. Öffnet ihr eines der Räder, mit denen ihr Waffen oder Kräfte managen könnt, hält das Spiel an und ihr habt genügend Zeit, um euch einen Überblick über das Kampffeld und eure Gegner zu verschaffen. So kann in aller Ruhe die Situation gescannt und entschieden werden, welcher Feind am Besten mit welcher Waffe zu bekämpfen ist. Dann kann dieser auch noch gezielt anvisiert werden und die Action kann wieder losgehen!

Doch eine der größten Stärken ist zugleich auch eine der Schwächen des Spiels: Der Genre-Mix aus 3rd-Person-Shooter und Rollenspiel funktioniert grundsätzlich gut, doch es kommt einfach nicht zu der gleichen Intensität wie bei einem Spiel, welches sich auf eines der beiden Genres beschränkt. Für ein gutes Rollenspiel fehlen noch mehr und noch gewichtigere Auswahl- und Individualisierungsmöglichkeiten. Ein sehr gutes Action-Spiel kann Mass Effect 2 auf Grund der vergleichsweise armen Action dann auch nicht werden. Dies liegt auch an dem eigentlich interessanten Pausierungs-Feature. Dieses nimmt – so gut wie es auch sein mag – oft den Schwung aus den Gefechten. Doch bitte nicht falsch verstehen: Das alles ist Meckern auf einem hohen Niveau! Überzeugen tut das Action-RPG spielerisch nämlich definitiv, auch wenn es scheinbar das ein oder andere Manko mit sich bringt. Und die Tatsache, dass sich Mass Effect 2 im Vergleich zum Vorgänger generell stärker vom Rollenspiel ab- und zum Actionspiel hingewandt hat, muss jeder für sich selbst bewerten. Gespannt darf man aber sein, ob Bioware im bereits angekündigten dritten Teil der Trilogie wieder mehr auf Rollenspiel-Elemente setzt oder ob der Weg fortgesetzt wird, der mit Mass Effect 2 eingeschlagen wurde.

Screenshot

Scottie, Beam Me Up!

Doch bevor es erst einmal soweit ist und ihr in die Action hineinspringen dürft, gilt es erstmal, die jeweilige Mission anzusteuern. Selbstverständlich hat der ein oder andere Auftrag höchste Priorität, bei der Wahl der Missionen habt ihr allerdings freie Hand. Auf einer Galaxien-Karte steuert ihr ein Ebenbild der Normandy und navigiert euch so durch die Milchstraße, bestehend aus einer gigantischen Vielzahl von Stern- und Sonnensystemen. Zwischenzeitlich kann dann auch schon mal der Sprit ausgehen, sodass die Reise gut geplant sein sollte. Das Missionsdesign ist relativ oft ähnlich gestaltet. Neben den leider viel zu wenig, wirklich herausragenden Nebenmissionen, ist es somit größtenteils eure Pflicht, neue Rekruten für die Normandy zu engagieren. Dabei läuft es nach einem immer gleichen Schema ab: Shepard & Co. landen auf dem Planeten und müssen sich dann durch schlauchartige Level bis zur gewünschten Zielperson durchkämpfen. Ausnahmen bestätigen hierbei natürlich die Regel und wirklich auffallen tut diese teilweise einsetzende Monotonie auf Grund der guten Inszenierung sowieso nicht wirklich. Ab und an steht ihr dann auch mächtigen Endgegnern gegenüber, die eine besondere Behandlung nötig haben. In Zeiten, in denen in Spielen solche Bosse immer seltener werden, auf jeden Fall ein erfreulicher Plus-Punkt.
Auch sehr spannend und noch ein Tick individueller sind die Loyalitätsmissionen der einzelnen Crew-Mitglieder. Entscheidet ihr euch dafür, solch eine Mission durchzuführen, gilt es, dem jeweiligen Kameraden bei einem ganz persönlichen Auftrag zu helfen, um so in seiner Gunst besser dazustehen. Während der Mission kann es auch zu dem Fall kommen, dass ihr beispielsweise eine zwiespältige Entscheidung treffen müsst: Folgt ihr blind der Bitte eures Kumpanen oder pfeift ihr auf die Loyalität und rettet lieber Menschenleben? Solche Entscheidungen fallen zum einen nicht leicht und erhöhen zum anderen merkbar den Wiederspielwert des Spiels. So ist es doch schade, dass Missions-Veränderte Entscheidungen dieser Art eher selten anzutreffen sind. Die schlauchartigen Levels sind nämlich grundsätzlich kein Problem, bei einem erneuten Spieldurchlauf demotivieren sie aber schon ein Stück, da alles viel zu bekannt ist.

Screenshot

Du hast die Wahl

Sympathisanten der Serie wissen es schon, alle anderen sollen es jetzt erfahren: Das große Herzstück von Mass Effect ist das ausgeklügelte Dialog- und Entscheidungssystem. Erstere bilden definitiv den Kern des RPG-Shooters. Sehr häufig tretet ihr in den Dialog mit NPCs, in denen ihr eurer Kommunikationsgeschick beweisen müsst. Ihr dürft euren Gegenüber ausquetschen und über alle möglichen Details quatschen, die euch so einfallen. Dies ist zwar nicht wirklich relevant für den Verlauf der Geschichte, bringt euch aber die Charaktere und das Spieluniversum deutlich näher. Gehandhabt wird dies durch kurze Keywords, die ihr zum passenden Zeitpunkt auf dem Bildschirm erscheinen seht. Wird nun eines dieser Keywords ausgewählt, spricht Shepard es wissbegierig aus und bringt so das Gespräch ins Laufen. An einigen Stellen sind diese Stichwörter aber etwas irreführend, sodass letztendlich etwas ganz anderes gemeint ist, als man vermutet hat. Die Dialoge selbst sind sehr gut und authentisch geschrieben. Als eine der großen Stärke des Spiels wirken diese keinesfalls aufgesetzt und haben auch einen leichten, cineastischen Touch, den man in Videospielen dieser Art häufig vermisst. Auch die Arbeit, die hinter der vollständigen Synchronisierung aller Gesprächsfetzen steckt, sollte auf jeden Fall gehuldigt und mehr als positiv angerechnet werden.
Doch häufig haben eure Antworten auch größere Folgen, als ihr es euch denken könntet. Zum einen kann durch die Dialoge die Grundhaltung des Commanders festgelegt werden. Wie steht er einzelnen Crew-Mitgliedern gegenüber? Was hält er von Cerberus? Wie ist seine Meinung zu seinem ehemaligen Arbeitsgeber, der Allianz? Zum anderen kann die Wahl aber auch ganze Missionen entscheiden. Abseits der eigentlichen Dialoge warten dann so genannte Vorbild- und Abtrünniger-Entscheidungen auf euch, die bestimmen, ob ihr lieber den guten Superhelden oder doch eher den Fiesling der Nation spielen wollt. Je nachdem wie – und überhaupt ob – ihr in diesen Situationen eingreift, schalten sich später andere Dialogmöglichkeiten oder gar ganze Missionen frei. Als nettes Gimmick wird darüber hinaus auch das Äußerliche Shepards von diesen Entscheidungen bestimmt. Spielt ihr immer nur den netten Buben von nebenan, so zeigt der Heilungsprozess seiner Narben deutliche Fortschritte. Fällt die Wahl öfters mal auf eine Abtrünnigen-Entscheidung, so dürft ihr euch auch nicht wundern, dass euer Hauptcharakter mit Narben übersäht ist.

Dies ist aber nur ein kleiner Teilaspekt der Entscheidungsfreiheit, die Mass Effect 2 ausmacht. Denn das Spielerlebnis wird hauptsächlich von euch entschieden. Ihr habt die Wahl, welche Crew-Mitglieder rekrutiert werden soll und ihr seid dafür verantwortlich, welcher eurer Charaktere in einer besonders guten Beziehung zu euch steht. Inwiefern die zuvor gemachten Versprechungen eingehalten wurden, mögen wir nicht beurteilen, viele Gestaltungsmöglichkeiten machen Mass Effect aber eindeutig zu einem der Spiele, die sich gerne auch öfters als einmal im Laufwerk drehen. Dass die ein oder andere Entscheidung mehr Farce ist, fällt dabei nicht schwer ins Gewicht.

Screenshot

Rohstoffsuche & Computer-Hacking

Ein solch episches Werk darf natürlich auch nicht ohne eine knappe halbe Hand voll Minispiele auskommen. Mass Effect 2 beschränkt sich dabei auf gut drei „Herausforderungen“ für zwischendurch. In den Weiten des Universums findet ihr so beispielsweise eine ganze Reihe von unbekannten Planeten. Anstatt auf diesem aber kleinere Nebenquests zu verstecken, beschränkte man sich bei Bioware hauptsächlich darauf, diese Planeten nach einem simplen Schema nach Rohstoffen zu durchforsten. Eine Landung kommt dabei auf keinen Fall in Frage – lediglich die Oberfläche dürft ihr betrachten, um dann dort mit Hilfe eures Messgerätes und Sonden nach einem der vier Ressourcen zu suchen. Dieses Scannen-Minispiel macht von Anfang an wenig Spaß und wird im Verlauf auch nicht interessanter. Die zum Teil sehr ausführlichen Beschreibungen der einzelnen Planeten sind zwar ganz nett, ihre Müh und ihren Schweiß hätten die Entwickler aber wohl anderweitig einsetzen sollen.
Die anderen beiden Minispiele sind es eigentlich noch nicht mal wert, erwähnt zu werden. Ein erfolgreiches Knacken einer Tür, einer Kiste oder eines Sicherheitssystems ist nämlich immer verbunden mit einem der beiden Minispiele. Das eine Mal müssen bei einer Art Memory zwei identische Teile zusammengefügt werden, ein anderes Mal muss ein angezeigtes Text-Fragment aus einer Vielzahl solcher herausgefischt werden. Das klingt sehr unspektakulär, ist es auch! Anfangs scheinen beide zwar noch sehr spaßig, nach einigen dutzend Spielstunden ist das System aber derart abgenutzt, dass man sich sehnlichst eine Alternative – oder zu mindestens einen steigenden Schwierigkeitsgrad dieser Minigames – wünscht.

Raumschiffe – ich sehe überall Raumschiffe!

Dass Mass Effect 2 mittlerweile ein ganzes Jahr auf dem Buckel hat, merkt man eher selten. Die Grafik befindet sich auf einem ordentlichen Niveau, alsgleich sie auch nicht mit den ganz Großen der Szene mithalten kann. Die Texturen sind scharf und insbesondere in den Raumschiffstationen zeigt sich das Spiel wirklich von seiner ganzen Pracht. Außerhalb wirkt die Flora und Fauna nicht mehr allzu detailliert, das Gras beispielsweise wirkt an einigen Stellen doch recht starr. Anzumerken ist aber, dass es im direkten Vergleich mit dem einen oder anderen Spiel trotzdem spitze aussieht und grafisch definitiv den Titel „Next Generation Spiel“ tragen darf. Besonders die Beleuchtung ist auf und abseits der Raumschiffe äußerst gut gelungen. Ein wahres Highlight sind aber die Gesichter und ihre Animation. Alles scheint auch hier wieder recht cineastisch angelehnt, teilweise sehen die Gesichter der Charaktere – und das ohne Ausnahme – sehr realitätsnah aus.
In Punkto Design darf man wohl nicht die ganz großen Überraschungen erwarten. EA und Bioware revolutionieren das Sci-Fi-Genre nicht neu und punkten lieber mit altbekannten. Denn so sehr alles bereits aus anderen Spielen (und auch Filmen) bekannt ist, so gut ist alles auch umgesetzt. Die Raumschiffe und „Städte“ haben den modernen Touch, den man erwartet hat, sind aber nichtsdestotrotz abwechslungsreich gestaltet. Die Außenwelt der Planeten hätte aber wohl ein wenig interessanter ausfallen können. Da haben die Weiten der Galaxis doch wohl mehr zu bieten, als wir in Mass Effect sehen dürfen.
Technisch präsentiert sich das Spiel solide. Selten gibt es Framrate-Einbrüche, die auf Grund der Tatsache, dass es diese auch schon vor einem Jahr auf Xbox und PC gab, allerdings trotzdem recht überflüssig sind. Auch die horrenden Ladezeiten vor den Missionen und insbesondere beim Deckwechsel auf der Normandy hätten wohl beseitigt werden können. Da stellt sich natürlich die Frage, wofür man im Vorhinein mehr als 5 Gigabyte Spieldaten auf seiner Konsole installiert.

Die Sound-Abteilung im Studio Bioware hat schon beim ersten Teil gut vorgelegt. Als „episch“ oder „grandios“ wurde so der Soundtrack des Spiels betitelt. Diese Attribute passen auch ganz gut bei der Fortsetzung. Ein Mix aus alten Stücken und neuen Werken rundet das Abenteuer musikalisch ab. Die Soundeffekte passen zum Szenario und auch die Synchronisierung erreicht stellenweise Hollywood-Niveau. Sowohl die englischen, als auch die deutschen Synchronsprecher machen ihren Job hervorragend. Die Texte werden mit Gefühl vorgetragen, sodass ein Eintauchen in die Dialoge, in die Geschichte, in das Universum, nicht schwer fällt. Dass das nicht immer zu 100 Prozent zutrifft, ist schade. Denn einige Figuren sind eindeutig fehlbesetzt, so auch unter anderem der deutsche, männliche Commader Shepard, der im direkten Vergleich deutlich hinterherhinkt.

Screenshot

Verspäteter Release = Bessere Qualität?

Vor Release der Playstation 3-Version des Spiels wurde viel versprochen – zusätzliche Inhalte, ein technisch ausgereiftes Spielerlebnis, verbesserte Grafik. Fangen wir mit letzterem an: Laut den Entwicklern soll die Version für Sonys Edelkonsole bereits die aktuelle Engine nutzen, die im dritten Teil zum Einsatz kommt. Doch wenn das alles ist, was diese Engine zu bieten hat, dann dürfen wir uns bei Mass Effect 3 wohl auf einen grafischen „Flop“ gefasst machen. Dass man nicht den großen Quantensprung erwarten darf, sollte klar sein. Schließlich handelt es sich immerhin um ein zwölf Monate altes Spiel und größere Verbesserungen mit einer neuen Engine würden wahrscheinlich zehn Lichtjahre in Anspruch nehmen. Doch all diejenigen – und das sind nach den großen Versprechungen wohl ziemlich viele – die nun auch etwas erwartet haben, werden bitterlich enttäuscht werden: Sowohl grafisch als auch allgemein technisch befindet sich Mass Effect 2 für die PS3 auf dem gleichen Niveau wie sein Xbox- und PC-Pendant – mit den gleichen Stärken und den gleichen Schwächen. An der Grafik ist schließlich auch nach einem Jahr nichts auszusetzen, mit der aber wohl am besten aussehendsten PC-Version kann diese hier nicht mithalten. Auch sind die Ladezeiten noch immer zu lang, das Spiel hat gelegentlich mit Framerate-Einbrüchen zu kämpfen. Alles Probleme, die den Entwicklern bekannt sein sollten.
Sonst ist es wie erwähnt das gleiche Spitzenspiel. PS3-Käufer haben den Vorteil, gleich den kompletten DLC mitzukaufen, genauso wie den exklusiven Comic, der die Geschichte des ersten Teils näher bringen soll. Ganz so intensiv wie ein „echter“ Spieldurchlauf ist dieser natürlich nicht, ein guter Ersatz ist es aber allemal. Ein Schmankerl für alle deutschen Käufer: Dank Blu-Ray-Kapazität war es Bioware möglich, die englische Sprachausgabe mit auf die Disc zu pressen. Und auch wenn die deutsche Synchronisierung gut ist, an das Original kommt noch immer nichts ran.

Screenshot

Ein lohnenswerter Sci-Fi-Ausflug?

Mit Mass Effect 2 hat Bioware eine würdige Fortsetzung zum Action-RPG aus dem Jahre 2007 geschaffen. Und auch als eigenständiges Spiel für Only-PS3-Besitzer funktioniert es dank interaktivem Comic und genauen Begriffserklärungen während des Spiels perfekt! Wer sowohl Teil 1 als auch die Fortsetzung gespielt hat, kann nicht leugnen, dass man klar in die Kerbe „Action-Shooter“ einschlägt und sich im direkten Vergleich zu Mass Effect 1 doch mehr vom Rollenspiel entfernte. Nichtsdestotrotz funktioniert das Spiel auch ein Jahr nach Erst-Release auf Konkurrenzplattformen immer noch super als ein interessanter Genre-Mix! Die Action in den eher schlauchartigen Level ist gut inszeniert, die gesamte Atmosphäre passt gut zum Spiel. Die Freiheit bezüglich der Dialoge und des Spielerlebnisses setzt dem Ganzen die Krone auf. Der Spieler ist dafür verantwortlich, wie er das Spiel spielt – und das macht Mass Effect 2 einzigartig. Da kann auch gerne mal verziehen werden, dass die Technik nicht immer ganz zum brillanten Erlebnis passt und die PS3-Version, auch wenn sie gut ein Jahr später erschien, grafisch und technisch gar dem PC-Pendant hinterherhinkt.
Alle, die Mass Effect 2 bereits vom vergangenen Jahr kennen, können unbesorgt zugreifen und erhalten erneut mehrere Dutzende Stunden Spielspaß. Neulinge der Serie dürfen das Spiel – vorausgesetzt sie haben am Szenario und Genre Spaß – auch als Pflichttitel betrachten!

Gutes

- gut erzählte Story...
- interessanter Genre-Mix...
- frei bestimmbares Spielerlebnis
- Kampf-Steuerung geht leicht von der Hand
- cineastische Atmosphäre & Dialoge
- sehr großer Umfang
- guter Soundtrack & sehr gute Synchronisation
- realitätsnah

Schlechtes

- ...die teilweise einige Durststrecken hat
- ...wobei der RPG-Part zu drastisch zurückgestuft wurde
- einige Ideen nicht zu Ende gedacht
- technisch keine Verbesserungen im Vergleich zur Xbox- und PC-Version
- langweilige Minispiele

9.0 Must Have

Kommentare

Du hast etwas zu sagen?

Jetzt einloggen oder registrieren um ein Kommentar zu schreiben

Das könnte dich auch interessieren