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Marvel’s Spider-Man im Test – Onkel Ben wäre stolz

Artikel von | 12.09.2018 um 18:12 Uhr

Es gab in der Vergangenheit nicht nur unzählige Spider-Man Filme, auch Videospiele gab es zur netten Spinne aus der Nachbarschaft schon einige. Aber nur wenige Superhelden haben ein Spiel bekommen, dass der Vorlage gerecht war. Sony wollte dieses Schicksal vermeiden und hat daher mit Insomniac Games einen Entwickler ausgesucht, der hoffentlich genug Erfahrung und Leidenschaft hat, um ein möglichst gutes Abenteuer zu erschaffen. Ob das geklappt hat oder alles nur ein Netz aus Lügen ist, erfahrt ihr in unserem Test zu Marvel‘s Spider-Man.

Das verrückte Leben des Spider-Cops

Sicherlich kennt jeder die Geschichte von Spider-Man zumindest so weit, dass er von einer Spinne gebissen wurde und daher Superkräfte bekommen hat. Aus diesem Grund überspringt Insomniac Games auch diesen Teil von Peter Parkers Leben und springt etwas weiter in die Zukunft. Einen leichten Einstieg gibt es dennoch, indem man langsam an die Stadt New York, die Bewohner und die Kriminellen ran geführt wird. Stück für Stück erlebt man das tägliche Leben von Spider-Man, der neben dem beseitigen von Bösewichten auch sein normales Leben beibehalten möchte, in dem er seiner Tante hilft und als Wissenschaftler bei Otto Octavius arbeitet.

Doch schon schnell bricht Chaos in der Stadt aus, das natürlich gestoppt werden muss. Wilson Fisk, auch bekannt als Kingpin, randaliert und muss gestoppt werden. Doch seine Festnahme hat Folgen, da andere Schurken auf genau dieses Ereignis gehofft haben. Somit führt ein Ereignis zum nächsten und es wird immer schlimmer für die Bewohner der Stadt New York. Man ist selbst inmitten der Ereignisse und genau in diesem Moment, passiert das, was keiner gedacht hat… wir stoppen hier und lassen euch selbst spielen.

Auch wenn einige von euch sicherlich schon denken können was noch passiert, durch den bekannten Trailer vom Spiel, möchten wir euch dennoch nicht mehr verraten, denn mit unserem Wissen über die Geschichte kommt große Verantwortung. Deshalb können wir euch aber schon einmal sagen, dass es eine wilde Reise ist und besonders im letzten drittel das Tempo enorm zunimmt und sich ein Ereignis mit dem nächsten überschneidet. Im Kontext zum restlichen Spiel für unsere Verhältnisse jedoch etwas zu schnell, da man anfangs noch wenig erlebt und dann alles Schlag auf Schlag kommt. Besonders für Spider-Man Fans wird jedoch ein einmaliges Erlebnis geboten, das nur so mit Insidern und Anspielungen gespickt ist. Der Humor von Peter Parker ist so nah an der Vorlage wie noch nie und bietet schon Unmengen an Unterhaltung.

Man sieht einige der Superschurken im Verlauf des Spiels auch wenn man aus einigen etwas mehr hätte machen können. Mit maximal 20 Stunden sitzt man auch nicht zu lang vor der Geschichte (neben unzähligen Sidequests) und bekommt insgesamt eine tolle und spannende Geschichte mit einigen Twists, selbst wenn einige Momente nicht ganz gelungen sind.

Marvel's Spider-Man Review Test

Kämpf wie Batman, flieg wie Superman und rede wie Deadpool

Aber das wahre Highlight des Spiels ist das grandiose Gameplay. Sei es das schwingen, mit dem sich das Bewegen in einer Stadt so gut anfühlt wie noch nie zuvor. Oder die super flüssigen und spaßigen Kämpfe. Dazu noch viele und unterschiedliche Nebenaktivitäten – aber der Reihe nach.
Zuerst das erwähnte Schwingen durch die Stadt. Es fühlt sich einfach super an, weil es eine gute Mischung aus Geschwindigkeit, Spaß und Realismus ist. Spider-Man kann sich nämlich nur dort mit einem Netz festhalten, wo auch ein Gebäude oder etwas Ähnliches ist. Zum Glück bietet New York genug Hochhäuser dafür, aber auch in flachen Gebieten wie dem Central Park funktioniert es tadellos dank der Bäume. Während man anfangs nur herumschwingt, lernt man später dann auch selbst unterschiedliche Techniken, mit denen man entweder flach und schnell oder hoch und dafür sicherer schwingen kann. Außerdem kann man sich auch noch an Objekte heranziehen und sie hochklettern, Tricks in der Luft ausführen oder ganz gezielt um Häuser herum schwingen.

Während man in anderen Spielen öfter auf die Schnellreise angewiesen ist, nutzt man hier lieber das Schwingen, weil es einfach spaß macht und schnell ist. Gleiches gilt für die Kämpfe. Dynamisch wie nie könnt ihr eure Feinde prügeln und dabei unterschiedliche Angriffe, Gadgets und eure Umgebung nutzen. Wichtig sind die normalen Schlagkombinationen und das Ausweichen. Besonders hilfreich ist dabei der Spider Sense, der mit einem Symbol nahende Gefahr anzeigt. Wenn ihr stets darauf achtet, könnt ihr wunderbar eure Angriffe kombinieren und gleichzeitig den Feinden ausweichen oder sogar beides kombinieren. Wie ihr kämpft bleibt euch überlassen, es gibt nämlich viele Möglichkeiten dafür. Neben dem Kämpfen gibt es dann auch noch Schleich-Missionen, bei denen es etwas ruhiger zugeht. Diese sind jedoch nicht immer gut gelungen, da Elemente wie das Ablenken nur mit bestimmten Voraussetzungen funktioniert. Da man in diesen Sequenzen auch mal andere Charaktere spielt, entstehen dadurch dennoch besondere Momente.

Marvel's Spider-Man Review Test

Sowohl für Spider-Man, als auch Insomniac Games ist es typisch, einige Gadgets zu haben. Man schaltet sie im Verlauf der Geschichte oder durch den Skill-Tree mit Punkten frei. Neben dem normalen Netz-Geschoss, kommen später auch noch Bomben, Minen oder andere Waffen hinzu – natürlich alle mit Spinnenfäden, es soll ja keiner verletzt werden. Im Kampf selbst kann man dann Feinden ihre Waffen wegnehmen, mit einem Schwungangriff vorbei rasen oder sie umherwerfen. Das Ganze eröffnet unzählige Möglichkeiten und jeder findet früher oder später sicherlich seinen bevorzugten Kampfstil. Umso besser ihr kämpft, desto höher steigt eure Fokus-Leiste. Diese könnt ihr entweder für Spezialangriffe oder zum heilen nutzen.

Klingt zwar alles super, komplett perfekt laufen die Kämpfe jedoch nicht ab. Wir haben auf der mittleren Schwierigkeit gespielt und schon zu Beginn des Spiels haben wir gemerkt, dass der Schaden der Gegner extrem hoch ist. Es kann jederzeit passieren, dass euch ein Gegner unglücklich erwischt und ihr ein Viertel bis die Hälfte eures Lebens mit einem Schlag verliert. Passiert das öfter und ihr habt gerade keine Heilung parat, kann das Vergnügen sehr schnell vorbei sein. Besonders im späteren Verlauf des Spiels wird das nochmal schlimmer, da die Gegner mehr werden und besondere Angriffe ausführen und auch von eurer Seite meist eine spezielle Vorgehensweise erfordern um wiederum sie zu erledigen. Die Kombination ist nochmal schlimmer, weil es bei der Menge an Feinden auch schwer ist allen auszuweichen, gerade wenn man beim Ausweichen eines Angriffes im nächsten landet und nicht reagieren kann. Das kann daher einiges an Frust mit sich bringen. Dafür ist man das ganze Spiel über konzentriert und selbst die kleinen Gegner kann man nicht auf die leichte Schulter nehmen, da man sonst jederzeit sterben könnte.

Während des Spiels trifft man dann auch auf einige der Superschurken aus dem Spider-Man Universum. Diese sehen Eindrucksvoll aus und bieten alle einen gewissen Charme. Die Kämpfe sind natürlich anders als gegen die normalen Feinde und sind daher kleine Highlights in der Story. Um sie zu besiegen, muss der Spieler stets eine Mechanik herausfinden, um das Blatt gegen sie zu wenden. Die Kämpfe sind zwar schon sehr gut gemacht, aber auch nicht ganz so fordernd und manche werden womöglich mehr von diesen erwarten. Aber auch abseits der Geschichte gibt es vieles zu tun, besonders für Leute die dann auch wirklich eine Herausforderung suchen.

Marvel's Spider-Man Review Test

Neben dem üblichen Sammelzeug in der Stadt, gibt es auch noch kleine Rätsel, Kampf/ Geschicklichkeits-Herausforderungen oder besondere Nebenaufgaben. Bei den Rätseln muss der Spieler kleine Mini-Spiele lösen oder einen bestimmten Ort auf der Karte finden. Kampf Herausforderungen sind natürlich leicht zu verstehen. Ihr müsst eine Anzahl von Gegnern entweder in einer gewissen Zeit erledigen oder einfach ein Feindeslager mit mehreren Wellen säubern. Alternativ müsst ihr einen Ort in einer bestimmten Zeit erreichen und dürft keinen Fehler dabei machen. Die Herausforderungen haben ihren Namen auch verdient, da es unterschiedliche Ziele mit Punkten gibt, müsst ihr auch euer Können und eure Erfahrung beweisen, da ihr sonst nicht die höchste Punktzahl bekommt und eure zwanghafte „alles erledigen“ Neurose stillen könnt. In Nebenmissionen habt ihr meist noch Kontakt zu anderen Personen und bekommt eine kleine Geschichte dazu.

Unabhängig von den festen Aktivitäten, gibt es auch noch zufällige Ereignisse in den Stadtgebieten. Entweder ein Bankraub, eine Auto Verfolgungsjagd oder randalierende Personen auf der Straße. Diese tauchen immer wieder zufällig in der Stadt auf und ihr könnt entweder schnell hin schwingen und das Problem lösen oder sie auch ignorieren. Dadurch entsteht stets eine Dynamik die euch von den Story Missionen ablenken möchte, da ihr auf dem Weg dahin stets irgendwo irgendwas zu tun habt. Große Macht und Verantwortung und so… Aber egal was ihr macht, es gibt immer eine Belohnung dafür.

Da es bei Herausforderungen noch unterschiedliche Level und bei anderen Aktivitäten optionale Aufgaben (Gegner auf eine besondere Art besiegen, nicht getroffen werden, etc.) gibt, ist auch immer etwas anders und die Belohnung kann sich noch erhöhen. Was ihr damit machen könnt? Nun, selbstverständlich gibt es Erfahrungspunkte zum leveln. Dazu kommen noch Marken zum freischalten und verbessern eurer Gadgets, auch überaus hilfreich. Zuletzt gibt es noch unterschiedliche Anzüge, Anzugskräfte und Boni. Bei den mehr als 20 Anzügen findet sicherlich jeder früher oder später seinen Liebling. Sie schalten sich nach und nach oder durch abgeschlossene Aktivitäten frei und bringen meist auch noch Fähigkeiten mit sich. Das gute daran ist, dass diese unabhängig vom Anzug selbst sind. Einmal freigeschaltet könnt ihr mischen wie ihr wollt. Mit den Boni verhält es sich ähnlich und ihr könnt etwas mehr Verteidigung, Angriff oder andere … Boni auswählen.

Marvel's Spider-Man Review Test

Eine Spinne allein in New-York

Nicht nur im Gameplay hat sich so einiges getan im Vergleich zum letzten Spider-Man Videospiel, besonders die Grafik ist ein wahnsinniger Hingucker und nutzt die Power der PlayStation 4 als Exklusivtitel auch komplett aus. Sei es auf der PS4 oder der Pro, in beiden Fällen sieht das Spiel wahnsinnig gut aus und läuft wie die Kämpfe ab, also überaus flüssig. Zwar gibt es dank 4K und HDR auf der Pro nur 30 fps, dafür diese aber konstant ohne wirkliche Einbußen. Selten hat man New York so detailliert und lebhaft gesehen, auch wenn einige Bereiche gekürzt sind und daher nicht ganz der Realität entsprechen. Dafür gibt es viele Details, da man auch in einige Wohnungen schauen kann oder Orte wie das Empire State Building oder dem Avengers-Turm besuchen kann. Durch das tolle Schwingen macht es auch einen wahnsinnigen Spaß die Stadt zu erkunden.

Spider-Man selbst sowie seine Angriffe sehen auch super aus und sowohl die Spinnennetze zum schwingen, als auch die Angriffe und Fähigkeiten besitzen viele Besonderheiten wie langsam verschwindende Fäden. Man sieht einfach an jeder Ecke mit wieviel Liebe zum Detail Insomniac Games das Spiel erstellt hat.

Nicht zu vergessen ist auch der tolle Fotomodus von Spider-Man. Den kennt man auch von anderen Spielen, ist aber auch hier mit vielen Besonderheiten ausgestattet. Neben den üblichen Kamera und Bildoptionen gibt es auch noch passend zur Vorlage Rahmen und Effekte, mit denen man gefühlt entweder seinen eigenen Comic erstellen oder einfach nur tolle Bilder machen könnte.

Ähnliches gilt auch bei der Vertonung des Spiels. Hier muss man besonders die tollen Charaktere hervorheben, die nebenbei erwähnt auch wahnsinnig gut aussehen, aber auch dementsprechend sehr nah an die Vorlage erstellt wurden durch ihre Art. Spider-Man mit seinem gewöhnungsbedürftigen Humor in unpassenden Momenten, sorgt auch bei traurigen Passagen für kleine Lacher. Spider-Mans größter Fan, J. Jonah Jameson, erfreut uns dann unterwegs mit seinem Podcast und zieht nicht selten über die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft her. Wer das nicht will, kann die Podcasts, wie auch Quick-Time Events deaktivieren. Bei der deutschen Sprachausgabe ist aber nicht alles gelungen und manche Charaktere übertreiben es manchmal mit ihrer schauspielerischen Leistung. Ansonsten gibt es wenig zu meckern und alles ist auf allerhöchstem Niveau.

Marvel's Spider-Man Review Test

Spider-Man Fazit: Ich glaub ich spinne!

Das Experiment zwischen Sony und Insomniac Games ist geglückt und ein grandioses Spiel ist entstanden. Während die Geschichte zwar etwas braucht, bis sie wirklich in Fahrt kommt und es spannend wird, geht es beim Gameplay direkt zur Sache. Man verliebt sich recht schnell in das spaßige Schwingen in der Stadt und auch beim Kämpfen braucht man nicht lange, um in die Dynamik hineinzufinden. Bei beidem hat man viele Stunden später noch einen großen Spaß. Auch die Grafik weiß zu überzeugen und die Liebe zum Detail ist bemerkenswert.

Sei es bei der Stadt, beim Gameplay oder den grandiosen Humor von Peter Parker. Kaum ein Spiel hat eine Vorlage so gut eingefangen wie das neue Spider-Man. Natürlich gibt es einige Punkte in der Story oder den Kämpfen die einem eher weniger gefallen werden, doch im Vergleich zu allem anderen kann man über diese hinwegsehen und bekommt ein grandioses Spiel geboten. Für Spider-Man Fans ist es ein Must-Have und für alle, die ein gutes Spiel zu schätzen wissen, sicherlich auch.

Spider-Man (PS4) Testbericht

Spider-Man (PS4)

  • Release: 07.09.2018
  • Genre: 3rd Person Action
  • Entwickler: Insomniac
  • Publisher: Sony

Gutes

+ Schwingen macht extrem Spaß
+ Kämpfe sind dynamisch und abwechslungsreich
+ Viele Aktivitäten in der Stadt
+ Detailreiche Stadt und viele Anspielungen

Schlechtes

- Story braucht etwas, um Tempo aufzunehmen
- Kämpfe können leicht chaotisch werden
- Kleine Details können den Spaß verderben

9,0 / 10 Must Have

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