Märchenfiguren im Test: The Wolf Among Us – Episode 1: Faith

Getestet von | 09.02.2014 um 17:14 Uhr

Stellt euch vor, dass die Figuren, die ihr aus den Märchenbüchern kennt, nicht einfach nur Figuren sind, sondern real existierende Wesen. Und stellt euch weiter vor, dass diese Märchenfiguren in unsere Welt gelangt sind. Sie leben mitten uns. Wie das möglich ist? Mit dem Glamour-Zauber. Und nun drehen wir den Gedankengang ein wenig weiter, denn nicht alle Märchenfiguren sind die, für die wir sie halten, sondern gänzlich anders. Wir haben die erste Episode von The Wolf Among Us getestet und uns auf einen Mordfall der Extraklasse eingelassen.

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Es war einmal…

… in einem weit entfernten Königreich lebte einst eine wunderschöne Prinzessin. Quatsch. Würde The Wolf Among Us so anfangen, würden wir es direkt wieder zurück ins Regal, bzw. die Downloadbibliothek stecken. Dabei sind Märchen meistens gar nicht so zauberhaft, wie man sie uns vermitteln möchte. Man beachte hierbei beispielsweise die Urfassung von Rotkäppchen, schauderhaft. Aber gut, um die geht es ja hier gar nicht, sondern um den Ort Fabletown, in dem verschiedene Märchenfiguren leben.
In Fabletown, der Ort des Geschehens, leben viele verschiedene Märchenfiguren auf einen Haufen, allerdings befindet sich Fabletown nicht in irgendeiner anderen Welt, sondern direkt in New York City. Die Märchenfiguren werden dabei jedoch nicht enttarnt, denn sie nutzen den Glamour-Zauber, um sich tarnen zu können. Dass das nicht alle wollen und es somit zu einigen Problemen kommt, sollte von vornherein klar sein. So viel zum Setting.
Die Geschichte selbst beginnt eines Morgens in Fabletown, als Sheriff Bigby zu Hilfe gerufen wird: Eine fremde Frau wird von dem Holzfäller geschlagen. Wir zögern nicht lange und stürzen uns direkt ins Gefecht. Nur leider verträgt der Holzfäller jede Menge und steht selbst dann noch auf, als sein Kopf mit einer Axt gespalten wird. Wir möchten an dieser Stelle an zartbesaitete Gemüter appellieren: The Wolf Among Us ist blutig und gewalttätig, schließlich ist es nicht vollkommen grundlos ab 18.
Unsere Aufgabe innerhalb der ersten Episode wird schnell klar: Wir müssen den Holzfäller finden, denn nur wenige Stunden später wird der Kopf der Unbekannten auf unseren Treppen gefunden. Eine gnadenlose Jagd beginnt, die tiefer in die Intrigen und Machenschaften von Fabletown blicken lässt als uns stellenweise lieb ist. Dennoch ist die Geschichte sehr gut erzählt und weist bislang auch keine Logiklücken auf.

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Meine Meinung zählt

The Wolf Among Us gibt euch die Möglichkeit, Teile der Geschichte zu verändern, denn eure Entscheidungen haben einen kleinen Einfluss darauf, wie sich die Dinge entwickeln. Zwar könnt ihr nicht direkt den Verlauf der Geschichte verändern, aber ihr könnt durch die richtigen Antworten zum Beispiel schneller an die Lösung oder einen Hinweis kommen. Oder aber ihr verändert so das Verhältnis zu verschiedenen Figuren. Wer im Übrigen neugierig ist, wie die anderen Spieler entschieden haben, der kann einen Blick darauf werfen. In einer Statistik kann man dann nachvollziehen, ob man mit dem Strom schwimmt oder doch dagegen. So kann man beispielsweise am Anfang überlegen, ob man der Fremden Geld gibt oder nicht. Hier hat sich die Mehrheit dafür entschieden, der Frau das Geld zu geben. Es gibt eben doch noch Leute mit einem Herzen.
Und wenn wir es schon einmal erwähnen: Ihr habt während der Gespräche eine bestimmte Weile, um eure Antwort zu wählen. Seid ihr zu langsam, so wird Bigby einfach schweigen. So verlaufen auch verschiedene Aktionen: Alles ist mit der Zeit verbunden und wenn ihr prinzipiell zu langsam seid, um eure Tasten zu drücken, so macht Bigby einfach nichts und stirbt möglicherweise. Das ist ganz gut, würde nur der Controller jedes Mal auch reagieren. Aber gut, dank der netten Speicherpunkte muss man nie ganz von vorn anfangen, sondern immer nur kurz vor der misslungenen Aktion.
Ansonsten hat man es mit einem Point & Click Adventure zu tun, bei dem man mit dem Controller auf bestimmte Dinge zielen muss, um Aktionen durchführen zu können.

the wolf among us episode 1 gameplay

Ein Tisch, sie zu knechten

Ja, The Wolf Among Us ist ein PSN-Spiel, es hat eine hervorragende Story, coole Charaktere und ein gelungenes Umfeld. Dennoch kann da die Technik nicht wirklich mithalten. Gleich zu Beginn im Startbildschirm, ruckeln sich die Figuren immer dann durchs Bild, wenn sie es betreten. Da bleibt das Bild immer eine kleine Weile stehen, bevor es weitergeht. Wir dachten noch, dass dieses Ruckeln lediglich im Startmenü ist und dass es da vielleicht dazugehört, aber da lagen wir gänzlich falsch. Jedes Mal, wenn in der Szene das Bild gewechselt und ein anderer Charakter gezeigt wird, bleibt das Bild für wenige Sekunden stehen, sodass man fast denkt, dass die ganze PlayStation 3 zum Stillstand kommt. Besonders Verfolgungsjagden sind so ein wenig amüsant und in Kampfszenen haben wir aufgrund dieses Ruckelns mehr einstecken müssen als wir eigentlich gemusst hatten.
Darüber hätte man hinwegsehen können, wenn sich nicht hin und wieder auch ziemlich krasse Grafikfehler eingeschleust hätten: Wir reden hierbei nicht von Kantenflimmern und Clippingfehler, die auch zum Repertoire von The Wolf Among Us Episode 1 gehören, sondern von Gegenständen oder Dingen, die penetrant in einer Szene zu sehen sind. Bei uns war es im ersten Kampf gegen den Holzfäller ein Tisch, der sich immer wieder ins Bild geschoben hatte. Zunächst war er nicht da, dann warfen wir den Holzfäller in den Tisch und dann klebte ihm dieser am Arm. In einer anderen Kameraeinstellung hatte Bigby ihn am Kopf kleben, während er zwischenzeitlich zwischen den beiden in der Mitte schwebte. Je nach Kameraeinstellung hat sich auch der Ort dieses mysteriösen Tisches geändert. Auch so lassen sich immer wieder Objekte finden, die offenbar ein Eigenleben entwickelt haben, was dann besonders auf der technischen Ebene ziemlich ärgerlich ist.
Die Synchronisation ist dafür allerdings ziemlich gut gelungen, auch wenn das gesamte Spiel nur auf Englisch verfügbar ist. Nicht mal deutsche Untertitel hat es. Aber gut, braucht man auch nicht, da alles sehr gut verständlich ist. Und wenn man mal einen Satz nicht versteht, greift der Spruch „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“. Hier lässt sich nur leicht über die Tonabmischung schimpfen, die manchmal viel zu schlecht geregelt ist, aber das ist nicht wirklich gravierend.

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Definitiv ab 18

Wir gaben uns zunächst dem Trugschluss hin, dass ab 18 vielleicht einfach nur daraufhin deuten könnte, dass es ein wenig brutal wird. Dass vielleicht hier und da mal ein wenig Blut zu sehen ist und vielleicht eine Leiche. Doch, wie wir bereits sagten, Zartbesaitete sollten einen weiten Bogen um das Spiel machen, denn gespaltene Köpfe sind nur der Anfang: Man drückt hier und da ein paar Augen aus und wenn man selbst nicht aufpasst, wurde man selbst in zwei Teile geschnitten, was im Übrigen zum Game Over Bildschirm führt, denn Bigby ist aus irgendeinem Grund eben nicht unsterblich, ganz im Gegensatz zum Holzfäller und den ganzen anderen Wesen, denen man so begegnet. Doch nicht nur das Gezeigte sollte mit Vorsicht genossen werden, auch die Sprache gehört definitiv in einen 18er Titel. Ja, es handelt sich um ein amerikanisches Spiel, dennoch ist stellenweise die Nutzung des Wortes „Fuck“ übertrieben, während auch die übrige Wortwahl eher an Ghetto, denn an Großstadt erinnert – Von Märchenfiguren mal ganz abgesehen.

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Und sie lebten glücklich bis ans Lebensende?

The Wolf Among Us kann überzeugen: Die Story ist sensationell erzählt, die Figuren haben eine Tiefe, die man bei anderen Titeln suchen muss, die Umgebung ist glaubwürdig. Lediglich auf der technischen Seite muss der Titel von Telltale ein wenig einstecken, denn sich selbstständigmachende Objekte müssen nicht sein, ebenso wie dieses penetrante Ruckeln, dass stellenweise die PlayStation kurz zum Stillstand bringt, aber keinen kompletten Freeze verursacht. Wer die Fernsehserie „Once Upon A Time“ gesehen hat, sollte zu diesem Titel greifen, allerdings sollten Zartbesaitete wirklich einen Bogen um The Wolf Among Us machen, denn so wirklich Ohne ist das nicht. Dafür habt ihr jedoch die Möglichkeit, die Geschichte mit kleinen Dingen zu ändern: Eure Antworten haben zwar keinen direkten Einfluss auf den Verlauf, aber immerhin hat es einen Einfluss auf die Beziehung, die ihr zu den Charakteren habt.
The Wolf Among Us ist auf jeden Fall einen Blick wert, nur sollte dieser nicht allzu genau sein.

Hier geht es zum Test der zweiten Episode.

Gutes

+ Faszinierende Geschichte
+ Gute durchdachte Figuren
+ Gelungene Synchronisation
+ Spannende Atmosphäre

Schlechtes

- Nicht immer korrekte Tonabmischung
- Kurze Freezes des Bildschirms
- Dinge entwickeln Eigenleben
- Eingabe reagiert nicht immer

8.6 Sehr gut

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