Madden NFL 13 – Review

Getestet von | 20.09.2012 um 00:00 Uhr

In den USA die beliebteste Sportart, fristet sie hierzulande eher ein Schattendasein, was sie nur einmal im Jahr ablegen kann. Die Rede ist freilich vom American Football, einem Sport für ganze Kerle. Und passend zum Start der 93zigsten NFL Saison erwartet uns der neueste Ableger der Madden Reihe, Madden NFL 13 für die Heimkonsole. Eine noch realistischere Präsentation und Gameplay werden uns versprochen, doch ob die Versprechen auch erfüllt werden und Madden NFL 13 weitere Yards zu DER Footballsimulation schlechthin macht, erfahrt ihr in dieser Review.

Screenshot

Darf es ein John Madden oder Brett Favre sein?

Bereits das Intro zu Madden NFL 13, mit Star-Linebacker Ray Lewis, ist Serientypisch packend inszeniert und man ist gleich in der richtigen Football Stimmung. Danach werdet ihr in das Menü verfrachtet, wo die zahlreichen Modi das Ganze etwas unübersichtlich machen, auch scheint der Aufbau allgemein nicht der Durchdachteste zu sein. Zudem ist das Menü ebenfalls recht träge, was sich leider wie ein roter Faden durch Madden NFL 13 zieht, die Menüs und auch das Playbook lassen sich weder richtig sauber, noch flüssig navigieren. Während man bei dem Menü durchaus hinwegsehen kann, ist es bei dem Playbook sehr nervend, hier und da springt das Spiel zwischen den Auswahlmöglichkeiten hin und her und einem entgleitet kurzzeitig die Kontrolle und Übersicht, was sich bei der verbleibenden Spielzeit immer wieder rächt. Eines der größeren Mankos an Madden NFl 13.
Doch sehen wir uns das Menü etwas genauer an, zunächst werdet ihr in Madden NFL 13 mit Spielmodi geradezu bombardiert, neben Schnelles Spiel (Play Now), gibt es noch die Karriere, die ihr entweder als Coach oder als Spieler bestreiten dürft, wo ihr in mehreren Season alle Entscheidungen treffen könnt und euch an die Spitze der NFL bringt. Entscheidet ihr euch als Spieler die Karriere zu beginnen, müsst ihr zunächst verschiedene Werte festlegen, wie Position und Art des Draft Picks, also ob ihr ein Hoffnungsträger seit und viele Einsätze bekommt oder lediglich als Backup geholt wurdet. Wer hier gleich richtig starten und in seiner Rookie Season viele Einsätze haben will, muss selbstverständlich als Hoffnungsträger starten, sonst sitzt ihr mehr auf der Bank als das ihr auf dem Feld steht. Doch egal als was ihr startet, ihr habt die Möglichkeit euren Spieler nach ganz oben zu bringen, die NFL Rekordlisten zu füllen und zu einem waschechten MVP aufzusteigen. Als Trainer hingegen seit ihr für euer Team verantwortlich, trainiert, verwaltet es und habt die Möglichkeit euer Team an die Spitze der NFL zu führen und eine Lombardi Throphäe nach der nächsten eurer Sammlung hinzuzufügen. Wo ihr dabei als Spieler oder Coach steht zeigt euch der Legacywert an, je erfolgreicher ihr seid, desto höher eure Legacy. Dann gibt es noch Ultimate Team, was grundlegend ein Sammelkartenspiel ist. Zu Anfang erhaltet ihr ein Starterdeck, mit Spielern für jede Position, durch bestimmte Herausforderungen und Spiele gegen CPU oder echte Gegner könnt ihr euch weitere Packs verdienen, oder auch mit echtem Geld kaufen, wer‘s eilig hat. Zudem könnt ihr über Madden NFL 13 auch auf euren Fantasy Football Account zugreifen. Und im Gridiron Club könnt ihr Highlights der aktuellen und letzten NFL Wochen nachspielen. Ihr spielt aber nicht komplette Spiele, sondern nur die packenden Szenen, wo es um Sieg oder Niederlage geht. Ihr startet hier exakt wie die Profis im letzten Spiel. Seit ihr so Gut und Abgebrüht wie die Stars der NFL und schafft es Geschichte zu wiederholen? Daneben gibt es dann noch die Onlinematches, hier neu und etwas Besonderes sind die Connected Careers, wo ihr in Communities gegen andere Mitspieler antretet um Ruhm und die obersten Plätze in der Rangliste. Was recht nett ist, wenn man eine komprimiertere Rangliste hat und sich dort zum Beispiel mit Freunden oder Gegnern auf einem ähnlichen Level misst. Leider macht die Qualität der Onlinespiele euch da aber einen Strich durch die Rechnung, den diese ist leider recht oft nur mangelhaft und flüssiges Spielen fast schon eine Glückssache.

Screenshot

Sack, Shotgun und ein Tight End

Ein großes Augenmerk bei Madden NFL 13 wurde auf das Gameplay gelegt. So leuchten die Passtasten jetzt erst auf, wenn euer Receiver bereit ist den Ball zu fangen, was nicht nur Neulingen zu Gute kommt und so wird euch der ein oder andere Incomplete Pass dank dieses neuen Features erspart. Doch nicht nur das kommt euch als QB entgegen, auch die Möglichkeit Play Action Fakes vorzeitig abzubrechen ermöglicht es euch besser auf die jeweiligen Geschehnisse zu reagieren. Aber auch andere Bereiche wurden optimiert, so auch die Passing Plays, welche merklich verbessert wurden, die Receiver agieren intelligenter und fangen nun auch schwierigere Bälle. Zudem muss nicht unbedingt euer angepeilter Receiver den Ball in Empfang nehmen, bei einer Pass Deflection oder einem verworfenen Ball können auch andere Receiver einspringen und den Football fangen. Diese natürlicheren Bewegungen verdanken wir der Infinity Engine, die auch dafür sorgt das die Defensive bei Tackles und Interceptions besser auf die Situation und den Ball reagiert, sodass Aktionen und Bewegungen realistischer anmuten. Vorbei sind somit die Zeiten der Standardaktionen, die recht exakt sitzen mussten. Also bringt die neue Infinity Engine nur Verbesserungen für Madden NFL 13? So ganz nicht wirklich, leider. Denn Spieler bleiben nun etwas öfters und verwunderlicher aneinander hängen, was vor allem bei Inside Rushings auffällt, wenn ihr euch zwischen der eigenen Offensive Line und der gegnerischen Defensive durchquetschen wollt, da passiert es hin und wieder das ihr euch, meist bei einem eurer Mitspieler, einharkt und nicht weiter kommt. Die Folge ist ein Yards Lost oder lediglich ein Short Gain, wo mehr drin gewesen wäre. Aber auch bei der Defensive gibt es das ein oder andere Wörtchen zu meckern, gerade das Spielerwechseln nach dem Snap ist ungenauer als noch in Vorgängerteilen, auch Tackles mit dem Hitstick lassen sich nicht mehr so einfach landen, teilweise rutscht unser Spieler am Ball Carrier einfach vorbei. Was früher auch besser war, waren die vorgeschlagenen Spielzüge, die sind in Madden NFL 13 manchmal nämlich keine Hilfe für euch, sondern vielmehr für euren Gegner, denn wenn einem ein 50 Yard Field Goal vorgeschlagen wird, wo der Kicker bei weitem nicht mal 40Yards schafft, darf man schonmal an dem Sinn dieser Empfehlung zweifeln. Aber auch sonst sind einige Empfehlung die das Spiel einem anbietet recht merkwürdig, aber als erfahrener Spieler kann man wenigsten einstellen, dass man gleich ins Playbook gelangt und so die Empfehlungen umgeht. Doch nicht nur euch werden einige fragwürdige Empfehlungen vorgeschlagen, auch eurem KI Gegner. Hier scheint es aber eher so, dass die gegnerische KI Mannschaft Probleme hat sich auf das Spiel und eure Spielweise einzustellen, was aber bei einem Simulationsanspruch nötig wäre. So ist bei einem 3rd and Long ein Rushing Attempt doch etwas unsinnig, wenn die Running Backs bisher hinter der Line of Scrimmage zu Fall gebracht wurden.

Screenshot

Zwischen Uncharted und Minecraft

Was fehlt noch zur Football Simulation? Richtig, eine reale Grafik! In Madden NFL 13 sehen da aber nur die Spieler recht real aus, die Zuschauer und auch die Umgebung um das Stadion sind Pixelklumben vom Feinsten und einige Kamerafahrten präsentieren dies auch noch heranzoomend dem sich blutenden Auge. Da ist der Inszenierung der Spiele makelloser, mit Vorstellung der Starspieler, Highlights der letzten Spiele und Wiederholungen wichtiger Spielzüge fühlt sich Madden NFl 13 wie eine echte TV Übertragung an, da darf natürlich auch der Wink zum Sponsor der eben eingeblendeten Statistiken nicht fehlen. Sehr schön anzusehen, wer jedoch mehr Wert auf das Spielen legt, dem dürften gerade die ständigen Wiederholungen auf den Kecks gehen. Der Sound ist Madden gewohnt klasse, Stadionmusik, brüllende Footballspieler, die noch schnell das nächste Play ändern und auch die Fans sorgen für die richtige Stimmung und den Nervenkitzel. Auf der Kommentatorenseite musste EA aber ins Fettnäpfchen treten. Die Sprechpassagen, gerade Spielervorstellungen wiederholen sich zu schnell und zu oft, zudem begehen die Kommentatoren, welche übrigens die original CBS Kommentatoren Phil Simms und Jim Nantz sind, zu häufig Fehler und kommentieren das Spielgeschehen teilweise so falsch, das man taub werden möchte.

Screenshot

Fazit

Madden NFL 13 geht den nächsten Schritt in Richtung Footballsimulation, das Gameplay ist Facettenreicher geworden, Spieler greifen auf ein größeres Repertouir an Bewegunge und Aktionen zurück und ihr habt mehr Möglichkeiten das Geschehen zu beeinflussen. Dabei Stören kleinere Schwächen kaum, zeigen aber wo es an der umfassenden Simulation fehlt. Auch an der Anzahl der Spielmodi kann man sich nicht beschweren, es gibt genügend Auswahl an Modi, die auch noch umfassende Möglichkeiten bieten. Leider ist die Onlineperfomance nicht das Gelbe vom Ei. Dennoch ist Madden NFL 13 ein sehr gutes Spiel und transportiert das Football Erlebnis so gut wie noch nie in ein Spiel. Eine Kaufempfehlung für Footballfans und die, die es werden wollen.

Gutes

+ neue Infinity Engine sorgt für realistischere Bewegungen
+ riesen Umfang an Spielmodi
+ klasse Präsentation

Schlechtes

- lahmes Menü und Playbook
- schwankende Grafikpracht
- fehlerhafte Kommentatoren

8.5 Sehr gut

Kommentare

Das könnte dich auch interessieren