Lollipop Chainsaw -Review

Getestet von | 18.06.2012 um 00:00 Uhr

Letztes Jahr auf der GamesCom hörten wir das erste Mal von Lollipop Chainsaw, einem Werk aus der Feder von Suda 51, der auch schon abgedrehte Werke wie No more Heroes und Shadows of the Damned auf den Markt gebracht hat. Die erste Präsentation zeigte schon, es kann nur positiv krank werden: Eine zombiejagende Cheerleaderin, die den Kopf ihres Freundes an ihrem Gürtel baumeln hat und bei deren Attacken auch gerne, neben dem Blut, Regenbögen und rosa Herzen durch die Gegend fliegen und die zudem auch noch einen riesen Appetit auf Lollis hat. Auch die Vorstellung ihrer Schwestern Cordelia und Rosalind zeigten uns das die ganze Familie wohl genauso verrückt ist wie dieses Spiel. Dürfen wir uns also auf ein amüsantes Zombiegemetzel freuen, das eine genauso durchgeknallte Geschichte hat oder ist der Spagat zwischen Zombie und Regenbogenwelt völlig missglückt? Findet es hier in unserer Review raus!

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Hallo ich bin Juliet Starling und heute ist mein Geburtstag

Es fängt schon direkt sehr kurios an, man spielt Juliet Starling, Cheerleaderin an der San Romeo High School und Zombiejägerin. Ist ja nichts außergewöhnliches, oder? Der Rest ihrer Familie ist auch ein Haufen Zombiejäger und ist dementsprechend anders als andere Familien, woher auch die Angst des Geburtstagskindes rührt, das nicht ihre Familie ihren Freund nicht leiden kann, sondern das ihr Freund Nick sie aufgrund ihrer außergewöhnlichen Familie verlassen könnte. Ganz normale Ängste für ein 18-jähriges High School-Girlie. Auf dem Weg zu ihrem Date mit Nick trifft sie schon direkt auf ein paar Zombies die gnadenlos mit ihrer Kettensäge aus dem Weg geräumt werden, im Park befinden sich jedoch nur Zombies und von Nick scheint keine Spur zu sein, bis er heldenhaft versucht sie zu retten und dabei gebissen wird. Der große Game-Over-Bildschirm erscheint, bis Juliet auf die fabelhafte Idee kommt ein magisches Ritual zu vollziehen und ihr Freund jetzt nur noch ein abgetrennter Kopf ist, den sie sich an ihren Gürtel hängen kann. Nick ist davon alles andere als begeistert und lässt seinen Unmut auch immer wieder freie Luft, hilft dennoch tatkräftig mit und wird auf Zombiekörper gesteckt um Hindernisse zu überwinden oder damit er beim Zombiebaseball genügend Homeruns läuft. Nach diesem turbulenten Anfang kommt der Spieler auch zum ersten Mal ins Menü wo der Schwierigkeitsgrad in eine von drei Stufen eingestellt oder die üblichen Optionen verändert werden können. Daneben lässt sich noch auf die Erfolge im Spiel zugreifen und das Spiel spielen. Es gibt nur einen speicherbaren Spielstand, was schade ist, aber dafür lassen sich die Schwierigkeitsgrade einfach so für jedes Level einstellen, sodass man runterstellen kann, wenn eine einzelne Situation zu schwer ist und danach wieder auf den höheren Grad umstellen. Wenn das Spiel jetzt gestartet wird erfährt Juliet auch, wer hinter dieser Zombieapokalypse steht: Der Außenseiter-Goth Swan aus ihrer Schule hat die Tore zur anderen Welt geöffnet und so verwandeln sich immer mehr Menschen in Zombies. Zusätzlich beschwört er noch Vorboten der Verdammnis, die es dann als Level-Endgegner zu besiegen gilt. Diese Vorboten sehen dabei aus als wären sie alle einer Hardcore-Metalband entsprungen und sind auch mit verschiedenen Instrumenten ausgerüstet und bringt durchaus ein Schmunzel auf die Lippen, weil das Spiel hier ganz deutlich beweist das es sich, sein Genre nicht ernst nimmt und alles was es in die Finger kriegt übertreibt, aber dabei immer noch interessant und unterhaltsam bleibt. Während Juliet sich durch die Schule metzelt trifft sie unter anderem ihren Sensei und ihre Schwestern die ihr entweder helfen oder denen sie helfen muss. Nebenbei erhält sie immer wieder Anrufe von ihrer Familie, die entweder absoluten Schwachsinn der Mutter enthalten oder hilfreiche Tipps, wie die Erinnerung der großen Schwester Cordelia, dass Juliet doch bitte an die Glitzerjagd denken soll. Die Glitzerjagd bringt nämlich besonders viele Punkte und passiert immer, wenn mindestens drei Zombies gleichzeitig getötet werden, je mehr, desto mehr Punkte und Medaillen gibt es. Letzteres sind in normale Medaillen und Platinmedaillen aufgeteilt mit denen verschiedene Dinge im Shop gekauft werden können, zum Beispiel mehr Energie für Juliet, mehr Stärke, neue Combos, Lollis oder Nick-Tickets. Lollis füllen die Hälfte von Juliets Lebensbalken wieder auf und Nick-Tickets können für spezielle Attacken benutzt werden, wobei es dabei gilt im richtigen Moment die Taste zu drücken, denn sonst erhält man leider nichts. Jedes Mal wenn ein Level mit dem Besiegen eines Endgegners vollendet ist kann es auch im Rangmodus gespielt werden, entweder auf Zeit, Punkte oder Medaillen, wodurch man seinen Rang mit anderen vergleichen kann. Zudem versucht die junge Dame immer Dad’s Highscore zu knacken und mehr Punkte als ihr alter Herr zu erreichen. Diese zusätzlichen Modi geben den Anreiz die Level mehr als einmal durchzuspielen, um auch alle Medaillen und Lollis einzusammeln, alle Mitschüler zu retten und möglichst viele Punkte zu erzielen.

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Kettensäge und magische Pom Poms!

Die Waffen des Spiels sind einfach gehalten: Die pinke mit Herzchen verzierte Kettensäge und magische Pom Poms. Letzteres dient zum Wegschlagen der Zombies oder um sie zum Taumeln zu bringen, denn taumelnde Zombies kann sofort der Kopf abgeschlagen werden, ohne vorher noch die anderen Gliedmaßen abzutrennen und man hat einen Gegner weniger am Hals. Neben dieser Verteidigung gibt es noch das Springen, welches entweder dazu genutzt wird die Kehrseite des Gegners bearbeiten zu können oder direkt eine Attacke im Sprung zu vollführen. Die Attacken sind in normale und tiefe Attacke aufgeteilt, denn einige Zombies kriechen am Boden entlang anstatt Juliet auf Augenhöhe zu begegnen. Diese einfache Struktur wird durch Combos, die man sich zum größten Teil im Shop freikauft, erweitert, sodass es stärkere Attacken, wirkungsvollere Verteidigung oder Angriffe mit größerer Reichweite gibt. Leider ist es nicht immer ganz so einfach diese auch auszuführen, wenn es aber klappt kann man auch mal direkt starke Gegner aus dem Verkehr ziehen. Immer wenn Juliets Sternchenleiste aufgefüllt ist, ist der Wechseln in einen besonders starken Modus möglich. In diesem Modus ist die Glitzerjagd besonders einfach, weil nur ein Hieb mit der Kettensäge notwendig ist um die Zombies einen Kopf kürzer zu machen, und in brenzligen Situationen mit einem zu großen Haufen Zombies vor der Nase wendet dieser Modus gerne mal das Blatt zu Juliets Gunsten.
Juliet erhält zudem, da es ja ihr Geburtstag ist, auch Geschenke von einigen Personen. Diese Geschenke entpuppen sich als Zusätze für die Kettensäge, sodass man mehr Möglichkeiten hat, wie den „Chainsaw Dash“ mit dem man verdammt schnell über die Dächer flitzt oder durch Zombiemassen metzelt, oder das die Kettensäge auch noch zum Maschinengewehr wird und man Zombies abknallen darf.
Neben dem ganz normalen Abschlachten von Zombies gibt es noch kleine Minispiele zu überwinden wie Zombiebasketball oder Zombiebaseball, in denen man entweder in kurzer Zeit besonders viele Zombieköpfe in den Korb befördern muss oder seinen Freund vor den anstürmenden Zombies beschützen soll, sodass dieser einen Homerun machen kann. Diese Minispiele haben es durchaus in sich und können auch mal Frustrationen hervorrufen, wenn man ein weiteres Mal nicht schnell genug war oder vergessen hat Munition nach zu sammeln.

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Glitzer, Sternchen, Blut und abgetrennte Gliedmaßen

Eine wirklich Bunte Mischung haben die Entwickler von Lollipop Chainsaw da zusammengestellt. Eigentlich sollte ein Zombiespiel düster und angsterregend sein, doch wer nach einer solchen Stimmung sucht ist in der farbenfrohen Welt von Juliet Starling falsch. Die Animationen der Figuren könnten durchaus besser sein, doch da dieses Spiel eh keinen Wert auf realistische Darstellungen legt ist auch die Grafik durchaus angemessen. Allgemein ist alles im Comic-Stil gehalten. Die Videosequenzen sind gut inszeniert, leider sind die Wartebildschirme dazwischen zu oft und zu lange zu sehen, das nervt auf Dauer dann doch ein wenig. Zu Gute halten kann man dafür, dass man durchaus einen Teil der Einrichtung zerstören kann und die Kettensäge auch Spuren hinterlässt, leider keine dauerhaften. Die Einschnitte der Kettensäge verschwinden genauso schnell wie die abgetrennten Gliedmaßen der Zombies, was aber nicht wirklich stört, sondern eher hilfreich ist. So drescht man nämlich nicht sinnlos auf einem leblosen Leichnam rum, sondern kann sich auf die zum Teil am Boden kriechenden Zombies konzentrieren, die einem den Garaus machen wollen. Die Bluteffekte sind da, aber wirklich realistisch ist was anderes und auch die Gegner sehen meisten sehr gleich aus, wenn es nicht gerade Zombies mit Namen sind, die haben dann auch ganz spezielle Charakteristiken die sonst nicht anzutreffen sind. Neben dem Blut springen auch bunte Farben und Glitzer gerne mal aus den Zombies mit raus, wenn Juliet sie erledigt. Zu Anfang vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, passt aber zu den Charakteren und der Story des Spieles perfekt.
Nebenher kriegt ihr auch noch was auf die Ohren, die Musik kann auch durch gesammelte MP3s, die ihr entweder so durch Level bekommt oder freikaufen könnt, verändert werden. Die Musik macht den gleichen Spagat wie es auch das Auge mitmachen muss, zwischen düster und rockig zu niedlich und poppig. Dieses Spiel nimmt sich und das Gerne kein Stück ernst und darum ist es auch so gut. Die Synchronisation ist in Englisch, aber man kann deutsche Untertitel dazu einstellen, sodass es keine Sprachbarrieren geben sollte, die davon abhalten dieses Spiel mal zu testen. Die Stimmen sind gut ausgewählt und die Sprecher leisten einen guten Job und die Texter haben bei den Sprüchen kein Blatt vor den Mund genommen.

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Happy End?

Wer auf abgedrehte Spiele steht und einen großen Sinn für Humor hat und dem Zombiegenre etwas abgewinnen kann, für den ist das Spiel ein Must-Have! Aber auch jeder andere sollte zu mindestens mal seine Nase in das Spiel stecken und wird vielleicht auch von Juliets natürlichem Charme umwickelt und in diese völlig verrückte Geschichte mit reingezogen. Grashopper Manufacture hat uns auf keinen Fall enttäuscht sondern bringt mit Lollipop Chainsaw ein kleines Juwel für den Sommer. Ja die Grafik könnte ein einigen Stellen etwas besser sein und die Wartezeiten werden auch durch den netten Wartebildschirm nicht schöner, aber bei kleinen Macken kann man ja auch mal ein Auge zudrücken. Dafür haben wir ja auch die gute Vertonung und die abwechslungsreiche Hintergrundmusik, es ist schließlich ein Hack and Slay und sollte auch als solches gesehen werden. Das Kampfsystem ist nicht neu, aber solide und trumpft mit weiteren Fähigkeiten im Verlauf des Spieles auf. Wer also mal Lust auf ein Spiel abseits des Einheitsbreis hat sollte sich diesen Titel schnappen und seine Sommerabende mit ihm verbringen.

Gutes

-Spiel nimmt sich nicht ernst
-Humorvoll
-Spagat zwischen Zombie und Regenbogen

Schlechtes

-lange Ladezeiten
-Grafik könnte besser sein

8.0 Sehr gut

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