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Lego Harry Potter: Die Jahre 1-4 – Review

Artikel von | 28.06.2010 um 00:00 Uhr

Die digitalen Lego-Spiele erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Nachdem sich Luke Skywalker, Batman und Indiana Jones schon die Ehre auf der PS3 gegeben haben, ist ab sofort auch Harry Potter in Klötzchenform spielbar. Warner Interactive möchte mit dem kautzigen Zauberlehrling aus dem Ligusterweg an die erfolgreichen Vorgänger der Serie anzuknüpfen. Ob sich der Bausteinspaß als massentauglich erweist oder nur für eingefleischte Potter-Fans zu empfehlen ist, erfahrt ihr hier auf PS3inside.

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Lumos

Kenner von Harry Potter wissen bereits, wie die Geschichte ausgeht. Fortgeschrittene aber lesefaule Freunde warten bis das letzte Buch auf die Kinoleinwand gebracht ist. Da liegt es nahe, das Spiel ebenfalls zu teilen. Der Titel des Spiels verrät schon, dass hier lediglich die ersten vier Jahre in Hogwarts nachgespielt werden dürfen. Wer sich allerdings durch die ersten vier Schinken von J.K. Rowling gekämpft hat, dürfte wohl schon stutzig werden. Die Geschichte in druckform ist alles andere als kurz und so muss Warner Interactive einen Spagat zwischen Vollständigkeit und Spielbarkeit vollbringen. Wir begleiten Harry also auf dem ersten Teil seiner Karriere vom Neuankömmling in Hogwarts bis hin zum Trimagischen Champion des Internats.

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Nachdem Dumbledore am Halloween-Abend das Baby Harry nach seiner ersten schicksalshaften Begegnung mit „du weißt schon wem“ den Dursleys vor die Tür gelegt hat, machen wir einen Zeitsprung. Elf Jahre später wacht der Teenager in seiner Kammer unter der Treppe auf und bekommt seine Einladung in die Zauberschule. Seine missgünstigen Zieheltern haben alles versucht, seine Aufnahme an der Zauberakademie zu vereiteln. Aber letztendlich holt Hagrid persönlich den jungen Zauberlehrling ab und geht mit ihm erst einmal shoppen. Natürlich muss ein Zauberstab her. Der erste Besuch in der Winkelgasse gestaltet sich als das Tutorial, das mit der Ankunft in Hogwarts endet. Nachdem der sprechende Hut uns erwartungsgemäß dem Hause Gryffindor zugeteilt hat, kann es los gehen. Erste Zaubersprüche werden erlernt und das Schloss darf erkundet werden. Sämtliche Gegenstände reagieren unterschiedlich auf Zaubersprüche und lassen Münzen und Gesundheit fallen. Die erste Erkundung macht bereits sichtlich Spaß und fortan sind Hermine und Ron mit von der Partie. Es stehen zwar über 100 verschiedene Charaktere zur Auswahl bereit, wir mögens aber lieber klassisch. Neben dem Sammeln der Münzen, die im Spiel Studs heissen, müssen an vielen Stellen Lego-Bausteine mithilfe von Zauberkräften zweckdienlich zusammengesetzt werden. Ansonsten sind die Aufgaben natürlich rein magischer Natur. Zaubertränke mixen, „Stupor“ und „Wingardium Leviosa“ stehen bei Harry Potter fast so häufig auf der Tagesordnung wie der Abzug der Feuerwaffe bei Call of Duty. In Anlehnung an die Bücher steht auch der eine oder andere Bosskampf auf dem Stundenplan. Hier muss taktischer agiert werden. Der Ritt auf dem Besen darf natürlich auch nicht fehlen, doch hier ist Vorsicht geboten. Alle Charaktere haben auch eigene spezielle Fähigkeiten. Wir sind zwar nicht der Meinung, dass Frauen grundsätzlich hinter den Herd gehören. Auf dem Besen hat Hermine aber keinen großen Nutzen für den Spieler. Ron hat seine Ratte immer mit dabei und die hilft, wenn es mal eng wird in den Gängen des Internats. Wir wollen hier nicht den Eindruck erwecken, dass Hogwarts die einzige Location bei Lego Harry Potter: Die Jahre 1-4 ist. Es ist aber definitiv die am liebevollsten gestaltete Gegend des Spiels. Der Schwierigkeitsgrad ist angenehm. Insbesondere bei den Bosskämpfen oder dem einen oder anderen Rätsel sollte man sich dennoch nicht zu blöd anstellen. Angesichts großzügiger Lebensenergie bleibt der Frustfaktor jedoch erfreulich niedrig. Zusätzlichen Spaßfaktor bringt der Koop-Modus. Jederzeit kann ein zweiter Controller hinzugeschaltet und damit ein anderes Team-Mitglied gespielt werden. Zu zweit läuft Lego Potter genauso flüssig und macht noch einen Tick mehr Spaß.

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Blitz in den A…

Ein wenig Frust bleibt leider letztendlich doch übrig. Dafür ist aber fast nur die Steuerung verantwortlich. Das riesige Repertoire an Zaubersprüchen wird über die Aktionstasten bedient. Mit dem rechten Analogstick lenkt der Schüler gleichzeitig den Zauberstab in die beabsichtigte Richtung. Das Prinzip ist schnell verinnerlicht, bietet aber trotzdem eine gewisse Fehlerquelle. Gerade weil man praktisch mit allem und jedem in den Levels interagieren kann, wird teilweise einfach zu viel für den nächsten Zauberspruch ausgewählt. Das ist nicht weiter tragisch und hat auch praktisch kaum Konsequenzen. Für die ganzen Blitze, die wir unseren Mitschülern während der Kampagne ins Heck gejagt haben, hätte Mr. Potter im wahren Leben aber mit Sicherheit einen Verweis bekommen. Dieser „Missstand“ macht eigentlich aber auch den hohen Spaßfaktor aus. Durch das unbeholfene Zielen erkennt man manchmal nämlich auch erst, was alles machbar ist und die Reaktionen auf missglückte Zaubersprüche sind teilweise auch sehr zum Schmunzeln. Das einzig echte Ärgernis bei der Steuerung ist allerdings die Kameraführung. Die Sicht ist fixiert und so bleibt so manches Detail der riesigen Spielwelt für immer verborgen. So mancher Zauber wird dadurch auch unnötig erschwert. Anstatt zum Zielen einfach die Blickrichtung zu ändern, muss hier der ganze Charakter in eine andere Ausgangsposition gebracht werden und das nervt.

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Technisch kann das Abenteuer grundsätzlich überzeugen. Störend sind relativ viele Ladezeiten, die sich aber glücklicherweise kurz halten. Die Grafik ist definitiv kein Referenzmaterial. Es sollte aber auch jedem bewusst sein, dass es sich hier um ein Spiel für Junggebliebene handelt. Die Klötzchengrafik hat ihren ganz besonderen Charme. Gelegentlich leichtes Kantenflimmern fällt an den Lego-Steinchen auf. Ansonsten hat Warner Interactive aber sauber gearbeitet. Die Zwischensequenzen lassen dann wieder HD-Feeling aufkommen. Grafisch ist Lego Harry Potter keine Meisterleistung. Es ist aber auch nicht schlecht und passt gut in die Atmosphäre. Eine andere Eigenschaft der Lego-Spiele ist die fehlende Sprachausgabe. Das Grunzen und Wimmern der Akteure gehört zur Lego-Serie nunmal dazu. In diesem Fall führt es jedoch zu gewissen Schwierigkeiten. Da hier nunmal vier dicke Potter-Bücher zu einem Spiel verbunden wurden, wird die Story nicht so detailreich inszeniert, wie man es von den Filmen gewohnt ist. Wenn man also noch nicht so genau weiß, worum es in den ersten vier Büchern von Frau Rowling eigentlich geht, bleibt so mancher Witz im Spiel verborgen und wahrscheinlich lässt sich die Handlung für Unwissende nur mit gewissen Schwierigkeiten komplett nachvollziehen. Wir wollen aber nicht vergessen, dass es hier um Harry Potter geht. Und wie viele Unwissende wird es da wohl noch geben? Der Sound lässt mit Original-Soundtrack ansonsten das richtige Potter-Feeling aufkommen. Was durch fehlende Sprachausgabe weggelassen, wurde durch grandiose Soundabmischung wieder stimmig gemacht. Insgesamt ist das neueste Lego-Spiel technisch eine runde Sache.

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Askaban oder Fortsetzung?

Warner Interactive präsentiert mit Lego Harry Potter: Die Jahre 1-4 die bislang wohl umfangreichste Videospielumsetzung im Lego-Land. Die Größe der Geschichte ist gleichzeitig der Fluch des Spiels. Wer nicht gewisse Grundkenntnisse über die einzelnen Geschichten der ersten vier Jahre des Harry Potter vorweisen kann, wird schnell den Roten Faden verlieren. Die Zielgruppe ist aber genau in der Fan-Gemeinde zu erwarten, die sich vor jedem Buch-Release die Beine in den Bauch gestanden hat und das waren nicht wenige. Für Potter Fans ist das Spiel uneingeschränkt zu empfehlen. Es gibt so viel zu erkunden und macht richtig Spaß, das Internat im freien Spiel zu erkunden. Wie bei allen Klötzchen-Vorgängern kann das Zaubermärchen mit Charme und Witz punkten. Wir freuen uns schon darauf, hoffentlich auch die letzten drei Jahre des Harry Potter im Lego-Land nachspielen zu dürfen.

LEGO Harry Potter: Die Jahre 1-4 Testbericht

LEGO Harry Potter: Die Jahre 1-4

  • Release: 25.06.2010
  • Genre: Adventure
  • Entwickler: Travellers Tales
  • Publisher: Warner Bros. Entertainment

Gutes

Hoher Fun-Faktor
Viel zu erkunden
Für Potter-Fans ein Muss
Gelungener Koop-Modus

Schlechtes

Wegen fehlender Sprachausgabe undurchsichtig und für Nicht-Kenner schlecht nachvollziehbar
Häufige Ladezeiten
Unübersichtlich durch fixierte Kameraführung
Grafik nicht ganz zeitgemäß

8.0 / 10 Sehr gut

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