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Kona im Test – Überleben und Rätseln in Kanada

Artikel von | Donnerstag 30. März 2017 um 18:03 Uhr

Am 07. August 2014 hat der Indie-Entwickler Parabole auf Kickstarter ein Projekt gestartet. Kona hieß dieses und sollte das erste Videospiel des kanadischen Studios werden. Mit etwa 30.000 Euro wurde das Ziel erreicht und jetzt, knapp drei Jahre später, ist Kona auch wirklich erschienen. Es spielt auch in Kanada und ist ein Survival Adventure Spiel. Wir verraten euch hier, ob das erste Spiel von Parabole den Grundstein für noch mehr legt oder ob auf den Titel lieber verzichtet werden sollte.

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Mysteriöse Ereignisse in Nordkanada

Wir haben das Jahr 1970. Carl Faubert macht sich auf den Weg nach Nordkanada und überquert dabei den Atâmipêk-See. Der einstige Soldat ist nun Privatdetektiv und hat von einem reichen industriellen einen Auftrag bekommen. Er soll sich um Unruhestifter kümmern. Doch schon bevor er überhaupt seinen Auftraggeber William Hamilton erreichen konnte, gibt es erste Hindernisse. Nach einem Autounfall findet er sich in einem Schneesturm wieder und muss erstmal an sein eigenes Überleben denken. Vom anderen Fahrer gibt es keine Spur, doch eine Hütte in der Nähe ist sein erster Anhaltspunkt. Umso weiter er vorankommt, desto mehr stellt er fest, dass es in dieser Kleinstadt doch so einige Geheimnisse gibt. Die einstigen Bewohner sind größtenteils verschwunden. Während Carl sich auf die Aufdeckung der mysteriösen Vorfälle kümmert, muss er auch stets auf seine eigene Gesundheit achten. Im Verlauf der Geschichte gibt es einige spannende Wendungen und tolle Momente. Doch auch wenn es vom Setting an Fargo oder Twin Peaks erinnert, bietet die Geschichte nicht dessen Tiefe.

Zwar beschreibt sich das Spiel selbst als Mystery-Horror-Adventure, doch ein Horror Spiel ist es per se nicht. Die klassischen Jumpscares gibt es nämlich nicht. Dafür kann die Atmosphäre besonders überzeugen und ist sehr beklemmend. Man hat stets das Gefühl, dass etwas passieren kann. Gerade weil die Musik, wenn es sie gibt, nicht allzu aufdringlich, sondern sehr subtil ist. Das sorgt dafür, dass man meist nur mit sich alleine und den Geräuschen der Umgebung ist, was durchaus eine unheimliche Stimmung verursacht. Hinzu kommt aber auch ein allwissender Erzähler, der euch die Geschehnisse zusammenfasst und zusätzliche Details liefert. Ansonsten bekommt man durch Dokumente und andere Objekte auch noch weitere Details zu den Geschehnissen in der Stadt. Dadurch wird die Geschichte gut und stimmig erzählt. Wir sollten an dieser Stelle aber auch noch erwähnen, dass wir diese in etwa vier Stunden durch hatten. Einen wiederspielwert gibt es auch nur, wenn man etwas Verpasstes nachholen möchte, ansonsten ist Kona natürlich dementsprechend kurz.

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Im Schneesturm nach Spuren suchen

Wir haben ja bereits erwähnt, dass Kona nur bedingt ein Horror-Spiel ist. Im Gegensatz dazu kann man sich schon ein gutes Bild machen, wenn man den Titel als Survival-Adventure beschreibt. Es gibt nämlich drei Status-Werte. Eure Lebenspunkte, eure Konzentration und die Körperwärme. Das erste sollte klar sein, die Konzentration hingegen soll die Entscheidungen von Carl beeinflussen. Sinkt diese, könnt ihr mit eurer Waffe beispielsweise schlechter zielen oder die Sicht verschlechtert sich. Wenn ihr eine Zigarette raucht, ein Bier trinkt oder euch aufwärmt, dann steigt diese wieder. Die Körperwärme sinkt logischerweise wenn ihr draußen in der Kälte seid. Findet ihr also kein Feuer um auch aufzuwärmen, dann werdet ihr zu einem Opfer des Schneesturms. Das fängt auch schon damit an, dass eure Zehen irgendwann einfrieren und ihr nicht so lang rennen könnt.

Deshalb müsst ihr stets gut ausgerüstet und euch der unsichtbaren Gefahr bewusst sein. Mit dem Auto könnt ihr dem etwas entgegensetzen und schneller von A nach B kommen. Euch bleibt nämlich selbst überlassen, zu welchem Zeitpunkt ihr welchen Ort in der Stadt besucht, denn die Stadt ist quasi wie eine kleine Open-World. Es gibt nämlich sehr viel zu erkunden und dies geschieht mit Hotspots an den jeweiligen Orten. Es gibt auch Eiskristalle auf den Straßen die als Hinweise dienen. In der nähe davon gibt es auch meist Fußspuren oder ähnliches, denen ihr dann folgen könnt um weitere Indizien zu bekommen. Außerdem gibt es auch noch eine Kamera um Beweise zu fotografieren. Doch die Bilder sind nur bei ausgewählten Gegenständen von Nutzen, in allen anderen Fällen habt ihr nur die Option das Bild nach dem fotografieren weg zu schmeißen, schade.

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Auf dem Screenshot seht ihr beispielsweise die Hotspots des Spiels, diese kleinen weißen Punkte. An dieser Stelle müssen wir auch sagen, dass die Punkte doch einige male etwas schwer zu erkennen und auch zu erreichen waren, besonders wenn sie hinter einer Ecke oder in einem Kofferraum sind. Außerdem gibt es sehr viele davon in jedem Haus. Weil ihr stets ein wichtiges Objekt oder Dokument verpassen könnt, müsst ihr auch mal bei jedem Haus jede Schublade, Schrank, Tür oder Kiste öffnen, was teils etwas nervig ist. Wenn ihr sie mal übersieht, was schnell passieren kann, müsst ihr vielleicht mal etwas hin und her fahren oder sucht ewig danach, eine Hilfe gibt es hier nämlich nicht. Das ist leider etwas schade und kann für Verzweiflung sorgen. Euer Inventar hat aber auch Grenzen und ihr könnt nicht alles mitnehmen. Dafür könnt ihr es aber im Auto abladen und immer in der Nähe haben, was eine nette Idee ist. Denn mit Waffen, Erste-Hilfe Kästen, Feuerholz oder Werkzeug kommt doch sehr vieles zusammen.

Um stets den Überblick zu behalten, gibt es auch eine Karte der Stadt. Dort werden einige Details gezeigt und gerade beim Autofahren kann man sich dadurch gut orientieren. Beim finden von versteckten Gegenständen hilft sie euch aber nicht. Diese zu finden und zu kombinieren ist eigentlich schon das Rätsel, klassische „Mathe-Aufgaben“ gibt es nämlich nicht. Ansonsten spielt sich Kona doch etwas träge und wirkt etwas ins alter gekommen, im Vergleich mit anderen PlayStation 4 Spielen. Das betrifft das Laufen und das etwas bockige Inventar, aber auch das Fahren mit dem Auto. Das liegt sicherlich auch daran, dass es das erste Spiel von Parabole ist und daher kann man es verschmerzen. Was wir auch noch erwähnen möchten, dass es ab einem gewissen Punkt plötzlich Nacht wird. Das ist super für die Atmosphäre und sieht gut aus, aber es ist wirklich so dunkel, dass dann das erkunden und navigieren extrem schwer wird und dem Spiel in die Quere kommt. Den Fokus haben die Entwickler wohl auch weniger auf das kämpfen gelegt. Zwar gibt es insgesamt eher weniger konfrontationen, das zielen mit einer Waffe oder mit Axt ist dafür sehr rudimentär.

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Grafisch schon alter Schnee?

Im Vergleich zu anderen aktuellen Spielen hat Kona natürlich wenige Chancen, aber der Vergleich wäre auch unangebracht, wenn man noch einmal an das schmale Budget denkt. Es gibt viele Texturen die etwas unscharf sind oder nicht mehr ganz auf dem aktuellen Stand. Natürlich wird auch der recht hübsche Schneesturm einiges verdecken. Alles in allem befinden wir uns hier aber eher zwischen PlayStation 3 oder PlayStation 2 Niveau.

Trotzdem kommt die Stimmung gut rüber und die Atmosphäre ist stimmig. Eine Sache geht aber wirklich überhaupt nicht. Fährt man nämlich mit dem Auto etwas in der, zugegebenermaßen nicht allzu großen, Stadt umher und möchte ein Grundstück betreten, dann kann es zu einem Ladebildschirm kommen. Das zeigt sich dann so, dass das Spiel komplett einfriert und man einen kleinen Ladekreis sieht. Dann kann man das Gamepad für 10-20 Sekunden mal aus der Hand legen und aufs Smartphone schauen. Im späteren Spielverlauf passiert das doch recht oft, weil man dann über längere Zeit fahren muss. Das reißt den Spieler einfach kompletten aus dem Spiel.

Ansonsten lässt sich sagen, dass das Spiel doch recht flüssig lief, wenn auch durchaus träge und mit den eben erwähnten Ladepausen. Der Sound ist recht atmosphärisch und zu gegebener Zeit auch gar nicht vorhanden, was der Stimmung auch zugutekommt. Zwar gibt es im Spiel auch einige Radios, eine große Musikauswahl gibt es aber nicht und deshalb kann man sie auch einfach ausgeschaltet lassen. Auch die Übergänge zwischen den Liedern sind nicht immer sauber.

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Fazit – Ein schöner Sonntagabend Quickie

Kona ist nicht das typische Survival-, nicht das typische Adventure- und noch weniger das typische Horrorspiel. Es lebt von einer guten Atmosphäre und dementsprechend stimmig wird auch die Geschichte erzählt. Besonders der Erzähler kann hier punkten und sorgt für weitere Informationen oder kleine Hilfen. Lediglich die Länge der Geschichte kann hier wohl einige abschrecken.

Große Action solltet ihr beim Gameplay nicht erwarten. Dafür werdet ihr viel herumlaufen und die Welt erkunden und hier und da auch mal kämpfen. Gleichzeitig können die träge Steuerung und schwer versteckte Gegenstände für Frust sorgen. Die Optik von Kona kann natürlich nicht mit aktuellen Spielen mithalten, aber erfüllt ihren Zweck. Dafür sind die Pausen beim Bereichswechsel ein No-Go.

Kona ist tolles Spiel, wenn man ein kleines Abenteuer für Zwischendurch mit einer netten Geschichte sucht. Zwar mit 19,99 ein etwas teures Abenteuer für wenige Stunden, aber einen schönen Abend hat man dann sicherlich doch.

Das hat euch gefallen? Dann könnt ihr Kona im PlayStation Store für 19,99€ auch selbst spielen.

Kona Testbericht

Kona

  • Release: 16.03.2017
  • Genre: Adventure, Survival
  • Entwickler: Parabole
  • Publisher: Ravenscourt

Gutes

+ Geschichte spannend erzählt
+ Eine tolle Atmosphäre

Schlechtes

– Pausen beim Bereichswechsel
– Grafik und Technik nicht auf neustem Stand
– Versteckte Gegenstände können frustrieren

7.1 / 10 Gut

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