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Karaoke Revolution – Review

Artikel von | 01.03.2010 um 00:00 Uhr

Letztes Jahr war das Jahr der Musikspiele: Egal ob Singstar, Rock Band oder Guitar Hero, nahezu jeder große Publisher hat ein Spiel für alle Musikfreunde veröffentlicht. Erst jetzt, nachdem der große Boom des Genres vergangen ist, schickt auch Konami sein Spiel in das Rennen: Das neueste Sing-Spiel Karaoke Revolution will mit einer umfangreiche Songliste und altbekannter Spielmechanik punkten.

Ob den Entwicklern dieser Wurf geglückt ist, oder ob das Spiel in der Masse untergeht, erfahrt ihr in unserem Review.

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Die größten Hits aller Zeiten?

Auch wenn man es nicht glauben mag: Entwicklerstudio Konami ist keines Falls ein unbeschriebenes Blatt im Genre der Musikspiele. Sie waren es, die Ende des 20. Jahrhunderts mit der „Dance Dance“ -Reihe das Musikspiel-Genre revolutioniert haben. Nach jahrelanger Stille zogen auch andere Entwickler mit, die Folge: Die einstigen Revolutionäre verschwanden von der Bildfläche. Zehn Jahre später, im Jahre 2010, ist es Konami’s einziges Ziel, sich den Thron zurückzuholen.
Aus der Masse herausstechen soll das Spiel unter anderem durch die umfangreiche Songliste. Insgesamt dürfen sich Hobby-Sänger auf 75 komplett lizenzierte und originale Lieder freuen, Sony’s hauseigene Konkurrenz bietet beispielsweise nicht einmal die Hälfte an spielbaren Material. Umfassen tut diese ein breites Spektrum an Musik: Die poppige Miley Cyrus ist genauso vertreten wie Rock Bands wie Sunrise Avenue, Daughtry oder die Jungs von Kings of Leon. Auch eine große Zeitspanne ist abgedeckt, neben den hauptsächlich aktuellen Chart-Songs sind auch Hits aus den letzten Dekaden vertreten. „REM“, Pat Benatar oder auch die Jackson 5 sind nur einige Beispiele. Letztere sind sogar mit 5 Songs vertreten, ebenso wie der kürzlich verstorbene Michael Jackson mit seinem Welthit „Ben“. Wie wir es auch schon von Singstar kennen, wurde sich auch bei diesen Spiel die Mühe gemacht, die Tracklist eigens für den deutschen Markt zuzuschneiden. So sind unter anderem „Wir Sind Helden“ oder Ballerman-Stars wie Tim Toupet nur auf der deutschen Version von Karaoke Revolution enthalten. Im Endeffekt ist die Liste der Songs sehr ausgeglichen, Recht machen kann man es aber natürlich wieder nicht jedem Spieler.

Der andere große Pluspunkt des Spiels soll die altbekannte Spielweise sein, wie sie für Karaoke üblich ist. Während des Songs gilt es, den Text mitzusingen und dabei so gut wie möglich die Töne zutreffen. Umso erfolgreicher der Spieler dabei ist, desto mehr Punkte kassiert er. Für gut gesungene Phrasen gibt es darüber hinaus noch die Möglichkeit, den Punkte-Multiplikator schneller als üblich ansteigen zulassen.
Allerdings gibt es bereits bei diesem, wohl am wichtigsten, Punkt, etwas zu bemängeln. Man kann zwar die Empfindlichkeit des Mikrofons im Vorhinein zu seinem eigenen Wohle einstellen, die Erkennung lässt aber während des Spielens teilweise stark zu wünschen übrig. Da werden Töne einfach mal nicht gewertet, oder schlichtweg in einer vollkommen falschen Tonhöhe gewertet. Auch der Abstand zum Mikrofon muss stets korrekt eingehalten werden. Hält man es einmal etwas weiter von sich selbst entfernt, kann es bereits zu Problemen kommen. Solche Fehler hemmen den Spielspaß selbstverständlich ab und zu, tauchen im Endeffekt aber eher seltener auf.
Ein weiterer Negativ-Punkt bei dieser simplen Spielmechanik, die Karaoke Revolution verfolgt, ist, dass man sich dazu entschlossen hat, lediglich einen scrollenden Text zur Verfügung zu stellen und die Möglichkeit, diesen auf „statisch“ zu schalten, vollkommen außer Acht gelassen wurde. „Scrollend“ bedeutet, dass der Text wie am Laufband von rechts nach links angefahren kommt. Andere Spiele dieser Art haben als Zusatz die Option, diesen so einzustellen, dass die einzelnen Phrasen fest verankert auf dem Bildschirm zu sehen sind. Dies hat den Vorteil, dass der Text einfach zu lesen ist und man sich besser auf diesen konzentrieren kann.

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Popstar & Baumeister

Ein weiterer Hauptbestandteil des Spiels ist der Karriere-Modus. In diesem Einzelspielermodus ist es die Aufgabe, die vorgegeben Lieder mit einem bestimmten Ziel zu absolvieren. Dieses Ziel besteht hauptsächlich daraus, eine bestimmte Punktzahl zu erreichen oder eine Prozentzahl an getroffenen Noten zu überschreiten. Dieser Modus ist mehr oder weniger abwechslungsreich: Mal wird euch der Song vorgegeben, ein anderes Mal dürft ihr ihn selber auswählen. Manchmal muss ein bestimmtes Genre bedient werden, oder es gilt, ein Medley, also ein Mix aus mehreren Songs, zu absolvieren. Anfangs macht dieser Modus noch Spaß, zum Ende hin wird es allerdings etwas eintönig. Durch den steigenden Schwierigkeitsgrad werden die Vorgaben zwar fordernder, ein paar weitere Aufgabenziele hätten diesen Modus, der das Herzstück des Singleplayers sein soll, aber gut getan.

Ebenfalls enthalten sind Editoren, die es möglich machen, seine eigenen Figuren und Auftrittsorte zu gestalten. Diese scheinen aber nicht ganz ausgereift und wirken wie im Nachhinein „hingeklatscht“. Die Möglichkeiten, die diese Editoren bringen, sind teilweise stark begrenzt. Das fängt bei der Erstellung der Figuren an: Insgesamt gibt es einfach viel zu wenig Möglichkeiten, um seinen Charakter zu individualisieren, besonders, da auch in diesem Punkt die Konkurrenz einfach weiter ist. Sowohl Guitar Hero, als auch Rock Band arbeiten nach dem gleichen Prinzip der Charaktererstellung, bieten aber viel mehr Optionen, um diese zu gestalten.
Das Erstellen von Auftrittsorten fällt da schon umfangreicher aus, vielleicht auch dadurch, dass es in diesem Punkt einfach keine Konkurrenz gibt. Karaoke Revolution ist das erste Spiel, welches dies ermöglicht. Viele Kleinigkeiten können erstellt oder bearbeitet werden, sodass tatsächlich das Gefühl entsteht, auf einer eigenen Bühne zu spielen. Dass der Spieler im Endeffekt selten die Chance hat, einen Blick auf diese zu werfen, ohne abgelenkt zu werden, ist eine andere Sache.

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Holzpuppen auf Konzert-Bühnen

Musikspiele zeichnen sich selten durch hervorragende Grafiken aus. So ist es auch bei diesem Spiel: Während des Singens rückt das gesamte Bühnenbild eher in den Hintergrund. Grafisch ist es zwar eher zwecksmäßg, kann aber definitiv mithalten – die Bühnen sind detailliert bestückt und anschaulich – die Animationen sind aber teilweise unterirdisch. Die nicht vorhandene Lippen-Synchronisation ist da noch das kleinere Übel. Die Spielfiguren haben zwar eine riesige Bühne zur Verfügung, nutzen diese allerdings nicht, sie stehen oft einfach nur an einer Stelle und bieten alles in allem überhaupt keine Bühnenpräsenz. Auch in diesem Aspekt ist die Konkurrenz wieder Meilen voraus. Auch sonst können die Animationen nicht überzeugen. Die Figuren wirken viel zu steif und bewegen sich in mancher Situation komplett falsch und unverständlich. Die Lichtshow und Kameraführung auf der Bühne sind aber schön anzusehen und lassen den Eindruck erwecken, tatsächlich bei einen Konzert anwesend zu sein.
Positiv anzusehen ist dazu noch die geschickte Einbindung der Musikvideos. Anders als bei Singstar werden die Original-Musikvideos nicht einfach nur im Hintergrund abgespielt, sondern werden auf Leinwänden präsentiert. So geraten diese zwar manchmal etwas in Vergessenheit und werden nebensächlich, der Atmosphäre tut diese Entscheidung aber auf jeden Fall gut. Zuviel Geld wollte Konami aber anscheinend nicht bei den Lizenzgebern liegen lassen: Die Musikvideos sind gerade mal für einen kleinen Teil der Songliste verfügbar. Zusätzlich wird allen EyeCam-Besitzern angeboten, die eigene Perfomance im Hintergrund abzuspielen. Aktiviert man diese Option, wird das Bild der Kamera auf die Leinwände im Spiel übertragen. Dies ist zwar ein nettes Gimmick, wird nach einigen Benutzungen aber auch sehr langweilig.
Letztendlich ist noch eine technische Schlampigkeit anzumerken. Während des Singens kommt es teilweise zu starken Rucklern, die das Spielen unnötig erschweren. Besonders diese Art von Problem sollte niemals im fertigen Spiel auftauchen.

Am Sound gibt es nichts zu bemängeln, dieser ist glasklar und lässt nicht zu Wünschen übrig. Einzig und allein das laute Jubeln des Publikums ist irreführend. Legt man eine gute Leistung ab, wird man auch dementsprechend von den Zuhörern bewundert. Diese Bewunderung ist manchmal aber etwas zu laut, die Soundspur des Publikums legt sich dann stark über die des Songs. Diese Momente sind aber nur von kurzer Dauer.

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In Gesellschaft macht’s doch am meisten Spaß

Das Herzstück eines jeden Musikspiels ist der Multiplayer-Part. Erst zu zweit oder mehr entfaltet sich der gesamte Spielspaß. Insgesamt gibt es einige verschiedene Mehrspieler-Modi. Zum einen gibt es den ganz normalen Duell-Modus, in dem zwei Spieler gegeneinander antreten. Der Spieler mit der höheren Punktzahl entscheidet das Spiel für sich. Ganz anders beim Duett-Modus. Hierbei werden die Punkte zusammengezählt. Der Name „Duett“ ist hierfür wohl etwas unangebracht. Anders als man denkt, werden die verschiedenen Passagen nicht aufgeteilt, gesanglich gibt es keine Unterschiede zum Duell-Modus. Der Turnier-Modus ist für bis zu 16 Spieler angedacht. Die Spieler können selber in Teams aufgeteilt werden und Handicaps angepasst werden. Diese Modi zeigen auch eindeutig die Vorteile des Spiels.

Alle Modi können auch online gespielt werden. Theoretisch klingt das gut. Egal ob in Duelle, Duetts oder in Turnier-Spielen, jeder einzelne der Offline-Mehrspielermodi ist auch in dem Online-Modus verfügbar. Wie gesagt: Theoretisch klingt das gut, praktisch ist diese Angelegenheit eher enttäuschend. Zum einen finden sich online so gut wie keine Spieler, eine vorherige Absprache mit Freunden ist also so gut wie Pflicht. Findet sich dann mal einer, kommt es durch Fehler im System oft gar nicht zum Spiel. Die Verbindung wird meist noch vor Spielstart unterbrochen. Startet das Spiel, offenbart sich schon das nächste Problem. Lediglich der Host hat die Möglichkeit, einen Song auszusuchen. Eine demokratischere Lösung, wie die Abstimmung durch alle Spieler, wurde wohl nicht in Betracht gezogen.

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Ein gelungenes Comeback?

Alles in allem ist das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Karaoke Revolution mehr als gut. Auf der einen Seite bekommt man sowohl eine umfangreiche Songliste und viele und gute Mehrspieler-Modi geboten, auf der anderen Seite fehlt es dem Spiel an Feinschliff. Der Karriere-Modus ist anfangs noch motivierend, wird aber schnell langweilig und eintönig. Die Spielgrafik ist, wie üblich für dieses Genre, nicht mehr als zweckmäßig, bietet aber auch das ein oder anderen Detail. Die Animationen hingegen sind nur mangelhaft. Die Figuren nutzen die Bühne nicht und bewegen sich wie Holzpuppen. Positiv anzusehen ist allerdings die Einbindung von den Musikvideos und generell die Atmosphäre, die das Spiel während der Auftritte versprüht.
Schade ist, dass die Entwickler technisch nicht allzu gute Arbeit geleistet haben. Da wären einerseits die kurzweiligen Ruckler, auf der anderen Seite die unsaubere Stimmerkennung.
Konami hat mit dem Spiel also mehr oder weniger gut wieder zurück in’s Musikgenre gefunden. Alle Karaoke-Freunde können für den Preis, zu dem das Spiel angeboten wird, zugreifen und sich – besonders wenn sie diese Art von Spiele gerne in Gesellschaft spielen – auf einige nette Spielstunden freuen.

Karaoke Revolution Testbericht

Karaoke Revolution

  • Release: 11.02.2010
  • Genre: Musik, Party
  • Entwickler: Konami
  • Publisher: Konami

Gutes

+ umfangreiche und ausgeglichene Liste an Songs
+ Bühnen-Atmosphäre wird gut vermittelt
+ sehr spaßige Mehrspielermodi
+ guter Bühnen-Editor

Schlechtes

- mangelhafte Animationen
- teilweise unsaubere Stimmerkennung
- starke Ruckler treten auf
- Online-Modus technisch enttäuschend
- wenig umfangreicher Charakter-Editor

7.5 / 10 Gut

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