Kane & Lynch 2: Dog Days – Review

Getestet von | 19.09.2010 um 00:00 Uhr

Zwei total gestörte Männer, die sich überhaupt nicht leiden können, zum Tode verurteilt und doch kommen sie immer nur mit einem blauen Auge davon. 2007 kam der Titel Kane & Lynch: Dead Men von IO Interactive und mischte die Shooter-Welt mit bizarrer Story und brachialer Gewalt auf.
Drei Jahre später wollen es die Entwickler nochmal wissen und bringen Kane & Lynch 2: Dog Days auf den Markt. Kann der Abstecher nach Shanghai überzeugen, oder sollten die beiden Anti-Helden in den Ruhestand gehen, das lest ihr in dieser Review.

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Willkommen in Shanghai

Nach den ganzen Erlebnissen aus Teil eins hat sich Lynch zurückgezogen und lebt nun in Shanghai. Er hat nun eine Freundin und lässt das Leben Tag für Tag verstreichen. Doch ganz ohne ‚Verbrechen‘ kann er dann doch nicht und so hilft er einem lokalen Mafiosi, Glacer, bei kleineren Aufträgen.
Dies ist der Grund, warum Kane nach Shanghai reist. Er muss zusammen mit Lynch ein Waffen-Geschäft abschließen, da dieser Job für ihn wichtig ist.
Dies stellt mehr oder weniger den Start eurer Karriere dar. Ihr seht wie sich Kane und Lynch das erste mal wieder treffen und sich über den Job unterhalten.
Lynch muss allerdings noch einen ‚Kunden‘ seines Bosses ‚besuchen‘ und so gehen die beiden Protagonisten ihres Weges. Dieses Level ist das erste und stellt eine Art Tuturial dar. Ihr werdet mit der Steuerung vertraut gemacht und bekommt einen kleinen Vorgeschmack, was euch die nächsten Stunden erwartet.
Doch Kane und Lynch wären nicht dieselben wenn sie nicht in irgend eine Scheiße geraten und so bringt Kane am Ende des Tuturials ‚versehentlich‘ die Tochter eines gefährlichen Gangsters Shanghai’s um und ab da beginnt das Schlamassel.

Bizarr bis zum geht nicht mehr

Schon in Teil 1 war die Story besonders, da die beiden Protagonisten sich eigentlich überhaupt nicht leiden können. Auch haben die Entwickler die Story rabiat und bizarr aufgezogen. Auch im zweiten Teil könnte die Story bizarrer nicht sein und so haben Kane und Lynch nach Erschießen der Tochter einen haufen Ärger am Hals. Sie bringen ihren Boss in riskante Situationen und haben irgendwann ganz Shanghai gegen sich.

So, stopp, denn hier endet der Spaß. Wer jetzt glaubt eine Actiongeladene Story gefunden zu haben, der irrt leider. Was jetzt vielleicht spannend klingt ist in Wirklichkeit hundsmiserabel, denn die Story ist zum Teil nicht nachvollziehbar und total sinnlos.
Spätestens dann, wenn beide nackt und völlig verblutet in einer Mülltonne aufwachen und quer durch die Stadt rennen ist das Ganze ein reiner WTF-Marathon vom feinsten. Um aber nochmal die Sinnlosigkeit der Story zu verdeutlichen:
Ihr rennt nackt in eine Mall, in einen Fernsehladen. Es wäre ja wohl nicht sinnvoll mal in einen Klamotten-Laden zu gehen, nein, nicht die beiden, die rennen stupide weiter, bis zur nächsten Ballerei.

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Monoton bis zum abwinken

Wo wir gerade dabei sind, die Ballereien stellen den Kernpunkt der eigentlichen Story dar. Tatsächlich besteht ca. 80% der gesamten Spielzeit nur aus reinem ballern und das hängt einem irgendwann zu den Ohren raus, weil es sich immer gleich anfühlt und immer gleich aufgebaut ist. Letztendlich ist Kane und Lynch 2 immer so aufgebaut:
Laufen, schießen, laufen, schießen, laufen, schießen, schießen, laufen, schießen, Kapitel Ende.
Zusammen mit den WTF-Momenten der durchweg komischen Story, macht einem das Spiel eigentlich schon fast kein Spaß mehr.
Grafisch ist das Spiel leider auch kein Überflieger. Die ganze Grafik wirkt altbacken, total verwischt und ist in keinster Weise detailreich oder auch sonst irgendwie bemerkenswert. Das fällt einem schnell auf, wenn man sich mal kurz Zeit nimmt und sich die Umgebungen anschaut.
Alle Umgebungen sind irgendwie immer etwas gleich. Ihr haltet euch meist in großen Lagerhallen, oder Häuser auf. Selten lauft ihr mal durch eine belebte Straße oder durch kleine Gassen und als ob das noch nicht genug wäre, stört die Kamera beim Spielen zum Teil doch sehr.
Dieser ‚Youtube-Horror-Kamermann‘ der euch scheinbar immer verfolgt ist zu Anfang zwar noch ein netter Effekt, aber mit der Zeit echt nervig, denn gerade in hektischen Momenten kommt die Kamera einem nicht zu gute. Wenigstens geht die Steuerung gut von der Hand, denn wirklich viele Befehle müsst ihr nicht beherrschen.
Doch auch macht das Gameplay gerne mal einen Strich durch die Rechnung.

Das verdammte Ding trifft nicht!

Da das ganze Spiel eigentlich nur aus Ballereien besteht, sollte man eigentlich ein gut funktionierendes Gameplay haben, doch hier sucht man bei Kane und Lynch danach vergeblich. Zwar geht die Steuerung ganz gut von der Hand, nur leider kann man mit den Waffen umso schlechter zielen und treffen. Es ist schon fast ein Glücksspiel mal mehrere Gegner mit einem Magazin zu erledigen, denn die Gegner haben so eine Art Gravitationsfeld um sich herum und so fliegen ab mittlerer Distanz fast alle Kugeln irgendwo hin, nur nicht auf euren Gegner. Das ist leider bei jeder Waffe so. Egal ob Sturmgewehr, Maschinenpistole, oder Revolver, das Schießen auf Gegner ist ein wahres Kunststück.
Aber ihr habt ja zum Glück noch euren Partner dabei, der euch tatkräftig unterstützt. Nein, auch diesen habt ihr nicht wirklich. Zwar ist Kane immer mitten im Geschehen, hat eine Waffe in der Hand und geht in Deckung, doch bis euer KI-Kumpel mal jemanden fertig gemacht habt, ist das Schlachtfeld schon von euch entschärft worden. Aber nicht nur das euch Kane kaum hilft, er steht euch auch oft gerne im Weg herum. Ja, die KI ist in dem Spiel nicht sehr gut umgesetzt.

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Von Gangster bis zu Terror-Einheiten

Im allgemeinen ist die KI der größte Schwachpunkt des ganzen Games. Alles andere könnte man irgendwie noch verschmerzen, aber die KI ist dermaßen unüberlegt, unausgereift und unbegreiflich.
Da wäre zum einen die Tatsache, dass sich sämtliche Gegner nur auf euch stürzen und Kane komplett außen vor gelassen wird.
Ihr könnt die KI auch austricksen, indem ihr euch einfach neben diese stellt. Zum Teil bleiben diese einfach regungslos stehen und schießen einfach weiter nach vorne. Manchmal läuft ein Gegner auch einfach an euch vorbei, rennt dann wieder zurück und beschießt euch.
Das Beste an der KI ist allerdings die messerscharfe Logik. So kämpfen in manchen Kapiteln Polizei und Straßengangster zusammen gegen euch, zum Teil an derselben Deckung. Es wäre ja nicht viel sinnvoller wenn die Polizei diese auch verhaften würde, nein, Hauptsache ihr seid aus dem Weg geräumt.
Und zu guter Letzt der Sound, der leider auch nicht wirklich der Brüller ist. Man kann mit ihm in jedem Fall leben, aber manche Waffen hören sich sehr blechernd an und manche andere Geräusche klingen nicht sehr real. Eine große Musikuntermalung gibt es auch nicht. Lediglich die Musik im Hauptmenü klingt ganz nett.
Auch die Synchronisation haben sich die Entwickler gleich gespart, denn eine Lippenbewegung ist nicht mal ansatzweise zu erkennen. Das meiste von der Story bekommt ihr sowieso nur während der Ladesequenz mit, weil dort immer kleine Gesprächspassgen angehört werden. Dies ist tatsächlich mal positiv zu bewerten, da die Ladezeiten auch zum Teil nicht langen dauern.
Was die Entwickler allerdings geschafft haben, ist eine gute Atmosphäre, auch wenn diese nur die ersten paar Level anhält.
Außerdem kann man die Story im Koop-Modus zocken, was so ziemlich der größte Pluspunkt des Game ist, denn so muss man sich nicht mehr über seinen unzurechnunsgfähigen KI-Partner ärgern.

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Online wie Offline

Da die Story Shootertypisch nur knappe 5-7 Stunden dauert, hat Kane und Lynch natürlich auch einen Online-Modus. Hierbei gibt es einen Arcade-Modus und einen reinen Multiplayer. Im Arcade-Modus kehrt der Fragile-Modus zurück.
Im Multiplayer gibt es drei abgeänderte Versionen des Originals. Ziel ist meistens soviel Geld wie möglich zu erbeuten. Dabei habt ihr immer 4 Minuten Zeit. Ihr spielt immer Cops gegen Räuber, außer im eigentlichen Fragile-Modus. Dort wird jeder ein Cop, der von seinen Kumpanen verraten, also abgeknallt wird.
Leider sieht es online nicht sehr rosig aus, denn oftmals bekommt man nicht mal genug Spieler für ein komplettes Match zusammen. Gameplay, Sound und Grafik sind in keinster Weise verändert und auch die Langzeitmotivation hält sich in Grenzen. Positiv ist aber die Schnelligkeit, mit der das Spiel euch gleich mit anderen verbindet und außerdem, dass jeder mit denselben Waffen startet. Auch gibt es im Online-Modus keine nervigen Nachlade-Fehler oder Lags vom Server

Fazit:
Tja, was soll man zu so einem Spiel sagen? Kurz und knapp, es ist nicht empfehlenswert als Vollpreisspiel. Zu groß ist die Palette an Fehlern, Bugs oder Kritikpunkten. Tatsächlich macht der Titel in vielen Bereichen vieles einfach schlecht und untertrifft seinen Vorgänger um weiten. Hier hat IO Interactive wirklich nichts Gutes abgeliefert, bietet der Titel eigentlich
viel Potential.

Gutes

Schlechtes

6.0 Mittelmäßig

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