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James Bond 007: Blood Stone – Review

Artikel von | 27.11.2010 um 00:00 Uhr

James is back! Fans der gepflegten Kinounterhaltung müssen dieses Jahr zwar auf einen neuen Teil der wohl größten Actionserie überhaupt verzichten. Aber noch lange kein Grund, James Bond komplett in Vergessenheit geraten zu lassen. Während Nintendo-Jünger auf ein Remake des Klassikers „Golden Eye“ zurückgreifen dürfen, bekommen alle Next Generation-Konsolenbesitzer frische Agentenkost: Mit „007: Blood Stone“ wollen Activision an den Erfolg der Kinofilme anknüpfen und die Wartezeit bis zum nächsten cineastischen Abenteuer gekonnt überbrücken. Ob den Entwicklern dies gelungen ist, oder ob Bond baden geht, erfahrt ihr in unserem Review!

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Auf Bösewichtjagd mit Bond

Der Plot des Spiels hätte ohne weiteres auch auf die große Leinwand gebracht werden können. Kein Wunder, ist für die Geschichte doch niemand anderes verantwortlich als Bruce Feirstein, der Mann, der unter anderem die Drehbücher von „GoldenEye“, „Der Morgen stirbt Nie“ und „Liebesgrüße aus Moskau“ hervorgebracht hat. Einen Innovationspreis gibt es für die Story von „Blood Stone“ mit Sicherheit nicht, allerdings fügt sie sich perfekt in das 007-Universum ein und lässt zu keinem Zeitpunkt den Eindruck aufkommen, dass man hier nicht ein Abenteuer des berühmten Agenten nachspielt. Und auch wenn alles sehr vorhersehbar ist, Spannung bietet das Szenario rund um die Terroristen, welche die Welt mit Hilfe ihrer Biowaffen vernichten wollen, auf jeden Fall genug. James Bond – im Übrigen komplett dargestellt von Daniel Craig – macht währenddessen das, was er immer macht: Die bösen Typen aufhalten und ihre noch viel böseren Pläne vereiteln. In der langen Laufbahn der James Bond-Videospielkarriere kam es bisher nur selten vor, dass ein Ableger ungebunden von einem dazugehörigen Film ist. Umso mehr Spaß macht es letztendlich, James Bond bei seiner Reise rund um den Globus zu begleiten Nichts kennt man bereits aus einem möglichen Film. Ein großes Problem des Spiels: Die Reise kann unter Umständen für durchschnittliche Spieler nach gut fünf bis sechs Stunden beendet sein. Nach erstmaligem Abschluss des Spiels wird zwar ein optionaler, noch höherer Schwierigkeitsgrad frei geschaltet, eine wahre Motivation für einen erneuten Durchgang sucht man allerdings vergebens.
Was Nachwuchs-Geheimagenten definitiv nicht vergebens suchen ist eine Atmosphäre und Inszenierung, die einem James Bond gerecht wird. Hier haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet. Von Anfang bis zum Ende wird einem eine sehr gute und actionreiche Inszenierung der Geschehnisse präsentiert. Freunde der typischen 007-Action müssen also keinerlei Angst haben – hinter seinen cineastischen Brüdern muss sich „Blood Stone“ nicht verstecken. In vielen der Zwischensequenz kommt gar richtiges Kino-Flair auf. Die brillante Inszenierung findet ihren Höhepunkt in den verschiedensten Vehikel-Jagden, dabei vollkommen gleichgültig ob zu Land mit dem Auto oder auch im Wasser. Drumherum darf man allerlei gescriptete Ereignisse bewundern, die die Jagd nach Bösewichten zu einem echten Spaß machen. Nicht zu vergessen der abgespielte Bond-Soundtrack im Hintergrund, der den Wunsch aufkommen lässt, das Autoradio sofort lauter zu drehen.

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Geschüttelt, nicht gerührt

Spielerisch erwartet einen ebenfalls nicht das Neueste vom Neuesten. Auf gute Third-Person-Action darf man sich allerdings trotzdem freuen. Nach einem Exkurs in die Egoperspektive im vorangegangen Teil „Ein Quantum Trost“ setzen die Entwickler bei „Blood Stone“ nämlich wieder auf das Spielen in der Schulterperspektive. Vertraute des Genres werden sich sofort heimisch fühlen und dürfen ihren Spaß mit den verschiedensten Spielelementen haben. So könnt ihr euch neben den genretypischen Schießereien auch auf mächtige Nahkampfangriffe oder Fokus-Schüsse freuen. Die Steuerung ist hierbei recht eingängig und funktioniert ausgezeichnet. Auf Knopfdruck könnt ihr blitzschnell eine Deckung aufsuchen oder kinderleicht eure Waffe wechseln. Auch der Missionsumfang und generell die Abwechslung ist zufrieden stellend. Oft genug werdet ihr als virtueller Geheimagent in wilde Schießereien mit den feindlichen Fraktionen verwickelt. Schleich-Missionen, Verfolgungsjagden und Racer-Abschnitte machen das Spiel aber zu einem grundlegend interessanten Genre-Mix. Besonders der letztgenannte Missionstyp bringt ordentlich Abwechslung in den tristen Agenten-Alltag. Neben der bereits erwähnt brillanten Inszenierung ist nämlich auch das Gameplay während den Fahrten nicht zu verachten. Die extrem arcadelastige Steuerung ist anfangs zwar ungewohnt, es dauert aber auch nicht lange, bis man diese verinnerlicht hat. Mit der Physik haben die Entwickler – welche nebenbei erwähnt auch verantwortlich für die Project Gotham Racing Serie und dem Überraschungserfolg Blur verantwortlich sind – nicht allzu genau genommen. Nicht selten kann es da schon mal passieren, dass der zu fahrende Kleinwagen auch mal einen LKW auf der Nebenspur ohne Probleme von der Straße drängt. Trotz alledem können die Verfolgungsjagden in den Vehikeln für einigen Spaß sorgen.
Das komplette Spiel könnte also doch so schön sein, wenn Bizarre Creations sich da nicht selber den ein oder anderen Stein – wenn nicht gar Felsen – in den Weg gelegt hätte. Die Spielmechanik funktioniert wunderbar, das Spiel ist generell aber selbst auf den höheren Schwierigkeitsgraden viel zu einfach. Das Zielen funktioniert ebenfalls einwandfrei, aber selbst Videospielanfänger sollten problemlos die Gegnerhorden überwinden können, wenn sie ihr Fadenkreuz mit Hilfe eines einzigen Knopfdrucks auf den Feind richten können. Vom Fokus-Schuss sollten wir erst gar nicht erst anfangen zu reden: Ein Schuss dieser Spezialattacke kann den Gegner sofort außer Kraft setzen, bis zu drei Mal könnt ihr dies hintereinander machen. Nutzbar sind diese zwar erst, nachdem man im Vorfeld auch Gegner im Nahkampf überwältigt hat, diese sind aber der Gipfel des überschaubaren Schwierigkeitsgrads. Seid ihr nah genug am Bösewicht dran, reicht ein einziger Tastendruck und schon seid ihr ihn los. Ein wichtiges Element des Spiels soll auch noch erwähnt werden: Bonds Smartphone! Dieses ist vergleichbar mit einer Art Spielhilfe, die ihr zu jeder Zeit und an jedem Ort nutzen könnt. Aktiviert ihr das Super-Phone, werden euch nicht nur sämtliche sammelbaren Geheimakten angezeigt und interaktive Spielobjekte deutlich gemacht, nein, auch eueren Weg und die Position der Feinde werden eingetragen. Richtig gehört: In der Spielumgebung wird der Standort von diesen eingeblendet, auch aus größerer Entfernung und durch Wände hindurch. Solch übermächtiges Equipment bereitzustellen ist ganzklar eine bizarre Entscheidung. Wäre das Smartphone auf Grund der mangelhaften KI doch auch gar nicht nötig gewesen. Dass das bewaffnete Gegenüber oftmals betröppelt in der Gegend herumsteht oder gar in eine vollkommen falsche Richtung schießt, sobald ihr hinter einer Deckung verschwindet, passiert leider einige Male zu oft und hemmt den Spielspaß gewaltig. Außer dem „Handy für alle Fälle“ bedient sich Bond übrigens an keinen weiteren technischen Gadgets. Wer sich also auf technische Spielereien im Bond-Style gefreut hat, wird enttäuscht, stören tut das Fehlen dieser allerdings überhaupt nicht.

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Von Athen bis Sibirien

Grafisch hat sich „Blood Stone“ im direkten Vergleich zum zwei Jahre alten Vorgänger erheblich weiterentwickelt. Trotz der kurzen Spieldauer wird dem Spieler eine Vielzahl an interessanten und gut gestalteten Kulissen geboten. Darunter befinden sich auch einige grafische Highlights, so beispielsweise das Aquarium in Bangkok oder der Spielabschnitt zu Beginn. Zum Teil muss man aber auch mit grafischen Fehltritten rechnen. Level, die in Punkto Design und grafischer Qualität einfach nicht an die genannten Highlights anknüpfen können und erst Recht im Vergleich mit der starken Konkurrenz keinerlei Chance haben. Glücklicherweise bildet dieses Niveau eher die Ausnahme, auch wenn man sich von den Entwicklern durchaus eine technisch konstante Leistung hätte wünschen dürfen. Hinzu kommen dann auch noch matschige und unsaubere Texturen, sowie unbefriedigende Kleinigkeiten wie der grafisch doch sehr anspruchslose Schneefall. Hat man dabei im Hinterkopf dann noch das sehr gut designte Wasser, bleibt nicht mehr übrig als ein ‚enttäuschtes’ Kopfschütteln über die qualitativen Schwankungen. Und wenn dies alles vielleicht noch verzeihbar ist, die grässlichen Gesichter der Spielfiguren sind es mit Sicherheit nicht. Während die Figuren selber recht gut und lebendig gestaltet sind, sind die Gesichter ein wahrer Albtraum. Diese wirken einfach komplett künstlich und unemotional. Es ist wahrlich schwer, in Videospielen lebendige Gesichter zu kreieren, aber selbst ein in diesem Genre eher unerfahrener Entwickler sollte dann doch mehr bieten können.

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Bond, sind sie da?

Gewohnte Bond-Story. Gewohnte Bond-Inszenierung. Gewohnte Bond-Action. Was fehlt noch? Richtig – Gewohnter Bond-Sound! Genau diesen bietet „007: Blood Stone“ glücklicherweise auch. Der komplette Soundtrack, inklusive des Titelsongs, welcher am Anfang zum lässig gemachten Intro läuft, erinnert an den englischen Geheimagenten und lässt hart gesottene Fans wohl auch das ein oder andere Mal aufstöhnen. Aber auch die Soundkulisse während der Schusswechsel und den Autofahrten ist klasse und spielt teilweise auch bei den ganz Großen mit. Dankbar dürfen Spieler hierzulande wohl auch für die Synchronisation sein. Vorangegangene Bond-Spiele haben gezeigt, dass diese mit unter wirklich miserabel sein kann und selbst ein sonst gutes Spiel in den Dreck ziehen kann. Ganz bei der Sache sind die deutschen Synchronsprecher von M, Bond & Co. zwar noch nicht so wirklich, allerdings befindet man sich auf den richtigen Weg. Zu mindestens wirken diese nicht mehr allzu lustlos und maschinell. Und sollte man sich doch zu sehr an der deutschen Audio-Version stören, so bleibt Fans mit genügend Sprachkenntnissen noch immer die Möglichkeit, die Spracheinstellungen des Spiels zu ändern. Dann darf sich ein jeder sogar an den Original Stimmen von Daniel Craig und Judy Dench erfreuen.

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Gemeinsam gegen den Rest der Welt

Eine reine Einzelspieler-Erfahrung sollte „Blood Stone“ allerdings nicht werden. Neben dem leider viel zu kurz geratenen Singleplayer-Modus suchte man im Hause Activision wohl schon fast gezwungenermaßen nach einer Möglichkeit, Action-Fans das Spiel noch schmackhafter zu machen. Online Multiplayer-Modi sind heutzutage kaum mehr wegzudenken und so ist es doch mehr als schade, dass man sich beim neuesten Bond keinerlei Gedanken gemacht, ob der – wie bereits erwähnt eher gezwungenermaßen eingebaute – Online-Modus überhaupt für Motivation und Spielspaß im Allgemeinen sorgen kann. Technisch ist dieser zwar auf einem soliden Niveau wieder zu finden und auch spielerisch kann man grundsätzlich nichts bemängeln, allerdings erfüllen die Online-Partien nicht den Zweck für den sie gemacht worden sind – sie können auf lange Zeit einfach nicht motivieren und nutzen sich viel zu schnell ab. Ihr könnt mit bis zu 15 weiteren Superagenten eine halbe handvoll Spielmodi austesten. Diese machen beim ersten Mal noch Spaß, auch der zweite Spieldurchgang kann noch fesseln. Alles spielt sich aber viel zu unspektakulär und kann nicht lange motivieren.

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Auch ohne Film ein Erfolg?

Wie bereits zu Anfang gesagt: James is back! Nach einem völlig verhunzten Vorgänger beweisen Bizarre Creations, dass Geheimagent 007 keineswegs nur auf der großen Leinwand ein gutes Bild abgeben kann. Auch auf den heimischen Bildschirmen kann Bond überzeugen. Die zum Teil fast perfekte Inszenierung lässt ein Gefühl aufkommen, bei den sich Fans der Filmserie sofort heimisch fühlen. Dies wird durch die fassettenreichen Kulissen und den überzeugenden Soundtrack auch nur unterstützt. Und auch wenn „Blood Stone“ spielerisch grundsätzlich überzeugen kann und gewohnte 3rd-Person-Shooter Kost serviert, stellt sich das Spiel selbst ein Bein: Durch übermächtige Angriffe wie die Nahkämpfe und das Fokus-Schießen, sowie dank des Smartphones, welche sämtliche Probleme zu lösen scheint, wird der neueste 007-Videospielableger im Endeffekt einfach viel zu leicht. Hinzu kommt eine arg dämliche Gegner KI und eine leider viel zu kurze Spieldauer. Denn auch wenn der MI6-Agent mit dem einen oder anderen Problem zu kämpfen hat, sorgt das Spiel während seinem kompletten Verlauf für einige spaßige Spielstunden. Fans können unbesorgt auf Bösewichtjagd gehen, alle anderen müssen selbst entscheiden, ob sie an der Seite von 007 mit den Patzern des Spiels kämpfen wollen.

James Bond 007: Blood Stone Testbericht

James Bond 007: Blood Stone

  • Release: 05.11.2010
  • Genre: Action
  • Entwickler: Bizarre Creations
  • Publisher: Activision

Gutes

- brillante Inszenierung
- solide 3rd-Person-Shooter Kost
- abwechslungsreicher Spielverlauf
- schöne Kulissen
- guter Sound & Soundtrack

Schlechtes

- deutlich zu kurz
- übermächtige Nahkampfangriffe, Fokus-Schüsse und Smartphone machen das Spiel viel zu leicht
- dämliche KI
- nicht konstant gute Grafik
- Gesichter sind grässlich
- Multiplayer wirkt viel zu aufgesetzt

7.5 / 10 Gut

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