I AM ALIVE – Review

Getestet von | 24.06.2012 um 00:00 Uhr

Im Jahre 2008 sorgte ein Rendertrailer für Furore. Ubisoft schürte in einem einzigen Trailer eine beklemmende Atmosphäre über eine Stadt, die vom Erdboden verschluckt wurde. Doch die Entwickler verstrickten sich in unmöglichen Szenarien, so dass Ubisoft die Handbremse gezogen und das Ganze mehrmals neu aufgelegt hat. Schlussendlich, und das muss man Ubisoft lassen, haben sie ihr Wort gehalten und das Spiel trotzdem noch veröffentlicht. Ob I AM ALIVE noch das Spiel ist, was 2008 vorgestellt wurde?

Ich bleibe am Leben
Ein junger Mann namens Adam reiste an die Ostküste der Vereinigten Staaten. Doch kaum ist er dort angekommen, passierte eine unbekannte Katastrophe, die den ganzen Erdball in Mitleidenschaft gezogen haben soll. Adam hat sich danach innerhalb eines Jahres irgendwie zurückgekämpft in seinen Heimatort Haventon. Doch von einer funktionierenden Gesellschaft ist nichts mehr übrig. Adam ist auf der Suche nach seiner Frau und seiner geliebten Tochter, doch wie man es sich schon denken kann, kommt es anders als erwartet.
Haventon ist ein Ort des Todes. Auch nach gut einem Jahr hat sich der Staub der zusammengebrochenen Hochhäuser und sonstigen Gebäude nicht gelegt und ist der Tod eines jedes Lebewesen, das zulange dort unten verweilt. Nur in der Höhe, dort wo man noch ruhig atmen kann, sollte man überleben, könnte man meinen. Doch die Gesellschaft ist zusammengebrochen. Banden terrorisieren die wenigen Überlebenden. Denen stellt sich Adam in den Weg. Doch dies geschieht anders als in den meisten apokalyptischen Spielen. Man ist kein Rambo, man hat nicht irgendwelche übernatürlichen Fähigkeiten. Man ist schlicht und einfach nur ein Mensch, der demnächst sterben kann. Die Kämpfe in I AM ALIVE sind rasant und äußerst kurz. Sie vermittelt ein ungeheuerliches und schauderhaftes Gefühl, wenn man innerhalb kurzer Zeit entscheiden muss, welcher Gegner am Leben gelassen werden darf, welcher Gegner sofort ins Gras beißen muss und welche Gegner man einschüchtern kann. Denn Waffen und Patronen sind rar in dieser Welt. Nebst einer Pistole und im späteren Spielverlauf sogar eine Shotgun, kann Adam auch gut mit Pfeil und Bogen umgehen. Auch mit einer Machete sticht er gekonnt zu. Mehr Waffen braucht der Mann wohl nicht, um in dieser feindseligen Umgebung zu überleben.

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Es gibt noch Menschen
Der nächste interessante Aspekt von I AM ALIVE sind die sogenannten Kletterabschnitte. Auch wenn man nur an den vorgegeben Stellen klettern kann, ist man nie sicher, ob man den richtigen Weg eingeschlagen hat. Denn durch die Zerstörung ist nicht immer sichtbar, wo der Weg schlussendlich endet. Doch das Ganze ist recht linear ausgefallen. Egal ob Kletterpassagen, Kämpfe oder Wege. Das Spiel gaukelt einem eine kleine, offene Welt vor, die es aber in Wirklichkeit so nicht gibt. Trotzdem kommt ein beklemmendes Gefühl der Hilflosigkeit auf. Adam ist nur ein Mensch und Menschen geht früher oder später die Puste aus. Durch einen Balken kann man gut erkennen, wieviel Kraft und Lebensgeist in Adam steckt. Damit klettert oder kämpft man um sein Leben. Fallen die Anzeigen auf null, stirbt Adam einen grausamen Tod. So sieht man ihn etliche male von Hochhäusern stürzen, er erstickt in den tiefen des Staubs oder wird einfach erschossen, weil er die falschen Personen einschüchtern wollte. Auch hier gehen die Entwickler einen gänzlich altmodischen Weg. Wer auf der Normalen Schwierigkeitsstufe spielt, erhält sogenannte Wiederholungen. Da kann man einfach beim letzten Checkpoint wieder anfangen. Spielt man aber im Überlebensmodus, bugsiert einen das Spiel nach jedem Pixeltod gleich wieder an den Anfang des Kapitels. Auf der einen Seite ist dies nervig, weil hie und da ganze 20 Minuten Gameplay nochmals gemacht werden müssen. Auf der anderen Seite zwingt einen das Spiel, vorsichtig und bedacht vorzugehen und die einzelnen Situationen richtig einzuschätzen. Nebst der nervenaufreibenden Hetzjagd gegen die eigene Puste, sind aber auch ruhige Momente im Spiel drin. Nämlich dann, wenn man seinen Weg sucht und hie und da auf vereinzelte Überlebende stößt. Doch, all diese hilflosen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Adam kann sich entscheiden, ob er helfen möchte. Denn alle diese Personen möchten einen ganz bestimmten Gegenstand von Adam. Doch man muss sich entscheiden, ob man Hilfsmittel wie Inhalator, Tomaten, Wasserflaschen oder Sonstiges hergibt. Denn solche Items sind recht rar gesät in Haventon. Zudem werden diese gebraucht, um Adams Ausdauer und Lebenskraft wieder aufzufrischen. Eine verzwickte Mühle, in die da der Spieler zur jederzeit reingestoßen wird.

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Erschreckend schlecht
Nun, wie sagt man im Volksmund so schön: nicht alles was glänzt, ist aus Gold! In Haventon trifft es leider voll und ganz zu. Zwar ist der Grafikstyle und der Grauton perfekt für das Spiel und seine Atmosphäre. Trotzdem sieht alles ein bisschen steril und altbacken aus. Nichts bewegt sich. Kleinere Gegenstände wie Einkaufswagen, kleine Zäune oder sonstiges, die im Weg stehen sind fest mit dem Boden verwurzelt. Die Grafik selbst ist verschwommen. Schwammige Texturen an allen Ecken sind erkennbar. All dies trübt den Überlebenskampf sichtlich. Auch sonst ist das Abenteuer extrem linear gehalten. Egal, ob Kämpfe oder Kletterpassagen, alles ist vorgegeben und nach dem ersten Durchlauf, kennt man auch die ganze kleine Stadt wie seine Hosentasche. Ein Wiederspielwert hat das Spiel leider nicht, da Gegenstände, Personen und Gegner alle am gleichen Platz verweilen und immer gleich reagieren werden. Und der größte negative Punkt dieser Episode ist das Ende oder die Geschichte an sich selbst. Sie verwirrt den Spieler wo sie nur kann und hört so abrupt auf, dass man meinen könnte, irgendwas Großartiges verpasst zu haben. Trotzdem das beklemmende Gefühl der Hilflosigkeit und der Tatsache, dass es als reiner Download Titel daher kommt, hievt das Spiel doch noch auf den Podest der: Muss man gespielt haben – Spiele.

Gutes

- nervenaufreibendes Survival-Spiel
- interessante Ideen

Schlechtes

- wirre Geschichte
- schlechte Grafik
- kaum Wiederspielwert

7.0 Gut

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