Hitman: Absolution – Review

Getestet von | 29.11.2012 um 00:00 Uhr

Meuchelmörder, Söldner und Assassinen, nehmt euch in Acht, die Nummer Eins der Auftragsmörder, Nummer 47, ist nach sechsjährigem Urlaub zurück und des Schleichens und Meuchelns ganz und gar nicht müde. Für welchen Auftrag 47s Schöpfer IO Interactive die Legende zurückgeholt hat und ob man dem alten Hund neue Tricks beibringen konnte oder er gar alte verlernt hat, erfahrt ihr in der Inside Review zu Hitman: Absolution.

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Mit Tränen im Auge und Kugel im Lauf

Es fühlt sich wie eine halbe Ewigkeit an seit Agent 47 nach seinem letzten Auftrag in Blood Money in den Katakomben des IO-Interactive Studios untergetaucht ist und auch zum Beginn der neuen Konsolengeneration ließ er sich nicht blicken. Bis 2012 dauerte es nun bis wir wieder in die Rolle des eiskalten Killers mit dem Strichcode auf dem Nacken schlüpfen dürfen, schön, dass es 47 zumindest doch noch auf die PS3 geschafft hat. Gealterte Männer brauchen nun mal etwas länger.
Doch bevor wir uns mit 47 wieder auf halsbrecherische Mission begeben, wollen wir erst einmal sehen, was unser alter Ego noch so drauf hat. Doch wer ein 08/15 Intro erwartet, wo es einen Hindernisparkour zu bewältigen und auf ein paar Zielscheiben zu schießen gilt, irrt. Denn bereits hier schwingt Absolution eine gewaltige Story-Keule: Es gilt Diana, die ehemalige Kontaktperson von 47, die ihm am Ende des letzten Teils sogar das Leben rettete, zu eliminieren.
Wie? Was? Warum? Drei Fragen, die schnell aufkommen, wenn man die ehemalige, vertraute Kontaktperson töten soll. Nun, Diana hat einen folgenschweren Fehler begangen und sich mit der Agency angelegt, und niemand legt sich mit der Agency an. So gab sie wichtige Informationen preis und brachte damit die ICA fast zum Fall. Da schrillten natürlich die Alarmglocken bei der Agency und bei Benjamin Travis, der seinen besten Agenten, natürlich Nummer 47, auf Diana ansetzt, um sie zur Rechenschaft zu ziehen. Denn, wie gesagt, niemand legt sich mit der Agency an. Das Spiel startet nach einigen Zwischensequenzen, welche durchgehend brachial und grandios inszeniert sind, von der grafischen Pracht ganz zu schweigen. Agent 47 befindet sich bei einem Eiswagen vor Dianas Anwesen und der erste Auftrag ist, sich Stück für Stück durch das Anwesen zu arbeiten, dabei werden euch die grundlegenden Steuerungselemente erklärt. Wie ihr mit Kreis richtig in Deckung geht, Agent 47 macht nämlich keinen Halt an Ecken sondern läuft einfach ums Eck, wie Gegner mit der Klaviersaite lautlos ausgeschaltet und danach für Feinde unsichtbar in Containern verstaut werden. All das fühlt sich mehr als vertraut an, dennoch ist natürlich nicht alles beim Alten geblieben und an einige Sachen muss man sich erst mal etwas gewöhnen, möchte sie aber später nicht mehr missen. Dazu zählt auch das Zielen mit den Waffen. Drücken wir die R2 Taste nur leicht, konzentriert sich 47 stärker und das Fadenkreuz fokussiert sich auf den Punkt in der Mitte und auch das Spiel verlangsamt sich etwas, perfekt für zielgenaues Ausschalten, vor allem mit einem Scharfschützengewehr aus sicherer Entfernung. Ebenso muss sich erst einmal mit dem neuen Feature Instinkt vertraut gemacht werden. Dieses Feature ermöglicht es Agent 47 seine Instinkte zu schärfen und so Gegner im Sichtfeld, auch durch Wände, auszumachen und ihre Laufwege vorauszuahnen. Für den einen oder anderen alten Hasen durchaus ein Noob-Feature, doch Instinkt bietet noch mehr. Ist 47 zum Beispiel verkleidet, kann seine Tarnung von bestimmten Gegnergruppen, in der Regel die mit der gleichen Aufmachung, durchschaut werden, um dies zu verhindern drückt der gewiefte Spieler die L1 Taste und hält sie gedrückt. Agent 47 verdeckt dann sein Gesicht und wird so nicht mehr erkannt. Dabei schwindet jedoch eure Instinktleiste, womit erstens Eile geboten ist aus dem Sichtfeld der Gegner zu verschwinden und zweitens muss dringend ein Gegner ausgeschaltet werden oder ein Missionsziel erfüllt werden, um die Leiste wieder zu füllen. Doch Instinkt kann noch mehr, man möchte es gar nicht glauben: Stehen 47 mehrere Gegner gegenüber und sollen möglichst schnell ausgeschaltet werden, könnt ihr L1 und Vierreck gleichzeitig drücken und so eine Bullet-Time aktivieren. Ihr könnt dann die Gegner anvisieren und mit R2 Kugeln auf sie festlegen, ob diese tödlich sind, zeigt euch ein Totenschädel bei der Einschlagstelle an. Währenddessen schwindet allerdings die Instinkleiste, also sollten schnellstmöglich alle Gegner markiert werden und dann darf man sich zurücklehnen und 47 zusehen, wie er eine ganze Feindesgruppe eiskalt in Zeitlupenaktion ausschaltet. Die besseren Spieler erschaffen dann die epischen Szenen, wo 47 sechs oder mehr Gegner mit je einer Kugel pro Kopf ausschaltet und am besten noch, wenn der Hitman gerade umzingelt ist.
Damit darf sich in dem Level jeder vertraut machen, bis man schließlich vor Dianas Raum steht, hier startet eine Zwischensequenz, in der man sieht wie 47 Diana zwar anschießt, aber nicht tötet, das bringt selbst unser eiskalter Killer nicht fertig. Bevor Diana dann doch stirbt, hat sie eine letzte Bitte an 47. Er soll sich um ein Mädchen kümmern, das Diana vor der Agency gerettet hat, die an ihr Experimente durchführte, um sie zu einem ultimativen Hitman zu machen. Dieser Bitte kommt 47 auch nach, schnappt sich kurzer Hand das Mädchen und kündigt somit auch gleich seinen Job bei der Agency. Diese wollen das Mädchen aber unbedingt wieder haben und lassen nichts unversucht, um es zu finden und 47 zur Strecke zu bringen. Dabei gesellen sich aber noch andere Mitspieler dazu, denn wie gesagt, das Mädchen ist Dank der Experimente viel Wert und auch der Tod von 47 ist nicht für wenige uninteressant. Wie gesagt, niemand legt sich mit der Agency an. Damit beginnt auch die richtige Geschichte von Absolution, die es dabei gerade durch die Zwischensequenzen schafft wirklich zu begeistern und sich auch stetig steigert. Dabei dürfen verschiedene Orte wie ein Friedhof, ein Dorf in der Wüste und eine Waffenfabrik besucht werden. Je nach Einsatzort variiert auch durchaus der Spielstil.

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Wo kommt ihr denn plötzlich her

Ja, das hört sich bis hier hin alles schon zu schön an, um wahr zu sein und ist es im Bezug auf das Tarnsystem auch, denn gerade dies ist oft nicht sonderlich nützlich, da die Gegner, welche die Verkleidung durchschauen können, dies auch mit Leichtigkeit und auch aus größter Entfernung machen. Da ist es dann fast egal, ob ihr nun verkleidet seid oder nicht.
Dass es das mit den Unschönheiten in Hitman nicht ganz war, dürfte auch fast klar sein, so gesellt sich zu dem etwas unsinnigen Verkleidungprozedere auch noch ein unpraktisches Speichersystem. So speichert Hitman erst einmal an jedem neuen Bereich ab. So weit, so gut. Etwas schade ist hier nur, dass ihr nicht mehr in den vorherigen Bereich zurück könnt. Aber nun gut, kommen wir zu dem wirklich nervenden Punkt an der Speicherfunktion: Das sind über die Level verteilten Speicherpunkte, die ihr aktivieren könnt, aber definitiv nicht solltet. Dies liegt dabei einzig und alleine daran, das alle bisher getöteten Feinde wiederbelebt werden, nur eure erledigten Ziele bleiben bestehen. Dies führt dazu, dass sich 47 immer wieder von Feinden umzingelt wieder findet und manchmal startet man bei dem Punkt sogar so schlecht, das an ein Weiterkommen nicht zu denken ist. Doch nicht nur das Respawnen der Feinde ist dabei zu kritisieren, auch dass man nur an den gesetzten Punkten speichern kann und nicht wo und wann man will, ist nicht ideal, so wird der Reiz, die Welt genauer zu erkunden und einige Sachen auszuprobieren zurückgeschraubt. Da ihr teilweise eben eine ganze Strecke nochmal spielen müsst. Gerade hier ist auch die KI nicht sonderlich zuträglich, denn diese ist aufgrund ihrer Beschränktheit nicht immer berechenbar. So wird 47 mal nicht entdeckt, obwohl der Gegner fast neben ihm steht und ihm auch fast schon in die Augen sieht, ein anderes mal werden wir enttarnt, obwohl wir schon längst in einem anderen Raum sind. Wallhack for the win! Aber auch auf Ablenkungsmanöver reagieren Gegner oft sehr stumpfsinnig, wobei ihr es da in der Regel einfach habt, euch vorbei zu schleichen oder sie auszuschalten. Dennoch ist die KI durchgehend betrachtet nicht bodenlos schlecht, sie leistet sich hier und da aber schon etwas zu große Logik-Patzer. Doch insgesamt liefert Hitman: Absolution spielerisch ein noch sehr gutes Bild, was gerade an den vielen Freiheiten in den Leveln liegt, ob ihr nun wie ein Berserker alles töten wollt, was nicht bei drei verschwunden ist, oder ob ihr unbemerkt nur euer Ziel ausschalten wollt, für so ziemlich jeden Spieltyp findet sich ein Weg in Hitman. Und so wird Absolution spielerisch auch nie richtig langweilig, da ihr nach Lust und Laune spielen könnt und das alles auch etwa gleich gut funktioniert.
Über die erstklassigen Sequenzen sind ja bereits ein paar Worte gefallen, doch auch die allgemeine Spielgrafik ist es durchaus Wert, dass man das ein oder andere lobende Wort verliert. So sieht Absolution wirklich schön aus, die Level wurden liebevoll designt und grafische Schwachstellen finden sich nicht so oft. Gleiches gilt auch für den Sound, der auch, gerade was die musikalische Untermalung angeht, seines gleichen sucht. Technisch also eine fast optimale Vorstellung, die IO-Interactive abliefert.

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Hitman vs Hitman

Wer neben der doch etwas kurz geratenen Story, die zwar noch einige Challenges und Freischaltungen bietet, einen Kaufgrund für Absolution sucht, wird ihn im Contracts Modus finden. Hier dürft ihr eigene Herausforderungen erstellen und mit der Welt teilen. Schon alleine die zur Verfügung stehenden Level sind überragend und entstammen alle der Haupthandlung. Im Anschluss müsst ihr dann Startwaffe und –Verkleidung festlegen und startet dann in den Level. Hier wollen als nächstes die Ziele festlegt werden, doch dafür ist erst einmal euer Skill gefragt, denn einfach editormäßig einen Level erstellen, ist nicht. Ihr müsst den Level selber spielen und erstellt dabei die Zielvorgaben, so wird garantiert, dass der Level auch Minimum einmal geschafft wurde und ihr könnt so gleich euren Skill der Welt demonstrieren. Während ihr also durch den Level lauft, könnt ihr bis zu drei Ziele festlegen, diese müsst ihr dann auch ausschalten und setzt so die Parameter für die Mission fest, also ob man außer den Zielen niemanden erledigen darf, ob man nicht entdeckt werden darf, ob man sich nicht verkleiden darf und auch die Waffen, mit denen die Ziele erledigt werden sollen, können festgelegt werden. Dafür müsst ihr beim Erstellen die Ziele aber auch mit der gewünschten Waffe erledigen. Somit führt dieser Modus nun im großen Umfang dazu, dass man sich mit den Leveln genauer auseinandersetzt, schließlich will man den Freunden und anderen Spielern eine richtige Herausforderung bieten, welche nach Möglichkeit natürlich von möglichst wenigen nur bestanden wird.
Wer auf das Erstellen weniger Lust hat, was im Übrigen doch recht einfach geht, kann auch einfach nur die Level von Freunden oder der Community spielen und so sein Können unter Beweis stellen. Aufgrund der großen Auswahl an Leveln, Zielen und Wegen diese zu erledigen, hebt sich hier die Spieldauer und auch die Langzeitmotivation, zudem ihr die in den Aufträgen verdienten Erfahrungspunkte für neue Waffen, Verkleidungen, etc. ausgeben könnt.

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Fazit

Nummer 47 ist zurück und hat nichts verlernt, im Gegenteil hat der gealterte Hitman noch den einen oder anderen nützlichen Trick dazu gelernt. Doch wie man sich richtig verkleidet und nicht entdeckt wird, da muss Agent 47 noch einmal üben. Trotzdem meuchelt, schleicht und ballert sich 47 im Anzug in gewohnter Badassmanier durch die Missionen. Und wo nach ca. acht Stunden Storyline Schluss ist, springt der Contracts-Modus ein, der vielfach fordernder sein dürfte als die Story-Missionen. Aber auch äußerlich macht Hitman eine sehr gute Figur und bringt euch eine Grafik- und Soundpracht, die gerade in den Zwischensequenzen ihresgleichen sucht. Hitman: Absolution sollte damit schon jetzt in jedem Regal eines Hitman-Fans stehen und bald auch in denen von anderen Stealth- und Meuchel-Fans, aber auch jene unter euch, die auf epische Ballereien im Bullet-Time Stil stehen, sollten mehr als nur einen Blick riskieren. Einer der Top-Titel des Jahres.

Gutes

+ etliche Möglichkeiten seine Ziele zu erfüllen
+ Agent 47 ist zurück
+ atemberaubende Zwischensequenzen
+ Motivierender Onlinemodus

Schlechtes

- KI Ungereimtheiten
- Wahlspeicherpunkte lassen Gegner respawnen
- Verkleidungen nicht sehr effektiv

9.0 Must Have

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