Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2

Getestet von | 31.07.2011 um 00:00 Uhr

Der Name Harry Potter ist weltbekannt. Sogar wir Muggel wissen inzwischen, wer dahinter steht. Es ist DIE Geschichte des 21. Jahrhunderts. Hunderte Millionen von Menschen können sich nicht irren. Weiterhin ist der Name Harry Potter inzwischen eine Gelddruckmaschine. Die Filmindustrie hat es erkannt und in bare Münze umgesetzt. Die Spieleindustrie konnte bis jetzt nicht die Einnahmen erzielen, die sie sich erwünscht hat. Daran haben Entwickler und Publisher bislang aber selbst Schuld. Die letzten Auskopplungen um den jungen Magier aus dem dem Ligusterweg Nummer 4 waren fauler Zauber. Ob der grandiose Abschluss der Geschichte jetzt ein würdiges Ende auf der PS3 findet, lest ihr in dieser Review.

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Die Heiligtümer des Todes

Drei Artefakte, die drei jungen Magier der Saga nach dem Tod persönlich entlockt haben. Sie sind der Schlüssel zu vollkommener Magie. Voldemort will sie, um noch mächtiger zu werden. Den Elderstab hat er bereits. Jetzt fehlen noch der Stein der Auferstehung und der Umhang, der ihn unsichtbar macht. Er ist auf der Suche danach und auf der Suche nach Harry Potter, dem einzigen Fleck auf seiner schwarzen Weste. Der Junge, der überlebte. Niemand darf leben, wenn der Dunkle Zauberer es nicht gestattet und so muss Harry Potter sterben. So leicht lässt sich der inzwischen groß gewordene Mr. Potter aber nicht fangen. Im Gegenteil, der Junge holt zum Gegenschlag aus. Die Horkruxe, die Voldemort am Leben halten sind sein erklärtes Ziel. Noch weiß der Dunkle Lord nichts von Harrys Mission. Und so kann dieser zusammen mit Ron und Hermine noch unbekümmert auf die Jagd nach den Artefakten gehen. Die drei sind sich sicher, dass ein Horkrux im Verließ von Bellatrix Lestrange bei Gringotts auf sie wartet und so beginnt die Kampagne zum letzten Teil mit einem kleinen Banküberfall. Allerdings ist diese Bank ein wenig anders.

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Hogwarts wird fallen

Zumindest wenn es nach Voldemort und seinen Todessern geht. Die Freunde von Harry Potter sind seine Feinde. Nachdem sämtliche Seelenstücke von Voldemort ausfindig gemacht wurden, geht es zurück in die Zaubererschule und auf zum großen Showdown. Sollte wirklich irgendjemand noch nicht wissen, wie es weitergeht, wird er es hier jetzt nicht mehr erfahren. Nur so viel sei gesagt: Das Ende der Harry Potter Saga ist grandios. Die Umsetzung auf der PS3 ist es leider nicht. Die Atmosphäre, die das Buch und der Film vermitteln ist leider nicht einmal annährend von Electronic Arts eingefangen worden. Harry Potter 7.2 spielt sich wie ein mittelmäßiger Shooter. Schlauchförmige Levels geben den Weg durch die letzten Stunden des erwachsen gewordenen Harry vor. An jeder Ecke tauchen je nach Schwierigkeitsgrad dutzende von Todessern auf, die mit einer Hand voll Zaubersprüchen aus dem Weg geräumt werden müssen. Die Story ist vorgegeben und unterscheidet sich in keiner Weise von J.K. Rowlings Vorlage, zumindest nicht vom Kinofilm. Neben der Kampagne gibt es keine nennenswerten Spielmodi. Bei einem so reinrassigen Shooter wie Harry Potter hätte zumindest ein vernünftiger Multiplayer mit an Bord sein dürfen. Ein freier Spielmodus inklusive Herumstöbern in einer zerstörten Zaubererschule bleibt uns ebenfalls verwehrt. Positiv neben der authentisch umgesetzten aber leider kaum packenden Story ist, dass wir in die Rolle praktisch jedes Magiers schlüpfen, der Harry auf seiner letzten Mission zur Seite steht. Mit Ron und Hermine geht es auf die Suche nach einem Basiliskenzahn während Neville dem guten Seamus Finnigan beim Anbringen von Sprengfallen in luftiger Höhe Deckung gibt. Professor McGonnogal nimmt es mit riesigen Trollen auf und gegen wen Harry noch antreten muss, kann sich wohl jeder denken. In ihrer Spielweise unterscheiden sich die Charaktere leider gar nicht voneinander. Nach und nach werden neue Magiefähigkeiten frei und nach sechs Stunden ist der Spuk vorbei. Der Umfang ist eher begrenzt.

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Abrakadabra

Der Aufwand, den EA bei der Erstellung der Geschichte gespart hat, hätte gern in etwas mehr technischen Feinschliff investiert werden können. Die Grafik ist von gestern. Verwaschene Texturen und wenig Weitsicht sind bei Open World Games noch zu ertragen. Bei Schlauch-Shootern tolerieren wir das nicht mehr. Es hat den Anschein, dass die letzten beiden Harry Potter Spiele, genau wie der Film, gleichzeitig abgedreht wurden. Der Sound ist ordentlich und die Synchronisation mit den Originalstimmen passt. Auch die Steuerung ist intuitiv und schnell erlernt. Zugegebenermaßen gibt es auch nicht viel, was der Zauberlehrling beherrschen muss. Von gefühlten einhundert Zaubersprüchen aus dem Harry Potter Universum haben es gerade mal acht bis ins Spiel geschafft. So verbleibt es bei gelegentlichem Switchen zwischen Stupor und Expelliarmus. Wer auf Vielseitigkeit steht, kann noch Confringo und Petrificus Totalus dazwischenschalten aber letztendlich ist der Unterschied kaum spürbar. Einfach Losballern und der Rest kkommt von alleine. Auf höherem Schwierigkeitsgrad sind die ständig auftauchenden Gegnerscharen wirklich nervtötend aber irgendwie muss man das Spiel ja in die Länge ziehen.

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Abspann

Für uns Spieletester ist es immer am einfachsten über etwas zu schreiben, was uns gefällt. Problematisch wird das nur dann, wenn dieser Favorit vom Entwicklerstudio so verunstaltet wird, dass nichts mehr vom Spaß an der Geschichte übrig bleibt. Wenn das die Mission von Electronic Arts war, haben sie ganze Arbeit geleistet. Harry Potter 7 endet mit einem Knall. Das ist im Buch so und das ist auch im Film so. Im Videospiel sieht das leider anders aus. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 ist ein mittelklassiger Ego-Shotter ohne Atmosphäre und technischen Feinschliff. Selbst Hardcore-Fans dürften an diesem Spiel kaum Freude haben. Schade dass die Geschichte so enden muss. Der arme Snape würde sich im Grabe umdrehen.

Gutes

Fast alle Charaktere spielbar
Originalstimmen

Schlechtes

Einseitiges Gameplay
Keine Kino-Atmospäre
Veraltete Grafik

5.5 Fans only

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