Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 – Review

Getestet von | 19.12.2010 um 00:00 Uhr

Das Ende naht! Harry Potter ist erwachsen geworden und kurz davor, den Schutz vor Lord Voldemort zu verlieren. Die letzten Geschichten um den Zauber-Prinz sind düster geworden. Das wissen wir aus den Büchern, Filmen und nicht zuletzt aus den vorangegangenen Spielen der Harry Potter Saga. Das Ende der Geschichte wurde auf Verlangen von J.K.Rowling schon im Kino auf zwei Filme verteilt. Dieser Vorgabe steht Electronic Arts in nichts nach und präsentiert uns Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1. Fans der Geschichte wissen, wie der Kampf zwischen Harry und seinem Todfeind enden wird. Wie sich der erste Teil des Endes der Geschichte auf der Playstation 3 spielen lässt, erfahrt ihr bei PS3inside.

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Mission Impossible

Nach dem Tod von Dumbledore und der Flucht der Todesser ist die Zauberergemeinschaft paralysiert. Die letzte Hoffnung scheint dahin und es herrscht Krieg zwischen den Anhängern des Dunklen Lords und den paar Zauberern und Hexen, die nicht seiner Ideologie folgen. Die guten Zauberer werden ermordet und Muggel sterben wie die Fliegen. In diesen dunklen Zeiten ist es nur noch Harry Potter, der Voldemort offen die Stirn bietet. Der Orden des Phönix kann ihn noch schützen aber an seinem siebzehnten Geburtstag erlischt der Schutzzauber und dann ist er nirgendwo mehr sicher. An dieser Stelle beginnt das Abenteuer. In einem rasanten Intro rasen wir mit Hagrid auf seinem Zaubermotorrad durch den Nachthimmel als unzählige Todesser erscheinen. Mit „Stupor“ feuert Harry die Bösewichte von ihren Besen. Das Intro dient zum Erlernen der Steuerung. Nachdem die Bedrohung ausgeschaltet und Harry im sicheren Fuchsbau ist, wird das dynamische Trio komplettiert. Ron und Hermine kommen feierlich gekleidet zum gerade aus der Bewusstlosigkeit erwachenden Harry und klären ihn auf. Während der Auserwählte sofort auf die Jagd der Zauberartefakte gehen will, die Voldemort am Leben halten, holen seine Mitschüler ihn auf den Boden zurück. Eine Hochzeit steht an. An dieser Stelle, nach fünf Minuten Spielzeit, wird bereits klar, dass die Geschichte stark gekürzt erscheint. Gleichzeitig wurde vermutlich aus redaktionellen Gründen hier und da die Original-Story verändert. So ist es beispielsweise nicht der Zauberei-Minister, der authentischerweise das Erbe Dumbledores an die drei Zauberschüler aushändigt sondern Ron Weasleys Vater, der die Zeremonie hinter irgendeinem Schuppen vornimmt. Da der Minister kurze Zeit später wieder in Anlehnung an die Original-Story das Zeitliche segnet, konnte auf diese Weise zumindest eine Digitalisierung der Charaktere gespart werden. Eine andere logische Erklärung gibt es für diese Veränderung der Geschichte nicht. Die Story kann insgesamt nicht einmal mit dem Umfang des Films mithalten, von der Atmosphäre des Buches ganz zu schweigen. So dürfte bei einem Neuling der Harry Potter Saga die eine oder andere Wendung während der Story für Verwunderung sorgen. Einzelne Fragmente wirken aus dem Zusammenhang gerissen und schlichtweg unlogisch.

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Vom spielerischen Anspruch her hat sich der neueste Teil ebenfalls verändert. Wo wir damals noch voller Neugier durch die heiligen Hallen Hogwarts wandeln durften, beschränkt sich der neueste Ableger auf Action, Action und nochmals Action. Die meiste Zeit schleudert der Spieler wild mit Abwehr- und Entwaffnungszaubern herum, um sich Todesser und Dementoren vom Hals zu halten. Verschnaufen kann man nur, wenn man ausnahmsweise versucht, unter dem Tarnumhang dem Gefecht aus dem Weg zu gehen. Das ist aber leider nicht immer möglich und so wird der Spieler praktisch durch die Geschichte der ersten Hälfte des letzten Buches gedroschen, ohne auch nur die Möglichkeit zu haben, die fantastische Atmosphäre aufzunehmen, die die Geschichte bietet. Neben der Story stehen noch die Herausforderungen auf dem Stundenplan. In diesen können verschiedene Zauber angewendet werden, um Highscores zu erzielen. Der Herausforderungsmodus ist nicht der Rede wert und bietet für ein paar Minuten Spielspaß bevor er vermutlich nie wieder angerührt wird. Der Umfang ist mehr schlecht als recht. Dem Spieler wird nicht nur eine stark gekürzte und zum Teil abgewandelte Story präsentiert. Der Gesamtumfang des Spiels ist mit der Story auch schon fast beschrieben. Der lächerliche Herausforderungsmodus und keine Multiplayermöglichkeiten lassen die geniale Geschichte als schlechte Videospiel-Portierung erscheinen.

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Lumos

Auf technischer Seite kann Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 zumindest teilweise wieder an Boden gewinnen. Die Grafik ist zwar leicht veraltet, Charaktere und Locations sind aber hübsch anzusehen. Richtig Mühe wurde sich aber nur bei den Hauptdarstellern gegeben. Die unzähligen Charaktere, die Harry in Gespräche verwickeln kann, wirken lieblos dahingeklatscht. Soundtechnisch muss sich der Action-Shooter ebenfalls nichts vorwerfen lassen. Die Musik ist situationsbezogen und trägt zu dem Teil Spannung bei, den die Entwickler noch übrig gelassen haben. Die Synchronisation ist gelungen aber auch hier unterscheidet EA zwischen Haupt- und Nebendarstellern. Während bei erster Gattung die einzelnen Worte praktisch von Lippen abgelesen werden können, bewegt sich die Futterluke unwichtiger Charaktere noch Sekunden weiter nachdem sie längst aufgehört haben zu sprechen. Die Steuerung wirkt schwammig, ohne dabei ungenau zu sein. Mit R1 kann zwischen den verschiedenen Zaubern umgeschaltet werden und die Viereckstaste zwingt Harry in Deckung, wenn das Gegner-Feuer zu stark wird. Wirklich nervig ist, dass der Auserwählte nicht springen kann und so muss selbst bei niedrigen Hindernissen ein Umweg genommen werden, um zum Ziel zu gelangen. Die Kreistaste ist aber für den Vier-Punkt-Zauber vorgesehen und bei Aktivierung wird der Weg gezeigt. Das entspricht dem durchgängig flachen Schwierigkeitsgrad, den auch ständig aufpoppende Gegner nicht anheben können. Diese verhalten sich auch in Massen nicht intelligent und so muss wirklich nur in äußersten Notfällen eine Deckung aufgesucht werden. In der Regel können die Gegner einer nach dem anderen mühelos ausgeknipst werden.

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Der Auserwählte?

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 ist ein erneut gelungener Versuch, den Fan der Geschichte das Geld aus der Tasche zu leiern. Wer die letzten sieben Jahre ein Fan vom Zauberlehrling geworden und der Geschichte verfallen ist, wird das Spiel vermutlich nicht einmal durchspielen wollen. Und wer noch nicht von Harry Potter verzaubert wurde, der wird es durch dieses Spiel erst recht nicht werden. Dieses Spiel ist die schlechteste Auskopplung, die bis jetzt präsentiert wurde. Das einzige, was dem Werke von Electronic Arts und Warner Bros. zu Gute gehalten werden kann ist, dass die veraltete Technik wenigstens fehlerfrei läuft. Aufgrund mangelnden Umfangs und dahingeklatschter Geschichte eignet sich Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 wirklich nur für Fans, die die Sammlung komplettieren wollen. Alle anderen sollten lieber die Finger davon lassen.

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Gutes

Harry Potter
Gelungener Soundtrack

Schlechtes

Unlogische Story
Keine Atmosphäre
Geringer Umfang

5.5 Fans only

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