GTA IV – Review

Getestet von | 26.04.2009 um 00:00 Uhr

Nach monatelanger Verspätung kam im letzten Jahr ein Spiel auf dem Markt, worauf die ganze Welt gewartet hat. Ein Spiel, das ein eigenes Genre kreiert hat. Ein Spiel, dessen Vorgänger wahrscheinlich bei jedem Gamer auf diesem Erdenball schon einmal in der Konsole rotierte. Die Rede ist natürlich von GTA. Das Sandbox-Game ist älter als PS3INSIDE.de aber in diesem Fall stört uns das nicht. Wir MÜSSEN einfach unseren Senf dazu geben! Die Verspätung unserer Review hat aber auch ihr Gutes. Wir haben GTA IV inzwischen mehrfach durchgespielt und haben uns so einen noch besseren Eindruck vom Spiel verschaffen können. Hier ist sie also, die PS3INSIDE-GTA IV-Review.

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The Big Apple

Die Handlungen des Hauptdarstellers Niko Bellic führen uns nach Liberty City ins 21. Jahrhundert. Nach den 80er Jahren von Vice City hat uns die Gegenwart wieder eingeholt. Der Name der Stadt aus GTA III ist gleich geblieben. Das war’s dann aber auch schon. Liberty City ist der „City that never sleeps“ nachempfunden. Und das in vielerlei Hinsicht nahezu perfekt. Der Flair von New York wurde perfekt eingefangen und gleichzeitig wird es vielfach auf die Schippe genommen. Die Freiheitsstatue heißt in GTA IV „Statue of Happiness“. Anstatt einer Fackel trägt das Symbol amerikanischer Freiheit im Spiel einen riesigen Starbucks Kaffeebecher und grinst hämisch über der Stadt. Die Stadt ist randvoll mit solch kleinen Spielereien des Entwicklerteams. Sie behält aber dennoch das realistische Gefühl dieser Großstadt, wie man es sich vorstellt. Anstatt leerer Straßen rollt der Verkehr durch die Gassen und unzählige Fußgänger gehen unterschiedlichen Tätigkeiten auf dem Weg zur Arbeit nach. Der eine telefoniert während die andere die Zeitung liest. Und der Dritte schleppt den dampfenden Kaffeebecher durch die Gegend, der in Stein gemeißelt auf Happiness Island thront. Es macht einfach Spaß, sich jede Ecke in Liberty City anzuschauen. Es gibt soviel zu sehen noch bevor überhaupt eine Mission angefangen wurde. Das ist es, was GTA schon immer ausgemacht hat. Und auch dieses Mal hat Rockstar diese Mission erfüllt und zwar mit Bravour. Wie eingangs erwähnt spielen wir Niko Bellic, einen Serben, der über den großen Teich kommt, um seine Vergangenheit zu vergessen und abzurechnen. Sein Cousin Roman lebt seit einigen Jahren in Liberty City und er hat Niko von unglaublichem Reichtum erzählt, den er bereits errungen hat. In Wahrheit ist Roman Besitzer eines runtergekommenen und verschuldeten Taxiunternehmens und hat jede Menge Ärger am Hals. Nach anfänglichem Unmut über die frechen Lügen seines Cousins macht Niko sich auf, ihn aus den unzähligen Schwierigkeiten heraus zu schlagen, mit denen er zu kämpfen hat. Blut ist nun mal dicker als Wasser. Die verschiedenen Missionen gehen anfangs locker von der Hand. Der Schwierigkeitsgrad steigt stetig an und erst, wenn sich ein reichhaltiges Sammelsurium an Waffen in unseren Taschen befindet, werden diese in der Regel auch benötigt. Es sei denn, wir versuchen in die zuerst gesperrten Bezirke der Stadt vorzudringen. Die Polizeiarmada macht dann ziemlich eindeutig klar, dass diese Bezirke doch bitte erst zu betreten sind, wenn der Missionsstrang dies erlaubt.

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Big Trouble in Little China

Die Missionen selbst gestalten sich GTA-typisch. Feinde der Familie Bellic müssen eingeschüchtert oder ausgeschaltet werden. Drogen werden durch die Stadt gefahren und Babysitting für die Freunde der Auftraggeber gehört anfangs ebenso zum Arbeitsalltag. Die typischen Autorennen sind etwas in den Hintergrund geraten. In den vorherigen Teilen haben diese Missionen für den meisten Frust gesorgt. Ein Fahrfehler und die Mission war gelaufen. Autorennen können immer noch gefahren werden. Sie kommen jedoch so gut wie gar nicht mehr im Haupthandlungsstrang vor. Also bleibt es jedem selbst überlassen, ob er sich diesen – immer noch ziemlich schweren – Herausforderungen annimmt. Das widerrechtliche Aneignen der Fahrzeuge dauert in GTA IV ein wenig länger. Zuerst muss die Scheibe eingeschlagen werden und dann wird die Karre kurzgeschlossen. Da gehen schon ein paar Sekunden vorüber bis das neue Gefährt auf der Flucht vorm nächsten Streifenwagen ist. Die Polizei arbeitet jetzt mit Funk und gibt den Kollegen bei Fahndungslevel den jeweiligen Standort von Niko durch. Je nach schwere des Vergehens erhöht sich der Fahndungslevel und damit auch der Kreis, in dem die Polizei nach uns sucht. Diesen Kreis müssen wir verlassen, dann finden uns die Cops nicht mehr. Da der Fahndungskreis bei 5 Sternen jedoch relativ groß ist, hilft manchmal nur noch eine Fahrt zum altbekannten Pay`N`Spray. Als nützliche Neuerung erweist sich das Handy. Eigentlich ist Niko die ganze Zeit am telefonieren. So bekommt er seine Missionen, pflegt die Freundschaften und ruft sich ein Taxi. Man hat einfach nirgendwo seine Ruhe! Der spätere E-Mail-Zugang verschafft unserem Hauptdarsteller weitere Missionen und das eine oder andere heiße Date. Der Teufel liegt bei GTA IV im Detail. Mit Innovationen hat sich das Team von Rockstar nicht gerade bekleckert. Aber eigentlich war es auch genau das, was wir alle erwartet hatten. Never Change a runnig System!

Rumble in the Bronx

Die Steuerung durch Liberty City ist gelungen. GTA lies sich schon immer angenehm bedienen. Gegenüber den Vorgängern ist sie bei GTA IV aber nochmals verbessert worden. Bei Autofahrten gibt es vier verschiedene Kameramodi. Die klassische Ansicht wurde leicht verändert und ist in der Praxis am ehesten zu gebrauchen. Das Handy ist über die Richtungstasten zu bedienen und gefeuert wird über die linke Schultertaste. Das automatische Zielen funktioniert ausgezeichnet und mit dem rechten Analogstick sind Feinkorrekturen möglich. Mit ein wenig Übung können die Kopfschüsse perfektioniert werden. Ein kleiner Ruck am rechten Stick wechselt zum nächsten Ziel. Gleichzeitig bietet der Controller die Möglichkeit bei halb durchgezogener Schultertaste frei zu zielen. Gerade bei Scharfschützengewehr & Co ist dieser Zielmodus unverzichtbar. Die neue Rumble-Funktion der Controller wird selbstverständlich auch unterstützt und per Sixaxis lassen sich alle möglichen Fahrzeuge über die Karte steuern. Da diese Methode aber ein wenig übungsintensiv ist, ist im Handy-Menü ein Sixaxis-Tutorial verlinkt. Die Steuerung des Motorrads ist ein wenig fummelig. Die Boote und Helikopter lassen sich über die Bewegungssensoren aber fast besser bedienen als über die herkömmliche Art und Weise. Die KI ist durchgängig gut. Die Gegner suchen hinter jeder Möglichkeit Deckung. Selbst die Passanten auf der Straße haben ein gutes Gedächtnis. Nach ein wenig Randale will der ortsansässige Hot Dog Verkäufer nichts mehr von Niko wissen. Den nötigen Energieschub müssen wir uns dann wohl woanders holen. Die beraubten Autobesitzer reagieren auch alle unterschiedlich. Das brave Mütterchen sucht meistens schreiend das Weite. Unangenehmere Zeitgenossen sind dagegen schon manchmal auf Prügel aus. Da hilft nur ein gezielter Schuss mit der Schrotflinte in die Magengegend. Gelegentliche Aussetzer der KI lassen sich bei diesem Umfang aber nicht vermeiden. Wer einen unruhigen Magen hat, sollte deshalb besonders die Taxifahrten meiden oder überspringen. Das kann man sich wirklich nicht anschauen, wie der unfähige Fahrer in nahezu jedes Hindernis kracht. Die Steuerung ist insgesamt schnell verinnerlicht. Selbst die neuen Elemente wie das Aufsuchen der Deckung oder die Klettereinlagen von Niko gehen schnell in Fleisch und Blut über.

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Apropos Blut

Davon gibt es bei GTA IV selbst in der deutschen Fassung nicht gerade wenig. Die Ankündigung, das Spiel in Deutschland ungekürzt auf den Markt zu bringen hat sich also bewahrheitet. Das ist uns sogar das rote Siegel der USK wert. Eine Synchronisation der Charaktere gibt es nicht. Lediglich ein deutscher Untertitel ist vorhanden. Die Sprüche der unzähligen Menschen im GTA-Universum sollten auch besser im Original verbleiben. Die vierzehn Radiosender bieten für jeden Geschmack das Richtige, egal ob Rock, Reggae oder spanische Rhythmen verlangt werden. Selbst das Fernsehprogramm im Spiel bietet schier unendlich andauernde Unterhaltung. Die Fernsehspots sollte man sich ruhig mal antun. Der Umgebungssound gibt das Großstadtleben realitätsgetreu wieder. Überall hupen die Autos, Menschen fluchen und liebestolle Frauen wollen ihre Dienste anbieten. Unterstrichen wird das Ambiente durch die Grafik. Fotorealismus steht nicht auf dem Programm. Bei einem so umfangreichen Spiel ist das aber auch schlecht umzusetzen. So grenzen sich nicht begehbare Gebäude ganz klar durch die matschigen Texturen in den Schaufenstern von den begehbaren Gebäuden ab. Explosionen sehen dafür gewaltig und jedes Mal anders aus. Ebenso der Regen, der auf die Straße prasselt. Der realistische Tag- und Nachtwechsel zaubert immer wieder tolle grafische Situationen auf den Bildschirm. So sieht ein Sonnenaufgang auf der „Freiheitsstatue“ gleich ganz anders aus als in den Häuserschluchten von „Manhattan“. Die Fahrzeuge sind gut gelungen. Der Gummiabrieb auf der Straße zeugt ebenso von realistischem Fahrgefühl wie der Funkenschlag bei Fahrten auf purer Felge. Es ist nicht die butterweiche Grafik, die GTA IV so gut aussehen lässt. Es ist das Gesamtpaket, das einfach einen realistischen Eindruck von der Stadt vermittelt.

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Premiere

Multiplayer passte in der Vergangenheit ungefähr so gut zu GTA wie Sahne zu Pommes. Allenfalls die Storyversionen von Liberty City oder Vice City für die PSP haben aber gezeigt, dass es auch anders geht. Online können sich bei GTA IV bis zu sechzehn Spieler die Köpfe einschlagen. Hier geht es um den schnöden Mammon. Gewonnen hat, wer bei Ablauf der Zeit das meiste Geld auf dem Konto hat. Zusätzlich gibt es einen Koop-Modus, der mit bis zu vier Teilnehmern spielbar ist. Zu Beginn muss der Charakter erstellt werden. Niko Bellic steht nicht zur Auswahl. Ansonsten kann je nach Geschmack ein Männlein oder ein Weiblein mit mehreren Outfits erstellt werden. Als Spielvarianten stehen neben Deathmatch und Team Deathmatch noch über zehn andere Modi zur Verfügung. Bei Mafia Work treten bis zu acht Teams gegeneinander an. Alle bekommen den gleichen Auftrag. Die Lorbeeren erntet, wer diesen zuerst abschließt. Bei Car Jack City müssen Autos geklaut werden. Karren mit Drogen bringen besonders viel Geld. Ansonsten richtet sich der Gewinn nach Zustand des Fahrzeugs. Ein Rennmodus darf natürlich auch nicht fehlen. Bis zu 16 Spieler können sich wahlweise mit oder ohne Waffen auf den Weg zum nächsten Checkpoint machen. Der freie Modus erlaubt es allen Mitspielern sich in Liberty City quasi vogelfrei zu bewegen. Erlaubt ist, was Spaß macht. Die Onlinemöglichkeiten bei GTA IV sind so vielseitig, dass sie eigentlich eine eigene Review verdient hätten. Um es kurz zu machen: Es macht genauso viel Spaß wie die Kampagne und wird nur durch gelegentliche Ruckler ein wenig getrübt.

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Chapeau

Was soll man als Fazit zu GTA IV schreiben? Die Euphorie und Begeisterung, die dieses Spiel bei uns hervorgerufen hat ist dem aufmerksamen Leser sicherlich nicht entgangen. Bei GTA IV stimmt einfach alles. Die grenzenlose Freiheit von Liberty City ist offline und online einfach konkurrenzlos. Kenner der Serie haben genau das erwartet und Neulingen im Genre der Sandkastenspiele sei dieses Spiel wärmstens ans Herz gelegt. Die Story ist mitreißend und verschlingt jeden Spieler vom ersten Moment an. Dass alles nahezu fehlerfrei läuft ist fast unglaublich und scheint geradezu selbstverständlich. Anfängliche Schwierigkeiten wurden von Rockstar per Patch unverzüglich nachgebessert. Viele hundert Stunden Spielspaß sind bei voller Ausnutzung von GTA IV garantiert. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Gutes

Gigantische Spielwelt
Tolle Geschichte
Riesiger Onlineumfang
Technisch einwandfrei

Schlechtes

Bei leichten grafischen Abstrichen

9.0 Must Have

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