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GoldenEye 007: Reloaded – Review

Artikel von | 16.11.2011 um 00:00 Uhr

GoldenEye 007 für Nintendo 64 war im Jahr 1997 ein Meilenstein im damals noch überschaubaren Ego-Shooter-Genre auf Konsolen, löste auch einen wahren Boom aus. Mittlerweile vergeht kaum ein Monat ohne nennenswerten Genre-Nachschub, bleibt da überhaupt noch Platz für eine moderne Neuauflage des Klassikers neben Call of Duty Modern Warfare 3 und Battlefield 3? Wir haben klare Antworten ausspioniert und niedergeschrieben.

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GoldenEye mit Daniel Craig

Wer neben dem Spiel auch noch den gleichnamigen Kinofilm von 1995 mit Schauspieler Pierce Brosnan in Erinnerung hat dürfte eine erste Änderung bereits auf der Spielverpackung erkennen. Daniel Craig übernimmt die Hauptrolle, der aktuelle Bond-Darsteller der letzten beiden Filme und eigentlich auch bereits Auslaufmodell wegen seines angekündigten Rückzugs nach dem nächsten Abenteuer. Doch auch sonst hält sich GoldenEye 007: Reloaded nur ziemlich oberflächlich an die Vorlagen, was einige Verschlimmbesserungen zur Folge hat. Die Ausgangslage ist aber beinahe identisch geblieben: Vom britischen Geheimdienst MI6 erhalten 007 und sein Kollege 006 den Auftrag, eine Chemiewaffenfabrik der Russischen Föderation zu manipulieren. Damit es nicht langweilig wird verläuft natürlich nicht alles nach Plan, ein Agent bleibt auf der Strecke und die weitere Jagd nach dem skrupellosen General Ouromov und der Goldeneye-Waffe führt James Bond durch abwechslungsreiche Schauplätze wie Barcelona, London oder Sankt Petersburg. Es passiert zwar ziemlich viel und Zwischensequenzen in Spielgrafik sorgen für ein ordentliches Mittendrin-Gefühl, auf der anderen Seite wird kein Klischee ausgelassen und wirklich überraschend präsentiert sich der sechs- bis achtstündige Plot nicht wirklich. GoldenEye 007: Reloaded ist auch in diesem Bezug ein Oldschool-Shooter, was sich abseits der Geschichte im Gameplay noch deutlicher niederschlägt.

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John-James Rambo-Bond

Auf dem Papier ist GoldenEye 007: Reloaded ziemlich abwechslungsreich, Baller- sowie Schleichabschnitte wechseln sich ab oder sind auch schon mal nach eigenem Ermessen möglich. Problematisch hierbei ist eine nicht perfekte Balance, denn Ballereien gestalten sich deutlich unkomplizierter, auch wenn weitaus mehr Widersacher vorstoßen. Die sollten aber nur auf dem höchsten von vier Schwierigkeitsgraden eine echte Herausforderung sein, denn sie suchen im Gegensatz zu uns einfach viel zu selten Deckung sondern stehen da wie in der Kirmes-Schießbude oder laufen überwiegend wie lebensmüde Lemminge direkt ins Verderben während es das Spiel zeitweise mit einfallslosen Skriptsequenzen oftmals übertreibt: Rumms – Feuer – Rumms – Rohr platzt – Rumms – wieder Feuer – Rumms – Rohr platzt, usw.. Daran hat man sich schnell satt gesehen. Doch Obacht bei der Rambo-Spielweise: Deckungsmöglichkeiten sind zerstörbar und lösen sich nach Feindbeschuss nach kurzer Zeit auf. Einen Versuch sind die Schleichereien trotzdem wert, das hilfreiche Radar zeigt Gegnerpositionen an, so ist neben richtigem Timing zum geschickten vorbeipirschen oder Ausschalten noch die Ausschau nach reichlich vorhandenen Lüftungsschächten gefragt um Problembereiche einfach zu umgehen.

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Ohnehin sollten Räume genauer abgelaufen werden, denn zu jeder Hauptaufgabe zählen auch optionale Nebenziele. Auf einem gekaperten Boot kann der Spieler Geiseln befreien, die Vorgehensweise erinnert an Call of Duty: Tür geht auf, im Zeitlupenmodus Geiselnehmer erschießen, Geiseln befreit. Simple Bonusziele, aber doch irgendwie für das Bond-Feeling unumgänglich weil hier vermehrt Smartphone-Gadgets zum Einsatz kommen um etwa Dokumente abzufotografieren oder Computer zu hacken. Insgesamt nutzt der Titel sein Gadget-Angebot viel zu selten, setzt im Gegenzug vielmehr auf ein reichhaltiges Waffenarsenal, von dem der Spieler drei Schießprügel gleichzeitig tragen darf. Zumindest hat man noch an die legendäre Panzerfahrt gedacht, auch wenn sie heutzutage etwas zu simpel wirkt. Mehr ärgern in den schlauchartigen Levels während der sechs Missionen noch Kleinigkeiten wie automatisch schließende Türen und sich in Luft auflösende Gegner, die nur noch ihre Waffen hinterlassen. Im Jahr 2011 wirken solche Vorkommnisse nicht mehr zeitgemäß.

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Agentenversammlung und MI6-Zugabe

Nicht mehr als eine mittelmäßige Spielzeit-Verlängerung ist der MI6-Modus leider nicht geworden. Es gilt in den Herausforderungen Anschlag, Eliminierung, Tarnung und Verteidigung einstellbare Ziele zu erreichen. 14 Jahre zurückgedacht kommt eine bestimmte Erinnerung wieder hoch, nämlich dass GoldenEye schon damals seine größte Faszination aus dem Mehrspielermodus zog. Interessant, wie sich die Umstände nach einer so langen Zeitspanne auch in der Neuauflage wieder finden. Hier treten bis zu 16 Spieler per Online oder im 4-Agenten-Splitscreen an einer Konsole aus einem großen Angebot an Bond-Charakteren zusammen bzw. gegeneinander in sechs vielseitigen Modi an. Im Gegensatz zur Wii-Version haben es sich die Entwickler nicht nehmen lassen, eine Voice-Chat-Funktion zu integrieren. Neben den klassischen Varianten Deathmatch, Team-Deathmatch sowie Last Man Standing glänzt GoldenEye 007: Reloaded mit dem legendären Golden-Gun-Modus mit der heiß begehrten goldenen Pistole, die jeden Widersacher mit nur einem einzigen Schuss niederstreckt. In Black Box stehen sich zwei Mannschaften gegenüber, eine muss die Black Box vernichten, die andere wichtige Informationen aus ihr extrahieren. Für Langzeitmotivation sorgt ein gut ausgeklügeltes Erfahrungspunktesystem.

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Aus alt mach… alt

Technisch streift der Ego-Shooter klar an den Leistungsgrenzen der Konsole vorbei, wenngleich die Wii-Fassung nachgebessert wurde und auch deutlich flüssiger abläuft – was bei der Qualität auch kein Wunder sein sollte. Auf den ersten Blick präsentiert sich das Gesamtbild zwar durchaus ansprechend, doch Schwachpunkte sind selbst mit den cleversten Agenten-Gadgets nicht zu vertuschen. Insbesondere die eintönigen Gebäudeabschnitte, in denen sich Räume in ihrer Einfallslosigkeit ähnlich schnell wiederholen wie in muffigen Ämtern, wo man mit einem wichtigen Anliegen von Abteilung zu Abteilung gescheucht wird. Der einzige Unterschied dazu liegt wohl noch darin, dass einem hier zusätzlich noch die ewig gleichen Widersacher begegnen, während auf dem Amt das Aussehen der Sachbearbeiter durchaus variieren kann. Lediglich Außenlevel im Schnee oder Dschungel heben das detailarme Niveau etwas herauf – auch wenn man gleiche Szenarien in Killzone 3 auch mit deutlich schöneren Effekten nachspielen durfte. Und da liegt auch in gewisser Weise das grafische Dilemma von GoldenEye 007: Reloaded. Auf Nintendo Wii gibt es grafisch nur wenige gleichwertige Genre-Konkurrenten, für Playstation 3 gibt es ungleich mehrere deutlich hübschere Alternativen. Da passt es auch noch gut rein, dass abseits von zerstörbaren Deckungsmöglichkeiten eigentlich gar keine Physikspielereien stattfinden. Auch beim Sound sind wir zwiegespalten: Während die Interpretation des Titelsongs von Nicole Scherzinger fast so gut passt wie das Original von Tina Turner und die deutschen Synchronstimmen von Daniel Craig und M mit dabei sind, lassen uns Gespräche und Ausrufe mit kitschigen russischen Dialekt grausige Schauer über den Rücken laufen. Wer daher die Wahl hat stellt auf Englisch um, etwas lasche Soundeffekte gehören aber auch dann zum Erscheinungsbild.

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Gut gezieltes Fazit

Man muss kein perfekt ausgebildeter Agent zu sein um zu erkennen, dass sich GoldenEye 007: Reloaded vor allen Dingen an Freunde von unkomplizierten Oldschool-Shootern richtet. Baller- und Schleichabschnitte wechseln sich ab oder sind je nach eigenem Ermessen möglich, wobei Ballereien das Spiel eindeutig leichter machen, während Schleicherein trotz vorhersehbarem Gegnerverhalten deutlich anspruchsvoller sind. Insgesamt wirkt diese Neuauflage im aktuellen Konkurrenzkampf stark veraltet, den Ausnahmestatus des Originals erreicht es auch zu keinem Zeitpunkt. Fans greifen trotzdem zu und können noch einige Prozente auf die Wertung drauf schlagen, im direkten Vergleich zu exklusiven PS3-Shootern bleibt James Bond aber besser in Deckung.

Golden Eye 007: Reloaded Testbericht

Golden Eye 007: Reloaded

  • Release: 04.11.2011
  • Genre: Action, Ego Shooter, First Person Action
  • Entwickler: Eurocom
  • Publisher: Activision

Gutes

+ Baller- und Schleichaction
+ Daniel Craig als James Bond
+ ordentliches Waffenarsenal
+ optionale Missionsziele
+ flüssige Optik
+ tolle Musikuntermalung
+ gute Steuerung
+ ausgewogener Mehrspielermodus

Schlechtes

- einfallslose Aneinanderreihung von Skript-Sequenzen
- im Detail schwache Grafik
- langweiliger MI6-Modus
- Ballern einfacher als Schleichen
- Schießbuden-KI
- Klon-Gegner
- Russische Dialekte zu kitschig

6.5 / 10 Nicht so gut

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