God of War im Test – Willkommen im Norden

Getestet von | 23.04.2018 um 10:47 Uhr

Was gibt’s sonst noch?

Bevor wir nun zur Optik und dem Sound kommen, noch ein paar andere Punkte die erwähnt werden müssen. Da wären zum einen die Gegner. Diese sind abwechslungsreich, fordernd und toll designt. Leider ist die Vielfalt ein wenig dürftig. So kommen einige Gegner oft in anderen Farben und Formen daher, sind im Kern aber recht gleichförmig. Das ist nun kein Totschlag Kriterium und kann eher als Meckern auf hohem Niveau angesehn werden, aber es fällt schon auf. Ähnliches gilt auch für die Bosse. Nehmen wir die Minibosse mal raus, kommen wir auf gerade mal auf eine Handvoll. Zwar sind diese Kämpfe wieder sehr opulent und bieten einiges an Bombast, doch ein wenig mehr hätten es sein dürfen. Die Minibosse hingegen kommen regelmäßiger zum Einsatz und kommen dann mit verschieden Elementen, Farbgegbungen und auch mit anderen Angriffen daher.

Dann wäre da noch die Steuerung. Diese ist eigentlich sehr gut gelungen, doch es dauert schon ein wenig, bis sie komplett ins Blut übergeht. Das kommt daher, dass sie nun halt mehr Möglichkeiten bietet als man von God of War gewohnt ist. Leichte und schwere Angriffe, blocken, ausweichen, Axt werfen, Waffe wechseln, Atreus einen Befehl geben, Fähigkeit aktivieren. Wenn da mal ein paar mehr Gegner vor einem stehen, kann es leicht passieren, dass man ein wenig überfordert ist. Zugleich muss man aber auch anmerken, dass man es genauso merkt, wenn man die Steuerung richtig drin hat. Dann läuft es einfach und man mäht einen Gegner nach dem anderen um.

Bleibt noch die Spielzeit, darauf habt ihr gewartet oder? Nun, die Story kann man durchaus in 20-25 Stunden bewältigen. Doch wenn man noch alles erkunden, entdecken und sammeln will, kann man da locker nochmal 10-20 Stunden draufschlagen. Das ist mehr als ordentlich, wird jedoch auch durch Backtracking erkauft. Nicht nur wegen erst später zugänglichen Bereichen darf man an verschiedene Orte zurückkehren, auch die Story lässt euch manche Wege mehrfach ablaufen. So erreicht man Punkt X, welcher mit Hindernis Y versperrt ist, weshalb man Gegenstand Z braucht. Zwar ist das in Games keine Neuerung, doch wie bereits am Anfang des Tests erwähnt, fragt man sich irgendwann, wie schwer und umständlich es eigentlich sein kann, Asche auf einen Berg zu bringen. Aber nun gut, wir suchen hier teilweise auch nach Schwachstellen, immerhin ist kein Spiel perfekt.

Wie geht das?!

Bleiben noch Optik und Sound. Kommen wir gleich auf den Punkt, God of War ist technisch einfach absolut unglaublich und das in vielerlei Hinsicht. Zuallererst sollten wir anmerken, dass der Titel KOMPLETT OHNE Schnitte oder Ladezeiten auskommt. Lediglich wenn Kratos stirbt muss man Ladezeiten in Kauf nehmen, doch diese sind sehr kurz geraten. Selbst bei der Schnellreise gibt es keine Ladezeiten oder Schnitte. Erfahrene Gamer werden natürlich an manchen Punkten versteckte Ladezeiten entdecken, wie ungewöhnlich langsam öffnende Türen oder Fahrstühle. Doch zu keinem Zeitpunkt fällt dies negativ auf, es wirkt einfach wie aus einem Guss. Allein deswegen ist es schon fantastisch was Santa Monica hier erreicht hat, doch das ist noch nicht alles.

Es sieht einfach einfach nur super aus. Wir möchten sogar meinen, dass selbst Augenweiden wie Uncharted 4 und Horizon: Zero Dawn hier den kürzeren ziehen. Egal ob Umgebungen, Texturen, Gesichter, Waffen, Gegner, Animationen, Effekte, einfach alles sieht unglaublich hochwertig aus. Wer dann noch eine PS4 Pro hat, darf sich besonders freuen. Zwar läuft es auf der Standard PS4* mit 1080p und zu 90% mit stabilen 30fps, doch auf der Pro gibt es zwei Modi zur Auswahl. Bei “Auflösung” werden hoch skalierte 4K geboten und 30 fps. Diese werden größtenteils gehalten, doch hier und da merkt man kleinere Ruckler. Der “Performance” Modus, unser Favorit, bietet zwar nur 1080p, doch dafür ist die Framerate nicht festgesetzt und erreicht manchmal sogar 60fps. Meist liegt sie bei 40-50fps, jedoch merkt man diese Schwankungen so gut wie nie, es wirkt immer sehr geschmeidig. Technisch kratzt es also an der Perfektion.

In Sachen Sound gibt es die bereits erwähnte Top Synchro, doch das ist natürlich nicht alles. Die Soundeffekte im Kampf sind auch sehr wuchtig und bringen das nötige Feedback. Bei jedem Treffer hört man richtig, dass da gerade die Axt auf Fleisch getroffen ist, es fühlt sich toll an. Die Musik steht dem in nichts nach und besonders das Main Theme ist einfach ein richtiger Ohrwurm und kommt immer wieder mal in verschiedenen Formen daher, die alle funktionieren. Doch auch die anderen Stücke sind super gelungen und fangen die Momente gut ein. Es gibt emotionale Melodien, mystische, aber auch raue. Es passt einfach immer.

* Der Lüfter der normalen PS4 macht während dem spielen von God of War ganz schön Lärm. Auf der Pro geht es da schon ruhiger zu.

Fazit -Göttlicher denn je

Nur selten passiert es, dass man hohe Erwartungen an ein Spiel hat und diese dann sogar übertroffen werden. God of War hat das unserer Meinung nach geschafft. Zwar könnte manchen Fans die neue Ausrichtung sauer aufstoßen, doch wir finden, dass die Reihe aufs nächste Level gehoben wurde und eine konsequente weiterentwicklung darstellt. Dabei versucht man neues, verbessert altbekanntes, guckt sich aber auch vieles ab. Letzteres kann man nicht abstreiten, doch die Qualität ist hierbei so hoch, dass man es einfach nicht kritisieren kann.

Die Story und Charaktere wirken nicht mehr so eindimensional und 08/15 wie vorher, sondern bieten Facetten, Emotionen und auch Tiefgang. Dinge die bei der Reihe vorher etwas zu kurz gekommen sind. Dabei helfen auch die sehr guten Sprecher, die jederzeit den richtigen Ton treffen und nie unpassend wirken. Selbst Geschichten die am Rande erzählt werden, sind durchaus interessant und bereichern die Welt. Eine Welt, die einfach absolut fantastisch aussieht und technisch unglaubliches schafft. Wie solch eine Pracht ohne Ladezeiten, Schnitte oder größere Ruckler daherkommt, ist uns schleierhaft. So eine Kombination aus Grafik und Technik haben wir noch nie erlebt. Die brachialen Sounds und der orchestrale Soundtrack, der viele Stimmungen abdeckt, tun da ihr übriges.

In Sachen Gameplay bietet man gemächlichere Kämpfe, die unweigerlich an Dark Souls erinnern. Hier wird mehr Tiefgang und Taktik geboten, als je zuvor in der Reihe. Unterstützt wird dieses System durch Skilltrees und Rollenspiel Elemente. Gepaart mit einer offenen Welt, Nebenaufgaben, Rätseln, optionalen Bereichen und Sammelkram wird ein schönes Paket geschnürrt. Dieses Paket ist auch ziemlich groß. Allein die Story wird euch 20+ Stunden beschäftigen. Der Rest kann durchaus nochmal an die 20 Stunden Unterhaltung bieten.

Wenn man danach sucht, findet man aber auch Schwachpunkte. Das aufgezwungene Backtracking kann etwas nerven. Die Gegner Vielfalt dürfte ein wenig größer sein und ein paar mehr Bosse wären schön gewesen. Sonst muss man Makel schon mit der Lupe suchen. Natürlich abgesehen von persönlichen Präferenzen, aber da ist ja jeder anders.

Abschließend kann man aber sagen, dass God of War der Neuanfang mehr als gut gelungen ist und wir nach dem durchspielen sofort weiter die Welt erkundet haben, weil es einen einfach reinzieht und nicht so einfach loslässt. Jetzt kauft es endlich, alles andere wäre Blasphemie.

P.S.: Einen Foto Modus gibt es leider noch nicht, doch der wurde bereits angekündigt. Es ist also nur eine Frage der Zeit.

Gutes

- Story und Charaktere sehr gelungen
- Taktische und spaßige Kämpfe, die auch fordern
- Viel zu erkunden, erledigen und sammeln
- Ein technisches Meisterwerk und zwar in allen Belangen
- Tolle Synchronisation mit super Musik
- noch so viel mehr

Schlechtes

- Gelegentliches Backtracking
- Gegner könnten etwas mehr Vielfalt vertragen
- Zu wenig richtige Bosse

9.4 Must Have

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