God of War: Ascension – Review

Getestet von | 15.03.2013 um 00:00 Uhr

Schon 2006 lernten wir Kratos als unseren PlayStation-Kriegsgott kennen: Sony veröffentlichte den ersten God of War Ableger, der nicht nur das Hack’n’Slay Genre wieder groß in Mode brachte, sondern auch zeigte, dass Spiele mit griechischer Mythologie als frei interpretiertem Hintergrund durchaus spannend sein können. Während man die God of War Trilogie mit God of War III im März 2010 nach eigenen Aussagen abschloss, liefern die Entwickler von Sony Santa Monica nun mit God of War: Ascension einen neuen Ableger nach, der chronologisch der erste ist: Wir erhalten Einblicke in die Leiden Kratos‘, nachdem er einen grausamen Pakt mit dem (noch) Kriegsgott Ares schloss. Ob diese Reise überzeugen kann, verraten wir euch in unserer Review.

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Ein Kratos, der mitfühlen lässt

Nicht gerade wenig haben die Entwickler vor dem Erscheinen zu God of War Ascension versprochen. Der neue Ableger solle Kratos menschlicher machen und die Spieler mit der Figur, die sonst so grausam wirkt, sogar mitfühlen lassen. Nur selten können Spiele solche Versprechungen halten, doch im Falle von God of War Ascension sind den Entwicklern tatsächlich alle Vorhaben geglückt.
Die Geschichte wird auf interessante Weise und auf vielerlei Ebenen erzählt. Zum einen werden immer wieder Zwischensequenzen eingespielt, die das Verhältnis von Kratos und Ares näher beleuchten und klären, wie unser Protagonist in seine gegenwärtige Situation gekommen ist. Zum anderen erleben wir in der tatsächlichen Spielhandlung immer wieder Zeitsprünge, sodass wir einige Abschnitte in der Gegenwart, andere jedoch in der Vergangenheit von wenigen Wochen spielen.
Zu Beginn des Spieles sehen wir Kratos im Gefängnis der Furien, aus dem es erst einmal gilt zu entkommen. Das ist schnell erledigt, jedoch ist es erst der Beginn von Kratos‘ Rachefeldzug gegen die Furien.
Schnell sind wir dann auch im tatsächlichen Geschehen, bereits innerhalb der ersten Dreiviertelstunde kämpfen wir bereits gegen den Hekatoncheiren, den „Hundertarmigen“ aus der griechischen Mythologie. Natürlich bleibt das nicht die einzige Figur, die wir im Spielverlauf in God of War Ascension treffen: Wir müssen auch gegen Medusen, die uns zu Stein erstarren lassen können, Zyklopen, Zentauren, Mantikore und viele mehr antreten. Dazu kommen natürlich noch die Furien, die weiteren Götter und Vertraute von Kratos, wie zum Beispiel Orkos oder seine Familie, die das Spiel über immer wieder real oder in einer von Kratos‘ Visionen auftauchen.
Alles in allem hinterließ die Story von God of War Ascension durchweg einen guten Eindruck und machte es uns tatsächlich möglich, mit Kratos mitzufühlen und ihn als eine nahbare Figur zu sehen. Alles führt hin zu einem gelungenen und doch überraschenden Ende, doch das solltet ihr selbst erleben.

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Klassisches Hack’n’Slay gespickt mit coolen Features und Rätseln

Freilich erfindet God of War Ascension beim Gameplay das Rad nicht neu. Schon jetzt ist häufig zu lesen, dass sich neben dem Setting insbesondere das Spielerlebnis im mittlerweile insgesamt sechsten Serienableger etwas abgenutzt hat. Doch hier muss man klar entgegenhalten, dass sich die Jungs von Sony Santa Monica einiges an neuen Features und Möglichkeiten haben einfallen lassen.
Im Kampf sieht man das hauptsächlich an den Götterkräften, die man nach und nach erwirbt und die sozusagen ständig wechselbare Upgrades für die Chaosklingen sind. Insgesamt gibt es vier davon: Unterstützung von Ares, Hades, Zeus oder Poseidon. Es unterscheiden sich dann jeweils die Elemente, die die Chaosklingen verstärken: Feuer bei Ares, Blitze bei Zeus, Eis bei Poseidon oder die untoten Armeen bei Hades. Allzu große Unterschiede im Kampf macht das nicht, so kann man elementare Gegner auch mit dem gleichen Element bezwingen, jedoch kann man trotzdem ein wenig taktisch mit den Götterkräften arbeiten: Jede erzeugt andere Orbs für besiegte Gegner. Kämpft ihr mit Hades‘ Kräften, erhaltet ihr so immer wieder grüne Orbs, die eure Gesundheit aufbessern, entscheidet ihr euch dagegen für Poseidon, erhaltet ihr rote Orbs, mit denen ihr später eure Ausrüstung aufrüsten könnt, also entweder die Chaosklingen oder die Götterkraft selbst, was euch jeweils mehr Schaden und neue Kombos ermöglicht.
Zu den weiteren neuen Features gehört allen voran, da am prominentesten benutzt, die Möglichkeit, die Zeit zu manipulieren. Das gelingt mithilfe des Uroborus-Amuletts. Damit könnt ihr Objekte zerstören oder wiederherstellen. Freilich geht das nur mit vom Spiel vorgegebenen Elementen im Storyverlauf, oder mit einigen Truhen, die bereits zerstört sind. Die Arbeit mit diesem Feature besteht jedoch nicht nur darin, etwas einfach nur zu zerstören oder wieder aufzubauen, sondern teilweise muss hiermit gerätselt werden: Ihr könnt Teile schweben lassen, um daran zu klettern oder zum richtigen Zeitpunkt einen Mechanismus auszulösen oder zu blockieren.
Ein weiteres neues Ausrüstungsstück ist der Eidstein von Orkos. Mit ihm habt ihr immer einen Begleiter bei euch, den ihr auf Befehl beispielsweise an einen Schalter stellen könnt, damit er ihn für euch festhält und ihr in der Zwischenzeit durch eine offene Tür huschen könnt. Auch damit gibt es ganz nette Rätseleinlagen, bei denen man ein wenig rumspielen kann. Meistens macht das Spiel aber relativ eindeutig, was ihr wo benutzen müsst, da sich sowohl das Uroborus-Amulett als auch der Eidstein nur an den vorgegebenen Stellen aktivieren lassen – geht es nicht, seid ihr wohl falsch.
Die Rätsel haben uns in God of War Ascension insgesamt sehr überzeugt. Sie waren nicht nur eine willkommene Abwechslung zu den Kampfeinlagen, sondern erfordern teilweise auch durchaus ein wenig Nachdenken und können mitunter auch anspruchsvoll werden. Aber keine Sorge: Sie sind alle problemlos schaffbar und keine fiesen Kopfnüsse -es sei denn, sie sind verbuggt.

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Quicktime-Events der guten Sorte

Ansonsten muss man beim Gameplay noch die Quicktime-Events in God of War Ascension erwähnen. Allein schon bei dem Wort rollen sich bei einigen Gamern die Fußnägel hoch, doch keine Angst, im neuen God of War sind sie bei Weitem nicht so nervig wie in anderen Spielen.
Zum einen kommen die Quicktime-Events beim Kampf gegen diverse Gegner zum Einsatz, meistens als eine Art Finisher. Diese lassen sich durchweg gut absolvieren. Sollte es doch mal daneben gehen, kann man es immer nochmal machen, da man nie umgebracht wird, sollte man zu langsam sein. Den Kampf zieht das zwar ein wenig in die Länge, aber beim zweiten Versuch ist man schon besser vorbereitet.
Zum anderen gibt’s auch bei Sprung- und Rutscheinlagen die Quicktime-Events. Hier muss man teilweise wirklich schnell sein, aber das ist ja irgendwie auch logisch, sonst stürzt Kratos einfach eiskalt in die Tiefe und damit in den Tod. Sollte das passieren, sind die Rücksetzpunkte aber jederzeit fair gesetzt und ihr müsst meistens nicht die ganze Passage, sondern nur den entsprechenden Teil nochmal absolvieren.
God of War Ascension zeigt, dass Quicktime-Events nicht automatisch nervig sein müssen und dass man sie durchaus sinnvoll einsetzen kann. Dem einen oder anderen könnten es eventuell ein paar zu viele davon geben, aber insgesamt halten sie sich im Gesamt-Gameplay doch in Grenzen.

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Viel Inhalt, starke Technik

Inhaltlich überzeugt God of War Ascension insgesamt nicht nur mit der Story und dem abwechslungsreichen Gameplay, sondern auch mit seinem Umfang. Zwar hat man die Story in unter zehn Stunden absolviert, jedoch ist durchaus ein erhöhter Wiederspielwert gegeben. So lassen sich beispielsweise Artefakte finden, die für spezielle Fertigkeiten beim zweiten Durchgang sorgen (zum Beispiel mehr Gesundheit oder unbegrenzte Rage-Anzeige) und von denen ihr beim ersten Durchspielen garantiert nicht alle findet. Zudem stehen vier verschiedene Schwierigkeitsgrade zur Verfügung, sodass man sich nach und nach steigern und immer wieder selbst übertreffen kann. Auf alle Fälle sollte für jeden was dabei sein.
Eine weitere starke Seite offenbart God of War Ascension bei der Technik. Grafisch kann es fast ohne Einschränkungen überzeugen. Hier und da fällt etwas stärkeres Kantenflimmern ins Auge, doch dafür entschädigen detaillierte Umgebungen und wunderschöne Effekte, seien es die Lichteffekte oder die Farbenspiele der Götterkräfte. Auch die Figuren wurden alle sehr detailliert und glaubwürdig inszeniert. Sehr erstaunt waren wir, dass es auch kaum Clipping Fehler zu sehen gab, nicht einmal beim Klettern. Hier sind wir von anderen Spielen viel Schlimmeres gewohnt.
Einige Abzüge muss God of War Ascension beim Soundtrack über sich ergehen lassen. Zwar ist dieser alles in allem gelungen und sogar die deutsche Synchronisation kann überzeugen. Lediglich Kratos hat einen neuen Sprecher erhalten, der uns nicht so ganz zu begeistern vermochte. Teilweise zeigt sich die Musikuntermalung aber sehr dezent, in einigen Abschnitten gab es sogar überhaupt nichts zum Lauschen, was der Atmosphäre schon etwas schadete. Dafür entschädigten dann die gelungenen Effekte im Kampf, jedoch konnte der Sound insgesamt eben nicht ganz das hohe Niveau der sonst bombastischen Inszenierung halten.
Leichte Abzüge müssen wir God of War Ascension ebenfalls in der manchmal doch übertriebenen Kameraführung machen. Denn diese gestaltet sich oftmals im Kampf so, dass sie sehr weit vom Geschehen wegzoomt und man nur noch erahnen kann, welcher der Figuren man nun selbst ist. Dies ist besonders zum Beginn des Spiels recht nervig, nimmt jedoch im weiteren Verlauf des Spiels stark ab.

Die Bugs der Furien

Einen kleinen Extra-Abschnitt müssen wir leider den vermehrt auftretenden Spielfehlern in God of War Ascension widmen, die uns im Spielverlauf leider immer wieder aufgefallen sind. Ein Mal hätten wir das Spiel sogar überhaupt nicht fortsetzen können, da es vergessen hat, einen Schalter zur Betätigung zu aktivieren, der jedoch für einen obligatorischen Mechanismus notwendig war – nur Neuladen ab dem letzten Speicherpunkt half.
Des Weiteren kam es des Öfteren noch zu kleineren Problemen, so wurden manchmal Quicktime-Events abgebrochen, obwohl wir die richtige Taste drückten oder Schalter zu früh losgelassen. Ein weiteres Mal kamen wir nur durch Experimentieren weiter, da das Spiel vergessen hatte, einzublenden, dass wir grade R2 zum Entfesseln der Magie drücken sollten.
Die Bugs sind etwas schade, gerade wenn man betrachtet, dass am Release schon zwei Updates mit einer Größe von insgesamt 180 MB zur Verfügung standen. Hier müssen die Entwickler aber auch in Zukunft noch etwas nachbessern.

Unser Videoreview zu God of War Ascension gibt euch auch einige Gameplayeinblicke!
Fazit

God of War Ascension hat bei uns einen hervorragenden Eindruck hinterlassen und es lässt sich eigentlich kaum etwas ankreiden. Wir erleben eine sehr gelungene Story rund um Kratos, die sowohl für treue Serienfans als auch für Neueinsteiger unbedingt erlebenswert ist. Beim Gameplay setzen die Entwickler einerseits auf Altbewährtes, sorgen aber auch für viele kleine frische Ideen und Innovationen. Alle Elemente spielen sich durchweg gut und sind eingebettet in eine bombastische Inszenierung, die nicht nur durch eine sehr gute Grafik, sondern auch eine hervorragende Erzählweise der Story besticht. Nur der Soundtrack tanzte etwas aus der Reihe und vermochte teilweise nicht ganz, die hervorragende Atmosphäre zu unterstützen, insbesondere, wenn Musikuntermalung einige Male ganz fehlte. Ärgerlich waren des Weiteren die häufiger auftretenden Fehler, die teilweise sogar das Weiterspielen verhinderten. Trotzdem sprechen wir eine uneingeschränkte Empfehlung für den neuen Ableger aus.

Eine Anmerkung zum Abschluss: Den Multiplayer-Teil in God of War Ascension konnten wir mangels Onlinepass nicht testen. Er bleibt daher in der Endwertung unberücksichtigt.

Gutes

+Sehr gelungene Geschichte um den Aufstieg Kratos
+Gelungener Gameplay Mix
+Frische Ideen und Features
+Anspruchsvolle Rätsel
+Wunderbare Inszenierung und bombastische Technik

Schlechtes

-Stellenweise schwächelnder Soundtrack
-Viele Bugs trotz zwei Day-One-Patches!

8.5 Sehr gut

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