Ghost of a Tale im Test – Prison Break mit Mäusen

Getestet von | 21.03.2019 um 07:39 Uhr

Mittelalterliche Mäusemusik

Begeistert hat uns der Soundtrack. Die musikalische Untermalung hält sich zwar sehr zurück, setzt aber immer an den richtigen Stellen ein, ohne zu dick aufzutragen. Besonders gefallen haben uns die Lieder von Tilo selbst – immer wieder fordern andere Charaktere den Mäusebarden nämlich zum Singen auf. Dabei steht uns eine wachsende Sammlung verschiedener Lieder zur Auswahl. Die sind nicht nur schön anzuhören und unterhaltsam getextet, sondern helfen uns auch gelegentlich aus der Patsche: Manchmal können wir sie nämlich dazu nutzen, den NPCs Honig ums Maul zu schmieren. Auf diese Weise erlangen wir zum Beispiel auch die Gunst des Anführers der Rattenwachen.

Auch das Sounddesign ist durchaus gelungen. Das ist gut, da wir auch darauf angewiesen sind: Nur, wenn wir frühzeitig das Klappern der Rüstung einer Wache durch die Burggänge hallen hören, können wir uns rechtzeitig verstecken. Ein bisschen schade finden wir aber, dass die schön geschriebenen Dialoge nicht vertont sind. Das hätte das Spiel noch etwas immersiver gemacht.

Ein Ruckelfest auf der Konsole

Die größten Probleme hat Ghost of a Tale vor allem auf technischer Ebene: Das Spiel läuft nämlich alles andere als flüssig. Die Framerate ist durchgehend instabil. 30 FPS bekommen wir tatsächlich nur selten. Überraschenderweise geht sogar dann die Bildrate in die Knie, wenn eigentlich nichts passiert. Wir können uns nicht erklären, warum wir uns selbst in geschlossenen Räumen ohne Gegner nur mit deutlich merkbarem Ruckeln bewegen. Und das sogar auf der leistungsstärkeren PlayStation 4 Pro. Besonders schlimm wird es, sobald wir den Hafen betreten: Dann läuft das Spiel nämlich nicht nur mit halber Framerate, sondern stürzt immer wieder ab. Und das so oft, dass wir das Spiel beinahe nicht beenden konnten. Da wir aber bis zum Abspann spielen wollten, um euch einen ausführlichen Test zu bieten, haben wir uns die Mühe gemacht, uns zwischen den Abstürzen von Speicherpunkt zu Speicherpunkt zu bewegen, bis wir das Kapitel im Hafen beendet haben. In diesem Zeitraum mussten wir das Spiel über 10 Mal neu starten, weil es sich aufgehängt hat. Zwar hat der Entwickler mittlerweile nachgepatcht und verspricht eine leichte Verbesserung auf der regulären PlayStation 4, auf der PlayStation 4 Pro haben wir davon aber bislang nichts bemerkt. Die technischen Probleme sind derart gravierend, dass das Spiel unserer Meinung nach in diesem Zustand niemals hätte erscheinen dürfen.

Dabei ist die Grafik nicht besonders anspruchsvoll: Ghost of a Tale hat zwar ein schönes Design, aber die Objekte sind kantig und die Texturen recht unscharf. Das Spiel könnte visuell auch der vorherigen Konsolengeneration entspringen. Warum der Entwickler es bei der Portierung auf die PlayStation 4 nicht geschafft hat, das Spiel besser zu optimieren, ist uns schleierhaft.

Fazit: Wenn da nicht die technischen Mängel wären, …

…wäre das Spiel eigentlich gelungen. Und genau da liegt das Problem: Eigentlich möchten wir Ghost of a Tale mögen. Und wir haben uns auch Mühe gegeben, uns darauf einzulassen. Und irgendwie hat es sogar Spaß gemacht. Nicht grundlos hat das Spiel auf Steam sehr gute Bewertungen eingefahren. Die PS4-Version lässt uns aber sehr enttäuscht zurück. Die technischen Mängel sind so gravierend, dass sie dem Spielspaß im Weg stehen, vor allem aber auch dazu führen, dass wir Probleme hatten, überhaupt in der Handlung fortzufahren. Das dürfte eigentlich nicht passieren. Wir haben zwar die Hoffnung, dass der Entwickler mit weiteren Patches nachbessert, aktuell solltet ihr euch aber genau überlegen, ob sich der Kauf wirklich lohnt. Im Kern steckt nämlich eigentlich ein gutes Spiel, das aber technisch schlecht umgesetzt ist.

Gutes

spannende Geschichte
starke Atmosphäre
gelungene Dialoge

Schlechtes

niedrige Framerate
regelmäßige Abstürze

4.5 Schlecht!

Kommentare

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