Folklore – Review

Getestet von | 17.10.2007 um 12:25 Uhr

Man sagt, dass neben unserer Welt zahlreiche andere Welten existieren. Man sagt, dass man zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten Zugang zu diesen anderen Welt erlangt. Und man sagt, dass es ebenso den Bewohnern der anderen Welten möglich ist, in unsere Welt zu gelangen. So ist es uns möglich, Wesen zu sehen, die vermutlich gar nicht existieren. Die Rede ist hierbei von Feen und Elfen, oder wie sie in Folklore genannt werden, den Faerys. Wir begleiten Ellen und Keats, die beiden Hauptfiguren, auf ihrer Reise in eine magische Welt und lösen mit ihnen einen mysteriösen Fall, der zwischen Realität und Phantasie spielt. Was euch dabei erwartet, erfahrt ihr in unserer Review.

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Aber… du bist doch tot?

Die Geschichte von Folklore wirft uns unmittelbar ins Geschehen: Zunächst haben wir die Wahl zwischen den beiden Protagonisten. Wählen wir Ellen, so beginnt unser Abenteuer, in dem wir einen Brief von unserer totgeglaubten Mutter erhalten, die uns in dem irischen Dorf Doolin an der Klippe der Sidhe treffen will. Vollständig verwirrt begleiten wir Ellen zu besagter Klippe, denn Tote sind in der Regel nicht in der Lage, Briefe zu schreiben, geschweige denn sich mit den Lebenden zu treffen. Angekommen im schönen Doolin, machen wir uns auf den Weg zur Klippe, auf der wir erstaunlicherweise tatsächlich auf Ellens Mutter stoßen – die sich jedoch nach einem kurzen Gespräch von der Klippe stürzt. Die ganze Sache wird immer mysteriöser, als wir mit Ellen hinab zum Strand laufen und nach Mutter suchen, doch wir finden nichts außer Verwirrung. Diese Verwirrung zieht sich durch das ganze Spiel, sofern man sich nicht auf abstrakte Geschichte einlässt, denn nachdem wir nun bereits Ellens Mutter gesehen haben, begegnen wir auch bald weiteren Wesen, deren Existenz heutzutage angezweifelt wird. An Samhain begeben wir uns zu einem Steinkreis und erhalten die Macht, eine Parallelwelt zu betreten. Hierbei handelt es sich um die Welt der Faerys und Geistwesen, die uns dabei helfen, das makabere Geheimnis von Doolin zu lösen. Denn uns erwartet nicht nur die Suche nach unserer Mutter, sondern auch höchst seltsame Fälle von Toten und Verschwundenen.
Und genau das ruft den Journalisten Keats auf den Plan. Wählen wir seinen Teil der Geschichte, so machen wir uns auf, die Mysterien zu lösen und stolpern Hals über Kopf in die Welt der Feen und Kobolde. Wir müssen mit verschiedenen Zeugen sprechen, wobei sich die Gespräche in zwei verschiedenen Dialogen darstellen. Zum einen in einer Art Comic-Darstellung, bei der wir von Bild zu Bild springen und die Gespräche nachvollziehen können. Zum anderen erwartet uns eine typische Dialogführung, die wir aus japanischen Spielen kennen und bei der jeweils der sprechende Charakter hervorgehoben wird. Dies macht die Gespräche dynamisch, auch wenn es zunächst gewöhnungsbedürftig ist. Besonders der ständig mögliche Wechsel zwischen Keats und Ellen ermöglicht eine fantastische Erzählung des Story, doch ist man nicht gezwungen, zwischen beiden Charakteren zu wechseln. Der Spieler kann sich zunächst eine Figur aussuchen und mit dieser die Geschichte beenden, jedoch ergibt sich erst ein Gesamtbild, wenn man beide Geschichten kennt.

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Zeig mir deine SIXAXIS-Folk!

Folklore kommt mit verschiedenen Rollenspielelementen daher und gibt euch die Möglichkeit, verschiedene Kostüme zu tragen, um unterschiedliche Fähigkeiten zu verstärken. Doch der wichtigste Aspekt des Spiels liegt nicht in den Kostümen, sondern in dem innovativen Kampfsystem. Betritt man das erste Mal die Welt der Faerys, so erlangt man die Fähigkeit, sich die Feen und Kobolde Untertan zu machen, denen man begegnet. Dies erfolgt jedoch nicht einfach so. Zunächst muss man die Gegner durch den Nahkampf oder bereits erworbene Folks schwächen, leuchtet er dann rot, so hat man die Möglichkeit, ihn einzufangen. Hierbei muss man unterschiedliche, mehr oder weniger knifflige Bewegungen mit dem SIXAXIS-Controller vollführen – Und so manches Mal können einen die kniffligen Bewegungen in den Wahnsinn treiben. Vor allem dann, wenn das System nicht realisiert, was man mit dem Controller gemacht hat. Zum Glück hatten wir dieses Phänomen sehr selten. Je nach Stärke des Gegners kann man diese dann davon überzeugen, mit einem ins Abenteuer zu ziehen. Die gefangenen Monster legt man sich auf Kreuz, Dreieck, Viereck und Kreis, sodass man sie im Kampf schnell aktivieren kann. Doch auch die verschiedenen Feen haben unterschiedliche Fähigkeiten, so findet ihr Verteidiger, Nahkämpfer, Fernkämpfer oder welche, die die Gegner verzaubern können.
Im Laufe des Spiels könnt ihr eure Kämpfer trainieren und sie verbessern. Dies geschieht jedoch nicht mit einem typischen Levelsystem, sondern bringt verschiedene Aufgaben mit sich. Die sind oft ähnlich gehalten und besagen, dass man mit einer Folk eine ganz bestimmte andere in einer vorgegebenen Anzahl ausschalten soll. Klingt an sich relativ einfach, doch einige haben es wirklich in sich. So gibt es gleich zu Beginn einen mächtigen Greifen, der euch das Leben zur Hölle macht, wenn ihr nicht die entsprechenden Folks zur Verfügung habt, die ihm den Gar aus machen. An sich ist das System allerdings gut durchdacht, da man so die verschiedenen Welten erneut bereist, um seine Monster zu stärken. Im Übrigen gibt es auch eine nicht gerade geringe Anzahl an zu fangenden Feen, die ihr in unterschiedlichen Situationen finden könnt. Manchmal müsst ihr das Gebiet erst komplett reinigen, bevor einen seltenen Folk kommt, oder ihr müsst etwas Anderes erledigen, damit ihr eure Sammlung komplettieren könnt.

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Ist das jetzt Feenglanz?

Die Grafik in Folklore ist gut. Die Figuren sind allesamt liebevoll dargestellt, auch die Kostüme wurden kreativ umgesetzt. Auffällig ist lediglich dieser unnatürlich wirkende Glanz, der manchmal die Szenerien umspielt. So scheinen die Figuren manches Mal von innen herauszustrahlen, während Gegenstände so wirken, als würde man sie direkt mit einem Scheinwerfer anstrahlen. Nichtsdestotrotz ist die Grafik hervorragend und Grafikfehler findet man in der Regel sehr selten. Besonders schön sind die bereits erwähnten Kostüme gestaltet, die sich speziell an verschiedenen Themen orientieren und die hohe Kreativität der Entwickler zeigen.
Auch mit dem Soundtrack macht Folklore nichts falsch. Jeder Folk hat seinen eigenen Laut, einige der Dorfbewohner wurden ebenso vertont. Während jede Szene mit einer ansprechenden Melodie unterlegt wurde, laden auch die einzelnen Level zum Lauschen ein, auch wenn man sich manchmal anhand der hektischen Kämpfe nicht immer auf die Musik konzentrieren kann. Glücklicherweise kommen hektische Kämpfe nicht gerade oft vor.

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Fazit

Ihr sucht ein Spiel, das euch in eine fantastische Welt versetzt, gleichermaßen aber auch eure Sinne schärft und euch zum Nachforschen anstiftet? Dann ist Folklore genau das Richtige für euch. Besonders das innovative Fangsystem, das die SIXAXIS-Funktion erfordert, hat es uns angetan, aber auch das Leveln der verschiedenen Faerys fordert einige Stunden ein. Eingebettet in einer faszinierenden Story und einer schönen Welt, solltet ihr Folklore nicht als Kinderspiel abtun, denn es ist sehr düster gehalten. Zumindest was die Story betrifft. Und wenn ihr wissen wollt, was es jetzt mit Ellens Mutter auf sich hat und welche finsteren Geheimnisse Doolin noch verbirgt, dann kommt ihr nicht umhin, Folklore in eure Konsolen zu legen.

Gutes

+ Ungewöhnliche und komplexe Story
+ Nutzung der SIXAXIS-Funktion
+ Vielfalt der Figuren und des Levelsystems

Schlechtes

- Manchmal Überbelichtung der Gebiete
- Zum Teil schwierige Umsetzung der SIXAXIS-Funktion

8.5 Sehr gut

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