Final Fantasy X/X-2 HD Remaster im Test – Mit der PSVita nach Spira

Getestet von | 21.03.2014 um 17:53 Uhr

Vor fast genau zwölf Jahren erschien eine der schönsten und zugleich dramatischsten Geschichten für die PlayStation 2: Square Enix veröffentlichte Final Fantasy X für Sonys damaliges Flaggschiff. Wir als Spieler machten uns auf, Teil einer Reise zu sein, die fantastischer nicht sein könnte. Wir schlüpften in die Rolle von Tidus, einem berühmten Blitzballspieler, doch die Reise sollte Wendungen mit sich bringen, die wir uns nicht hätten träumen lassen.
Zwei Jahre später bescherte uns Square Enix dann eine der ersten direkten Fortsetzungen im Final Fantasy Universum und veröffentlichte Final Fantasy X-2 auch in Europa. Mit einem geänderten Konzept spielte man nun Yuna in ihrer Hauptrolle, die sich ebenfalls auf einer Suche befand.
Wir haben uns nun die Version für die PlayStation Vita von Final Fantasy X/X-2 HD Remaster angeschaut, das diese beiden Abenteuer auch für unterwegs spielbar macht. Ob sich ein Blick in die Welt von Yuna und Tidus lohnt und ob die Geschichten rund um Zanarkand und Sin erneut fesseln können, verraten wir euch im Test.

Final-Fantasy-X-Banner

Final Fantasy X – Die Reise beginnt

Wie bereits erwähnt, folgt man in Final Fantasy X der Geschichte Tidus’. Tidus ist jedoch kein Ritter, Magier oder etwas anderes Heldenhaftes, zumindest nicht im klassischen Sinne, denn er ist ein Blitzballspieler bei den Zanarkand Abes. Noch dazu ist er nicht nur irgendein Spieler, sondern der gefeierte Starspieler. Am Abend eines Spiels, zu dem ganz Zanarkand, ein Land, das in schillernden Farben und lustigem Luxus lebt, gekommen zu sein scheint, geschieht etwas, das sein Leben für immer ändern wird. Denn jeder Luxus, jeder Fehltritt und jeder Spaß wird irgendwann auf Konsequenzen treffen – so muss sich auch Zanarkand seinem Schicksal stellen und wird von Sin vernichtet. Dabei macht Sin seinem Namen im Übrigen alle Ehre, denn er lässt die Menschheit für all ihre Sünden zahlen.
Als Tidus wieder zu sich kommt, befindet er sich in einem verlassenen Unterwassertempel, in dem er gleich mal von mehreren Monstern angegriffen wird. Was ist passiert? Wo sind wir? Und wer ist eigentlich das Mädchen, das uns plötzlich zu Hilfe eilt? Das sind nur die ersten Fragen auf einer langen Reise, auf der Tidus dem Medium Yuna begegnen wird und sich mit ihr aufmacht, Sin zu besiegen. Doch zu welchem Preis?
Wie kann man viel von der fantastischen Geschichte aus Final Fantasy X erzählen, ohne gleich ins Schwärmen und Plaudern zu verfallen, sodass sämtliche Leser sofort die gesamte Geschichte kennen? Eben, man drückt sich vage aus und berichtet einfach nur darüber, wie unglaublich diese Geschichte ist, die uns Square Enix in einem schicken Gewand erneut erzählt. Was fieberten wir damals zu PS2-Zeiten mit, als Yuna auf Seymour traf und dieser versuchte, ihr Schicksal zu besiegeln? Was mussten wir schlucken, als wir erfuhren, was es bedeutet, ein hohes Medium zu sein? Was rührte uns die Szene an der Quelle im Macalania-Wald? Und wie hat uns das Ende so zurücklassen können? All diese Gefühle prägten damals Final Fantasy X. Square Enix ist es gelungen, diese Empfindungen auch in Final Fantasy X HD am Leben zu erhalten, was das Spiel so unglaublich liebenswert macht.
Was Square Enix noch mit Final Fantasy X schaffte, vermisst man heutzutage fast gänzlich bei Final Fantasy. Fans munkeln, dass seit dem Zusammenschluss von Squaresoft (Final Fantasy) und Enix (Dragon Quest) so einiges im Argen liegt. Wer jedoch ein wirklich gutes Rollenspiel aus dem Hause Square Enix sucht, der ist mit Final Fantasy X HD sehr gut beraten.

FFX_Charaktere

Oh wie schön ist Spira

Jeder, der Final Fantasy X bereits auf der PlayStation 2 bestaunen konnte, wird sich noch an die wunderschönen Landschaften und die Detailverliebtheit erinnern, mit der Zanarkand und auch Spira begeisterten. Natürlich wurde bei der HD-Auflage keineswegs gekleckert, sondern bekannte Gebiete nochmals überarbeitet, sodass sie noch um eine ganze Ecke hübscher aussehen. Am gelungensten sind die gerenderten Szenen, die es auch schon im Original gab und die schon damals fantastisch aussahen. Auf der Vita nun hat man das Gefühl, einen Film zu schauen, sofern eine gerenderte Szene läuft: Die Haare bewegen sich realistisch, zum Teil sind die Poren und Sommersprossen der Figuren perfekt erkennbar und die Kleidungen bewegen sich wahnsinnig gut und sehen aus als wären sie echt. Sieht man im Spiel Wasser, möchte man am liebsten die Hand ausstrecken, da es fast echt aussieht.FFX_Zanarkand Leider müssen wir hier erste Abstriche an der HD-Auflage machen. Da das Originalspiel für die HD-Auflage überarbeitet wurde, hätten wir uns gewünscht, dass dies auch bei der Technik der Fall gewesen wäre: Besonders Haare oder Haarschmuck clippen ganz gern in Schultern, während Hände recht häufig in Gegenständen verschwinden. An einigen Stellen ruckelt das Spiel auch ein wenig, allerdings nie dort, wo sich viele NPCs aufhalten. Gut, das sind Fehler, die jedoch dem Spiel keinen Abbruch tun. Etwas unangenehmer ist da schon die Asynchronität bei nicht-gerenderten Szenen, also bei denen, die nicht extra grafisch überarbeitet und direkt an HD angepasst wurden. Und wenn wir gerade einmal beim Meckern sind: Schade ist ebenfalls, dass an der deutschen Übersetzung nicht gearbeitet wurde.
Wie Fans der Serie wissen, wies Final Fantasy X schon immer recht große Unterschiede zwischen dem Gesprochenen und den Untertiteln auf. Das hängt damit zusammen, dass unterschiedliche Studios mit den Übersetzungen betraut wurden und sich das englische Studio für die Sprachausgabe an den Lippen orientierte, während das deutsche Studio sehr nah am japanischen Original blieb. Damals, das gebe ich zu, ist mir der große Unterschied gar nicht so stark aufgefallen, aber heute, wo ich Englisch weitaus besser verstehe als damals mit 13 Jahren, ist es schon faszinierend, was gesagt wird und was am Ende in den Untertiteln steht. Beispielsweise lacht Wakka das eine Mal bloß, während im Untertitel so was steht wie “Das war echt gut mit den Zanarkand Abes.” Das hätte etwas überarbeitet werden können, aber schlimm ist es letzten Endes nicht, da der Sinn dennoch nicht verloren geht.
Dafür macht es unheimlich Spaß den Figuren zuzuhören, da die englischen Synchronsprecher sehr gut gewählt wurden, bzw. noch immer dieselben vom Originalspiel sind. Ein wenig spielt da nur die Abmischung auf der PlayStation Vita nicht mit, aber gut. Vielleicht lag da das Augenmerk des chinesischen Studios nicht drauf, das den Titel geportet hat.

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Rundenbasiert ftw!

Am Kampfsystem hat sich selbstverständlich nicht geändert, lediglich das Layout wurde etwas angepasst und ist nun um einiges besser zu betrachten als noch beim Originalspiel. Das Ganze funktioniert rundenbasiert, das bedeutet, dass jede Figur einmal dran ist, ohne dass Zeit abläuft oder irgendwas anderes passiert. Wenn ihr keinen Zug macht, wird der Kampf auch nicht fortgesetzt. Das ist recht cool, da man sich dann gut überlegen kann, welchen Angriff man verwendet, oder ob man vielleicht eine Figur austauscht (das geht übrigens problemlos über L). Auch wenn das System etwas veraltet scheint, macht es doch weitaus mehr Spaß als das sogenannte ATB (Active Time Battle), das in Final Fantasy XIII Anwendung findet. Im Gegensatz zur Steuerung von Tidus funktioniert beim Kampf alles perfekt.
Steuert man Tidus jedoch außerhalb eines Kampfes, so kann es passieren, dass die Vita nicht auf eure Tasteneingabe reagiert und X ganz gern mal ignoriert. Auch stößt Tidus immer mal wieder an kleineren Steinchen an, um die man sich noch herummanövrieren muss. Das war allerdings auch schon auf der PlayStation 2 so, allerdings wäre auch hier eine Überarbeitung wünschenswert gewesen.
Was ein wenig in verschiedenen Ablegern von Final Fantasy *hust* FFXIV *hust* vernachlässigt wurde, ist das Elementesystem. Also dieses typische System, bei dem ein Gegner über ein Element verfügt und somit eine Schwäche gegenüber einem anderen Element besitzt, wodurch man diesen schneller besiegen kann. In Final Fantasy X sollte man jedoch darauf achten, welches Element der Gegner hat, da man sonst ganz schnell in die Verlegenheit kommt, und diesen heilt. Kimahris Fähigkeiten dürften euch allerdings dabei behilflich sein, zu erkennen, wogegen das Monster eine Schwäche hat. Das verleiht dem Ganzen einen taktischen Hintergrund, wodurch das rundenbasierte Kampfsystem gleich noch einen ganz anderen Nutzen hat. So hat man nämlich genügend Zeit, die Schwäche oder Affinität des Gegners herauszufinden.
Doch wie wird man nun stärker? In Final Fantasy X erwartet euch ein sogenannte Sphärobrett, mit dem ihr eure Figuren verbessern könnt. Hierfür ist es wichtig, dass ihr gegen Gegner kämpft, um euch die Sphäoriden zu besorgen. Habt ihr diese, könnt ihr euch über das Menü zum Sphärobrett begeben und euch schrittweise zu verschiedenen Punkten bewegen. Mit jedem Level-Up erhaltet ihr die Möglichkeit, euch einen weiteren Punkt auf dem Sphärobrett nach vorn zu bewegen, um möglichst bessere Sphäroiden platzieren zu können. Das ist gut und macht Spaß, da man im späteren Verlauf auch bessere Sphäroiden findet, wodurch man sein Sphärobrett immer weiter verbessern kann.

FFX_Shiva

Ich werde Blitzballgott!

Wer sich in Final Fantasy X ein wenig abseits der Geschichte beschäftigen möchte, kann dies nicht nur mit dem stumpfen Leveln der Figuren tun, sondern sich auch an verschiedenen Minispielen beteiligen. Naheliegend ist es da, dass man an Blitzballspielen teilnehmen kann. Hierbei handelt es sich, grob gesagt, um eine Art Hand-/Fußball unter Wasser, bei dem man verschiedene Moves benutzt, um den Ball in das Tor der gegnerischen Mannschaft zu befördern. Das macht Spaß, benötigt aber ein gewisses Geschick für solche Art Minispiele.
Nebenbei könnt ihr in den verschiedenen Gebieten von Spira weitere Minispiele spielen wie die Schmetterlingsjagd im Macalania-Wald oder die Monsterfarm in der Stillen Ebene. Wer es drauf anlegt, der mächtigste der Mächtigen in Spira zu werden, kann sich auf die Suche der Solaris-Waffen machen, die im Übrigen auch für eine Trophäe benötigt werden. Hierbei handelt es sich um besondere Waffen, die durch verschiedene Aufgaben erlangt werden können. Und wer sein Auge lieber auf Bestia legt, kann sein Team mit versteckten Bestia erweitern oder sich am Ende der Geschichte gar den Schwarzen Besita stellen, die wahnsinnig schwer sind und somit eine mehr als gelungene Herausforderung darstellen. Und wer lieber zu den Jägern und Sammlern gehört, kann beispielsweise 26 Al-Bhed-Lexika besorgen, sodass ihr die seltsame Sprache entschlüsseln könnt – oder ihr stürzt euch in zahllose Kämpfe, um bessere Sphäroiden zu erhalten, mit denen ihr euer Sphärobrett erweitern und somit eure Figuren verbessern könnt. Es gibt unglaublich viel zu tun in Spira, doch ist es eine übersichtliche Anzahl, die nicht überfordernd wirken.

Gutes

+ Schöne Landschaften
+ Wahnsinnige hübsche gerenderte Szenen
+ Überarbeitetes Layout
+ Mitreißende Geschichte
+ Gutes Levelsystem
+ Viele Nebenbeschäftigungen

Schlechtes

- Asynchron
- Leichte Clippingfehler und Ruckler
- Nicht immer gelungene Abmischung
- Probleme in der Kolissionsabfrage
- Unstimmigkeiten zwischen Gesprochenem und Untertitel

8.9 Sehr gut

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