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Final Fantasy XV im Test – Es war einmal vor langer Zeit…

Artikel von | 04.12.2016 um 15:08 Uhr

Im Jahr 2006 kündigte Square Enix überraschenderweise nicht nur ein neues Final Fantasy an, sondern gleich zwei. Neben Final Fantasy XIII, dessen Werdegang den meisten bekannt ist, wurde noch das deutlich düstere Final Fantasy versus XIII angekündigt. Damals hat sicher keiner gedacht, dass es ganze 10 Jahre dauern würde, bis der Titel wirklich erscheint. Den ganzen Werdegang erläutern wir nicht nochmal, doch es hat sich in der Zeit einiges getan und aus versus XIII wurde Final Fantasy XV. Nur wenige Titel haben über Jahre hinweg für so viel Gesprächsstoff gesorgt und wurden so heiß ersehnt. Nun ist es endlich da und wir beantworten für euch die wohl wichtigste Frage – hat sich das Warten gelohnt? Spoiler, Ja!

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Steht zusammen

Das Spiel startet direkt mit einer sehr fragwürdigen Entscheidung. Wie man es auch aus zahlreichen Serien, Filmen oder anderen Spielen kennt, bekommen wir zu Beginn einen kleinen Blick in die Zukunft. Unsere Hauptcharaktere sehen deutlich älter aus und stehen einem feurigem Gegner gegenüber, Fans wissen sicher um wen es geht. Dieser Ausblick dauert keine drei Minuten und dann startet das eigentliche Intro Video. Wir sehen wie der König von Insomnia, Regis Lucis Caelum, seinen Sohn Noctis Lucis Caelum auf eine Reise schickt, an deren Ende er Lunafreya Nox Fleuret heiraten soll. Klingt soweit nicht besonders, doch natürlich steckt viel mehr dahinter als es zunächst den Anschein hat. Wie manche vielleicht schon aus dem Film Final Fantasy XV: Kingsglaive wissen, wurde Insomnia während eines geplanten Friedensabkommens mit Niflheim, von eben denen angegriffen und wurde zerstört. Wo wir gerade beim Film sind, dieser ist nicht zwingend nötig um alles im Spiel zu verstehen, doch hilfreich ist er allemal um nicht teilweise etwas planlos zu sein. Nicht nur werden Vorgeschichte und Details etwas näher erläutert, sondern auch ein paar Charaktere werden eingeführt. Ohne Vorkenntnis des Films wirkt es nämlich ein wenig seltsam, dass Noctis sich auf eine Reise begibt und nur wenig später erfährt, dass seine Heimat in Trümmern liegt und seine zukünftige Braut für tot erklärt wurde. Dies gilt übrigens auch für Noctis, doch natürlich sind beide noch am Leben. Noctis Ziel ist nun klar, Luna finden und das  Imperium Niflheim zu Fall bringen. Unterstützt wird er dabei von drei Freunden. Ignis Stupeo Scientia, der besonnene der Gruppe, Fahrer und Koch. Gladiolus Amicitia ist das Muskelpaket und zugleich Leibwächter der Königsfamilie, wie alle Amicitia. Bleibt noch Prompto Argentum der Spaßvogel der Truppe. Alle drei sind seit ihrer Kindheit mit Noctis befreundet und weichen nie von seiner Seite.

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Mit dem Quartett und Luna haben wir schon mal 5 der 6 wichtigsten Charaktere abgehandelt. Bleibt noch der Antagonist, den wir aber nicht verraten. Das Spiel bietet noch mehr Charaktere, doch dazu kommen wir gleich, erst noch ein paar Worte zur Handlung. Die Prämisse haben wir ja bereits geklärt, doch was taugt sie sonst? Nun, wie viele sicherlich wissen, ist Final Fantasy XV ein Open World Rollenspiel. Das stimmt größtenteils auch, aber nicht ganz. Ab einem gewissen Punkt im Spiel, wechselt der Titel auf eine lineare Linie und treibt die Handlung intensiver voran. Während der ersten Kapitel geht es eher etwas gemächlich und fast schleppend voran, da man dort noch auf Open World setzt. Übrigens kann man jederzeit wieder in die offene Welt zurück wechseln. Uns hat dieser Ansatz eigentlich ganz gut gefallen, da man so einen guten Spagat zwischen Freiheiten, Nebenaufgaben und Abwechslung bietet, zugleich aber auch dafür sorgt, dass zumindest ab einem gewissen Punkt die Handlung in Fahrt kommt und die Charaktere entwickelt werden. Womit wir wieder bei den Charakteren wären. Das Quartett der Hauptcharaktere ist super gelungen. Deren Chemie passt einfach wunderbar und auch wenn sie oft Klischees erfüllen und es manchmal auch etwas unfreiwillig peinlich wird, kommt man nicht umher die Kerle ins Herz zu schließen. Bei Luna und dem Antagonisten sieht das etwas anders aus. Zwar sind beide, verglichen mit anderen Nebencharakteren, recht präsent, doch bei weitem nicht genug. So möchte das Spiel an vielen Stellen Sympathie für Luna entstehen lassen und das Gefühl erwecken, dass Noctis und Luna das Traumpaar sind und sich innig lieben. Leider ist sie dafür zu selten zu sehen und besonders zusammen mit Noctis ist sie fast nur in gelegentlichen Flashbacks zu sehen. Man merkt in diesen zwar, dass die beiden füreinander bestimmt sind, auch aus Gründen die wir nicht verraten, doch leider ist das alles viel zu minimalistisch und marginal gehalten. Dabei ist auch ein Problem, dass viele Informationen und Hintergründe für selbstverständlich angesehen werden, anstatt sie näher zu beleuchten. Beispielsweise sieht man in den Flashbacks und auch im Film, dass Noctis im Rollstuhl gesessen hat, doch man erfährt nie warum. Diese Kleinigkeiten treten leider manchmal auf und man wird das Gefühl nicht los, dass da einiges im Entwicklungsprozess verloren gegangen ist. Ähnliches gilt auch für den Antagonisten. Zwar hat dieser seine Momente und man entwickelt mit der Zeit wirklich Hass auf ihn, doch hätte man so viel mehr daraus machen können und würde lieber mehr erfahren.

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Bleiben noch die restlichen Charaktere. Es gibt noch ein paar, die des öfteren mal reinschauen und sich auch temporär der Party anschließen, doch wirken diese allesamt unterentwickelt, doch das ist noch nicht das größte Problem. Keine Ahnung obs an der langen Entwicklung oder der Umstellungen im Team liegt, doch manche Charaktere werden regelrecht vergessen. Nehmen wir zum Beispiel den Kanzler von Niflheim, Ledolas Aldercapt, und den Forscher von Niflheim, Verstael. Beide waren nicht nur in zahlreichen Trailern präsent, Ledolas spielte auch eine wichtige Rolle im Film. Tja, im Spiel bekommt man beide ein einziges mal zu sehen und das war es, sie werden nie wieder auch nur erwähnt! Auf Noctis Seite ist da Cor Leonis. Dieser ist der General der Armee von Insomnia und trägt den Titel, “Der Unsterbliche”. Gegen Anfang ist er kurz mit dabei und mittendrin sagt er nochmal hallo und das war es dann auch wieder. Hier und da fällt mal der Name, doch auch ihn sehen wir nie wieder, dabei hat besonders er so viel Potential. Nicht nur wirkt er an sich interessant, sondern er ist auch ein fähiger Kämpfer und scheint viel zu wissen über die Welt. Noch enttäuschender ist jedoch, dass man nie wirklich erfährt, warum er “Der Unsterbliche” genannt wird. Diese Lücken treten leider immer wieder mal auf und man will einfach mehr wissen, auch wenn es nicht passieren wird. Kurzum kann man sagen, dass die Welt und die Charaktere wahnsinnig viel Potential bieten, dieses jedoch nicht gänzlich ausgeschöpft wird. Alles in allem waren wir aber zufrieden mit der Handlung und zumindest das Quartett wurde sehr gut präsentiert. Bevor wir nun endlich mal von den Charakteren und der Handlung weg kommen, noch ein kurzes Wort zur Snychro. Erstmals bietet ein Final Fantasy XV eine deutsche Sprachausgabe und überraschenderweise, ist diese sogar ganz gut. Hier und da gibt es mal einen Sprecher der etwas unpassend ist, doch im großen und ganzen ist es gelungen. Wer jedoch möchte, kann auch auf englische oder japanische Sprachausgabe wechseln. Da aber auch oft während der Kämpfe geredet wird, kann man da nicht immer auf die Untertitel achten. Somit haben wir auch super die Überleitung zum Kampfsystem hingekriegt.

Zu lang, will ich nicht lesen – Story, Charaktere und Welt sind interessant und bieten Potential, doch es wird nicht gänzlich genutzt. Viele Charaktere verschwinden irgendwann einfach oder werden nur noch namentlich erwähnt, dafür ist das Quartett der Hauptcharaktere super gelungen. Öfters entstehen Fragen zur Welt, Charakteren und Situationen, die jedoch nicht wirklich erklärt werden.

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Final Fantasy XV Testbericht

Final Fantasy XV

  • Release: 29.11.2016
  • Genre: Rollenspiel
  • Entwickler: Square Enix
  • Publisher: Square Enix

Gutes

- Tolle Optik mit superben Soundtrack
- Viel zu tun und tolle End Game Inhalte
- Spaßiges und dynamisches Kampfsystem
- Interessante Handlung und sympathisches Quartett
- Zauber und Beschwörungen sind mächtig und nützlich wie nie

Schlechtes

- Nebenaufgaben oft plump und einseitig
- Nebencharaktere größtenteils irrelevant und unterentwickelt
- Öfters ungeklärte Situationen und Tatsachen
- Zauber bieten wenig Variationen
- Beschwörungen unnötig kompliziert gemacht und teils abhängig von Glück

8.3 / 10 Sehr gut

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