Fight Night Round 4 – Review

Getestet von | 07.08.2009 um 00:00 Uhr

Greatest Of All Time?

Nach drei Jahren Pause lässt EA Boxfans wieder in den virtuellen Ring steigen.
Fight Night Round 4 geht mit unzähligen Kämpfern und einem viel versprechenden Karriere-Modus an den Start. Doch reicht das? Kann die Steuerung überzeugen? Wird EA sich selbst übertreffen und den dritten Teil der Fight Night Serie vom Thron der Boxspiele stoßen? Wir haben es herausgefunden…

Let’s get ready to rumble!

Das Spiel startet mit einem ausgiebigen Tutorial, in dem die Grundschritte im Gameplay und der Steuerung erlernt werden. Das Spielgeschehen bietet Action, die ganz nah an der Realitätsgrenze steht. Schläge müssen genau getimed werden, sonst rutscht die Faust schnell an den blockenden Handschuhen des Gegners ab. Darüber hinaus müssen Ausweichmanöver oder Blocks zum richtigen Zeitpunkt eingeführt werden, sonst trifft der Gegner mit einer gezielten Faust. Pures Button-Mashing lässt schnell Frust aufkommen. Taktik ist gefragt. Verhält sich der Spieler aggressiv und schlägt einen Jab nach dem anderen, und gelegentlich einen kraftvollen Kinnhaken? Oder wartet der Spieler die Spielweise des Gegners ab, blockt und kontert zum richtigen Zeitpunkt? Die Gegner passen sich der eigenen Spielart an und sind nicht zu unterschätzen, auf jeder Schwierigkeit. Kopfnüsse aus Frust können aus manch schwieriger Lage befreien, doch sie machen sich auch bei der alles entscheidenden Runden-Wertung der Richter bemerkbar, sofern der Kampf nicht durch K.O. beendet wurde. Mehrere Leisten zeigen Ausdauer und Gesundheit an. Nach jeder Runde stehen dem Spieler Punkte bereit, die Anzahl ist allein von der Leistung abhängend. Diese Punkte können für die Rekonstruktion der Kampfleisten benutzt werden, doch sie müssen mit Bedacht eingesetzt werden. Wenn der Schaden zu groß ist und mit dem Punktespiel nicht gelindert wurde, passiert es schnell, dass der Gegner den Spieler auf den Boden schickt. Ist dies geschehen, kommt ein kleines Geschicklichkeitsspiel zum Einsatz. Um aufzustehen werden die beiden Analog-Sticks benutzt. Das Spiel bietet tolle Animationen, die Bewegungen laufen flüssig ab. Alles in Allem hat EA wohl die beste Simulation im Boxsport entwickelt. Anfänger tun sich schwer, doch wenn das System und die Steuerung sitzen, kann Boxsport erster Klasse genossen werden. Freude pur bei einem wundervollen K.O. in der zwölften Runde!

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Das Menü des Spiels ist schlicht und übersichtlich aufgebaut. Dort stehen viele Auswahlen bereit. Natürlich können über „Schnellkampf“ ohne viele Einstellungen sofort wahlweise gegen CPU-Gegner mit eingestellter Schwierigkeit oder gegen eine zweite Person an der eigenen Konsole die Fäuste geschwungen werden. Mit über 40 Boxern, darunter Legenden wie Muhammad Ali oder Mike Tyson und auch aktuelle Champions wie Lennox Lewis oder George Foreman, ist die Auswahl gigantisch. Eingeteilt in ihre Gewichtsklassen sind die Kämpfer aufzufinden. Leider, aber auch der Fairness zu Liebe, kann kein Kampf zwischen zwei Boxern stattfinden, die über zwei Gewichtsklassen auseinander liegen. Viele Schauplätze stehen den Spielern zur Auswahl, die allesamt ihren originalen Vorbildern entsprechen. Nachdem eine passende Arena gewählt wurde, geht es auch schon los… EA versprach im Vorfeld viel mit einem neuen Karriere-Modus, der fast schon einer Simulation gleiche. Mit wenigen Schritten wird ein Boxer ausgewählt. Dabei können auf selbsterstellte (dazu später mehr) und vorhandene Kämpfer zugegriffen werden. Da der Spieler in der Karriere als Möchtegern-Boxer einsteigt, werden alle Kampfwerte reduziert. Nach einem ersten Turnier findet man sich auch bereits im komplexen Menü der Karriere vor. Die Auswahl hält viele teilweise unnütze Statistiken bereit und informiert über die neusten News im Boxsport. Das Menü ist hierbei recht unübersichtlich. Doch zum Glück ist dieser Auswahlbildschrim nicht unbedingt von höchster Not. Ein Startbildschirm zeigt die Kampfstatistiken, weiterhin wird man auf Karriere-Nachrichten z.B. von seinem Trainer hingewiesen. Noch dazu gibt es eine Rangliste zu sehen, in der zunächst der 50. Rang eingenommen wird. Nach und nach gilt es, sich mit Unmengen an Herausforderern zu messen, bis man schließlich den ersten Rang und somit den Status „Greatest Of All Time“ erreicht. Als letztes kann man über die einfache Karriere-Übersicht den Kalender aufrufen. Dort können alle Ruhepausen eingesehen und alle Kämpfe sowie Trainingszeiten geplant werden. Das Training gestaltet sich aus kleineren Minispielen, die trotzdem alle mit dem Gameplay zusammen hängen. Die Einheiten scheinen anfangs recht abwechslungsreich zu sein. Doch schnell wird klar, dass viele Varianten sehr ähnlich sind und sich auch im Verlauf der Karriere nahezu endlos wiederholen. Es gibt die Möglichkeit, jedes Training und auch jeden Kampf nach Statistiken zu simulieren. Erfolg ist dabei natürlich nicht garantiert… Der Karriere-Modus ist spaßig und macht vieles richtig, doch eine „Revolution“ in Sportspielen ist einfach zu weit hergeholt. Nach einiger Zeit nimmt die Stärke der Gegner selbstverständlich stark zu. Wer also nicht wirklich den eisernen Willen hat, der „Beste aller Zeiten“ zu sein, kann schnell von der Karriere abtreiben.

Runter, drehen, hochziehen

Die Steuerung in Fight Night Round 4 kann mit gemischten Gefühlen betrachtet werden. EA setzt im neuen Teil nur auf die Kontrolle mit dem rechten Analog-Stick. Während Geraden und Crosses noch recht einfach belegt und mit einfachem Antippen der vorher bestimmten Richtung erledigt werden, benötigen Aufwärts- oder Seitwärtshaken eine komplexere Manövrierung. Schräg runter ziehen mit Drehung nach oben – so wird ein Uppercut fabriziert. Klingt noch recht einfach, doch da wirklich alle Schläge mit dem Analog-Stick belegt sind, kommt es oft zu Verwechslungen oder einfachen Fehlschlägen. Bestes Beispiel ist das simple Antippen nach schräg oben links. All zu oft kommt es vor, dass durch die Sensitivität des Sticks die kleinste Fehlrichtung Ausschlag gibt und so einfach nach links gedrückt wird. Für Anfänger kann diese Tatsache ziemlich abschreckend sein. Doch nach weniger Eingewöhnungszeit macht die Steuerung in dieser Weise ziemlich viel Spaß. Denn eins muss man den Entwicklern lassen: die Kontrolle über die Schläge ist so auf alle Fälle am realistischsten. Auch das Ausweichen und das Blocken wird mit den Sticks kontrolliert und in diesen Fällen funktioniert die Steuerung prächtig und fühlt sich „echt“ an. Durch das Drücken der L1-Taste schwingt sich der Boxer in die Richtung, die der linke Stick vorgibt. Wenn R1 gedrückt ist, lässt sich mit dem rechten Stick nach oben das Gesicht sowie der Oberkörper schützen, nach unten wird der Unterkörper behütet. Die Face-Buttons kommen auch beim Gameplay zum Einsatz. So lassen sich ein Spezialschlag und ein Kopfstoß einleiten, Klammern und ein einfacher Stoß zur Abwehr der Umarmung sind auch möglich. Obwohl die jetzige Steuerung durchaus überzeugt, kündigte EA noch die Lenkung per Face-Buttons an. Ab September steht dafür ein neues Update bereit, das Spielern noch eine neue Steuerungsmöglichkeit ermöglicht.

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Der Schweiß perlt über die Brust…

Optisch macht Fight Night Round 4 einiges her und spielt ganz oben in der Liga mit.
Jeder Kämpfer sieht seinem echten Vorbild zum Verwechseln ähnlich. Alle Boxer sind grandios gestaltet worden, jeder Gesichtszug ist fein detailliert. Ähnlich geht es bei den Arenen zu. Die Schauplätze sind alle verschieden und trotzdem wirklich toll nachgebildet. Durch die andere Kulisse sowie veränderte Runden-Ertönungen bieten die Arenen auch in der Stimmung Abwechslung. Die Zuschauer sehen recht gut aus, die Fotografen rund um den Ring ebenfalls. Ringrichter, Trainer und die hübschen Damen, die die Rundenanzahl zeigen, wirken wie die Boxer detailgetreu. Erst wenn der Kampf losgeht, lässt der vierte Teil der Serie richtig die Muskeln spielen. Schweiß überzieht die Boxer und perlt laufend von den beiden Kontrahenten ab. Blut spritzt leicht und läuft am Gesicht herunter, Cuts machen sich sichtbar. Die Behauptung, dass die deutsche Version geschnitten ist, sollte auf den Müll verfrachtet werden – der Blutgehalt bleibt realitätsgetreu, nicht mehr und nicht weniger. Außerdem ist in den Einstellungen eine Option zu finden, die den physikalischen Schaden hochstellt. Ein weiterer Augenschmaus: Die Slo-Mo Wiederholungen. Wenn der Gegner auf den Boden geschickt wurde, präsentiert eine Zeitlupe den ausschlaggebenden Treffer. Die Visage des Gegenübers muss dabei ganz schön leiden und schwabbelt vor sich hin. Besonders tolle Slo-Mos können nicht nur Online hochgeladen, sondern auch auf die Festplatte gespeichert werden. Die Grafik kann also definitiv punkten und sorgt mit supersanften 60 FPS für Kinnladenaufklappen. Auch die Präsentation reiht sich gut in dieses Schema ein. Das Menü ist schön und trotzdem stimmig gestaltet. Die Hip-Hop-lastige Musikuntermalung trägt gut zum Erscheinen bei. In der Arena werden die Kämpfer durch einen stimmungsvollen Einmarsch präsentiert, und dann geht’s auch schon los. Die Glocke ertönt, die Zuschauer jubeln, die Kommentatoren übernehmen. All das trägt dazu bei, dass man sich fühlt, als schaut man ein spannendes Boxevent im Fernsehen. Kurz gesagt – die Präsentation und Atmosphäre im Spiel sind toll und liefern echtes TV-Boxfeeling; manchmal sogar mehr.

Die Runden-Glocke ertönt

Die Sound-Inszenierung im Kampf ist klasse und wird Boxfans das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Die Zuschauer klingen realistisch, die Runden-Glocke ertönt je nach Schauplatz mit einem anderen Geräusch. Während dem Kampf können neben den Kommentatoren auch gelegentlich die Trainer gehört werden, die wie wild auf den Kämpfer einschreien. Die Schläge sind im Klang ebenfalls realitätsgetreu umgesetzt worden. Weiterhin ist der Treffer mit dem Handschuh immer schön anzuhören. Einzig etwas übertrieben wurde in den Zeitlupen. Bei Wiederholung des entscheidenden Schlags knarzt und knackt es nur, sodass man nur unberechtigtes Mitleid mit dem Kiefer oder der Nase des Spielers hat. Beim Soundtrack konnte EA wieder in die Lizenz-Box greifen und lässt viele Hip-Hop Beats aus den Boxen ertönen. Es ist nicht jedermanns Sache, und leider hat EA ansonsten wirklich wenige Genres in Petto. Lobenswert sind aber die Ladezeiten vor dem Kampf in Sachen Sound. Während Spieltipps oder die Steuerung gezeigt werden, ertönt eine meist hörenswerte Instrumental Version des zuletzt gespielten Songs. Die Musikuntermalung wird sicher nicht jedem gefallen, doch an der Soundausschmückung im Kampf ist kaum etwas auszusetzen.

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Vom Photo-Game-Face zum Online-Aspekt

Bereits im Fun-Boxspiel „Facebreaker“ nutze EA eine Technik, die den Spielern erlaubt, mit Hilfe einer Kamera oder eines Fotos eine eigene Spielfigur zu erstellen. In Fight Night Round 4 wurde dieses System noch einmal überarbeitet. Bei der Kreation eines eigenen Boxers kann man entweder Fotos benutzen, die auf EAs Website hinterlegt wurden, oder eine USB-Kamera – bei unserem Test eine PS Eye Kamera. Nachdem einige Punkte beachtet wurden, schießt/wählt man das Front-Foto (aus). Als nächstes muss der Spieler verschiedene Gesichtspunkte wie die Mundwinkel manuell festlegen. Dasselbe geht optional auch mit einem Seiten-Foto des Gesichts, um ein besseres Ergebnis zu erzielen. Zugegeben; nach zwei Versuchen stimmte bei unseren Test immer noch nicht alles, doch einzelne Gesichtszüge sind erkennbar. Weiterhin lassen sich mehrere Werte und Details noch manuell regeln, um sein perfektes Ich zu erstellen. Dem Spieler stehen dabei auch etliche Shorts, Handschuhe und Schuhe bereit. Eine Beschriftung der Teile ist möglich, weiterhin kann jede erdenkliche Farbe ausgewählt werden. Persönliche Infos runden die Erstellung ab. Erstaunlich, aber wahr: der gewählte Name wird beim Einzug von den Kommentatoren erwähnt. Und apropos Einzug. Wie dieser gestaltet ist, kann auch festgelegt werden. Die Einmarschmusik kann von der Liste des Soundtracks gewählt werden oder sogar von der eigenen Festplatte. Obwohl es noch kleine Probleme in der Game-Face Technik gibt, bietet die Erstellung einer Spielfigur sehr viele Möglichkeiten und ist durchaus zu loben.

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Um noch kurz beim Punkt der Erstellung zu bleiben. Online lassen sich leicht viele erstellte Star-Charaktere finden und downloaden, die mit Hilfe des Game-Face Systems erstellt wurden. Neben Spaß-Figuren wie Harry Potter, Chuck Norris oder Michael Jackson lassen sich auch echte Boxer finden, die es nicht ins Spiel geschafft haben. Darunter gibt es Floyd Mayweather oder die Klitschko-Brüder zu sehen. Natürlich ist der Online-Aspekt nicht nur auf die Verbreitung von Figuren beschränkt; es geht vor allem ums Boxen. In Weltmeisterschaften kann man sich mit einem erstellten Kämpfer mit anderen messen. Ranglisten- oder Nicht-Ranglistenspiele gibt es auch zu finden, hier dürfen wieder Boxer aus dem Spiele-Line-Up ausgewählt werden. Der Kampf läuft recht flüssig, manchmal sind aber kurze Lags zu erwarten. Neueinsteiger sollten sich aber vorerst vom Online-Modus fern halten. Zwar sollen einstellbare Filter dafür sorgen, dass die Kontrahenten etwa dieselben Werte haben, der Filter versagt oftmals aber recht deutlich. Noch dazu sind ziemlich viele Button-Masher unterwegs, die gegen normale Spieler kaum etwas ausrichten können, bei Anfängern aber Fressen finden.

Mit Kinnhaken auf den Thron?

Die drei Jahre Pause haben sich gelohnt. Doch eins vorweg – Das Spiel hat einen großen Kritikpunkt: Es dauert eine Weile, bis Spiel- und Kampfsystem komplett durchschaut wurden. Dazu kommt noch die gewöhnungsbedürftige Steuerung, die das Spielgeschehen anfangs noch sehr schwer macht. Trotzdem hat EA Canada eine tolle Boxsimulation entwickelt, die bei Know-How richtig viel Spaß macht. Das strategische Gameplay bietet für Fans des Sports tolle Unterhaltung. Auch die detailierte Grafik darf zusammen mit Präsentation und den überzeugenden Soundeffekten gelobt werden. Die umfangreiche Figuren-Erstellung lässt virtuelle Kopien der Spieler in den Ring steigen und der Online-Teil verspricht Spaß auf lange Zeit. Der Boxthron wurde erfolgreich erobert.

Gutes

+ strategisch-realistisches Gameplay
+ klasse Optik
+ toller Sound und Präsentation
+ große Kämpfer-Auswahl
+ umfangreicher Boxer-Editor

Schlechtes

- öder Karriere Modus
- Soundtrack spricht nicht jeden an
- für Neueinsteiger recht schwer

8.5 Sehr gut

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