Fifa10 – Review

Getestet von | 16.11.2009 um 00:00 Uhr

„Das Runde muss ins Eckige“ und „Ein Spiel dauert 90 Minuten“. Diese Aussagen beschreiben den Lieblingssport von Millionen Menschen weltweit wohl am besten. Wie jedes Jahr liefert EA mit einem neuen Teil ihrer Fifa-Reihe neues Futter für alle Fußballfans. Wir haben für euch getestet, ob die Serie einen weiteren Schritt Richtung Realismus macht oder zurück zum eher arcadelastigen Gameplay geht.

Anpfiff
Zu Beginn werden erst einmal die vorhandenen Trophäen aus dem Vorgänger geladen und damit euer spielerisches Können festgelegt. Natürlich könnt ihr danach immer noch frei wählen ob ihr als Amateur, Halbprofi, Profi, Weltklassespieler oder Legende eure Matches bestreiten wollt. Habt ihr eure Spielklasse gewählt, wird nur noch die Lieblingsmannschaft ausgesucht und schon kann es losgehen. Zu Beginn landet ihr in der Arena, wo ihr mit dem Fußballprofi Wayne Rooney schon einmal die Steuerung verinnerlichen, bevor es dann ins richtige Spielgeschehen geht. Im Hauptmenü könnt ihr später auch den voreingestellten englischen Nationalspieler – welcher übrigens auch zusammen mit dem deutschen Bastian „Schweini“ Schweinsteiger das diesjährige Cover ziert – für jeden beliebigen Spieler ersetzen. Zudem kann das Stadion, in welchem ihr in der Arena spielt verändert werden. Mit einem Druck auf die Select-Taste gelangt man in das Trainingsmenü. Dort können Trainingsspiele ausgetragen werden, oder verschiedene Standardvariationen einstudiert werden. Wer sich mit der Steuerung vertraut gemacht hat, kann sich dann auch sofort ins Getümmel stürzen.

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Im Hauptmenü habt ihr Zugriff auf die diversen Spielmodi von Fifa10. Unter den Punkten: Anstoss, Spielmodi und Online-Spielmodi finden sich unter anderem Schnelle Freundschaftspiele (On- und Offline), die Be-A-Pro-Saison, Online Lobbies sowie der Manger-Modus. Zudem kann der Spieler sich ein virtuelles Ebenbild kreieren, dieses nennt sich Virtual Pro. Dessen Name, Nationalität, Alter, Körperbau, und Gesichtsform kann individuell verändert werden. Wer bereits auf EA Sports TM Football World ein Game Face erstellt hat, kann dieses ebenfalls auf das pixelige Ebenbild übertragen. Die Fähigkeiten des eigenen Profis lassen sich in der Arena, dem Pro Club Championship sowie sämtlichen Offline-Modi verbessern. Unter dem nächsten Punkt, der Live Season 2.0 können die echten Spielzeiten der eigenen Lieblingsmannschaft nachgespielt werden. Dazu muss mindestens eine der 6 auswählbaren Ligen im Fifa-eigenen Store erstanden werden. Danach werden die Daten des 1. Spieltages der jeweiligen Liga geladen, ab dann ist man selbst mitten im Geschehen. Jeden Mittwoch gibt es die neuesten Updates der realen Clubs, welche von Formationen über Verletzungen bis hin zu Transfers reichen. Wer einmal eine Liga gekauft hat, kann mit allen Vereinen eine Live Season nachspielen.

You can be a Pro
Seid ihr bereit für die ultimative Herausforderung? Euch innerhalb von 4 Jahren vom Reservespieler zum gefeierten Kapitän der Nationalmannschaft zu kämpfen? Dann stellt euch, werdet ein Pro. Im Be-A-Pro-Modus schlüpft ihr in die Rolle eines beliebigen Profis oder versucht es mit eurem Virtual Pro. Egal auf welcher Position der gewählte Spieler steht, während des Matches wird er für jede Aktion bewertet, von Pässen über erfolgreiche geführte Zweikämpfe bis hin zu Torerfolgen. Am Ende jeden Spiels wird abgerechnet und der Spieler bekommt Erfahrungspunkte gutgeschrieben, mit denen Fähigkeiten wie Schusskraft und –präzision, Aggressivität, Pass- und Flankenspiel oder Tempo und Beschleunigung verbessert werden können. So werden die Fertigkeiten immer weiter erhöht. Der Virtual Pro bekommt kann nur verschiedene Leistungen freischalten. Zudem bekommt man vom Trainer vor jedem Spiel 3 Aufgaben gestellt wie zum Beispiel: Erziele eine Abschließende Bewertung von 7.0, die erfüllt werden müssen um in der Ansehnlichkeit des Trainers und der Fans zu steigen und dann irgendwann in die Nationalmannschaft berufen zu werden. Das einzige Manko dieses Spielmodus ist die sehr gewöhnungsbedürftige Kameraführung. Ist euer Profi am Ball, springt die Kamera in eine Art Verfolgeransicht. In dieser Ansicht verliert man leicht mal die Übersicht. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit kommt man aber auch damit klar. Die Steuerung funktioniert genauso wie im normalen Spiel wo alle Spieler gesteuert werden. Zusätzlich gibt man den Mitspielern per Tastendruck Anweisungen wie Steilpass geben oder auf das Tor schießen. Wer möchte, kann auch alle Spieler steuern, läuft dann aber Gefahr seinen eigenen Pro zu vernachlässigen, denn Punkte gibt es weiterhin nur für ihn.

Wer lieber offline mit seinen Freunden spielt, sollte sich dem Lounge-Modus näher betrachten. Dort können Offline-Herausforderungen mit bis zu 19 Freunden bestritten werden. Seine eigenen Chancen kann man erhöhen, indem man den Mitspielern Handicaps verpasst. So kann das Spiel zum Beispiel mit einem Tor Vorsprung begonnen werden. Solche Vorteile sind auf der einen Seite natürlich unfair, gibt aber auch ungeübten Spielern eine Möglichkeit gegen erfahrene Gegner zu bestehen. Wer einfach mal deutscher Meister werden will, kann dies im Turnier-Modus tun. Dort können über 50 Meisterschaften und Pokale aus aller Welt einzeln nachgespielt werden.

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Völlig freie Hand
Im Manager-Modus übernimmt man die Führung seines Lieblingsvereins. In den Bereich des Managers fallen unter anderem Transferangelegenheiten, Formationen, Spielerverträge und Personalverbesserung. Zu Beginn wird wieder der Verein des Vertrauens aus den 30 vorhandenen Ligen gewählt. Danach werden die Grundeinstellung wie der Name des Trainers oder die bevorzugte Währung ausgewählt. Nach einem Zeitungsartikel, der eure Verpflichtung verkündet, muss der Sponsorenvertrag abgeschlossen. Vorgegeben sind ein Unterschriftsbonus sowie die Siegprämie pro Spiel. Am Anfang sollte möglichst der langfristig aussichtsreichste, das heißt der Sponsor der die höchste Siegesprämie verspricht, gewählt werden. Ist dies auch erledigt geht es auch gleich los. Ziel im Manager-Modus ist es natürlich, in der 15-jährigen Karriere möglichst viele Erfolge zu feiern. Das Trainerprestige zeigt an, welchen Ruf der Trainer in der Fußballwelt besitzt. Im Trainerbüro gibt es allerhand nützliche Informationen zum Team. Aufstellung, Tabellen, Finanzen, Saisonziele, Statistik und die nächsten Spiele sind dort unter anderem sehr schön dargestellt. Die wahren Trainer werden ihre Spiele natürlich selbst mitspielen, wer sich jedoch ganz auf die Managertätigkeit beschränken will, kann alle Saisonspiele aber auch einfach simulieren lassen. Dies funktioniert realitätsnah, in unserem Test wurden wir in der spanischen BBVA Liga mit dem FC Barcelona Pokalzweiter und Meister mit 13 Punkten Vorsprung vor Atlètico und Real Madrid. Absteiger waren R. C. D. Mallorca, U. D. Almeria ebenso wie das Schlusslicht C. D. Tenerife. Pokalsieger war übrigens Getafe C. F. Wer gute Leistung liefert, gewinnt das Vertrauen des Vorstandes und das ist wichtig wenn man Trainer/Manager bleiben möchte. Wer die geforderten Saisonziele nicht erfüllt, darf schon mal nach einem neuen Verein ausschau halten. Zeitungsartikel und Websitemeldung zeigen besondere Ereignisse an, wie zum Beispiel die Öffnung des Transfermarkts oder den Sieg der Meisterschaft. Wer eine Saison erfolgreich beendet hat, bekommt Angebote von diversen anderer Clubs. Wer möchte wechselt zu einem besseren Verein oder legt nur mal ein Auslandsjahr ein. Natürlich kann man dem Team der Vorsaison auch treu bleiben.

Stell dich der Welt
Das Herzstück eines Fußballspiels ist natürlich der Onlinemodus. Sich mit Freunden und Fremden zu messen und zu gewinnen ist doch immer wieder ein tolles Gefühl. Fifa10 bietet in dieser Hinsicht einen großen Umfang. Vom Mann-gegen-Mann-Ranglistenspiel über 2-gegen-2-Matches bis hin zur 10-gegen-10-Partie ist alles dabei. Seine Gegner kann man einfach per Zufall auswählen lassen oder selbst nach verschiedenen Kriterien wie Spielmodi oder Spielerlevel suchen. Am Ende einer Partie werden eure Leistungen bewertet und Punkte auf euer Konto gutgeschrieben beziehungsweise abgezogen. Je mehr Punkte der Spieler sammelt, desto höher wird sein Spielerlevel. Abgesehen von gelegentlichen Slowdowns läuft der Onlinemodus recht flüssig.

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Das Gameplay unterscheidet sich nicht vom Offlinepart. Dies stellt genauso Vor- wie Nachteil dar. Denn Online fallen die Schwächen im Gameplay stärker auf als in den Singleplayermodi. So sind Flankentore wahre Glückstreffer. Nur sehr selten findet der Ball nach einer Hereingabe den Weg ins Tor. Aber auch die teilweise überirdisch guten Torhüterleistungen fallen negativ auf. So liefern manche Zweitligakeeper genauso großartige Leistungen ab wie Nationaltorhüter. Jedoch haben selbst die besten Keeper keine Chance gegen die Geheimwaffe aller Stürmer – den Lupfer. Irrsinnig oft treffen die hohen Bälle ins Ziel. Dazu müssen sie weder perfekt getimt, noch besonders gut getroffen werden. Neben den Hebern gibt es zudem nicht sehr viele weitere Torvariationen. Häufig sehen Torschüsse exakt gleich aus. Leider sind die Torhüterparaden da keinen Deut besser. Diese sind ebenfalls sehr Variationsarm. Strafraumszenen allgemein sehen stark geskriptet aus. Dazu zählen auch Torraumläufe oder Steilpässe in den freien Raum, welche viel zu leicht gelingen. Jedoch macht das schnelle und flüssige Spiel einfach Spaß. Durch die 360° Bewegungsfreiheit wird das Spiel flotter und attraktiver. Zudem ist es lustig nach einem Torerfolg gebührend auf seine eigene Art zu feiern.

Mitten im Hexenkessel
Die Präsentation von Fifa10 ist super. Besonders in der Tele-Kameraperspektive ist der Unterschied zu einer Fernsehübertragung nicht mehr allzu groß. Eine realisitsche Stadionatmosphäre sorgt für das Gänsehautfeeling. Von den Schiedsrichtern getroffene Entscheidungen, sind fast immer nachvollziehbar. Die Spieler kommen ihren realen Vorbildern sehr nahe, wenn auch bei einigen noch Nachholbedarf besteht. Dafür sehen in Bewegung alle gleich gut aus. Sauer aufstoßen wird einem nur das hässliche 2D-Publikum und die sich ständig wiederholenden Kommentatoren. Laute Fangesänge und Durchsagen runden das Gesamtpaket ab. Der Sound ist aber nicht nur im laufenden Spiel gut. Im Hauptmenü wird man mit Liedern verschiedenster Genres bedient. Der Soundtrack bietet mit knapp 40 Titeln von Künstlern aus aller Welt auch genug Abwechslung. Neben den größtenteils unbekannten Künstlern finden sich aber auch bekannte im Musikbusiness wie Wyclef Jean. Deutschland wird von Auletta mit ihrem Song „Meine Stadt“ aus dem Album „Pöbelei & Poesie“ vertreten. Die Liste der Lizenzen ist wie gewohnt lang. Mit 30 Ligen aus 23 Ländern sowie über 40 Nationalteams bietet Fifa10 einen gigantischen Umfang. Somit bietet das Spiel eine große Langzeitmotivation sowohl Online als auch Offline.

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Der Schritt zurück zum arcadelastigen Gameplay wird sicherlich nicht jedem gefallen, fest steht jedoch, das EA mit Fifa10 wieder ein solides Fußballspiel am Start hat. Kleinere Schnitzer im Gameplay, werden durch die 1A-Präsentation und den gewaltigen Umfang wieder wettgemacht.

Gutes

+ Überragende Präsentation
+ flottes & flüssiges Gameplay
+ gewaltiger Umfang
+ Langzeitmotivation gewährleistet

Schlechtes

- stark geskriptete Torschüsse & Keeperparaden
- Flanken werden zur Glückssache
- Lupfer und Strafraumläufe gelingen zu oft
- langweilige und unsinnige Kommentatorensprüche

9.0 Must Have

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