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FIFA 18 im Test – Ein großer Schritt in die falsche Richtung?

Artikel von | 10.10.2017 um 15:29 Uhr

Jedes Jahr zur gleichen Zeit gibt, es die gleichen Verdächtigen, die mit einem neuen Ableger wieder einmal ihre Fans zur Kasse bitten. Seien es die Shooter wie Battlefield oder Star Wars, die Rennspiele wie Need for Speed oder eben die unzähligen Sport-Simulationen wie FIFA, NBA und co. Zufällig sind alle oben genannten von Electronic Arts und mit FIFA 18 haben wir uns die diesjährige Fußball-Simulation angeschaut und verraten euch, ob und wie viel sich diesmal getan hat.

Alex Hunter Returns

Eine der größten Neuerungen im vergangenen Ableger war der Story Modus mit dem Stürmer Alex Hunter. Jedoch endete vorerst seine Geschichte mit der ersten Saison, an die wir jetzt nahtlos anknüpfen. Direkt der Beginn weiß schon zu überzeugen. So befinden wir uns mit Alex in Rio de Janeiro und haben gerade den verdienten Urlaub mit unserem Kumpel Danny Williams hinter uns. Deshalb nutzen wir die Chance und begeben uns auf einen Platz um mal etwas Straßen-Fußball zu erleben. In bester FIFA Street Manier, gibt es eine kleine 3 vs. 3 Schlacht gegen einheimische Kinder und wir können etwas herum tricksen und Spaß haben. Zu viele Erwartungen sollte man hier aber nicht haben, so ist es letztlich nur ein ganz normales Match, nur eben mit 6 Spielern, einem kleineren Feld und Toren – unterhaltsam ist es trotzdem und weckt die Lust auf ein mögliches neues FIFA Street.

Wieder zurück in England starten wir die Vorbereitung mit unserem Premier League Verein, den wir vorher ausgesucht haben, bzw. aus den Fortschritten von FIFA 17 übernommen haben. Mit einem neuen Skill-Punkte System, gibt es auch noch viel Potential bei Hunter und auch optisch kann man nun Frisur, Tattoos, Schuhe und andere Dinge anpassen. Bei einer Tour in die USA haben wir sogar die Chance gegen Real Madrid und Cristiano Ronaldo zu spielen. Da Alex Hunter bei uns richtig überzeugt hat und Tore am Fließband geschossen hat, werden nun auch andere Vereine auf uns aufmerksam, darunter eben jenes Real Madrid. Hier mal eine kleine Spoiler-Warnung: Der Wechsel scheitert jedoch in letzter Sekunde und da auch unser aktueller Verein unseren Wechselwunsch wahrgenommen hat, müssen wir mit den Konsequenzen leben. Nicht nur die Startaufstellung können wir vergessen, auch die Fans sind sauer auf uns. Letztlich bietet sich ein anderer Verein an und die Karriere ist fürs erste gerettet.

FIFA 18 Review Test

Das Ganze ist auch super inszeniert und lässt einen kurz mal die harte Welt eine Fußball-Profis erleben, bei dem eine falsche Aktion das ganze Leben beeinflussen kann. Jedoch ist das ein guter Punkt um direkt zu den negativen Aspekten zu kommen. Denn der Spieler selbst kann nicht so viel beeinflussen. Zwar haben wir hier und da mal die Wahl zwischen einigen Optionen und auch die Leistung auf dem Feld ist entscheidend, aber der Weg selbst ist natürlich vorgegeben. Wären wir beispielsweise Fan einen Premier League Klubs und wollen auch weiter bei diesem bleiben, so könnten wir gegen den möglichen Wechsel zu Real Madrid nichts unternehmen und würden den Klub ohnehin verlassen. Hinzu kommt dann auch noch der spätere eher wenig spannende Alltag. Denn wenn man nicht gerade motiviert ist, dann interessiert einen der neue Klub eher weniger und trotzdem absolviert man dann Spiel, nach Training, nach Spiel und nach Training. Da war bei uns die Motivation doch eher schnell weg, auch wenn es viele nette Momente außerhalb der Spiele gab. Später kam jedoch noch die Option dazu, zu einem von drei Top-Clubs zu wechseln: FC Bayern, Atlético Madrid oder Paris. Hinzu kommt später auch noch, dass man sich dann für einen Stürmer-Partner entscheiden kann, was durchaus für mehr Dynamik auf und neben den Platz sorgt. Allgemein sind die Auftritte von Stars super, jedoch sind einige Synchronsprecher-Leistungen extrem emotionslos oder man spricht auf zwei Sprachen miteinander, was total dumm wirkt. Nach der Saison endet dann auch wieder die Geschichte von Alex Hunter, zumindest fürs erste.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass man in vielerlei Hinsicht sinnvolle Verbesserungen vorgenommen hat. Das Skill-System ist nett und lässt den Spieler seinen Hunter anpassen, auch optisch kann man nun was ändern. Das Drama in der Geschichte wurde nochmal erhöht und es geschehen viele Dinge, die man so nicht unbedingt erwartet. Dabei kann man zwar einige Entscheidungen treffen, andere sind jedoch vorbestimmt und alles andere als vorteilhaft für uns. Die vielen Star-Auftritte von Ronaldo, Thomas Müller oder Thierry Henry sind super, aber die Umsetzung teils fragwürdig – wobei jetzt zumindest (fast) alles auch auf Deutsch hörbar ist.

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Schöner Treffer oder doch Eigentor?

Wer nicht jedes Jahr unzählige Stunden in die Fußball-Simulation von Electronic Arts steckt, der sieht und spürt auf den ersten Blick wohl keine großen Unterschiede. Die etwas erfahrenen merken jedoch sofort, dass etwas nicht wirklich stimmt. So ist das Tempo deutlich langsamer geworden und auch die Bewegungen der Spieler sind anders, sei es offensiv oder defensiv. Allem voran hat man bei Ballbesitz nun mehr Optionen. Sei es beim Bewegen, Dribbling, Passen oder Schießen – es fühlt sich insgesamt einfach viel freier an und richtig genutzt, ist man hier übermächtig. Gleichzeitig ist es natürlich nur logisch, dass eben die Defensive im direkten Vergleich dann nur verlieren kann. Ob man jetzt abwartet und den Gegner etwas locken möchte oder direkt pressen will, beides kann teilweise extrem einfach von der Offensive ausgehebelt werden. Es wurde deutlich schwieriger und jeder kleine Fehler rächt sich sofort.
Und genau hier ist wohl schon das größte Problem beim Gameplay von FIFA 18 für uns. Es wirkt einfach nicht ausbalanciert und es ist klar, dass das hier dann einfach weniger Spaß macht. Vor allem zu Beginn gab es noch Probleme beim Torwart Verhalten, der zu viele Bälle rein gelassen hat, was nun, durch ein Update, zumindest etwas besser wurde. Neu ist auch der Anstoß. Gemäß den neuen Regeln kann man den Ball in der Situation nun auch nach hinten spielen, was direkt auch in die Fußball Simulation übernommen wurde. Auch die Elfmeter wurden angepasst und nochmal deutlich einfacher. Jetzt reicht das drücken in eine Richtung, angezeigt durch einen Pfeil, und dem anpassen der Stärke.

Durch das verbesserte Dribbling kann man nun auch in engeren Räumen mehr Kontrolle haben und somit Pässe und Tricks gezielter durchführen. Dafür sind Grätschen jetzt extrem schwer geworden und Faire Zweikämpfe wurden entschärft. Hinzu kommen noch fragwürdige Schiedsrichter Entscheidungen, die nicht nur Fouls, sondern auch Eckstöße/den Abstoß beeinflussen. So sind harte Zweikämpfe gerne einmal kein Foul und Pressschläge führen eher zu Abstößen – beides war in FIFA 17 noch anders. Hinzu kommen dann noch die Taktiken, die ebenfalls viel zerstören.
Wenn in der Bundesliga jemand gegen Bayern spielt, dann stellen sich etwa 14 von 18 Teams hinten rein und wollen mit Kontern gewinnen, was nicht immer schön, aber teils notwendig ist. Im Vergleich dazu, spielen bei FIFA 18 dann etwa 17 von 18 Teams einfach mit Abwehrriegel und kontern, was das ganze Spiel zerstört. Um eine Chance zu haben, ist man dazu gezwungen die gleiche Taktik zu fahren. Wenn das dann beide machen ist das einfach nur ne Abwehrschlacht und super dumm, weil einfach 9 von 11 Spieler im eigenen Strafraum stehen. Natürlich erhöht dies dann die Chancen der Verteidiger, aber das ist nicht Sinn der Sache oder macht Spaß. Diese Taktik hat auch bei FIFA 17 so funktioniert und leider kann man dann wiederum als Offensivspieler wenig dagegen tun. Unabhängig davon, gibt es auch noch eine weitere große Änderung. Allem voran gibt es nun Schnell-Wechsel, die besonders praktisch sind. Vor dem Spiel kann man drei dieser Wechsel einstellen und ohne Unterbrechung während einer Partie einen Wechsel durchführen. Alternativ schlägt das Spiel einem einen Wechsel vor, auch wenn diese teils eher merkwürdig sind.

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Ultimate Team

Auch hier ändert sich am Kern relativ wenig. Man versucht immer noch das möglichst beste Team aus zufälligen Sets im Shop zu erhalten. Man startet mit einem Team aus eher schlechten Spielern, sammelt danach Punkte um sich bessere Spieler zu holen, um damit noch mehr Punkte zu bekommen und so weiter und so fort. Dafür gibt es dann verschiedene Modi um dies zu machen.
Da haben wir die ganz normalen Saison-Spiele entweder online oder offline, hier gibt es dann ein Liga System und je nach Leistung entweder mehr oder weniger Belohnungen.
Hinzu kommt noch der Draft-Modus. Hier fangt ihr mit einem alternativen Team an, statt sich von unten hoch zu arbeiten. Dieses wird mit einigen Kriterien zufällig bestimmt und auch das könnt ihr online, aber auch offline spielen.
Dazu gibt es auch noch Squad Building Challenges, bei diesen gibt euch EA bestimmte Aufgaben, die ihr zu erfüllen habt. Erledigt ihr sie alle, bekommt ihr dann Belohnungen.
Zuletzt gibt es noch den FUT Champions Modus. Bei diesem tretet ihr unter der Woche gegen andere Teams online an, um euch dann unter anderem für die Wochenend League zu qualifizieren. Dort kommen dann nur die besseren rein und die Partien werden hitziger. Hier wird dann der beste Spieler unter den besten ausgemacht.

Pro Clubs

Kommen wir nun mal zum Pro Club Modus, der doch recht beliebt ist. Das erste was einem beim Start auffällt ist, dass man seinen vorherigen Spieler nicht übernehmen kann – was ja immerhin seit 4-5 Jahren möglich ist. Mit dem neuen Spieler gibt es auch einen neuen Skill-Baum, gleichzeitig wurde Game Face nun komplett gestrichen. Während man im Vorgänger nur ein paar Fähigkeiten durch Punkte hinzufügen konnte, kann man nun auch nahezu alles nach seinen Bedürfnissen anpassen. Dafür fallen die Rollen wie Torschütze oder Passgeber weg. Eine weitere Besonderheit ist, dass man drei Spielstile erstellen kann. Möchte man also in einem Spiel als ZOM und in einem anderen als ST spielen, so dauert das nach dem ersten einrichten nur noch wenige Sekunden. Das ist eine super Neuerung und gut umgesetzt. Nur kann man später wohl einen fast perfekten Spieler erstellen, da es unzählige Skillpunkte zum Verteilen gibt. Auch die Lobby selbst hat sich geändert. Nun übernimmt der Kapitän alle Standards, kann aber schon vor dem Spiel die Rollen für Elfmeter, Ecken und Freistoß verteilen, auch hier hat EA nach unzähligen Jahren endlich mal mitgedacht. Perfekt ist das natürlich nicht, denn immer wenn jemand das Spiel verlässt, man aus dem Spiel fliegt oder der Gegner dieses verlässt, muss man es erneut einstellen. Dennoch eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Ansonsten ist zusätzlich zur Liga, nun auch das Pokalfenster nahezu die ganze Woche geöffnet, mit einer kurzen täglichen Pause. Neu sind auch die Gesten, wie Tanzen, Aufregen oder Aufmuntern während des Spiels, die jedoch keinerlei Einfluss aufs Spiel nehmen und eher ein Fun-Faktor sind. Ansonsten ist nahezu alles wie gehabt.

FIFA 18 Review Test

Karriere Modus:

Auch für alle virtuellen Manager gibt es etwas Neues in FIFA 18. Besonders bei der Präsentation hat Electronic Arts nämlich einiges an Arbeit reingesteckt. Statt nur die klassischen trockenen Verhandlungen aus den vergangenen Jahren bei Transfers anzubieten, gibt es nun echte Gespräche zwischen den beiden Vertretern des Vereins. Hier wird live über alle Details des Wechsels diskutiert, zumindest kann man es nachlesen, denn eine deutsche Sprachausgabe gibt es nicht. Ist das einem zu nervig, kann man auch einem Mitarbeiter die Verhandlungen mit Rahmenbedingungen delegieren und einfach zustimmen oder eben nicht. Danach folgt auch eine Präsentation des Spielers, was durchaus hübsch und interaktiv ist, statt einfach nur die gleichen Bilder von Fans in den Breaking-News zu haben. Auch Ausstiegsklauseln und Wiederverkaufsrechte gibt es nun, neben anderen Faktoren. Ansonsten übernimmt man eben wie gewohnt die Rolle des Trainers und managed nahezu alles oder startet als Spieler und arbeitet sich dann vor bei seiner Karriere.

Verbesserungen im Detail

Kommen wir zur Präsentation des Spiels. Wie die Überschrift es schon erahnen lässt, gibt es keinen gigantischen Unterschied zum Vorgänger – wer hätte das gedacht? Es sind aber viele Details die verbessert wurden. So sind natürlich die Spielergesichter etwas detaillierter, dass gleiche trifft auch auf die Fans und das ganze Drumherum zu. Auch die allgemeine Optik sieht etwas schärfer aus im Vergleich zum Vorgänger. Besitzer eines 4K Fernsehers können sich außerdem auch noch auf HDR freuen, das nochmal alle Farben etwas kräftiger darstellt. Aber einen riesigen Schritt wird man nicht erkennen, vor allem wenn man sowieso nur ab und an den Rasenballsport auf der Konsole betrieben hat. Wobei vor allem der Karriere Modus durch die kurzen Sequenzen deutlich atmosphärischer wirkt.

Beim Sound sieht es ähnlich aus. Es kamen ein paar neue Gesänge ins Stadion, die Kommentatoren haben ein paar neue Sprüche und es gibt neue Musikstücke. Geblieben ist natürlich die Fehlerquote bei den ersten beiden. Wenn die Fans bei einem 1:0 in der 20. Minute schon „auf Wiedersehen“ rufen, na dann haben sie wohl viel Vertrauen in euer Können. Ähnliches bei den Kommentatoren die gerne mal ein Tor als Eigentor bezeichnen oder eine geblockte Flanke als wunderbar. Aber das kennt und ist man leider auch so schon seit einigen Jahren gewohnt. Neu ist auch das Phänomen, dass die Konsole im Hauptmenü plötzlich laut wird, aber das haben auch andere Spiele schon. Negativ in Erinnerung bleibt auf alle Fälle noch die Sprachausgabe bei The Journey, die entweder emotionslos oder mehrsprachig ist.

FIFA 18 Review Test

FIFA 18 Fazit – Wohin geht die Reise?

Electronic Arts hat bei FIFA 18 an vielen Schrauben gedreht, um viele Elemente frisch und neu zu gestalten. Auffällig ist dies besonders im Gameplay, dass sich doch sehr anders anfühlt. Doch ist dies ein zweischneidiges Schwert, denn während die Offensive hui macht, sagt der Defensivspieler pfui. Im Status Quo macht das Gameplay dann einfach weniger Spaß und fühlt sich nicht wirklich durchdacht an. Ansonsten hat man bei The Journey eine spannende Geschichte weitergeführt, die jedoch einige fragwürdige Entscheidungen mit sich bringt. Deshalb ist da an einigen Stellen die Motivation eher gering, wobei es auch Highlights gibt. Bei allen anderen Modi hat man gezielt Verbesserungen eingeführt, die schon länger gefordert wurden. Bei Optik und Sound hat man hingegen nur Änderungen am Detail vorgenommen und das hohe Niveau des Vorgängers beibehalten. Zuletzt noch einmal die positive Anmerkung, dass nun die 3. Deutsche Liga mit dabei ist, die auch schon länger gefordert wurde.

FIFA 18 Testbericht

FIFA 18

  • Release: 29.09.2017
  • Genre: Fußball, Simulation
  • Entwickler: EA Romania, EA Vancouver
  • Publisher: Electronic Arts

Gutes

+ Präsentation wurde stark überarbeitet durch viele Sequenzen
+ The Journey gibt tolle Einblicke und ist nun eine kleine Weltreise
+ Pro Clubs, Karriere und Gameplay bekamen viele geforderte Verbesserungen

Schlechtes

- Offensive/ Defensive nicht ausgeglichen
- Entscheidungen bei The Journey oft vorgegeben
- Viele kleine Fehler bei Sound, Grafik und im Gameplay

8.4 / 10 Sehr gut

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