FIFA 17 im Test – Wie gut kann ein Story-Modus über Fußball sein?

Getestet von | 17.10.2016 um 20:07 Uhr

Jedes Jahr der gleiche Kampf zwischen den Fußball-Simulationen FIFA von Electronic Arts und Pro Evolution Soccer aus dem Hause Konami. Letzteres hatten wir bereits bei uns im Test und konnten deutliche Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr entdecken. Rein finanziell ist FIFA dennoch bereits der klare Sieger in Bezug auf die ersten Verkaufszahlen. Doch ist FIFA 17 zurecht das erfolgreichere Produkt in diesem Jahr oder gibt es doch mehr als man auf dem ersten Blick sieht? Denn eine neue Engine, ein Story-Modus und viele Änderungen im Spiel sprechen für sich, doch unser Test sagt, ob diese auch zum Guten führen.

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Verfolge Alex Hunter und spüre was es heißt, Fußball-Profi zu sein

So verrückt es auch klingen mag, aber Electronic Arts hat der Fußball-Simulation einen Story-Modus hinzugefügt. Damit ist natürlich nicht der altbekannte Karriere-Modus gemeint, sondern die Karriere des jungen Stürmer Talents Alex Hunter. In The Journey verfolgen wir den Werdegang des Spielers und seine ersten Schritte in die englische Fußball-Liga. Der Einstieg ist gut gelungen. Als Kind sieht man bereits Hunter bei einem Spiel mit seinem Verein, doch nach der regulären Spielzeit kamen die beiden Mannschaften nicht über ein Unentschieden hinaus. Es gibt also Elfmeterschießen, Hunter ist als fünfter und somit als vorerst letzter an der Reihe. Nun wechselt die Kamera, der Zuschauer wird zum Spieler und der Spieler macht hoffentlich das Tor zum Sieg. Ihr könnt also direkt in der Kindheit den Werdegang von Hunter beeinflussen und wechselt dann zur nächsten Station. Ein Vorspielen vor Scouts und gegen andere Talente. Habt ihr das Zeug, euch durchzubeißen, euer Bestes zu geben nur um eine Chance zu erhalten, in der englischen Premier League zu spielen?

Entschieden wird euer Werdegang von einem Spiel 11vs11, gefolgt von ein paar Skill-Spielen, die euer können anhand der Leistung mit einer Note bewerten und einem Abschluss Spiel. Seid ihr gut, stehen euch alle Türen offen, ist dies nicht der Fall, tja, dann gibt es bereits den ersten Bruch in eurer noch so jungen Karriere. Im Falle, dass alles gut gelaufen ist, entscheidet ihr euch für euren Lieblings-Klub in der englischen Liga und unterschreibt einen Vertrag. Besonders spannend ist hierbei, dass alle Trainer der Liga mit ihren Gesichtern dabei sind. Somit liegt die Wahl zwischen dem Jugend fördernden Arsene Wenger bei Arsenal, zum Super-Trainer Pep Guardiola bei Man City, dem etwas speziellen José Mourinho mit Man United oder dem sympathischen deutschen, Jürgen Klopp und seine Reds von Liverpool. Doch seid gewarnt, bringt ihr nicht sofort überragende Leistungen, dann rechnet erst gar nicht mit der Startaufstellung. Und selbst dann ist die Konkurrenz groß und die Leihe zu einem kleineren Klub droht, um Erfahrungen zu sammeln. Dort entscheidet ihr, wohin eure Karriere geht. Seid ihr motiviert genug um auch bei einem unterklassigen Verein eure Leistung zu bringen oder scheitert ihr schon an deren Abwehrreihen und könnt euch die erste Liga abschmieren? Das liegt an Alex, nein, es liegt an euch.

FIFA 17 - Review - Test

Hinzu kommen dann noch einige kurze Zwischensequenzen, Charaktere und Ereignisse die eure Geschichte durchaus emotional werden lassen. Zwischen den Spielen gibt es auch noch Trainings bei denen ihr euch nicht nur verbessern, sondern auch dem Trainer präsentieren könnt. Dies geschieht durch die Skill-Spiele und ist gut umgesetzt. Nach den Spielen in Interviews oder in prägenden Situationen werdet ihr auch nach eurer Meinung gefragt. In klassischer Rollenspiel-Manier habt ihr dabei verschiedene Dialog Optionen. Da gibt es die provokante Antwort, die sorgt allem voran für mehr Follower, lassen aber Mitspieler und Trainer kein gutes Bild von euch sehen. Die ruhige Antwort könnte euren Platz in der Startaufstellung garantieren, aber ist meist dann eher das 0815-Floskel Gerede das viele stört und nicht gerade für Follower sorgt. Die dritte Option ist ein Mix aus beiden und im Zweifel sicherlich stets die richtige Wahl. Doch das gibt uns einen guten Grund, um mit der Kritik anzufangen. Zwar sorgen mehr Follower für erste Sponsoren Verträge und Fans, doch was bringt uns ein arroganter Spieler, wenn er eh nur auf der Bank sitzt? Davon ab, ist der eigene Marktwert natürlich interessant, aber das verdiente Geld bringt herzlich wenig ohne Option dieses auszugeben. Die Wohnung umbauen, Outfits ändern oder sogar ein Auto für den 17-jährigen – Zumindest irgendwas um sein Vermögen anzulegen, sonst bringt das Geld herzlich wenig. Hinzu kommt, es gibt im ersten Versuch der Story eben nur Alex Hunter, keine Alternative und nur die englische Liga. Die deutsche Liga wäre hierzulande, wenig überraschend, sicherlich deutlich interessanter als irgendein reicher Klub von der Insel. Aber man hat auch nicht die komplette Macht bei Entscheidungen. Wenn der Trainer sagt, dass man verliehen wird, kann man zwar zwischen drei Vereinen wählen, aber es gibt keine Option diese abzulehnen. Wiederum ist man im verliehenen Verein erfolgreich und will wegen der schlechten Historie lieber bei diesem Verein bleiben, gerade weil man mit diesem aufsteigen könnte, muss man bei guter Leistung auch wieder zum alten Verein. Alles in allem ist The Journey überraschend gut umgesetzt. Die Atmosphäre, hier und da mal reale Spieler und coole Momente geben einen Eindruck hinter die Fußball Kulissen. Für den ersten Versuch sicherlich ein Erfolg und dies kann in den nächsten Jahren nur besser werden.

Jedoch muss man deutlich auch noch einmal erwähnen, dass viele Aspekte eben Schwächen haben. Schaut man mal auf NBA 2K dann fällt einem sofort auf, dass in Bezug auf die Zwischensequenzen und den Elementen außerhalb des Platzes noch viel Platz nach oben ist. Denn die Stars haben nur kurze Auftritte oder lassen mal 1-2 Sprüche wie “Auf ein gutes Spiel, viel Glück” ab. Auch die Trainer selbst bleiben hier blass. Zu sehen sind sie zwar immer wieder, doch eine richtige Interaktion besteht nur zum Co-Trainer, der scheinbar alles im Verein leitet. Wiederum fehlen dann auch noch bestimmte Szenen wie das Aufwärmen, das einstimmen der Mannschaftskollegen untereinander und gegen die Gegner oder Preise wie Spieler der Woche/des Monats – was es auch beim Basketballspiel gibt. Doch der wohl größte Kritikpunkt ist die Länge von The Journey in FIFA 17. Lediglich eine Saison kann man Alex Hunter bei seinen ersten Schritten in der Premier League verfolgen, danach ist schluss. Man könnte hier zumindest den Spieler im Karriere Modus weiter betreuen. Möglich ist natürlich, dass man seine Karriere in FIFA 18 weiterführen kann, dennoch ist eine Saison in diesem Jahr leider zu wenig, da gerade dann die Champions League als Belohnung für die eigene Leistung kommen würde. Somit bleibt zwar ein insgesamt positiver Eindruck von The Journey, doch es gibt noch viel Potenzial für die kommenden Jahre.

FIFA 17 - Review - Test

Gutes

+ Der Story Modus ist super umgesetzt und bringt Stimmung
+ Spiel fühlt sich freier und flüssiger an
+ Grafisch und Optisch ein Schritt nach vorne

Schlechtes

- Gleichzeitig gibt es hier und da noch kleinere Fehler
- Story Modus nicht mit Deutschen Vereinen und wenig Optionen

8.7 Sehr gut

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