FIFA 12 – Review

Getestet von | 25.10.2011 um 00:00 Uhr

Es ist Zeit für die zweite Halbzeit. Nach einer soliden aber nicht bis zum letzten Ende überzeugenden Leistung von Pro Evolution Soccer 2012 richtet sich unser Augenmerk nun auf den schärfsten Konkurrenten aus dem Stall von EA Sports. FIFA 12 wirft erfahrungsgemäß jede Menge Lizenzen, einen dicken Sack voll Spielmodi und atmosphärische Tiefe in die Waagschale. Im letzten Jahr waren die beiden Kontrahenten nach dem Schlusspfiff fast gleichauf. Wir versuchen, euch die Wahl zur ultimativen Fussball-Simulation dieses Jahr ein wenig einfacher zu machen. Ob uns das gelingt, hängt letztendlich von der Qualität der Spiele ab. Wenn ihr wissen wollt, welches Game wir für die Saison 2011/2012 empfehlen, lest ihr einfach noch etwas weiter.

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Fussball XXL

Es stellt sich für den ambitionieren FIFA-Fan jedes Jahr die gleiche Frage: Lohnt sich das Upgrade oder sind die Neuheiten dermaßen gering, dass auch die Vorjahresversion weiterhin ihren Zweck erfüllt? Der Umfang von FIFA hat sich in den letzten Jahren immer mehr vergrößert. Und wenn man denkt, mehr gibts doch eigentlich gar nicht, was die Entwickler in eine Sportsimulation packen könnten, überrascht EA Sports seine Fans aufs Neue. Da macht FIFA 12 keine Ausnahme. Die Zeiten, in denen massig neue Spielmodi zugefügt werden konnten sind allerdings vorbei. Hier bietet FIFA 12 weiterhin den Karrieremodus inklusive der Spielmöglichkeit als Spieler, als Trainer oder sogar als Manager. Die Karrieren unterscheiden sich hinsichtlich der Schwerpunkte der Tätigkeit und müssen wohl nicht weiter erläutert werden. Der Be a Pro hat hier seinen Einzug gefunden und ist nicht mehr so aufgeblasen wie in seinen ersten Versuchen bei FIFA. Das ist ein wenig schade, denn so unterscheidet sich dieser Modus kaum noch von den anderen Karrieremodellen. Was PES dieses Jahr ein wenig hinsichtlich der Interviews, Foto-Shoots und anderen Aktivitäten des persönlichen Pros übertrieben hat, hat EA Sports leider etwas stiefmütterlich behandelt. Dafür ist das Ultimate Team inzwischen fester Bestandteil von FIFA geworden. Wer früher gerne PANINI-Bildchen gesammelt und geklebt hat, wird an diesem Modus seine wahre Freude haben. Hier kann der heimische Dorfverein nach Belieben in die Champions League aufsteigen, vorausgesetzt, das nötige Kleingeld ist vorhanden. Das Ersteigern von Spitzenartikeln ist mit jeder Menge Kohle verbunden. Es ist ziemlich mühsam sich die benötigten Coins für einen Michael Ballack im Spiel zu Erlaufen und so ist der Einkauf im PSN ziemlich verlockend. Somit hat sich EA durch Ultimate Team inzwischen eine zusätzliche lukrative Melkkuh geschaffen. Das gleiche gilt für die Live Season. Gegen das gewisse Kleingeld können sich dutzende von europäischen Ligen mit aktuellen Spielergebnissen aus dem Store geladen und nachgespielt werden. Erstmalig ist der EA Sports Football Club im Spiel vorhanden. In diesem Modus spielen wir für unseren persönlichen Lieblingsverein. In täglichen Challenges können Erfahrungspunkte erspielt und der Favorit zumindest in der dortigen Ligatabelle an die Spitze geführt werden. Neben dem üblichen Mehrspielermodi finden die Möglichkeiten in FIFA 12 somit so langsam ihr Ende und EA sports hat wieder einmal bewiesen, dass sie jedes Jahr noch einen drauf legen können; auch wenn die vielfältigen Möglichkeiten inzwischen ganz schön ans Geld gehen.

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Fussball 2.0

Technisch macht FIFA lange nicht so große Schritte nach vorne. So werden jedes Jahr wieder kritische Stimmen über die mangelnde grafische Innovation laut, die die Simulation sich auch dieses Jahr wieder gefallen lassen muss. Die Grafik hat sich gegenüber FIFA 11 zwar verbessert. Der Wow-Effekt bleibt aber leider aus. Allerdings beschleicht uns inzwischen fast der Eindruck, als wenn die Hardware an ihre Grenzen gerät. So sind extrem lange Ladezeiten inzwischen ein Ärgernis, das den Spielfluss ein wenig trübt. Die Spiele selbst laufen aber flüssig. Die Texturen sind noch ein wenig feiner, die Fans sind noch ein wenig lebhafter und die Gesichter der Spieler sind noch ein wenig detailierter. Das ist alles keine Revolution sondern allenfalls eine kleine Evolution. Die Vertonung ist ebenfalls verbessert worden. Hier fällt auf, dass sich die Sprüche der Reporter nicht mehr so stark wiederholen, wie es in den letzten Jahren noch der Fall gewesen ist. Die Fangesänge sind authentisch und situationsbezogen, auch das hat FIFA dem Konkurrenten aus dem Hause Konami dieses Jahr voraus. Der Soundtrack ist klasse und untermalt die ständigen Ladezeiten wenigsten ein wenig unterhaltsam. Wem das noch nicht genügt, der kann sich seine eigene Musik zusammenmischen. Die technischen Kritiken sind auf hohem Niveau. Insgesamt hat sich diese Seite verbessert aber letztendlich kaum erwähnenswert. Ob das mit veralteter Engine, schlechter Programmierung oder doch inzwischen in die Jahre gekommener Hardware zu tun hat, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

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Verlängerung

Keinesfalls marginal sind die Veränderungen an der Steuerung. Das Gegenteil ist der Fall und der Start in die neue Saison ist erstmal mit ein paar gewaschenen Niederlagen eingeleitet worden. Insbesondere die Verteidigung wurde komplett überarbeitet. Hier ist Präzision gefragt. Die Gegner reagieren inzwischen auch intelligenter und machen durch geschickte Ballführung so manches Tackling zunichte. Es ist gar nicht so einfach, am ballführenden Spieler dran zu bleiben. In seinem Windschatten kann dann allerdings gezogen, geschubst und gestichelt werden bis der Schiri dann doch in die Pfeife bläst. EA hat eine neue Physik-Engine integriert und das sieht man. Die kleinen Schubsereien sind deutlich sichtbar und zusammen mit dem richtigen Timing entscheidend für eine gelungene Ballabnahme. Der Schiedsrichter ist auch nicht mehr ganz so straffreudig, wie es letztes Jahr noch der Fall gewesen ist. Insgesamt hält er sich angenehm im Hintergrund, ohne alles durchgehen zu lassen. Nervig ist jedoch weiterhin die fehlende Menschlichkeit der Linienrichter oder liebevoll Schiedsrichterassis genannt. Hier ist jede Abseitsentscheidung per Laser ausgemessen und wird dementsprechend in der Wiederholung dokumentiert. Ein wenig mehr Menschlichkeit wäre realistischer. Das Dribbling ist anspruchsvoller geworden und immer noch sehr trainingsintensiv. Allerdings haben wir das Gefühl, dass FIFA dem Spieler ein wenig mehr Zeit für gekonnte Ballführung lässt. So wirken die Spiele nicht mehr so hektisch und der Spieler hat mehr Ruhe für taktische Entscheidungen. Das Stellungsspiel der Teams ist realistischer und KI-Fehler sind sehr selten. Das Flügelspiel sollte genutzt werden, denn die gegnerische Abwehr macht ein Durchkommenen in der Mitte fast unmöglich, zumindest aber ziemlich anstrengend. FIFA 12 ist inzwischen bei weitem kein Arcade-Kick mehr. Wer diese Simulation sicher beherrschen will, muss viel Zeit ins Training investieren oder den Schwierigkeitsgrad runterschrauben.

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Golden Goal

FIFA 12 ist die beste Fussballsimulation, die es bis heute auf die Playstation 3 gebracht hat. Noch nie war ein Produkt aus dem Hause EA Sports so frei von Fehlern. Dazu kommen eine Fülle von Spielmodi und eine geniale Atmosphäre. Einzig und allein der Schwierigkeitsgrad und die anfänglichen Frustmomente mit der Steuerung trüben das Wässerchen ein wenig. Vor dem Hintergrund dieses ansonsten makellosen Spielerlebnisses wirken diese Punkte aber verschwindend gering. So bleibt uns nichts anderes übrig, als allen Fussballfans dieses Jahr ganz eindeutig und ohne schlechtes Gewissen FIFA 12 ans Herz zu legen. Die Punktejagd kann beginnen.

Gutes

Gigantischer Umfang
Geniale Atmosphäre
Toller Sound

Schlechtes

Sehr lernintensiv
Lange Ladezeiten

9.0 Must Have

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