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FIFA 11 – Review

Artikel von | 13.10.2010 um 00:00 Uhr

Wenn die goldenen Blätter von den Bäumen wehen, wird auch bald ein neues FIFA in den Ladenregalen stehen. So ähnlich könnte eine Bauernregel für´s 21. Jahrhundert lauten. Die neueste Auskopplung der Fussballsimulation ist bei uns eingetroffen und hat sich unserem Test unterzogen. Damit FIFA 11 die Vorjahreswertung toppen kann, darf es sich diesmal keinen Fehler leisten. Der Online-Pass sorgt nämlich auch hier für Abzocke am Spieler und wird von PS3inside solange geteert und gefedert, bis er hoffentlich irgendwann wieder von der Bildfläche verschwindet. Alles was es sonst noch zu FIFA 11 zu wissen gibt, lest ihr in dieser Review.

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We are 11

Jedes Jahr wird den Entwicklern von EA Sports mangelndes Innovationsbewusstsein vorgeworfen. Ob sich das Update der Vorjahresversion lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir geben euch zuerst mal einen Überblick über die wirklichen Neuerungen. Das Menü ist an FIFA Fussball Weltmeisterschaft 2010 angelehnt. Im Webseiten-Stil stellen sich Tabelle, Torschützen-Liste und die Nachrichten rund um das Leder dar. Alles sehr übersichtlich und strukturiert. Lange bemängelt wurde, dass der Torwart nicht spielbar war. Dazu kamen in den letzten Jahren noch leichte bis mittelschwere Balancing-Probleme des letzten Mannes. Die sind jetzt vorbei. Bei FIFA 11 kann der Spieler nun selbst die Handschuhe anziehen und den Kasten sauber halten. Im Karrieremodus kann sich jeder vom Fliegenfischer bis zum Weltklasse-Keeper hocharbeiten. Zusammen können jetzt komplette Matches mit elf gegen elf ausgetragen werden. Das Geruppe um die beliebteste Position ist hiermit eröffnet. Zusätzlich wurden die persönlichen Eigenschaften der Spieler mehr mit einbezogen. Das bringt wesentlich mehr Dynamik ins Spiel und macht das Geschehen auf dem Platz realistischer denn je. Während die Stürmer sich durch Drippling und Durchsetzungsvermögen anhand ihrer Spielstärke unterscheiden, sorgen die Abwehrspieler mit durchdachtem Stellungsspiel dafür, dass kein Pass eines mittelmäßigen Mittelfeldspielers ankommt. Daneben sind die Zweikämpfe deutlich individueller und um einiges schöner geworden. Da werden die Arme ausgebreitet, um den Ball abzuschirmen, dem Gegner der Po entgegen gedrückt und die Stürmer fallen durch noch mehr Zaubereinlagen auf. Große Aufmerksamkeit haben die Entwickler dem Passsystem geschenkt. Das wurde dahingehend überarbeitet, dass die Pässe mehr auf die individuellen Fähigkeiten der Spieler abgestimmt sind. Vorbei sind die Zeiten, in denen stumpfes Gehämmere auf die X-Taste immer zum Ziel geführt hat. Hier sollte wirklich überlegt werden, wer gerade den Ball hat. Fehlpässe sind in den ersten Spielen vorprogrammiert. Erschwerend kommt noch dazu, dass die KI sich sehr viel Mühe gibt, die Passwege zuzustellen. Die ersten Runden FIFA 11 waren dementsprechend durch viel Schweiß und Frust gekennzeichnet. Nach vielen Lehrstunden ist das System aber verinnerlicht und für gut befunden. Anfangs kann das neue Passing wirklich nerven. Aber so war das bei FIFA ja schon immer: Übung macht den Meister. Die vielen technischen Verbesserungen machen FIFA 11 zum realistischstem Fussballerlebnis aller Zeiten. Das kann auch kein PES-Fan abstreiten. Um die technischen Neuerungen sinnvoll umzusetzen, musste EA Sports ein wenig an der Temposchraube drehen. So ist das Gameplay ein wenig langsamer geworden. Das war letztes Jahr vor dem Hintergrund der 360 Grad-Steuerung schon sinnvoll und ist jetzt bei all den spielerischen Neuerungen noch mehr angebracht. Bei all den taktischen Überlegungen, die jetzt auch während des Spiels anzustrengen sind, wäre sauberer Fussball bei höherem Spieltempo kaum erreichbar.

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Goalie

Die Steuerung des Keepers ist aufgrund der Ansicht etwas gewöhnungsbedürftig. Der Spieler schaut von hinter dem Tor aus leicht erhöht auf den Mann mit der Nummer 1. Dadurch hat man zwar den benötigten Überblick über das ganze Geschehen, die Steuerung des Torwarts wirkt dadurch aber etwas grob. Zumindest in den ersten Minuten ist doch ein erheblicher Unterschied zur pikfeinen 360 Grad Steuerung der Feldspieler zu erkennen. Je nach persönlicher Fertigkeit helfen Tempo- und Richtungsanzeige beim richtigen Aufstellen des Torhüters. Kommt der Gegner dann in bedrohliche Nähe, kann mit dem rechten Analogstick zur richtigen Zeit der perfekte Hechtsprung ausgeführt werden. Anfangs irrt der Torwart-Neuling noch etwas unbeholfen über die Torlinie. Allerdings gewöhnt man sich recht schnell an das etwas andere Handling des Keepers. Wenn man es dann will. Je nach Schwierigkeitsgrad legt es die KI von gelegentlich bis jede Minute darauf an, den Spieler mit Bällen zu befeuern. Auf dem Anfänger-Schwierigkeitsgrad gab es die eine oder andere Partie, wo nicht ein Schuss auf das eigene Tor gekommen ist. Und dann können selbst vier Minuten pro Halbzeit wie eine Ewigkeit wirken. Das Balancing scheint noch nicht ganz ausgereift. Dafür, dass es der erste Versuch von EA Sports ist, sich auch dem letzten Mann zu widmen, kann man diesen aber mit einem „ausbaufähig“ bewerten. Nicht weiter ausgebaut werden müssen die Online-Möglichkeiten von FIFA 11. Hier stellt sich die Simulation aus dem Hause Electronic Arts gewohnt gut auf. Wenn nicht dieser lästige Online-Pass jedem Zweitbesitzer die Hälfte des Spielumfangs rauben würde, es sei denn, er ist bereit, extra zu zahlen.

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Innen hui, Aussen Pfui?

Vor nicht einmal einem halben Jahr hat FIFA Fußball Weltmeisterschaft 2010 uns mit WM-Feeling und Hoffnung auf ein neues Sommermärchen erfreut. Die Euphorie scheint allerdings wieder verflogen. So bleibt uns der Anblick auf feiernde Fans in landestypischen Kluften leider verwehrt und eine stumpfe Masse hat auf den Rängen wieder Platz genommen. Das drückt die Atmosphäre ein wenig in den Keller. Ebenfalls ist an den Konterfeis der Spieler keine Verbesserung gegenüber der Vorjahresversion zu erkennen. Manche Profispieler sehen bei FIFA 11 zum Weglaufen aus. Außerdem hat EA Sports erheblich bei den Sofort-Wiederholungen eingespart. Die sind extrem selten auf dem Monitor zu sehen und so manchem Tor des Monats bleibt eine Wiederholung verwehrt. Bei Auswechslungen sind gelegentlich grobe Grafik-Schnitzer zu erkennen und die Simulation der einzelnen Wochentage in der Karriere dauert viel zu lange. Trotz des ersten Patches der gleich zum Release erhältlich war, ist diese Veränderung nicht positiv zu bewerten und ernüchtert den Eindruck des ansonsten grandiosen Gameplays. Die Kommentatoren wurden ausgetauscht. Jetzt sitzen Manni Breuckmann und Frank Buschmann in der Pressekabine und sorgen zumindest dort für Abwechslung. Zumindest in den ersten Stunden. Denn so häufig wie unser Pro in den ersten zwanzig Spielen „vehement in den Zweibkampf“ geht, hat Uwe Seeler den Satz in seiner zwanzigjährigen Karriere bestimmt nicht gehört. Das gewohnt dicke Lizenzpaket entschädigt aber wieder für den einen oder anderen Mangel. Ebenfalls passt der Soundtrack zum Spiel. Da hat EA Sports sich aber auch noch nie lumpen lassen.

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Relegation

FIFA 11 kann spielerisch überzeugen. Das Passsystem nimmt das letzte Bisschen Arcade-Gameplay aus der Simulation und macht den Kick ultrarealistisch. Bei so viel Liebe zum spielerischen Detail hat EA Sports aber hinsichtlich der technischen Umsetzung geschlampt. Die Stadionatmosphäre hat einen Rückschritt gemacht und die Grafik insgesamt sieht auch nicht besser aus als beim Vorgänger. Diese Mängel lassen aber nicht darüber hinweg täuschen, dass FIFA 11 spielerisch einen großen Schritt nach vorn gemacht hat. Auch wenn die Veränderungen gegenüber FIFA 10 auf den ersten Blick nur gering ausgefallen scheinen, so steckt viel Liebe im Detail. Realismus-Fetischisten ohne Hang zum Arcade-Kick sei FIFA 11 also dringend ans Herz gelegt. Aufgrund der technischen Mängel und des Online-Passes kann die Fussballsimulation ihre Vorjahreswertung aber nicht erreichen. Wie sich FIFA 11 im direkten Vergleich zu PES 2011 schlägt, erfahrt ihr in nächster Zeit dann in der dazugehörigen Review.

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FIFA 11 Testbericht

FIFA 11

  • Release: 30.09.2010
  • Genre: Sport
  • Entwickler: EA Canada
  • Publisher: Electronic Arts

Gutes

Be a Torwart
Realistischer denn je
Gelungenes Passsystem
Endlich neue Kommentatoren...

Schlechtes

...die auch nur wenig Sprüche drauf haben
Lange Simulationszeiten
Online-Pass
Technisch nicht einwandfrei

8.5 / 10 Sehr gut

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