FEZ für PS3, PS4 und Vita im Test – Plattformer mit Drehwurm?

Getestet von | 05.04.2014 um 14:01 Uhr

Erstmals 2007 angekündigt, hatte FEZ von Indieentwickler Phil Fish und seinem Studio polytron eine langwieriger Entwicklung und erschien erst 2012 zunächst auf der Xbox360, bevor es ein Jahr später auf dem PC ankam. Gefeiert wurde es seit jeher als einer der stärksten Indietitel, der vom Perfektionismus seines Machers geprägt ist. Nun schaffte der Plattformer auch den Sprung auf die drei aktuellen PlayStation-Konsolen. Wie haben uns angesehen, wie gut das gelungen ist.

FEZ Banner Review

Den Dreh raus

“Gomez, komm’ zu mir aufs Dach!” Mit diesem Satz beginnt FEZ, und prompt begebt ihr euch mit dem 2D-Protagonisten auf den Weg nach oben. FEZ wirkt zunächst wie ein klassisches Jump’n’Run, aber es ist wesentlich mehr als das: Zwar kommt es ohne Gegner oder Zeitdruck aus, aber dafür bietet es Folgendes: Eine Verschmelzung von 2D und 3D, eine Vielfalt von Perspektiven sowie viele Geheimnisse in einer offenen Spielwelt.
Gomez lebt in seiner 2D-Welt, doch nachdem diese vom Zerfall bedroht ist und Würfel bzw. deren Scherben auftauchen, entdeckt er, dass noch mehr Perspektiven der Welt da draußen warten. FEZ arbeitet mit genau diesen: Ihr könnt jederzeit die Ansicht drehen und somit euren Blick auf die gesamte Umgebung verändern. Wie ihr jetzt richtig vermutet ist das aber viel mehr als nur ein Anpassen der Kameraeinstellung, denn natürlich müsst ihr ständig die Ansicht verändern, denn nur so gelangt ihr zu euren Zielen. Ganz konkret: In einer Richtung sind zwei Plattformen unüberwindbar weit auseinander, doch sobald ihr die Welt einmal dreht, wandert die eine genau hinter die andere. Da ihr sozusagen immer nur auf eine 2D-Landschaft schaut, könnt ihr dann problemlos auf die andere hoch springen.
Und so wird aus FEZ ein anspruchsvolles Abenteuer, dass viel mehr als normale Jump’n’Run Kost bietet. Vermeintlich noch so kleine Räume halten häufig durch die verschiedenen Perspektiven große Geheimnisse parat. Finden könnt ihr Würfel und Antiwürfel, mit denen ihr nach und nach Tore in der Spielwelt öffnen und weitere Areale freischalten könnt (benötigt wird jeweils eine bestimmte Anzahl an Würfeln), aber auch Artefakte, die ihr anhand von Schatzkarten ausfindig machen könnt. An vielen Stellen müssen die grauen Zellen ganz schön ackern, denn die größte Herausforderung und das zentrale Rätsel in FEZ ist: Wie gelange ich klug von A nach B?

FEZ Review 1

Einfach riesig!

Man mag es kaum glauben: In den ersten Minuten kann FEZ für einen unerfahrenen Spieler wie ein veraltetes Spiel aus der 16bit Ära wirken, doch schnell gibt es die ersten Effektfeuerwerke und spätestens die dargestellten Würfel zeigen, dass wir in der 1080p-Epoche angekommen sind. Technisch hat Polytron eine perfekte Verschmelzung von 2D und 3D, alt und neu bewerkstelligt.
Viel aufregender wird die Spielfahrung dann, wenn FEZ nach und nach seine ganze Größe offenbart: Von linear aneinandergereihten Leveln fehlt hier jede Spur, tatsächlich bietet FEZ eine offene Spielwelt, die zudem noch mit Tageszeiten bestückt wurde! Die einzelnen Areale zeigen dabei einen wunderbaren Abwechslungsreichtum, denn mal befinden wir uns in einem karibisch angehauchten Gebiet mit einer entspannenden Urlaubsstimmung samt der passenden Musikuntermalung, im nächsten Moment werden wir aber in einen finsteren Abschnitt geschickt, in dem schwarze Löcher vom drohenden Weltuntergang zeugen. Über die aufrufbare Karte könnt ihr jederzeit überprüfen, wo ihr gerade seid und ob ihr im aktuellen Gebiet schon alle Würfelscherben und Geheimnisse gesammelt habt (dann ist das Gebiet gold umrandet) – Wenn nicht, heißt es weiter rätseln, und wie gesagt, das ist oft wirklich knifflig. Zudem seht ihr auf der Karte, welche Übergänge zu weiteren Gebieten bestehen und könnt dann den Durchgang suchen. Bis auf gelegentliche Portale, die nur in eine Richtung funktionieren, gibt es übrigens keine Komfort-Funktionen: Klettern, Rätseln und Springen ist erneut angesagt, wenn ihr nochmal in ein tiefer verzweigtes Gebiet zurückkehren wollt.

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PS3, PS4 oder Vita?

FEZ könnt ihr für 9,99€ im PSN erwerben und ihr erhaltet es mit dem Kauf gleich für drei Plattformen, denn es verfügt über die Cross-Buy und Cross-Save Features. Bedeutet: Ihr könnt auf PlayStation 3, PlayStation 4 und Vita spielen. Insgesamt stehen in FEZ vier Speicherslots zur Verfügung, wovon einer der Cross-Save Platz ist, der den Spielstand auf den Geräten synchronisiert. Das funktioniert problemlos und ihr könnt zudem die Spielstände auch jederzeit in andere Slots kopieren, also den Cross-Save-Spielstand beispielsweise in Slot 2 und den Spielstand aus Slot 1 als Cross-Save-Speicherung benutzen.
Zwischen den einzelnen Plattformen zeigen sich nicht allzu große Unterschiede: Die Bedienung ist auf der PS4 durch die Touchpad-Einbindung insgesamt am rundesten, zudem fallen die Ladezeiten kürzer aus. Andersherum: Auf der PS3 und der Vita sind die Ladezeiten zwischen den Übergängen ein klein wenig länger, aber dennoch sehr kurz. Auf der Vita wird zudem wie bei solchen Spielen üblich ein wenig weiter “herausgezoomt”, aber Punkte wie die gröbere Auflösung o.Ä. fallen nicht auf.
Ein kleines Manko auf allen drei Geräten ist die etwas lahme Sprungsteuerung: Während das Laufen und auch der Wechsel der Perspektiven reibungslos und flüssig funktionieren, bleibt es auch nach einiger Spielezeit recht schwer, Abstände einzuschätzen und im richtigen Moment den Sprung auszulösen. Das ist nur in wenigen Momenten störend, aber insgesamt hätte sich das Springen noch besser in den Spielfluss einfügen können.

FEZ Review 3

Ein Must-Have für drei Plattformen

FEZ ist ein durchweg faszinierendes Adventure, das viel zu lange für seinen Weg auf die PlayStation-Konsolen gebraucht hat. Das Spielprinzip mit der gekonnten Verknüpfung von 2D und 3D ist ebenso außergewöhnlich wie die einzigartige Atmosphäre in der riesigen Spielwelt, die vollkommen ohne Feinde und ohne Druck auskommt, aber gerade deshalb so einladend ist und zum Verweilen einlädt. Man staunt, rätselt und probiert, bis man irgendwann den Dreh raus hat und das Level erfolgreich abschließen kann.
Über den Cross-Buy Speicherslot könnt ihr FEZ zudem jederzeit auf PS4, PS3 und Vita weiterspielen und euch mit dem 2D-Männchen Gomez der Welt hingeben, die mal mit Urlaubsstimmung, mal mit drohender Apokalypse lockt. Unser einziger Kritikpunkt am Spiel ist die leicht nervige Sprungsteuerung, denn sie wirkt etwas lahm und es gelingt häufig auch nach einiger Spielzeit nicht, Sprünge richtig abzuschätzen und auszulösen. Doch das ist nur ein kleiner Mangel in einem Spiel, das ansonsten immer und immer wieder für Faszination sorgt. Wir freuen uns mit FEZ erneut, dass Indies Einzug auf der PlayStation erhalten und blicken gespannt auf mehr von der Sorte!

Gutes

+ Faszinierendes Spielprinzip
+ Geniale Verknüpfung von 2D und 3D
+ Herrliche Atmosphäre
+ Eine riesige Spielwelt
+ Anspruchsvoll, aber ohne Druck
+ Cross-Buy und Cross-Save auf PS4, PS3 und Vita

Schlechtes

- Träge Sprungsteuerung

9.3 Must Have

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