Far Cry 5 im Test – Glaubt ihr an Gott?

Getestet von | 02.04.2018 um 16:47 Uhr

Nach einem kurzen Abstecher in die Steinzeit, kehrt Far Cry 5 wieder in die heutige Zeit zurück. Diesmal reisen wir in die Vereinigten Staaten und haben nicht nur einen fanatischen Priester vor uns, sondern auch seine ganze Gemeinschaft. Der Spieler, als der große Messias, soll die Spielwelt retten. Wie gut die gleiche Predigt erneut funktioniert, erfahrt ihr bei unserem Test – Gott, steh uns bei.

Far Cry 5 Review Test

Neu aber doch bekannt

Wir befinden uns in Hope-County im amerikanischen Montana. Dort hat Joseph Seed, der sich selbst als Vater bezeichnet, seinen Glauben mithilfe seiner drei Kinder verbreitet. Doch statt einer friedlichen Gemeinde, wird daraus schnell ein gewalttätiger Kult fanatischer Gläubiger. Um dem entgegenzuwirken, schickt die amerikanische Regierung einen Trupp Polizisten um dem Vater Einhalt zu gebieten. Doch die Festnahme scheitert und ihr befindet euch nun in einem Gebiet voller Feinde, die euch gerne tot sehen würde wegen des Verrats an dem Vater. Aber zu eurem Glück befindet ihr euch in vorerst Freiheit, im Gegensatz zu euren Kollegen, die jeweils von einem „Kind“ des Vaters gefangen genommen wurden. Euer Ziel ist also recht schnell klar. Erst sollt ihr Faith, Jacob und John ausschalten und dabei ihre Gebiete säubern, wie auch eure Freunde retten. Habt ihr das geschafft, dann bleibt nur noch Joseph und wenn ihr ihn habt, dann sollte der Kult niedergeschlagen und ihr ein glückliches Leben vor euch haben. Dabei lebt das Spiel von den typischen Far Cry Elementen, indem es extreme Charaktere beinhaltet und euch zum Nachdenken verführt – oder euch einfach nur verwirrt. Bis hier klingt doch alles recht gut oder? Kommen wir zum ABER und wie ihr seht, es ist ein großes aber.

So geschmeidig wie diese Überleitung auch war, gibt es diese in der Geschichte von Far Cry 5 nicht wirklich. Die Spielwelt ist nämlich in drei Gebiete für die drei Kinder unterteilt. Ihr macht Story-Missionen, Nebenmissionen oder zerstört Eigentum der Sekte, um das Gebiet in typischer Open-World Manier zu befreien. Mit einem Fortschrittsbalken wird alles Geschaffte angezeigt und es gibt drei Dinge die dann bei Meilensteinen passieren. Auf der einen Seite gibt es mehr Gegenmaßnahmen, um euch zu stoppen. Zwar sind stets neue Helikopter die euch verfolgen nervig, aber verständlich, weil ihr ja den Vater stoppen wollt. Das zweite sind neue Waffen die dann käuflich erworben werden können. Und das dritte sind die Sequenzen der Kinder und hier kommen wir wieder zu den Überleitungen.

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Von einem Moment auf den nächsten kommen entweder harte Feinde oder ihr werdet betäubt. Alles führt aber zum gleichen: Ihr werdet, ohne etwas dagegen machen zu können, einfach gefangen. Danach bekommt ihr eine Geschichte aus ihrer Vergangenheit oder dem Vater erzählt und dürft eine kleine Sequenz spielen. Doch im Gegensatz zu jedem anderen Soldaten in dieser Welt, möchten euch die drei nicht töten. Ihr werdet einfach wieder freigelassen und dürft danach weiter fortfahren. Klar, man wollte Faith, Jacob und John dem Spieler bekannt machen, aber das wirkt innerhalb der Welt einfach komplett erzwungen und macht keinen Sinn. Aber es geht noch weiter.

Hinzu kommen unzählige Nebencharaktere die der Spieler bei einer Mission rettet und eine Geschichte haben, die jedoch irgendwo irrelevant ist. Besonders weil man sie so schnell kennenlernt, wie auch wieder vergisst, weil man sie höchstens für 2-3 Missionen kurz sieht. Wenn dann noch einige Missionen keinen Zusammenhang zueinander haben oder der Spieler bei einem Open World Spiel die Missionen nach eigener Vorliebe spielt, dann geht der rote Faden komplett verloren. Sicherlich sollte Gefangenschaft dafür sorgen, aber dadurch, dass sie so Zusammenhangslos rein geworfen wurden, geht eben jener Effekt verloren. So wirkt die Story einfach hingeklatscht mit einigen Ideen, statt wirklich einzigartig und durchdacht. Man merkt einfach, dass Far Cry 5 einfach „nur“ ein weiteres Far Cry ist. Ihr als normaler Niemand ohne Stimme müsst die Welt retten. Es gibt einen verrückten Oberbösewicht und seine Gefolgsleute. Dazu kommen dann die üblichen Drogentrips oder Action-Sequenzen, wie sie jeder auch aus den Vorgängern kennt. Alle die sich ein Abenteuer wie bei Far Cry 3 und 4 gewünscht haben, werden genau das bekommen – Verrückte Momente, Action und teilweise Comedy. Wer etwas wirklich Neues erwartet hat, wird eher Enttäuscht sein.

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Es sind die kleinen Dinge

Jetzt lassen wir aber mal die Kirche im Dorf und kommen zum Gameplay. Bevor wir euch jetzt erzählen wie ein Shooter oder Open-World Titel funktioniert, kommen wir lieber zu Dingen die Far Cry 5 besonders macht. So gibt es neben den üblichen Waffen die ebenso bekannten Zusätze wie eine Granaten oder Molotows. Darüber hinaus aber Minen, Fernzünder, Schaufeln, besondere Munition oder Pillen. Hab ich gerade Schaufel gesagt? Ja habe ich, denn eigentlich können alle Nahkampfwaffen, wie eben jene Schaufel oder Baseballschläger, auch geworfen werden – lautlos und natürlich sehr effektiv. Dazu kommen noch Brand- oder Explosionsmunition für Schusswaffen und Bögen oder Pillen um mehr auszuhalten oder Feinde automatisch zu markieren. Hier gibt das Spiel wirklich einiges her, um möglichst schnell und effektiv Feinde auszuschalten. Hier hilft auch ein besonders ausgeprägtes Fähigkeits-System. Im Verlauf des Spiels könnt ihr eure Punkte dafür verwenden mehr Munition zu tragen, einen Fallschirm zu bekommen oder mehr auszuhalten. Details wie das Aufschieben von Türen oder andere Kleinigkeiten sind hier eine tolle Ergänzung. Ebenso neu in Far Cry 5 sind aber die stetigen Begleiter. Diese rekrutiert oder schaltet ihr im Verlauf des Spiels frei und könnt dann mit bis zu vier Leuten aktiv sein. Manchmal haben sie auch besondere Fähigkeiten abhängig vom Charakter, aber auf alle Fälle sind sie sehr hilfreich um Feinde auszuschalten oder eben euch wiederzubeleben. Im online Koop übernimmt dann euer Freund die Rolle eines KI-Charakters. Wie sich das alles dann spielt?

Far Cry 5 ist im Kern nicht anders als seine Vorgänger. Ihr bewegt euch in der offenen Welt und trefft dort nahezu immer eine gewisse Anzahl feindlich gesinnter Personen. Diese schaltet ihr entweder lautlos oder mit reichlich Lärm aus und geht dann zur nächsten Mission. Es gibt noch besondere Missionen in denen ihr beispielsweise mit einem Auto oder eurem Wingsuit unter Zeitdruck durch Ziele fahren müsst. Das Spiel lebt einfach durch seine Möglichkeiten eure Feinde auszuschalten oder wenn der Spieler sich einfach mal austobt. Besonders im Koop funktioniert das super, wenn beide Spieler etwas rumalbern – auch wenn es ab und an mal zu kleinen Lags kommt. Komisch ist die Entscheidung aber, dass nur der Sitzungsersteller den Fortschritt speichert. Derjenige der beitritt, müsste also bei sich jeglichen Fortschritt wiederholen und somit echt schlecht umgesetzt wurde. Allgemein wirkt der Multiplayer nur schnell rein gequetscht, da er noch andere Limitierungen hat.

So darf sich der Gast auch nicht zu weit vom Geschehen entfernen, da er sonst zum Host teleportiert wird und diese Entfernung ist, gemessen an der Größe der Spielwelt, ziemlich dürftig. Genauso wenig darf der Gast mit NPCs interagieren. Eigentlich trifft die Aussage von oben “euer Freund übernimmt die Rolle eines KI-Charakters” es sehr gut, denn der Gast hat nicht mehr Möglichkeiten als die KI selbst. Das hat man bei zahllosen Spielen schon besser gesehen. Abseits davon ist das Spiel mit einigen Ausnahmen dann eher monoton und ihr seid die ganze Zeit damit beschäftigt, die stets weniger klugen, aber in Massen vorhandenen, Feinde zu erledigen. Dadurch befreit ihr Gebiete, schreitet in der Story voran oder bekommt Credits. Letztere könnt ihr dann in den unzähligen Shops nutzen, um entweder Waffen zu kaufen und diese mit Gadgets wie einem Schalldämpfer auszurüsten, eure Munition aufzufüllen oder Autos, Schiffe und Boote zu kaufen. Das geht natürlich deutlich schneller mit den angebotenen Mikrotransaktionen, aber die sind zum Glück nur optional und machen alles nur etwas schneller und sind keine Pflicht.

Far Cry 5 Review Test

Natürlich ist nicht alles schön im Reich des Vaters. Leben und leben lassen – tja und in Far Cry 5 sieht man sein Leben oft vom Boden aus. Auf der einen Seite liegt es daran, dass der Charakter schon zu Beginn wenig Lebenspunkte hat, das kann aufgebessert werden, aber dennoch stirbt man einfach viel zu schnell und bekommt es oft nicht einmal mit. Das automatische heilen funktioniert nämlich sehr langsam und wird vom Spiel beschränkt. Die KI macht das natürlich besser durch das wiederbeleben, aber stirbt oft genauso schnell. Danach muss erst einmal ein unheimlich langer Ladebildschirm angeschaut werden, den wir viel zu oft gesehen haben. Auch vor Zwischensequenzen oder wenn man an einer Mission vorbei fährt und das Gebiet verlässt, nur weil der Charakter in der Nähe war, sehr merkwürdig das Ganze. Das passiert öfter mal, weil Open World typisch, sind zwischen dem annehmen der Mission und dem Ziel stets hunderte Meter zu überbrücken. Wenn ihr also klug sein wollt und einen Heli nutzt, tja, manchmal lässt das Spiel einfach alle Fahrzeuge verschwinden – klappt also auch nicht. Und wenn ihr in einem Fahrzeug seid, dann könnt ihr als Fahrer wie auch Beifahrer schießen und euch umsehen, aber nur 180° nach links und 180° nach rechts und dann immer hin und her drehen falls sich das Ziel bewegt. Auch die Entscheidung Gegner zu plündern, mit Charakteren zu interagieren und Waffen zu wechseln auf eine Taste zu setzen, naja kann man mal machen, sollte man nur nicht. Hinzu kommen noch unzählige kleine Bugs, die zwischen lustig bis hin zu frustrierend sind – aber diese besitzt jedes Open World Spiel, da ist Far Cry 5 keine Ausnahme.

Komplett neu ist jedoch die Far Cry Arcade. Klingt komisch, ist im Prinzip aber eine coole Sache. Jeder Spieler kann dort in einem Level-Editor mit Spielelementen seinen Spaß haben und seine eigenen Kreationen und Level erschaffen. Diese können dann entweder Solo oder im Koop gespielt werden, beziehungsweise auch im Multiplayer Deathmatch gegen andere. Es besteht also die Chance, dass hier im Verlauf des Spiels richtig tolle Level entstehen und das komplett kostenlos. Jedoch nach so kurzer Zeit gibt es bislang eher eine Mischung aus nett gemacht und Katastrophe. Beispielsweise eine Map die euer Geschick in einem Hindernislauf fordert oder die allseits bekannte Nuketown Map aus Call of Duty sind positive Beispiele. Andererseits hatten wir ein Team Deathmatch Spiel auf einer nahezu leeren Welt, bei der jeder Spieler eine Schrotflinte hatte und innerhalb eines 5 Meter Radius stets gespawnt und von allen anderen abgeschossen wurde. Die Far Cry Arcade ist eine tolle Ergänzung, weil sie auch sehr simpel zu bedienen und ein Level schnell gemacht ist. Gleichzeitig ist die Auswahl an guten Leveln bisher eher beschränkt und braucht sicherlich seine Zeit, um den erhofften Mehrwert für Far Cry 5 zu bieten.

Die Ubisoft-DNA im Jahr 2018

Am Anfang schuf Ubisoft eine Engine und diese war gut. Also wurde sie erneut verwendet und wieder und wieder. Und das zeigt sich auch in Far Cry 5 erneut. Nur diesmal in einer fiktiven Stadt in Montana. Im Gegensatz zum Himalaya oder einem Dschungel, haben wir die klassische Berglandschaft der USA schon öfter erleben können. Gerade im Vergleich zu den Schauplätzen der Vorgänger wird die Welt beim neuen Titel einfach weniger besonders. Natürlich hat das ländliche Gebiet auch etwas für sich und sieht ohne Zweifel sehr hübsch aus. Es läuft auch flüssig und ohne große Probleme und mit HDR strahlt es auf der PlayStation 4 förmlich, manchmal sogar zu sehr. Aber es nicht zwingend etwas Besonderes oder neues – wie so vieles im Spiel. Gerade in der Story gibt es einige überaus hübsche Sequenzen. Aber um wieder den Vergleich zu den Vorgängern zu ziehen. Dann muss man erwähnen das die Welt zwar einige Details mehr hat, aber sie fühlt sich weniger Besonders an. Sei es die Umgebung, die Tierwelt mit den Klassikern wie Bären oder Pumas oder den Charakteren selbst – alles hat man schon des Öfteren in anderen Spielen sehen können.

Super gemacht ist aber die deutsche Synchronisation. Die Lippenbewegungen dazu hat man in anderen Spielen wiederum vor Jahren schon besser gesehen als hier. Hervorzuheben ist auch der Sound und die Musik. Während der Sound gut die Action einfängt und wuchtige Explosionen bringt, sorgt die Musik für eine passende Atmosphäre zum Setting. Ob man sie nun mag oder nicht, so passt die etwas Kirchen-angehauchte Musik super zum Spiel. Beim Umfang werdet ihr etwa 25 Stunden brauchen, nur um die Story zu beenden – dazu kommen dann noch unzählige Nebenmissionen, Sammelkram und nahezu unendliche Möglichkeiten mit der Far Cry Arcade.

Far Cry 5 Review Test

Fazit: Far Cry 5 – Gefangen in sich selbst

Während das siebte Gebot lautet, dass keiner stehlen soll, ist es bei Far Cry 5 irgendwie grenzwertig. Die Story ähnelt der aus Far Cry 3 und 4 nahezu komplett und hat zwar gute Ansätze, aber wie so oft, werden diese dann nicht genutzt. Der Antagonist sowie seine Kinder sind interessant, aber schöpfen ihr Potential nicht aus. Beim Gameplay sind wir wieder bei der Ubisoft-Formel und mischt Elemente aus Wildlands, Watch Dogs oder Assassins Creed mit hinein und hat die Neuerungen in Far Cry 5. Bei der Optik und dem Sound kann der Titel glänzen, die Spielwelt selbst ist dafür im Vergleich aber weniger Einzigartig. Die Far Cry Arcade ist ein gutes Konzept, muss sich aber erst auf lange Sicht beweisen.
Alles in allem war Far Cry eigentlich noch nie die innovativste Serie, was auch sicher keiner erwartet. Aber der Spieler konnte stets eine einzigartige Geschichte und Präsentation mit tollen Charakteren, einer fantastischen Welt und vielen Möglichkeiten erwarten. Personen wie Vaas oder Pagan Ming bleiben einfach in Erinnerung, diese Bindung kommt hier nicht auf. Der Kern bröckelt bei Far Cry 5 etwas und vertraut zu sehr darauf, dass die Fans einfach alles nochmal wollen, statt wirklich etwas Neues zu bieten und wenn die Story nicht greift, kann der Rest auch nichts mehr reißen, leider.
Auf der anderen Seite wird jeder Far Cry Fan genau das bekommen was er möchte und so gesehen hat Ubisoft diese Erwartungen komplett erfüllt und das wird viele sicherlich freuen.

Gutes

+ Viele Möglichkeiten im Gameplay
+ Far Cry Arcade bietet unzählige Möglichkeiten
+ Komplett im Koop spielbar
+ Tolle Optik und stimmige Akustik

Schlechtes

- Story und Charaktere können nicht überzeugen
- Komische Entscheidungen im Gameplay
- Kaum spürbare Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger
- Multiplayer/ Koop nur aufs nötigste reduziert

7.7 Gut

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